Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 19 (7.5.1835)
- Date
- 1835-05-07
- Page
- Spalte 147-148 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4889117-4929677-4929730--094-4889201- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
147 3-sttii-n prebe^ Lamm, zur Schlachtbank geführt. Er wurde Des Lebens vergeh'«' » ,k>. 3lki der Habsucht und Grausamkeit unter " ." ' ' . dem Deckmantel der. gottgefälligen Frömmigkeit. Die Zeit -eht vorwart-. - - Ader der Jude ging' am ZerstörungStage Jeru- Von vr. S. Mayer-, Rilbbiner ick Hechingen. sälems in seine Synagoge, weinte sich au- und (Fortsetzung.) Der Haß gegen einzelne Juden traf' »ft das ganje Volk. Haman, der berüchtigte Großvezier wollte alle Juden in Persien und Medien aus- ^rotten lassen, weil er sich von dem Juden Mardochay beleidigt glaubte. Die Dorfthungwachte. Wer dle Juden ehrte, den ehrten sienttederj.tversie aber in der Ausübung ihres väterlichrn Glast-- bens störte, dem sezten sie hartnäckigen Widerstand entgegen. Alexandex von Makedonien bezeigte, alS er in Jerusalem war, de» jüdischen Rechten und Satzungen feine Achtung, und vor dem Tempel des ewigen Gottes feine Ehrfurcht. Da beschloß der große Rath, dast alle Knaben, die in demselben Jahre geboren werden, Alexander heißen follen. Antiochus aber, der in Judäa, das er nach dem Tode Alexander-an sich gerissen, den griechischen Götzendienst mit 'Zü^ng einführcn wollte, sah seine mächtige GcwvH< an dem Heldenmuthe der Mareäbäer und ihrekleinen Häufleins scheitern. Sie ruhten nicht, bis ihr Vaterland frey und uuabhrngig war. Später bewirkte immer Zwietracht, daß die weltbeherrschenden Römer sich iw die innern Staatsangelegenheiten mengtet Jerusalem eroberten und den jüdischen Staat auflösten. 7 Die Zeit ging rückwärts. Der jüdische Staat war aufgelöst, aber nicht das jüdische Volk. Es wurde zwar zerstreut nach allen vier Enden der Erde, mußte unsägliche Drangsale erdulden und unbeschreibliche kerben ertragen; aber sein Vertrauin auf den Gott seiner Väter wankte nicht. Der Name Jude war nutzt mehr der Gegenstand des Haßes, sondern der Verachtung und des Spottes. Seine Peiniger, die ihn selbst zu entehrenden Handlungen mißbrauchten, forderten von ihm persönliche Würde und bürgerlichen Charakter. Aber der Jude duldete, wie sang da- Klagelied: Fragst du nicht. 0 Zion, nach den Deinen? Wir begrüßest dich, verschont vqm Mosd! ' Ach, wir müssen in den Ketten weinen» Weh! Im Ost und West. Im Süd und Nord! Wieder möchte dich der Sclave schauen» , Sei, als öder Hußcl, mir gegrüßt! ' Nur mit Thränen möcht ich dich beihauen, -.- .Pie der Thau ^uf deinen Hormon fließt. Wenn bei Fre-Heit träumend ich verweile» O, wie freudig dann die Harfe bebt, Schauervoll ertönt ste wie die Eule, Wenn um dich mein Aug' in Thränen schwebt,c. Nur in Spaniel» und Portugal!, wo die da- * mals wissenschaftlichen und kultivirten Araber herrschten, konnten die Juden zu' Ehre und Ansehen gelangen.. Die Einführung der Inquisition vertrieb sie und mit ihnen den Gewerbsfleißund die Industrie. Daher kommt e-, sagt v. Dalberg, daß Spanien sowohl an Reichthum als an Einwohnern so sehr verarmt ist. In Deutschland hätte das Recht der Juden- Aufnahme nur deo römische-Kaiser, dessen „Fiscal- oder Kammer- Knechte" sie genannt wurden. Er aber wurde ^,der Juden einiger Herr, Beschirmer und Richtrrauf Ttden" genannt. Friedrich der Hl. bestellte det». Grafst» von Würtemberg zu ihrem Prokeftoc und Richter. Karl lvx. übertrug A. 1356 dqs Recht der Juden - Aufnahme den Churfürsten, später den Erzherzogen in Oestreich und endlich,, auch der freien Stadt Nürnberg. Kaiser aber übertrug A. 1548 dieses RechtaflenseinenFürstenund Ständen de-'deutschen Reiche-. Nach Auflösung de- Reiches kam mehrbesagte- Recht allen Regenten Kraft hoher Lande--Obrigkeit zu. Die solchermassen aufgcnommenen Juden heißen „Schutzjuden." Sie mußten mehrere Jahrhunderte eine besondere Kleidung oder andere Kennzeichen und