Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 15 (9.4.1835)
- Date
- 1835-04-09
- Page
- Spalte 115-116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' 118 selbst gelesen Hab» ich sie nicht. — , Bekartrttlich war .Abraham ein Muster der Gastfreundschaft/ und unter seinem Dache fand § Jeder Schuj gegen Hunger und Durst, gegen Sturm und Wetter; so-daß der Thalmud sehr ' schön von ihm bemerkt/ sein HauS habe auf allen 4 Seiten Thore gehabt, die stets geöffnet dem Wanderer freien Eintritt boten.) 4- Nun, (so heißt die Erzählung,) sei einst in einer höchst stürmischen Gewitternachnttn hochbejahrter Greis in das Haus Abrahams eingetreten, um hier endlich sichere Ruhe finden zu können. Abraham, hocherfreut, die Tugend der Gastfreundschaft auch noch so spät ausüben zu können, nahm den Greis freundlich auf, ließ ihn wärmen an seinem Feuer, ließ ihn kleiden in seine Kleider, ließ ihn speisen mit seiner Speise, und war auch bemüht, ihm ein sanftes Lager zuzubereiten. Da hatte der Mann nun geruhet, sich gesättiget und gelabet, und stand nun auf von seinem Size, trat Hii5 zu Abraham, und fiel vor ihm nieder, um ihm ju danken für seinen Schur und für alle genossene Wohlthat. Abraham aber, selbst gewöhnt, dem Geber alles Guten nur stets für das Gute zu danken, verwies auch den Greis dahin und sprach: Nicht mir danke, o Freund, sondern dem, der mir das Herz, den Sinn und aber auch zugleich die Gaben schenkte, um hilflosen Reisenden beijustehen, ihm, der im Himmel thront, und der zugleich auch für jedes seiner Geschöpfe hier auf Erden sorgt. Solche Rede verstand der Greis nicht; denn er wußte nichts von einem Gotte im Himmel, nichts von einem allliebenden, fürsorgenden Vater der Menschen, und er hörte nicht auf, nur Abraham zu danken; denn, sagte er, nur du bist mein Wohlthäter, und einen andern kenne ich nicht. — Da ergrimmte Abraham und sein Zorn entbrannte über diesen Gottesleugner, der bei so hohem Alter noch nicht erkennen wollte, die Güte und Vaterhuld deS AllschöpferS. Und als er wahrnahm, daß dieser Gr^s verstokt war in seinem Wahne, da öffnete er seine Pforte und stieß ihn hinaus im größten. Sturme und im fürchterlichsten Gewitter, weil er es scheuet« und ihm grauete, mit einem Gottesleugner unter einem Dache zu wohnen. Als aber andern Tages Abraham wieder unter dem Schatten seines Obdaches saß, und nach der Strasse umschattete, ob Fremde kämen, die er beherbergen und erquiken könnte, da erschien ihm Gott in einem Gesichte und sprach zu ihm: „Siehe, Abraham, du hast heute in der Nacht ein großes Unrecht geübt; du warst erzürnt und ergrimmtest über diesen SOjährigen Greis, u. wolltest nicht eine Nacht ihn unter deinem Dache lassen, weil er mich nicht anerkennen wollte, und doch leugnet er mich schon SO Jahre und es hat ihm dennoch noch nie gefehlt; ich ließ ihm täglich meine Sonne scheinen, ihn jede Nacht einen Ruheort finden; ich habe stets seinen Hunger befriedigt, seinen Durst gestillt, und ihm nie meine Güte und Fürsorge mangeln lassen, Darum sollst auch du an deinem Satncn erfahren, wie sehr Lieblosigkeit und Versagung der Gastfreundschaft schmerze. „Wisse, haß dein Same Sklave sein solle in einem nicht ihm gehörigen Lande und dienen müsse 400 Jahre." — Und so geschah «s auch; Anfangs gastlich ausgenommen im Lande Egyptens mußten die Kinder AbrahamS später Sklaven sein, bis ihnen Gott einen Retter sandte in Moses. *) Josef Klein. s) Diese arabische Sage möge wohl als Sage ihren Werth haben; zur genügenden Lösung der Frage aber scheint fle uns nicht hinreichend. Wurde sich hiedurch auch die Art der Bestrafung rechtfertigen, so wüßten wir doch das Ma a ß derselben mit der GerechtigkeitÄotteS nicht zu vereinbaren. Ilnd-Hieraufkommt ja doch, wo die Rede von der Gerechtigkeit ist. Alles an. — Die Frage hingegen scheint auf die falsche Ansicht sich zu gründen, als wenn Alles, was den Anschein des Uibels hat. die Straffolge'von Vergehuiigen sein Müsse (eine Ansicht, in welche auch die Freund« Hiob« verfielen, und die oft von ungemein schädlichen Folgen iss), während dieses Scheinubek sehr oft die Basis eines folgenden unermeßliche» Gutes ist, und daher als eine Wohlthat betrachtet werden kann. — Dieser Fall war es auch mit der Dienstbarkeit der Israelikn in Egypten. Sie war die Vorbereitung zu dem künftigen hohen Stande und Berufe de« Volles. Sie