Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 42 (13.10.1835)
- Date
- 1835-10-13
- Page
- Spalte 355-356 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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jilgaissen. WaS hat dieses Volk Alles schon betroffen biS auf deute! Welche Erfahrungen, Kittern und freudigen und tröstlichen Inhaltes hat eschon, gemacht! WaS hat eS Alles schon erlebt! welche fürchterliche, wüthende Stürme! welch viele Ströme BluteS sind ihm schon geflossen, geflossen durch fremden Haß, durch fremden und leider! oft auch eigenen Wahn! welches Blut von Märtyrern, und aber auch von Schwärmern, verleitet durch Schwärmer und Betrüger! Ja, wahrlich, man darf kühn sagen, daß jeder Schritt, den diese- Volk, nun zerstreut in allen Enden der Erde, von seinem einstigen Stammsitze auS bis in diese Zerstreuungen, in denen eS nun weilet, that, mit Blutspuren gezeichnet ist. Und dennoch besteht dieses Volk, oder besser, diese zerstreute Heerde, die nur das unsichtbare, geistige Band eines Glaubens noch alS ein Volk stempelt, noch steht es, theilS durch den Geist, größtentheilS durch scheidende und abstoßende Politik getrennt, allein da unter den verschiedenen Völkern deS Erdbodens, und . nur in manchen Ländern, früher durch niedrige Mittel, später durch Mitleid, jezt durch den rechtlichen Sinn mancher Staaten gehoben, und seiner (jezt gewiß) unverdienten Erniedrigung enthoben. — Und doch war eS dieses Volk zu allererst, dem nach der Annahme fast aller Völker, die auf die Urzeit zurückzuschauen vermögen oder eS wollen, dem also die spätere Welt ihre beßten und größten Wahrheiten, die Grunds^ulen ihres jetzigen WohleS und Bestehens zu verdanken hat. Wahrlich man glaubt Alles nur Traum, nur vorüberfliegendes Meteor, wenn man die Geschichte dieses Volkes mit flüchtigem Auge durchstreift. Zuerst, dem mächtigen Strome gleich, der auS kleinen, kaum handbreiten Quell entsprudelt, nur auS einigen Familien, unter eineMsFamilienoberhaupte (Emir) bestehend, wächst dieses Volk bis zu Millionen Seelen an, die ihrem eS willkürlich deSpotisirenden Unterdrücker selbst furcht« bar werden, und endlich entzieht eS sich dem Joche, unter dem eso lange schmachtete, und nun fängt eS an, wichtig zu werden auf alle ZeitH hinaus. Seine eigentliche Geschichte beginnt jeA erst. Denn früher, hingegeben dem Willen und der Willkühr eines fremden Machthabers, hat eS weder Kraft noch Gelegenheit, seinen eigenen Willen zu entwickeln und zu äußern; bisher nur Maschine in fremder Hand, wird es nun selbstständig, thatenkräftig, körper-und geisteSfrei. Zwar möchte dies so ziemlich die Geschichte eines jeden sich frei erhebenden Volkes sein; allein waS daS israelit. Volk denn doch weit auSzeichnet, daS ist nun seine theokratische VerfassungSweis e. Wir wollen da- Wort nicht gerade in dem Sinne genommen wissen, wie man eS bisher zu nehmen gewohnt war, und wogegen in neuester Zeit Gelehrte (unter andern vr. Jost) aufgetreten sind; wir verstehen darunter die Art und Weise der Verfassung, die, wenn sie auch irdisch/ Könige und Machthaber duldet, dennoch nur immer dahöchste Ziel in'S Auge faßt, nämlich der Staat göttlich, d. k im Hinblicke und in besonderer Beziehung auf Gott zu verwalten. Darin kommt keine Staatsverwaltung der alten Völker ihr gleich, selbst nicht daS Ideal der Platonischen Republik. Diese Idee (wenn man eS so nennen will,) durchzieht und durchwebt das ganze Leben des israel. Volke-, sie ist dle große Puls - und Herzader seiner Verfassung und Regierungsweise und jede Abweichung von ihr brachte dem Volke Verderben und Untergang; noch bis in die neueste Zeit seinereligiösen Lebens hinein (denn nur da noch ist die Einheit dieseS'Dolkes zu suchen, hat sich diese Denk-und Handlungsweise gezogen und sie gibt ihm noch immer reges Leben. — Früher in der Nachbarschaft und Umgebung heidnischer Völker mußt dieß dem Volke freilich eine schroffe Abgeschlossenheit geben, mußte nothwendig die Eifersucht und den Haß gegen dasselbe und oft auch bei ihw-sMst-rege machen; und eS ward so) da eS doch immer nur auf kurze Zeit stark, meistenaber allein und separat stehend, ja oft sogar durch die Stämmeabgeschiedenheit in sich kein völlig Ganzes, schwach war,) ange-