Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 42 (13.10.1835)
- Date
- 1835-10-13
- Page
- Spalte 353-354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4889117-4929677-4929799--210-4889295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Doch die Verstockten wird der Herr erkennen!" Und steh' schon bricht des Rächers Zorn heran» Da fallen Tausende, vom Schwere zerstöret. Die reuig nicht zu Gott sich umgekehret. <» Auf'« neue wird die Thora ausgeschrieben. Und eingesezt der Priester heilig Amt; Am Schweren muH der träge Sinn sich üben. Der Muth erstarkt, vom Hinderniß entstammt» Denn vierzig Jahr, unstet umhergetrteben. Ward Israel zu Kampf und Müh' verdammt» Eh' da« verheiß'ne Ziel es sich errungen. Das Land erobert und Len Feind bezwungen. Wiek ist dem edlen Führer nicht bereitet. Selbst zu vollenden, was er kühn begann k Don Nebo's Höhen schweift sein Aug' und weidet Noch einmal sich, so weil e« reichen kann.- An deinen Fluren herrlich ausgebreitet, An deinen Palmen, süßes Kanaan! Und als er selig so sein Glück empfunden, Nahm ihn der Tod. Sein Grab ward nicht gefunden! Blicke auf JSraelS Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. (Beim Beginne des Jahre« 5596 der jüd. Ära.) Dem aufmerksamen Forscher und Freunde der Geschichte, dem eS nicht bloß darum zu thun ist, schulmäßig bloß historische Fakta gleichsam an den Fingern herzählen zu können, der tiefere und ernstere Blicke in daS Getriebe der Welt seit ihrem Bestehen zu werfen vermag, der Göthe'S großes Wort versteht, wenn er wohl auch von der Geschichte sagt:, , ' „So schass' ich am sausenden Webstuhl der Zelt, „Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid;" Dem mit dem Geiste, der in der Geschichte weht, vertrauten Kenner kann eS nicht entgehen, unter dem großen Knäuel und Gewirre der verschiedensten und verschiedenartigsten Völker und Staaten von den Jahren der Urwelt an bis auf heute ein Volk zu gewahren, daS eS verdient, seine Aufmerksamkeit mehr, ales gewöhnlich geschieht, in Anspruch zu nehmen. Wir meinen da- Volk der JSraeliten *) Wenn freilich die Geschichte nur daS ist, was z. B. dem Anatomen damenschliche Herz, brr an ihm, alS ei- , nem leblosen Theile, höchstennur die einst schlagenden und Leben spendenden Blutadern aufsucht und ihre Verzweigungen verfolgt, wer auf dem weiten Gebiete der Erde, und überall wo Menschen wohnten, nur die rauchenden, blutdampfenden Schlachtfelder aufsucht und sie als Haltpunkte und Meilenzeiger bei seinen Strerfzügen durch da- Geschichtsgebiet betrachtet, der würde freilich auch dageringste Derweilen in der Geschichte deisraelischen Volkekaum belohnt finden. Wer aber ernstem Sinne-, tieferen Blicke- und mit rechtem Geiste Geschichte studirt, wer mit erschlossenem Auge auch die scheinbar kleinen Getriebe der Weltenuhr wahrzunehmen vermag, die auch in die mächtig großen Räder eingreifen und deren Gang befördern und regeln, dem nicht-klein dünkt, was zu großen Planen und Zwecken führt, und dem ein Körnchen auSgestreueter Wahrheit mehr gilt, alS viele glücklich vollführte Thaten der Gewalt und der Lüge, der wird gewiß mit besonderer Aufmerksamkeit bei der Geschichte deiSrael. Volkeverweilen. Denn er findet hier in einem kleinen Rahmen ein große- Gemälde. Mir sei eS gestattet, mich bei dem Beginne eineneuen Jahrein diese- Volke- Aera ein wenig länger aufzuhalten; ich thue eS mit einem von Wohlgefallen und schmerzvollen Kummer gemischten Gefühle. — Sechtausend Jahre find efast, seitdem nach der fast allgemein angenommenen Zeitrechnung die Welt, die wir bewohnen und kennen, erschaffen wurde, und von diesen 6000 Jahren zählt diese- Volk schon fast 4000 Jahre sich und seiner Entstehung durch Abraham zu. Eine unübersehbare Reihe von Jahren — und Er- *) So nur ist der lezt paffende Name für dieses Volk. Denn nach seiner Zerstreuung und schon kurz vor derselben galt der allgemeine Name Israeliten. Ohnehia geziemt sich nur dieser in Betracht seiner Religion. da, wie die heilige Schrift sagt, der Manie Gotte« (S l) über diese« Volk genant wird. tS. Mos. 28. 10.» 2. Thron. 7. 14 i Irrem. 14. 9) Dan. A. 19.), und diese Idee auch in seine Gebete ubergegaagen ist- Denn eben die allgemeine Zerstreuung hat da« einstens getrennte Juda und Israel wieder zu einem allgemeinen Ganzen, als Abkömmling von Jakob als Israel (1. Mos. 32, 29.) verschmolzen.