Mannheim
Compact Memory

Das Füllhorn · 1835-07-02 · 27 (2.7.1835) · p. Spalte 213-214

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
27 (2.7.1835)
Date
1835-07-02
Page
Spalte 213-214 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4889117-4929677-4929746--135-4889234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»33 Der Jude in Breis gau ist! schlichter, aber feuriger, für Bildung zugänglicher. Seine Schulen sind zwar ordentlich und regelrecht eingerichtet, aber mehr Unterrichtsals Erziehungsanstalten. Die Rabbinen sind Männer von Kenntniß, eS hat daselbst auch mehrere gebildete und talendvolle Privatmänner, und man könnte und dürfte etwa- Tüchtiges erwarten, wenn die Rabbinen in Vereinigung mit diesen Männern auf da- Volk wirkten. Der Jude in Elsaß ist feurig, witzig, nicht mehr so einfach wie die beiden ersten und dennoch ungebildet, woran auch seine Lage Schuld haben mag, da er wenig Lektüre genießt, indem er die französische nicht versteht, und der wutschen der Eingang versperrt ist. Nur ein geringer Theil macht hievon eine Ausnahme. Die Schulen sind hier noch schlecht bestellt, die wenigsten Gemeinden haben ordentlich eingerichtete Schulen. Die Rabbinen bekümmern sich zu wM^um dieselben. In allen drei Gegenden ist noch sehr tod; wenige Ge« mrin^'erfreuell sich verständlicher, zu Herzen gehender Predigten. Jhr Gewerb ist meist Kleinhandel,—in BreiSgau wird in einigen Gemeinden auch der Acker bestellt — sie fangen zwar an, Handwerke zu erlernnn, in Straßburg ist eine eigendS dazu eingerichtete Schule, worin junge Handwerker gebildet werden; allein da- Oberelsaß fühlt nichtvon dieser wohlthätigen Einrichtung, und hier ist die Lage der Israeliten so traurig, daß der Menschenfreund sie nicht ohne Rührung betrachten kann; tiefer Schmerz muß ihil ergreifen bei dem Anblick so viele- und mächtigen LlendeS, dain der Menschheit Platz , genommen. LS wäre daher eine himmlische Wohlthat, eine Ackerbauerschule zu errichten, worin junge Ackerbauer erzogen und gebildet würden. Ließ kostete zwar Mühe und Aufopferung, allein wenn irgend ein Mittel geeignet wäre, die Israeliten hier auS ihrer physischen und moralischen Erschlaffung aufzuwecken, und ihnen zv geistigen und körperlichen Nahrung zu verhelfen, so wäre eS ein solche-. ZuH«sm Zwecke sollten Freunde de- Menschenwohw^b». sammentreten, und eine Gesellschaft bilden, df mit Rath und That zu diesem Behuf« wirkte. Für- Erste müßten sie einen tüchtigen Mann in ein Ackerbauer-Institut, schicken, um daselbst.die Landikonomie theoretisch und praktisch zu erlern ncn. AlSdann müßten sie einen pädagogisch gebildeten braven Schulmann.aufsuchen; ein Landgut müßte gekauft und darauf eine Schule errichtet werden, worin die Zöglinge eine religiös moralische und intellektuelle Bildung erhielten. Indem sie auf dem Lande die Oekonomie erlernten, könnten sieM auch ihren Lebensunterhalt durch eigner Hände-Arbeit verschaffen. Aueiner sollen Schule würden, wenn anderdi« Lehrer i/rhrem Fache Meister und ihres Amtrs würdig sind, gewiß rüstige und für- Leben taugliche Männer heraus treten. — , DaS sind Ideale! wirb mast sagen, Träume einegutmüthigen Schwärmer-, .der Ideale hegt zur Verbesserung de- Menschenwohl-, nicht aber die finstere Wirklichkeit ins Auge faßt, die uns so kalt in die Arme nimmt, wenn wir audem Reiche der Ideale herauStreteu. Nein, mein guter JSraelite, eS sind,nicht bloße Träume, die nicht in Erfüllung gehen können, und die Wirklichkeit ist nicht so kalt, wenn man nur an die Güte de- MenschenherzenS glaubt. Jeder Mensch ist de- Guten fähig, er bedarf, bei der Fülle irdischer Geschäfte, die ihn das Gute nur zu häufig vergessen lassen,oft nur der Anregung und er fühlt sich zum Guten aufgelegt. Jeder JSraelite würde, stellt ihm die Sache klar vor, gerne sein Schärflein zu einem solchen Werke beitragen, wenn nur Männer da find, die sich der Sache mit Eifer.Md mit warmer Liebe annehmen. Auch pon Seite der Christen würden Unterstützungen nicht auöbleiben. Die Regierungen würden ihr Mö^ licheS beitragen, um zur geistigen EmanzipatimM ihren JSraeliten zu verhel/en. Und bei einem schönen Werke ist auch der Beistand Gottes nicht ferne, auf ihn können wir traue« bei« Beginne»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.