Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 26 (25.6.1835)
- Date
- 1835-06-25
- Page
- Spalte 205-206 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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.2 S2S gendiese seine religiösen Gesinnungen durch sein Leben: ihm war nicht nur das Gesetz MoseS heilig mit seiner Tradition, er beobatchtete sogar auch die rabbinischen Satzungen in so weit sie Lon der Synagoge angenommen find, wie dieß genügsamvon ihm bekannt ist. Mendelssohn würde sicher, wenn er noch am Leben wäre, über die schiefe Richtung, welche die von ihm ausgegangene Aufklärung unter seinen Glaubesgenossen seit jener Zeit nahm, die gar nichts von einem göttlichen Gesetze mehr wissen, sondern ihr Gesetz nach Launen und Bequemlichkeit sich selbst entwerfen will, den bittersten Verdruß empfinden. R-d. Brief eines Deutschen aus Algier« - Algier, 12. Mai. Sie erhalten hiemit meine ersten Berichte aus dieser alten Korsaren- Stadt, die im Laufe weniger Jahre eine so merkwürdig« Umwandlung erfahren hat, und heut 'zu Tage alS ein großer und prächtiger Seeplatz voll des.schimmernden Luxus zweier Welttheile gsänzt, DaS Erfreulichste, womit ichmeineMittheilungen begmnen kann, ist, daß wir hier im tiefen Frieden leben, und daß dagute Einverständnis Mit den Bedumenstämmen der Umgegend einen ziemlich sichern Bestand gewonnen zu haben scheint. In der so überaus anmuthigen, an Naturschönheiten reichen Umgebung Algiers geht man feit längerer Zeit fast stundenweit mit eben derselben Sicherheit spazieren, wie in den Alleen unserer deutschen Residenzstädte, und dabei ergözt nicht wenig der Anblick der langen Züge von Beduinen, die bis von Bitedulgerid und dem Atlasgebirge her mit ißren beladenen Eseln und Kameelen kommen. Nach der liebst- .chen Ebene von Meditnah wagen sich unsere furchtlosen Jagdliebhaber bereits auf viele Stunden weit, ohne daff man besonders von Unglücksfällen hörte. Bettachtet man den so geordneten Gang, in dem sich jezt Alles schon bewegt, wie selbsi unsere nomadisirenden Araber sich, seit der Verbrennung der 4S Dörfer im Herbst 1833, so geduldig schon an das unangenehm. Tribuffahlen gewöhnen, mit welcher Fertigkeit' die Mauren der Stadt bereits unsere europäischen Industrie- Erzeugnisse nachahmen, und ihre Klräktn in der; französischen Sprache sich ausdrücken, wie^Tsü^ sende von Eingebornen im Sold des Gouvernetpen^ den öffentlichen Arbeiten nachgehen oder in stai^k zösische Kriegsdienste treten, wie der Handek^ein immer bedeutenderes Leben gewinnt, so kann man — bedenkt man, daß dieser jezt so blühender Zustand erst mit Uiberwältigung der unglaublichsten Schwierigkeiten geschaffen werden mußte — sich eines freudigen Erstaunens nicht erwehren. Ja Dank alsc^ Frankreich, das noch nicht müde geworden ist, sein Geld und Blut zu spenden, um dieses von der Natur so gesegnete in langer Barbarei erstarrte Land der Civilisation zu gewinnen! Mit der Kultivirung des Landes rückt eS noch etwas langsam vorwärts. In der nächsten Umgebung der Stadt betreiben die Mauren Landwirthschaft; ihre an edlen Bäumen reichen Gärter könnten unter den geschickten fänden europäischer Gärtner, die nicht wie jene die Trägheit liebten, ein noch unendlich blühenderes Aussehen gewinnen. Weiter draußen, der Ebene zu, liegen die schönsten Gründe, die noch äußerst wenige Spuren der Bebauung zeigen. Es schmerzte mich oft, wenn ich diese so überaus fruchtbaren, von den schönsten ^wildwachsenden Blumen bedeckten Strecken durchzog, daß dieses herrliche Land, wo tausend arme deutsche Bauernfamilien Nahrung im Uiberfluße finden könnten, so gänzlich undenuzt und öde liegen soll. Die Regierung wird sich doch am Ende selbst in die Frage der Kolonisation mischen müssen, denn durch Privathände geschieht zu wenig. Alle Spekulanten, welche mit einigem Geld« hieher kommen, ziehen vor, Kaffeehäuser und Schenken anzulegen, mit denen sie in kurzer Zeit sich ein ziemliches Vermögen sammeln. Zwei Kolonisten- Dörfchen, Eubach und Ibrahim, stehen in der Ebene. Dieses leztere ist fast ganz von deutschen Auswanderern bewohnt, die hier alS bettelarme Menschen ange-