Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 17 (23.4.1835)
- Date
- 1835-04-23
- Page
- Spalte 131-132 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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*. - statistischen Notizen, die sie geben, eine verbreitetere Bekanntmachung verdienen. 60,007 unserer Mitmenschen, die in demselben höchsten Welen, das wir als Vater lieben, den Urheber ihre- DaseynS verehren, sind eS wohl werth, daß wir ihrem ängstlichen Hilfrufe willig das Ohr leihen, und den Bedrängten die Bruderhand reichen, daß wir nicht etwa bloß ihre, -zum Theil so entschuldbare, Schattenseiten ins Auge fassen, sondern auch einen ernstlich prüfenden Blick auf uns selbst werfen, die Hand auf das eigene Herr legen, und uns fragen, ob und in welchem Grade nicht vielleicht auch wir selbst das Mißverhältniß herbeiführten, über welches sie seufzen, und dem ein Ende zu machen eS wenigstens nicht an gutem Willen fehlen darf. Die Anzahl der in Bayern ansäßigen jüdischen Familien beläuft sich auf 12,892, 858 treiben Ackerbau und bilden sich für die Landwirthschaft, 2690 haben sich verschiedenen Gewerben gewidmet; _ mehr als 200 (s. h. 2000) Individuen sind Lehrlinge und Gesellen; die übrigen leben vom Handel. Auch die Israeliten bleiben, so oft es Noththut, mit ihrem Schärflein nicht von dem Altäre des Vaterlands zurück; für König und, Vaterland fließt auch ihr Blut, und wenn der hilfsbedürftige Christ Unterstützung sucht, sind ihre milden Hände geöffnet. Auch sie entziehen sich nicht den Lasten, welche der Staat ihnen auferlegt, und für ihre Schulen und gottesdienstlichen Anstalten tragen sie Sorge aus eigenen Mitteln. — Sagen wir es ganz unverhohlen, daß, alle hinsichtlich ihrer intelectuelleu und sittlichen Bildung ihnen etwa noch anklebenden Mängel auch zugestanden, dennoch die wesentlichsten Hindernisse, welche der so dringend von ihnen nachgesuchten bürgerlichen Verbesserung bis jezt sich entgegenstellten, und denen vorerwähnte Gebrechen größten TheilS nur zum Vorwände dienten, ihren nächsten und hauptsächlichsten Grund in der nicht christlichen Selbstsucht and Engherzigkeit haben, welche die Juden' 132 immetz noch gefährlich für den bürgerlichen Verkehr und Wohlstand der Christen betrachten. Doch nein, eine gewiß mehr als staunenSwerthe, ja einc, alS kaum natürlich denkbare, Bescheidenheit und Selbstverläugnung würde es sein, «6enn det Christ aus solcher Besorgniß das. ehrenvolle Zeugniß für die israelitischen Glaubensgenossen hervorblicken ließe, sie seien klüger, gelehriger, betriebsamer, ordnungsliebender, mäßiger, nüchterner, sparsamer, mehr von Religiosität und Gemeingeist beseelt, als die Bekenner deS Evangeliums; man seh, sie darum nie oder doch seltener, als diese, in Wein- Bier- oder gar Brannt-. weinschenken, gar nie oder doch seltener bei schwelgerischen Gelagen und auf den geräuschvollen Tummelplätzen Geld und Zeit raubender Lustbarkeit; ihr häusliches und Familienleben sei züchtig und ehrbar; ihre Achtung für d»e Heiligkeit ihres Ruhetages und Gottesdienstes wirklich musterhaft, auch in der verworrenen Zeit politischer Umtriebe habe man sie ruhig und emsig bei ihren Berufsarbeiten, unzugänglich für tückische Aufregungen, ihrem Könige und dem Gesetze stets treu gefunden; kur; die guten Eigenschaften und Vorzüge, welche den Menschen zieren, und das bürgerliche, wie das häusliche Leben beglücken, seien hekschender unte? ihnen, alS bei den Christen, und dämm für diese kein Auf- oder Fortkommen neben jenen möglich! Wie? könnte eS wohl den christlichen Bürgern Bayerns ein Ernst sein, könnte es ihnen zum Ruhme gereichen, wenn sie jemals mit solchen Gründen ihrer Abneigung und ihres Mißtrauens gegen die Juden hervortreten wollten? Oder sollten eS etwa im Gegentheile nichts alS Uütugenden,und zwar nur solche Untugenden sein, die ausschließend den Juden zu Last fielen und nirgends bei Christen zu Haufe wären? Ist es vielleicht der Wucherergeist, dessen sie vorzugsweise verdächtig geworden sind? Oder ließen sich nicht gerade in dresem Punkte die auffallendsten Beispiele des raffinirtesten Wetteifers mit ihnen, ja, einer noch ausgezeichnet