Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 22 (28.5.1835)
- Date
- 1835-05-28
- Page
- Spalte 173-174 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-chis^Stunden Unterricht in dem Talmud und den Kasuisten ertheilt. Vielen der Zöglinge reichte er den gänzlichen Unterhalt, und Alle fanden an ihm den liebenden Lehrer und eifrigen Wohlthä- 'ter. Aber nicht nur seinen Schülern, auch andern Bedrängten war er Rathgeber, Wohlthäter und Tröster, ohne Unterschied des Standes und Glaubens. Obwohl nicht in Deutschland geboren, -war er dennoch deutsch von Art und Sinn in seiner Frömmigkeit, Gewissenhaftigkeit, Redlichkeit und Treue. Inder einfachen und dabei ausgezeichnet würdigen Weise, wie sein ganzes Wesen war, bietet sein Leben ein erfreuliches und erhebendes Bild dar. Ihm wird nun der Lohn seiner herrlichen Thaten,die er hier in FülleauSübte, Jenseits, wo'alles Gute belohnt wird, in vollem Maaße zu Theil werden, und seine reine Seele den ewigen Frieden, den sie so reichlich verdiente, finden. München, den 30. März 1635. Leopold Mayer, Kantidat. Die Morgenröthe. v (Morgenländiche Dichtung.) Hast du die schöne Morgenröthe gesehen? Sie leuchtet hervor aus GotteS Gemach: ein Strahl des unvergänglichen Lichts, die Trösterin» der Menschen. « » O Als David einst, »erfolgt von seinen Feinden, in eined schauerlichen Nacht auf dem Hermons- Berge saß, den trauervollsten seiner Psalmen spielend: „Löwen und Tiger brüllen um mein Ohr, der bösen Rotte hat mich rings, umgebest, und ich sehe keinen Helfer!" Siehe, da ging die Morgenröthe auf. Mit glänzenden Augen sprang sie hervor, die frühge- -V jagte Hündinn, und hüpfte auf den Bergen und sprach zu ihm wie ein Engel auf den Hügeln: „Was grämst du dich, daß du verlassen seist? Ich riß hervor aus dunkler Nacht; aus grauenvollen Finsteraiß wird Morgen." Getröstet hing an ihrem Blicke sein Auge, bis sie zur Sonne ward, und Heil der Welt aufging mit ihren mächtigen Flügsln. Frohlockt wandten sich die Töne seine- Gesanges, den «» da- Lied der Morgenröthe nannte^der frühe ge» jagten Hündinn. Auch späterhin sang er oft diesen Pstkm, und dankte Gott für die Bedrängnisse, dH.- er in früher Jugend überstand; und jedesmal kam mit dem Psalm ihm Morgenroth in seine düster? Seele. ,, O * » Tochter GotteS, heilige Morgenröthe, du blickst täglich nieder, und weihst den- Himmel und die Welt — weih täglich auch mein Herz zu deiner stillen Wohnung. Reflexion über ein Wort Schubart-. ,>Die wahre Aufklärung, die ihren strömenden Glanz in die Ewigkeit hinüberwirft, ha-- ben wir — nicht den Griechen und Römern, sondern den Juden zu verdanken." Diese- Wort des trefflichen Chr. Fr. Schubart (VaterlandSchronik v. I. 1788, p. 93.) verdient eine nähere Erläuterung. — Wir wollen dem großen und vielseitigen Einflüsse, den die Römer und vornehmlich die Griechen auf die Bildung und Gesittung despäter» Europas fast für alle Sparten de- Wissenübten, sein Verdienst nicht absprechen; ja, wir freuen unS, sagen zu können, daß ohne Griechen und Römer wohl nie diese Höhe wäre errungen, und, man erlaube uns das Bild, daß ohne diesen Ossa und Pindus niemals dieser Himmel der Kultur von den Neuern wäre erstiegen worden, auf dem uns eine so herrliche und freie Aussicht durch das ganze, weitschweifige Land der Wissenschaft ergözt. Ihnen verdankt die neuere Staltskunst ihre Grundsäulei^^ie Redekunst ihre schönsten Blüthen,die WettweiSheit ihre reichsten und tiefsten Ideen; aus ihrem unversiegbaren Born entquillen noch heute dem Wissensdürstigen labende Ströme, und auf ihrem weiten Gebiete, mag es auch noch