Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 22 (28.5.1835)
- Date
- 1835-05-28
- Page
- Spalte 171-172 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M I^bL^rlburg. (Vt-graphisch« Skizze.) Wenn Scheiden von dieser Welt IM Allgemei- ,«en Trauer für dse betheiligten Zurückgebliebenen .erregt, so ist»dles, durch daam 20. Februar d. I. erfol-tk Ableben deS Hochwürdigen Ober- ' Rabbiner- und Präsidenten deS israelitischen Konsistorium-, Herrn Löb Carlburg zu Crefeld im Rchieruugsbezirk Düsseldorf, nicht nur für die ISraeliten seines Sprengels, sondern für Jeden, der den Hochseeligen kannte, der Fall. Da der Verblichene vielleicht nur Einigen Rabbinern und Gelehrten Süddeutschlands bekannt sein dürfte, so sei dies die lezte Ehre, die ich chm, meinen Lehrer und Gönner, in kindlicher Liebe auf dem Altäre der Dankbarkeit niederlege, etwaüber das Seyn, Bestreben und Wirken dieses vortrefflichen Mannes hiermit zur Oesfentlichkeit zu bringen. Löb Carlbürg'erblickte um daS Jahr 1760 zu Carlsburg in Siebenbürgen das Licht der Welk Mit glücklichen Geistesgaben und Anlagen von der Natur beschenkt, studirte er in seinen reifern Jahren alle Fächer der jüdischen Theologie zu Preßburg und Prag und wurde darin Meister. Um sich auch in andern Wissenschaften zu vervollkommnen, beschloß er, nach Berlin zu gehen, wo die berühmtesten Männer de- Judenthums neuerer Zeit, ein Mendelssohn, Wesel y re. re. Licht und Wahrheit verbreiteten. Hier befleißigte er sich de- Studiums der ältern und neuern Sprachen, der Philosophie und Mathematik; dessen ungeachtet waren Theologie und ebräische Literatur, seine steten und treuesten Gefährten. Sein unermüdeter Fleiß, seine auSgebreiteten Kenntnisse im Gebiete der Wissenschaften, erwarben ihm Freund« an jenen schönen Geistern, welche unals Leuchtsterne die Bahn der Wissenschaft erhellten, und so wurde er Mitarbeiter der Zeitschrift Utessepli, wo unter manchen der schönsten ebräischen Aufsätze sein Name fingirt vorkommt. Berlin verlassend, ging er nach Bonn und lebte dort lediglich den Wissenschaften. Durch Frömmigkeit und Bescheidenheit gewann er Aller Herzen und stand als vertrautester Freund meinem Hochseeligen Großvater, dem Oberlandes - und Stadtrabbiner S. B. Cohen zur Seite. Al- 1807 für da-neuerrichtete israelitische Konsistorium zu Crefeld ein Präsident in der Person eines Ober - Rabbiners gewählt werden sollte, fiel die einstimmige Wahl der Notablen auf ihn den Würdigen. Hatte er bis jezt, im Stillen zurückgezogen vom Geräusche der Welt, nur Edles auszuüben gestrebt, so lag ihm, nunmehr bei seinem Hervortritt alS Oberhaupt eines CöllegiumS das Wohl seiner Untergebenen mit besonderer Wärme am/Herzen. Sein ernstliches Streben war zunächst dahin gerichtet, einen vernünftigen, nützlichen und religiösen Unterricht für die Jugend in seinem Distrikte einzuführen. Nur moralisch gut gebildete Männer, die ihrem Fache vorzustehen verstanden, wurden als Lehrer angestellt. Zur Besichtigung der Schulen machte er von Zeit zu Zeit Inspektionsreisen, und bewirkte auf diese Weise, die Jugend zu brauchbaren Mitgliedern de-Staates und der Menschheit heranzubilden. Als 1811 Napoleon ein Synedrium zusammen kommen ließ, fürchtete man, wiewohl ungegründet, da- Judenthum würde in seinen Grundfesten erschüttert werdm; vom frommen Glauben durchglühet, schrieb er eine gekrönte Preisschrist in ebräischer Sprache an die große Synode, woin gedrängter Kürze die Hauptepochen der Geschichte unserer Nation biS auf unsere Zeit bargestellt, die Bildung der Sekten in derselben erläutert, die Standhaftigkeit im Glauben der Altvordern gerühmt und die Mitglieder der Versammlung ermahnt wurden, sich durch Nicht? blenden zu lassen, und stets nur die heilige Religion vor Augen zu haben und von ihr allein sich leiten zu lassen. Seiner vielen AmtSgeschäfte ungeachtet, errichtete er in Crefeld eine Lehranstalt für Rabbinats- und Lehramtskandidaten, in welcher er täglich 4