Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 38 (17.9.1835)
- Date
- 1835-09-17
- Page
- Spalte 321-322 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SIS! wenn ste nicht auf dem Baum verfaulen soll. Wa» irgend geschehen kimn, um unsere aufwachsende Jugend zu einer bessern vielseitigern bürgerlichen Tätigkeit zu befähigen, da« ist von unserer Seite geschehen, ja e« ist weit mehr geschehen, al< ohne Gefährdung mancher Interessen, für den Fall, daunsere billigen Hoffnungen getäuscht werden sollten, geschehen konitten. Erziehung und Unterricht im weitesten Sinne — die sind es aber gerade, die mit der bürgerlichen Derbesserung Hand ln Hand gehen müssen, um fle gedeihlich zu machen für die Gesammtheit de« Staate« sowohlals für diejenigen» denen ste zu Lheil werden soll. Denn erst unsere jeht blühenden Armenschulen verfallen wären, wenn unsere Bestrebungen, eine bessere Gewerbthätigkeil herbeizuführen, ermüdet durch die vielen Versuche, welche durch hemmende Gesetze immer von Neuem vereitelt werden, nachgelassen hätte; dann würde e« nicht mehr mit dem einzuräumenden Rechte allein gethan sein; dann würde man freilich dieNothwendigkeit einer Verbesserung an den heillosen Folgen des alten Zustandes klar erkannt haben; aber ««würde dann noch dazu der größten Anstrengungen von Setteu de« Staates bedürfen, um der Verbesserung Ein* gavg zu.verschaffen, ja e« würde überhaupt zu spät sein, um den Uebeln, welche da« alle Verhält«iß erzeugt hat, mit vollkommenen Erfolge zu begegnen. Wie jener. König die verschmäht« Weisheit der prophetischen Bücher,*) nachdem ihr Werth um zweiDrittheile verringert worden, verhältnißmäßlg dreifach theurer bezahlen mußte; weil er zur rechten Zeit den billigen Preis für den vollen Werth verweigert hatte, so würde der Staat dann da« viel geringere Gut mit viel größerer Mühe gewinnen müssen. Wir habeu hier freilich den äußersten Fall angenommen, von dem uns noch der Zwischenraum mancher Jahr« trennt, aber es genügt, daß wir diesem Ausgange von Jahr zu Jakr um einen Schritt näher entgegen gehen» daß mithin die bürgerlich« Verbesserung durch jedes Jahr, um welche« ste verzögert wird, minder heilsam in ihren Wirkungen wird. Unsere Anstrengungen, ,ener Verbesserung voranzuschrelteu, haben den höchsten Grad erreicht; fle find selbst weiter gegangen, als die Vorsicht es gebot; fle müssen von nun an, wenn keine entsprechende Veränderung in der äußeren Stellung eintritt, zurückgehen." koss. 11Z. Mau hält uns eine gewiß« Ungunst, eine Ler- *) Die sibvlinischen Bücher, welch« Tarquiniu« PriSkut» Rom aokaufte. stlmmung ^entgegen, die bei Dielen gegen un« herrschen ^soll. Wir wollen auf diesen für uns sehr fchmsHcheu . Punkt nicht wetter eingehen, al« e< seine dirette^K-K ziehung zu der vorliegenden Angelegenheit erfordert,. Wollten wir untersuchen, auf welcher Seite dl, größere Schuld ist, wie viel unsere Fehler, wie viel da« Vor«, urtheil, wie viel die gedankenlose Gewohnheit, wieviel insbesondere da« immer gespannte Derhältniß zwischen Bevorrechteten und Unterdrückten davon zu tragen hat. wir würden ln den bedenklichen Fall kommen, als Vertheidiger unserer selbst, ja als Ankläger Anderer, auftreten zu müssen. Wir wollen uns daher auf eine einzige» genau zur Sache gehörige» wie uns dünkt, entscheidende Wahrnehmung beschränken. Es ist ganz offenbar, daß jene Verstimmung flch in denjenigen Verhältnissen am meisten kund thul, wo eben Beschränkung. Ausschließung, Kampf der Bevorrechteten mit Denen» von denen fle Beeinträchtigung ihrer Privilegien besorgen, obwaltet, daß fle aber da verschwindet, und dem Vertrauen, dem friedlichen Zusammenleben Platz macht, wo Gleichheit^«: Rechte, wo ungehinderte freie Berührung vorherrscht. Nicht das Leben und seine sreien Beziehungen sind uns feindlich; das 'Gesetz ist es, und die Schranken, die r« aufstellt. Der Kaufmann findet in den Verhältnissen, in welchen er flch frei bewege» darf, gleiches Vertrauen, er möge flch zum jüdischen oder zum christlichen Glauben bekennen. Wir sehen nicht selten christliche mit jüdischen Kaufleuten als Assocte« und auf andere Weise in den genauesten Geschäftsverbindungen stehen» welche das größte persönliche Vertrauen erfordern. In dem einzigen höheren Berufe de« bürgerlichen Lebens, der un« zu allen Zeiten offen gestanden hat, in dem de« Arzte«, sehen wir weder bas Wohlwollen der kollegialischen Verhältnisse, noch da« Vertrauen de« Publikums an dem Glauben den allermindesten Anstoß nehmen; es gilt in diesen Verhältnissen nur di« Persönlichkeit des Einzelnen, nicht sein Glaube, nicht seine Geburt; Zutrauen und Achtung fragen nicht darnach, wo da« Gesetz nicht darnach fragt. Wäre wirklich die Freiheit taHflhrliche und da« D«stimmende und nicht, wie wir e« behaupten, die Unfreiheit und die Zurücksetzung, so mußten sich ja gerade da, wo die volle Freiheit gegeben ist, schlimme Folgen e« müßten flch Uebelwollen und Mißtrauen zeigen und gerade hier finden wir nicht« von allen Dem, sondern Harmonie und Vergessen alle« Unterschiebe«. Dieselben wurden wir bald in allen Verhältnissen finden, sobald da« Gesetz die Schranken hioweggenommen, so.