Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 19 (7.5.1835)
- Date
- 1835-05-07
- Page
- Spalte 149-150 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14- Merkinale tragen, bis endlich di« Machtdes Lichtes schon beim Beginne des vorigen Jahrhunderts die Finsterniß verscheuchte, die den GeistderVölker umstrickt hielt. Gott sprach r „eS werde Licht!^, _Md eS wurde Licht. (Schluß folgt.) Die Metamorphose. Alles Gegenständliche, welcheuns lieb und theuer schien in der Kindheit dunklem Spiegel, . verliert seinen ehemals auf uns auSgeübten Eindruck und ein schönere- Morgenroth steigt auf, wenn die Helle Fackel der Philosophie und des Nachdenkens über Gott und die Welt die dunklen Schachten unseres Geiste-durchwandern läßt. Da wird die alte Ideenwelt mit "einem Male verdrängt, ihre geringe Sphäre geschlossen, alS sollte sich uns an ihrer -Statt eine unendliche Welt vor unfern Blicken öffnen und den Sinnenmenschen treibt eS mit Angst und wie mit Stur« Meswehen durch jenen engen DurchgangSpaß des Aeußern zum Innern» wir meinen die-jedem Menschenkinds nothwendige Metamorphose. Mit dieser Umgestaltung de-Menschen verhält eS sich eben so, wie mit einer Raupe. Diese lebt durch ihr langsames Kriechen vermüßiget, auf einen kleinen Raum der Flur. Ihre Nahrung find rohe Blätter, wie sie dieselben bei ihrer großen Freßlust gerade findet, und so verlebt sie ein höchst dumpfes Leben; und ein äußerst stumpfes Gefühl läßt der schwerfällige Pfianjennager an sich bemerken, da er äußerst mühesam, wie es scheint, mit seinem Dickleibe von der Stelle kommt. Aber ganz anders verhält eS sich, wenn sich die träge in einem feinen Gespinste selbst aufhängt, gleichsam als wollte sie die Zwischenzeit verschlafen, bis sie wieder zu neuem Leben aus selbstgemachtem Grabe hervorgehe. Sie liegt wirklich nicht im Tode; berühret sie nur einmal und ihr werdet sehen, wie empfindlich sie geworden als Puppe, und wie sie krampfhaft der Stunde ihrer glücklichen Befreiung entgegenharret. Nicht lange dauert es Mehr, und sie zucket bereits mit Beinen und Flügel, und strebet sich durchzuzkvängen allde» krustigen Umhüllung. Ja schon »st sie frey, unl^. anders erscheint sie sich nun selbst. Sie pxzgetdett. Versuch, sich von der Stelle zu erheben,und schwebend wiegt sich durch die heiteren Lüste in schö» nem Himmelblau der buntfarbne Schmetterst»»- über Feld und Gesträuch. Er athmet frei, an nichts gebunden, alS an die Luft, die nachbarlich Krffft leiht seinen Schwingen und ihn hoch erhebtübeff. seine träg sich schleppenden Brüder, die Raupen!^ Auch verschmäht er nun die niedrige Blätterkost, die nicht mehr für seinen zarten Ban geschaffen zu sein scheint; er ergözt sich vielmehr an dem ätherischen Honig und Dufte der herrlichen Blürhen manchfaltiger Blumen; denn wie sein Körper nun ein vom vorigen ganz verschiedener, so auch seine jetzige Bewegung und Nahrung. — P. Dumpert. Aberglaube und Unglaube. Man warf die Frage auf, waS schädlicher und verwerflicher sei, der Aberglaube oder der Unglaube. Die Frage setzt voraus, daß beide Uebel sewnß'und daist nicht zu läugnen. Jeder Verstoß gegen die Wahrheit ist ein Uebel, und ist es um so mehr, wenn derselbe von der Art ist, daß er Einfluß auf unser Verhalten ausübt..Bei Entscheidung der Frage kommt nun alles darauf an, zu erkennen I. wo der Jrrthum im größern Umfange angetroffen wird,?. wo er sich an» Schädlichsten äußert. Es ist klar, daß der Umfang des Irrthums des absoluten Unglaubens grös ßer ist, alS der des Aberglaubens. Lin Beispiel wird dieß deutlicher machen» Derjenige, det nicht an Gott, den Schäfer und Regierer der Welt glaubt, ist ungläubig; derjenige hingegen, der sich Gott in körperlicher Gestalt denkt, oder irgend ein erschaffene- Wesen als Gott verehrt, der ist abergläubig. Der Jrrthum des Ersten ist nun allerdings größer und umfassender, als der de- Leitern. Jener läugnet den Urbegriff Gott hinweg, dieser aber ist mit dem Urbegriff