Mannheim
Compact Memory

Das Füllhorn · 1835-06-18 · 25 (18.6.1835) · p. Spalte 195-196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
25 (18.6.1835)
Date
1835-06-18
Page
Spalte 195-196 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4889117-4929677-4929742--124-4889225
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wie bacht?-Hrendelssohn über di« Mchs-aische Religion? Sicher ist eS für jedesi denkenden Israeliten in unsern Tagen, in welchen die Lockerheit in Sache der Religion so sehr überhand nahm-Don grißtet Wichtigkeit, zu wissen, wie ein so ausgezeichneker Denker und wahrhcitlicbcnder Forschender steuern Zeit, wie ein Mendelssohn,? dgp stetgkänzender St^n am Firmament VÄtscher Gelehrsamkeit und Weltweisheit bleiben . 'werde, von seiner Religion gedacht hat.— Dank ILk Dsrsehang, daß sie! es füt uns nicht an Miti - tcl fehlen ließ, Mendelssohns GefimmMi, in die- ' ser Hinsicht zu erkennen! Und so welchen wit uns denn zunächst zu dessen „Schreiben an Herrn Diakonus Lavater zu Zürich," um die Momente herauszuheben, worin er seine Grundsätze unverholen an den Tag legte. Herr Bon net, ein Franzose, schrieb: „Untersuchung der Beweise für das Christenthum," die Herr Lavater ins Deutsche übersezte, und Herr Mendelssohn zueignete, und denselben in der Zuschrift vor den Augen des Publikums beschwor, diese Schrift zu widerlegen, woftrn er deren ArguMentatidnen nicht richtig finde, im andern Falle aber das zu thun, was Klugheit, Wahrheitsliebe und Redlichkeit ihn thun heissen, nämlich die Religion seiner Väter zu verlassen, und zur christlichen überzugehen. Mendelssohn antwortete mit einer Bescheidenheit, abtr auch zugleich freimüthigkeit, wie es von ihm zu erwarten war. Uns genügt hier Dasjenige wieder zu geben, waS unmittelbaren Bezug auf die gestellte Frage hat und in dieser Hinsicht sagt Mendelssohn: „Ich darf sagen, daß ich meine Religion Nicht erst seit gestern zu untersuchen angefangen. Die Pflicht, meine Meinungen und Handlungen zu prüfen, habe ich gär frühzeitig erkannt, und wenn ich, von früher Jugend an, meine Ruheuud Erholungsstuuden der Weltweisheit und den schönen Wissenschaften gewidmet habe, so ist eS einzig und allein geschehen, mich zu dieser nöthi- . " - »i«; > ' l gen Prüfullg vorzuZereiten. Andere Bewegungsgründe, konnte ich Hierzu nicht'gehabt haben. In der Lage, in welcher ich mich befand, dürfte ich von den Wissenschaften nicht den mindesten zeit, lichen Dortheil erwarten. Ich wüßte gar wohl, daß für mich ein glückliches Fortkommen in der Welt auf diesem Wege nicht zu finden sei. Und Vergnügung? — O mein werthgeschäzter Menschenfreund! "Der Stand,-welcher meinen Glaubensbrüdern im bürgerlichen Leben angewiesen worden, ist so weit von aller freien Uibung der. Geisteskräfte entfernt, daß man seine A'Lsriedenheit gewiß nicht vermehrt, wenn man die Rechte der Menschheit von ihrer wahren Seite kennen lernt. — Ich vermeide auch über diesen Punkt eine nähere Erklärung. Wer die Verfassung kennt, in der wir uns befinden, und ein menschliches Herz hat, wird hier mehr empfinden, als ich sagen kann. Wäre nach diesem vieljährigen Forschen die Entscheidung nicht völlig zum Vortheil meiner Religion ausgefallen; so hätte sie nochwendig durch eine öffentliche Handlung bekannt werden müssen. Ich begreife nicht, waS mich an eine, dem Ansehen nach so überstrenge, so, allgemein »erachtete Religion fesseln konnte, wenn ich nicht i)n Herzen von ihrer Wahrheit überzeugt wäre. >as Resultat meiner Untersuchungen mochte sein, welches man wollte, so bald ich die Religion meiner Väter nicht für die wahre erkannte; so mußte ich sie verlassen. Wäre ich im Herzen von einer andern überführet, so wäre es die verworfenste Niederträchtigkeit, der innerlichen Uiberzeugung zum Trotz, die Wahrheit nicht bekennen zu wollen. Und waS könnte mich zu dieser Niederträchtigkeit verführen? Ich habe schon bekannt, daß in diesem Falle Klugheit, Wahrheitsliebe und Redlichkeit mich denselben Weg führen würden. Wäre ich gegen beide Religionen Heichgültig, und verlachte oder verachtete im meinem Sinne alle Offenbarung; so wüßte ich gar wohl, was di« Klugheit räch, wenn da-Gewissen schwei-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.