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Das Füllhorn · 1835-09-17 · 38 (17.9.1835) · p. Spalte 323-324

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
38 (17.9.1835)
Date
1835-09-17
Page
Spalte 323-324 (sequence 4)
Language
German
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bakd«rS dl« Bürger belehrt hätte, auch in dev Juden «ne Mitbürger jir sehen, denen sie so wenig, als an- ^«»n, die Bortheile bürgerlicher Thätigkeit, die Zrüch- « te de« redlichen Fleißes zu beneiden berechtigt sind. Diejenigen christlichen Handlungshäuser, die es nicht verschmäht haben. Juden in ihre Dienste zu nehmen, habe» nicht Ursache gehabt, ihr sreistnnigcs Dersahren zu bereuen, und schenken jenen nicht ein im Mindesten geringeres Vertrauen, als ihren christlichen Handlungsdienern. In de» meisten derjenigen Fälle, in denen bis iezt jüdische Lehrburschen bei christlichen Lehrherrn untergebracht worden sind, hat flch ein ganz freundliches Verhältniß gegenseitige» Wohlwollens gebildet, und die Fälle des Zwiespalts flud durchaus nicht häufiger, als bei christlichen Lehrburschen. Wir find der festen Ueberzeugung, daß, wenn das gesetzliche Hinderniß erst aus dem Wege geräumt ist, es den christliche» Meistern, den zünftigen so gut, wie den übrigen, gar nicht mehr in Len Sinn kommen wird, flch darüber zu ^beschweren, wenn der, der sein Gewerbe als Lehrbursche, in ihrer Mitte gelernt, im Innern einer achtbaren Dürgerfamilie gleichsam einen Theil seiner Erziehung erhalten hat und seinen christlichen Genossen an Sitte und Art gleich geworden ist, später als Geselle arbeitet, und dann ordnungsmäßig auf das Meisterrecht Anspruch macht, mau wird des Juden im gehässigen Sinne des Wortes bald in den Lebensverhält« «iffen vergessen haben, wenn das Gesetz nicht mehr durch seine Hemmungen daran erinnert. Es liegt eine reiche Fülle von Gutmüthigkeit in der Natur des Menschen, die allem Hasse tausendfach obflegen kann, wenn der Haß ihr nicht durch die politischen Einrichtungen» die ihn vor Jahrhunderten eingesogen haben, und ihn jezt aushauchen, gleichsam aufgedrungen und so verewigt wurde. Wie bald würde man es vergessen haben, ^aß die Inden Grundstücke nicht besitzen, in vielen Häusern nicht wohnen durften, wenn man erst nicht mehr durch eine Formel bei jedem öffentlichen Hausverkauf daran erinnert würde! Man frage nach in den Staaten. Durchgreifende Verbesserungen, durch den selbstständigen Willen der Gesetzgebung geschaffen ins Leben getreten sind, ob flch etwa Einer nach solchen Beschränkungen zurücksehnt! — Wir finden nun ein Verhältniß anderer Art aufzuführen, daß nunmehr seit 20 Jahren Ehristen und Juden in der Bürgergard« zusammen dienen, ohne daß flch hier, wo wenigstens äußerlich kein Unterschied der Rechte sichtbar wird, ein Zwiespalt, eine Unverträglichkeit irgend einer Art gezeigt hätte, man wird es uns ulcht verargen, wenn wir auf diesen Umstand mindestens einen viel grosseren Werth, als auf gewisse Zerwürfnisse der Kaffeehäuser lege». In dem akademischen Leben, dem einzigen Lebensverhältniffe fast, ln welcher von der bösen Luft der bürgerlichen Zurücksetzung und Bedrückung nichts hineindringt, sehen wir die innigsten Verhältnisse der Freundschaft.und des ungetrübtesten Wohlwollens flch bilden, welche im bürgerlichen Leben die Sonderung allein die das Gesetz erzeugt, seltener auskommen läßt. Alle Verhältnisse sind gut und freundlich, die auf Gleichheit und Freiheit gegründet flod. Alle sind gehäßlg und unerfreulich, in denen flch Unfreiheit und durch die Geburt bedingte Zurücksetzung geltend machen. Wir legen darum, auf die Ausgleichung des bürgerlichen Mißverhältnisses einen um so viel größeren Werth« da wir von ihr allein die völlige Ausgleichung jedes Mißverhältnisses in den Gemüthern hoffen dürfen." Noch verdient bekannt zu «erden, das was der Verfasser in einer Anmerkung zu pax. 58 über die israelitischen Komunal- Ausgaben, ausschlüßig die des Kultus, die gleichfalls nicht unbedeutend sein mögen, sagt. Die allgemeine Armen« und - Krankenpflege kostet der Gemeindekasse jährlich zwischen 50 und 60^00 M. Dko. Die vier Armenschulen, zwei für Knaben» und zwei für Mädchen, in denen Jahr aus Jahr «in -ungefähr ZOO Knaben und 200 Mädchen unentgeldkichen Unterricht erhalten, kosten zusammen jährlich gegen 25,000 M. Bko die theils aus der Gemeindekasse, theis durch Privatbeiträge bestritten werden. Außerdem gibt es in unserer Gemeinde Privat - Vereine zur Vertheilung von Brod und Suppen, von Torf, von Änterstützungen zur Miethe, einen Frauenserein zur Bekleidung armer Kinder, welche die Schule besuchen, Vereine zur Verbreitung nützlicher Gewerbe, zur Unterstützung alter Leute» zur Verpflegung armer Wö« cherinnen und andere für andere wohlthätige Zwecke. Die jährliche Ausgabe dieser sämmtlichen Vereine, wenn fieaufetwa 40000 M. Bko. angeschlagen wird, gewiß nicht zu hoch berechnet. Für weit größere Summen aber, als alle diese Ausgaben zusammen genommen, vielleicht das vier - oder fünffache, wird die Privatwohlthätigleit in Anspruch genommen. Alle diese mehr als gewöhnlichen Opfer und Anstrengungen sind aber Inder Lhat unerläßlich, und kaum hinreichend, um die grosse Anzahl von Familien, die flch in Folge ihrer unnatürlichen gesetzlichen Lage «bne angemessene Erwerbsquellen befinden, vor dem äußersten Maugel zu schützen." Nebigirt von Rabbiner S. W. Rosen selb. Verlegt von Fr. Wal ihr in Di« kel.S bühl.

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