Mannheim
Compact Memory

Das Füllhorn · 1835-11-12 · 46 (12.11.1835) · p. Spalte 385-386

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
46 (12.11.1835)
Date
1835-11-12
Page
Spalte 385-386 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4889117-4929677-4929807--231-4889312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ersparte, während dieser Zeit lernte ich ein in je« der Art auSgereichnrteS Mädchen keimen, »ine Engländerin, die mich mit ihrer Hand beglückte. Wir leben sehr glücklich und zufrieden, und erfreuen un-, Gott sei gedankt, seit « Monaten einegesunden hübschen TöchterleinS. Ich bin hier im Besitze einewohlservirten Kleiderladens, und lebe recht glücklich im Kreise meiner Freunde und der Verwandten meiner Frau und im Zirkel vieler angesehenen JSraeliten, denn eS wohnen hier über S000 Israeliten, von denen die meisten religiös leben. ES sind hier 8 Synagogen. Eine große deutsche, die sehr schön ist und einen Thurm mit Uhr hat, dann eine ausgezeichnet schöne und reich auSgeschmückte portugisische und noch eine kleine deutsche Synagoge. Die ISrreliten dahier sind auS verschiedenen Ländern: Amerikaner, Engländer, Holländer, Portugisen und Deutsche. Einem jeden steht eS frei, ob und in welcher Synagoge er sich einschreibea laffeu will. Im Allgemeinen leben hier die JSraeliten ganz frei und uneingeschränkt, gleich allen übrigen Bürgern, und ekommen noch immer viele AuSwandernde von Deutschland und.von unserer Gegend nach Amerika, und unter diesen wurde ich die vorige Woche freudig überrascht von unserm Freunde,Hm. vr. Nordheimer (auS MemmelSdorf) der von Hamburg aus hier glücklich angelangt ist. WaS im Allgemeinen di« Derhälltnisse und Aussichten in Amerika sind, werde ich in dem Brief an meine lieben Brüder mittheilen." In diesem heißt enun also: „Wie meine häuslichen Verhältnisse hier sind und wie ich überhaupt mich hier befinde, werden sie au« dem vorhergehenden Briefe an unsre theure Verwandten ersehen, und ich habe nur noch eine allgemeine Beschreibung über Amerika nachzutragen. ES ist zwar ein wenig schwierig, über diesen Punkt zu schreiben, da schon so viele« darüber geschrieben worden, und in diesem Amerika gelobt und in jenem Werke getadelt ist; ich will daher nur die Wahrheit nach meiner Meinung mittheileu. Wenn ich Amerika t« AllgemidÜM bettachte, so kann ich trotz seiner Mängel dennoch alSWahrheitbehavptrn. daß es viel besser al« Europa ist, denn nicht nur daß gar kein Unterschied in den bürgerlichen Verhältnissen zwischen Juden und Christen statt findet, und ein jeder treiben kann wa« er will, so findet überdieß ein Jeder, der nur ein wenig thätig sein will, sehr leicht Beschäftigung und seine Mühe wird in jedem Fache belohnt. So z. B. sind alle Prvfesflonisteu, die kein in da- Fabrikwesen einschlägige- Handwerk haben, sehr gut daran, und eS kann jeder bei einem guten Leben ein schöne-Geld erübrigen. S» z. B. Schneider, Schuhmacher, Tischler verdienen mit leichter Mühe so fl. wöchentlich, Man kann recht anständig um die Hälfte leben, "und überlegt sonach 40 fl. monatlich. Schneider und Schuhmacher können gar nicht zu viel Herkommen, da mit jedem Tag in der Zeitung solche verlangt werden. Ein Mädchen, da« nähen will, verdirnt die Woche 7 bi« 10 fl. Knaben in irgend einer Profession werden mit Freuden angenommen, und brauchen nicht wie in Deutschland dem Meister zu zahlen, sondern sie bekommen schon im ersten Jahr Kost und Quartier und 100 — 1L0 fl., im s. Jahr und bei verschiedenen Professionen auch Lw — SSO fl. Sie werden daS vielleickfl übertrieben finden, aber e« ist die reinste Wahrheit. Kommt jemand hieher um zu handeln, so ist e« für ihn viel schwieriger, da der Handel ziemlich übersezt ist, und die meisten, die hieher kommen, noch nicht in der englischen Sprache bekannt sind. Hat aber einer etwa« Kenntnisse in der englischen Sprache, und könnte in einen Laden gehen, sokann ek durch Empfehlung leicht in eine Handlung kommen, wo er monatlich nebst Kost und Logi« 70 — 80 fl. bekommtwelche« noch nicht viel ist, da ein guter Buchhalter gewöhnlich ISO fl. monatlich hat. Wenn nun einer sparsam und thätig ist, kann er e« ziemlich weit in diesem Lande bringen. Daßschon mancher in seinen Höhungen getäuscht worden ist, mögen verschiedene Ursachen vorhanden sein; so viel ist aber gewiß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.