Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 11 (12.3.1835)
- Date
- 1835-03-12
- Page
- Spalte 85-86 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sr Sitten — ich will jezt nicht einmal zu dem allgemeinen Rechtsmittel greifen und einwenden, daß man auch seine Gegenklage hören sollte — - aber sagt mir doch, was thut ihr denn nun eigentlich zu seiner Verbesserung? *) Von euren Gesellschaftenschließt ihr diese Menschenmengen feindselig aus. Seid ihr besser, und wollet ihr sie bessern: so könnten sie ja von euch lernen, wenn ihr sie nicht von euch entferntet. In über- 'aus einförmigen Lagen des Lebens schränkt ihr sie zurük, in welchen ihnen beinahe nichts freigelassen ist, als der Wucher; **) fast, damit ihr euren Gewinn wieder von ihnen desto ergiebiger haben könntet. Mag eure Religion auch wohl das geringste »n eurer Rechtfertigung darüber sagen?. Lehrt sie euch, reizt sie euch, Menschen zu hassen und zu drüken, welche das nicht glauben können, was ihr glaubt? — Schauet über euch und sehet, daß die Sonne auch für sie scheint; wehrt ihnen den frohen Muth in ihren Strahlen nicht!. WaS die Natur ihnen gönnt, dürft ihr am wenigsten ihnen verbittern. Sie sind Menschen wie > ihr; auch menschliche Freiheit können sie fordern, wie ihr. Nur dadurch werdet ihr die Würde eurer Religion gegen sie behaupten, wenn ihr ihnen zeigt, daß sie auch die Kraft habe, verjährten Haß gegen ein verunglücktes Volk in den Seelen ihrer Verehrer zu dämpfen. Jezt habt ihr nichts vor ihnen voraus, alS äußerliche Uebermacht. —" Das ist in der That eine Rede im Menfchentön! Möchten solche herrliche Töne, erschollen auL der edelsten Menschenbrust,^auch den verdienten Anklang finden in recht vielen Menschenherzen, auf daß das Elcird minder werde *1 Wohl hat man inzwischen angefangen. Manches zu z« feiner Verkelstrung zu Min; aber leider auch nur angefangen: Man gebt stille auf Kalben, Wege und vallendet das Begonnene nicht. Da steht nunein Ge» baude ebne Dachwcrk, und die «indringenden Stürme "s«en wieder zerstörend auf den gutangelegten Grund- ) Pier ln einem Staate, ist dem Israeliten noch jezt der Ankauf van Grundstücken, dort, ln einem andern, . der Betrieb de« kaufmännischen Handels verboten! .' auf Erden, und die Menschen alle sn Gott, ihrem himmlischen Vater, sich brüderlich-kiAe»^ltd' brüderlich freuen können!. R—d.* Verordnung. DaS k. b. Jntelligenzbl. für den Obermainkeik N.2I.1835 enthältfolgende höchste Verfügung: Staatsnnnisterium des Innern. Es ergibt sich aus Vorlagen, daß bei kirchlichen Kollekten bisher die Sinagogen der Israeliten umgangen wurden. In der Erwägung, daß eine Umgehung der israelitischen Synagogen oder Bethäuser bei öffentlichen, nicht für kirchliche Zwecke anderer Konfessionen bestimmten Kollekten dem Wohlthätigkeitssinne der israelitischen.Glaubensgenossen den gesetzlich aufgestellten Weg verschließen würde, und daß bei kirchlichen Kollekten so wenig als bei Hauskollekten irgend ein Zwang angewendet werden darf, nimmt das kgl. Staats- Ministerium des Innern Anlaß, der kgl. Kreisregierung zu bemerken, daß die Bewilligung kirchlicher Kollekten auch den Rabbinern mit dem Aufträge bekannt zu machen ist, für die Kollektirung in ihren Synagogen oder Bethäusern sogleich Sorge zü tragen und die eingegangenenen freiwilligen Beiträge an die vorgesezte Distrikts- Polizeibehörde abzuliefern. München, d. 27. Januar 1835. Auf Seiner kgl. Majestät allerhöchsten Befehl. Fürst von Oettingen Wallerstein. Israeliten in Rußland und-Polen. Nach einer im Jahre 1832 vorgenommenea Zählung belief sich die Zahl der steuerpflichtigen Israeliten in Rußland auf 422,440, worunter 5227 Kaufleute, 413,607 Bürger und Handwerks und 360S Landbauern. Im Gouvernement Kammnez - Podolsk sind sie am häufigsten. Man zählt daselbst 69,682. In Liefland sind nicht meh» als 31. Hiebei ist überall nur von den Männern die Rede. Das Königreich Polen hat nach einer der lezten Zählungen 414,843 Israeliten.