Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 20 (14.5.1835)
- Date
- 1835-05-14
- Page
- Spalte 157-158 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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157 denken und ausführen war Sin'S. Hinter ihm kam eine Magd mit Lebensmitteln, und zwei Träger vor die Thüre/ Ihm schauderte der dem Anblicke, kaum konnte er sprechen: ,^>ier esset und erquicket euch! Die 20 Rthlr. sind bezahlt^ der Wirth ist befriediget, die Fenster dort gegen über sind eure neue Wohnung: Kommet, beziehet sie, und ihr, Träger, bringet die Sachen nach!" Staunend sahen die Armen ihn in's Gesicht: denn Engel auf Erden, sind ein seltener Anblick. „Es ist wahr, wahrhaftig wahr!" — rief er. — Sie stürzen auf ihre Knie vor Gott, in lautem Gebet, denn sprechen kann Keines, stumm die Hände ringend und faltend; — war wohl je ein Gott angenehmeres Dankgebet zum Himmel gestiegen? Nun gingsauf.den Würdigen zu. Eine Thräne nach der andern entfiel dem matten Vater; die Kinder rissen sich um seine Hände, und die weinende Mutter streckte ihm zitternd ihre Hand entgegen. Er weiffte laut mit. „Ich habe" — sprach er — „in vorigen Zeiten prächtige Bälle und Gastmahle gegebenerer, Gott! diese Wollust empfand ich nies" Afrika. Wir theilen hier unfern verehrten Lesern nachfolgendes Schreiben eines israelitischen Handwerkers auS Bayern, (der Sohn eines Vorsängers zu Armitshausen im Rezatkreise), der merkwürdigen Notizen wegen, die dasselbe enthält, wörtlich mit.*) Bo ne, d. 1. Mai 1833. Ewig geliebte Eltern! Ich kann mich nicht enthalten, Euch von meiner großen Rerse und jetzigen Aufenthalt Nachricht zu geben. Iezt bin ich in Afrika auf der Insel Bone, eine Stade ungefähr von so,000 Menschen, worunter einige Hundert Juden sind. Noch bin ich hier sehr zufrieden, ich bin Gott sei Dank sehr gut angesehen, an Geld fehlt es mir gar nicht. Schon oft wollte man mich zwingen zum heirathen, aber ich bin noch nicht gesonnen dazu, weil ich das nächste Jahr nach Jerusalem und Egypten ziehen will, ich Hab? von hier ungefähr 12 Tagereisen zu Wasser, bis ich nach Egypten kommen kann. Ich bm von euch, liebe Eltern ungefähr 4000 Meilen; Ihr könnt daher denken, daß ich schon Manches erfahren habe, aber eS ist mir noch zu wenig, ich war nicht gesonnen nach Afrika zu reisen, fkäövt. rika, aber das Meer war mir nicht Amu«Wd trieb mich nach einer afrikanischen'Insel ungefähr 400Meilenvon Algier, wofrÜM-dit ärv-eSkla-. vereigefangenschaft war, mit Gottes Hülfe käme» wir nach Bone, wo wir mit großer Freude ausgenommen wurden. Bone hat vor ungefähr ein Jahr der FranzoS eingenommen, hier hat man ungefähr 200 Sklaven erlöst, worunter viele Deutsche sind. Die Menschen, welche früher daS Land bewohnten, waren mehr Vieh alS Mensch, eS find die meisten schwarz und mit einer uMarbeiteten Schaaf-oder Bärenhaut bedeckt. Ahk Geschäft war früher blos Seeraub, denn alwßiten braucht man hier das Feld nicht, es wäö, das schönste Getreud von selbst, wo man in Deutsch land keines stehet, die herrlichsten Früchte, dis' Weintrauben And hicrdiekleiüsten 8 bisSPfund, man kauft hier das Pfund Fleisch für 1 kr. eiir ganzes Schaaf für 15 kr. welches ungefähr 2 Pfund Wolle hat, alles ist hier sehr wohlfeil, das Geld hat hier früher gar keinen Werth gehabt, Goldstücke, welche bei uns großen Werth halben, werden hier für Kleinigkeiten, welche bei uns wohlfeil sindf vertauschte Es gibt hier sehr viele Edelsteine, die bei uns sehr theuer sind, und hier werden, sie nichr geachtet. Ich habe auch sehr viele Steine am das Meer gesucht und auch gefunden, die ich in Deutschland für ein schönes Geld verkaufen könnte, und hier muß man sie ver-. tauschen gegen Waare, die bei uns die Hälfte Werth nicht haben. Es ist nicht zu beschreiben wie gut und fruchtbar hier in Afrika ist, nur ist die Hitze hier sehr groß, man kann manchen Tag nicht,ausgehen, die Sonneisthier zu nahe. Die Menschen die sich hier befinden sind aus allen Ländern. Uebngens sind die Juden hier sehr angesehen, sie sind auch sehr religiös und ihre Einrichtung ist nach unserer Vorältern Gebräuche. Ich wünsche nur mein lieber Vater, daß er unter diesen frommen Menschen lebe. Die israelitischen Frauen sprechen hier aus allen unfern vornehmsten Büchern, so gut wie bei uns mancher Rabbiner. Ich kann Euch gar nicht schreiben^ wle groß die Andachr hier in der Synagoge »st- Mit Bewunderung sah ich Ostern den Zutritt in die Synagoge jenem versagt, welcher nicht früher indem Bad war, welches neben der Synagoge ist. Man darf auch nicht mit Schuhe hinkomincn. Es ist mir unmöglich medr zu schreiben. Wenn ich das Glück habe, von Euch einige Zeilen zu erhalten, und überzeugt bin, daß Euch mein Brief antrifft, so werde ich viel Geld schicken Schreibt mir gleich Antwort. Ich kann diesen Brief nicht weiter frei machen als bis an die spanische Grenze. Ich kann nicht alles jezt schreiben, was Neues