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Das Füllhorn · 1835-04-16 · 16 (16.4.1835) · p. Spalte 123-124

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
16 (16.4.1835)
Date
1835-04-16
Page
Spalte 123-124 (sequence 2)
Language
German
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ir» rung, eine Inhaltserklärung im natürlichen Sinne, und eine allegorische Sacherklärung. In seiner Borrede erklärte dieser gelehrte und alfreisinnig anerkannte Rabbiner, daß dem Gedichte, dessen Werth er über alle andere Dichtungen SolomonS seit, durchaus eine allegorische Deutung unterliegen müsse. Seine Worte in dieser Beziehung lauten in der Uibersezung: ,1Ferne, Lerne sei es, das hohe Lied als bloS profane- . ' Liebesgedicht zu betrachten; es muß dasselbe viel- ' mehr als Allegorie genommen werden. Außerdem würde man dasselbe nicht in den Kanon der heiligen Schrift ausgenommen haben," Iarchi und Aben Esra stimmen darin überein, daß unter dem Freunde Gott, und unter der Freundin Israel verstanden werden müsse. In der detailttten Anwendung des Gleichnisses geht Jeder seinen eigenen Weg. Auf ihre Seite tritt auch MaimonideS, wie auS einer Stelle seiner Schrift: Igereth Theman'her« vorgeht. Aber nicht nur die Synagoge und ihre Vertreter hielten diesen Grundsaz fest, auch die christliche Kirche war derselben mit Strenge zugethan. Theodor von Mopsvesta, der im 4. Jahrhundert eine wörtliche Auslegung des hohen Liedes unternahm, wurde deswegen als Kezer verdammt; und noch im 16. Jahrhundert wurde Castalio, wegen seines Zweifels gegen den mystischen Sinn des hohen Liedes, au- Genf, wo er sich aufhiekt, vertrieben. Ja der neuern Zeit haben es einige kristliche Theologen unternommen, das Lied rein ästhetisch zu erklären, auch ein JSraelite» Herr Salomon Levisohn in seinem Werke bkeUrstK lereLmim - (Ieschurums Dichtkunst), Wien, bei Ant. Schmidt 1816. In der Hauptidee, so wie auch großentheilS in der Ausführung fiel Herr Umbreit in seinem Lied der Liebe rc., Heidelberg, bei Mohr 1828, mit Levisohn zusammen. Herr Um« breit will, jedoch, wie er sich in der Vorrede erklärt, dem Liede keineswegs seinen mystischen Sinn absprechen, und ist hierin viel bescheidener. 124 als Herr Levisohn; er glaubt vielmehr, daß eS dem Morgenländer, ja selbst dem tieferfühlenden Westländer natürlich ist, in der Liebe und deren Aussprüchen ganz vorzüglich etwas Mystischezu finden. Mendelssohn liefert eine teutsche Ujbersezung des Liedes, ohne Erklärung. Die Uibersezung scheint dem Ref. ein Meisterstük der UibersezUngskünst zu sein, und gewährt ihm, so oft er zu ihr zurükkehrt, Vergnügen. Die Herren Professoren Wolfssohn und Joel Löwe begleiteten diese Uibersezung mit einem hebräische» Kommentar, der sich aber nur mit der Aussenseite des Liedes befasset, ohne auf den innern Sinn einzugehen. Dsf^aS Lied jedoch eine allegorische Deutung haben müsse, darüber sind beide Kommentatoren, wie sie in ihrer Vorrede wiedererklären, einverstanden. R-d. Antwort auf ein anonyme-Schreiben. Ein ungenannter „Freund der Wahrheit," wie er sich zu nennen beliebt, möchte wissen, warum ich in Nro. 10. dieses Blattes die im Bettest der Baireuther Synagogen - Ordnung erfolgte höchste Entschließung des königl. Staatsministerium« des Innern vom 24. Dzbr. v. I. nur theilweise, und nicht nach ihrem ganzen Umfange zur Publikation brachte? Der WahrheitSfreund stellt eS mir zur freien Wahl anheim, entweder fragliches höchstes ReSkript in seinem ganzen segensreichen Umfange dem Publikum mitzutheilen, ober im Füllhorn die Ursache dieserätselhaften Vorenthaltens anzugebeu. Er drohet mit Feuer und Flammen, mit Donner, Bliz und Schwert, wenn nicht Einevon Beiden geschieht. Da ich nun ein BiSchen furchtsam,bin, und den schmerzlichen Stich der spljllzen Gänsedolche mehr alS Allescheue, so muß ich freilich eine Kapitulation mit meinem Wahrheitskämpfer eingehen, und diese besteht darin, daß ich ihm und auch Andern, die es zu wissen verlangen, die Ursache sagen will, warum ich nicht alles sagte, waich wußte.— Wem» Ein

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