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Das Füllhorn · 1835-03-12 · 11 (12.3.1835) · p. Spalte 87-88

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
11 (12.3.1835)
Date
1835-03-12
Page
Spalte 87-88 (sequence 4)
Language
German
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88 'Historische Notiz. - ' Bizum Jahre 33S feierten die Christen ihren Sahbath mit den Juden zugleich. In bereatem Jahre wurde ein Konzilium von 318 Bischöfen in der Stadt Nizza abgehalten, dessen Zweck war, gegen die Sekt« der Arianer Raths »u^fleg«n. Hiebei wurde zugleich beschlossen, den Sabbath der Christen auf den Sonntag zu verlegen. Indessen gibt es heute noch eine Sekte unter den Christen, die Sabbathbaptisten genannt, welche den Samstag statt den Sonntag feiern. Sie zählt in Anttrika nach dem amerikanischen Almanach von 1833, 30,000 Mitglieder. Anekdote. Tin Geistlicher und ein sogenannter Freigeist, auch Klügler, noch besser, Vielwisser genannt, stritten sich in einer Gesellschaft über Religion- und Religionswahrheiten. Wie nun bekanntlich dergleichen Streitigkelten gewöhnlich fruchtlos ablaufen, da der Erstere seiner guten Sach« und seinem Stande nichts vergeben könnte, der Andere hingegen den festen Vorsatz hatte, sich nicht allein nicht überzeugen zu lassen, sondern vielmehr nach der Manier solcher Herren durch Wizeleien, albern« .Zweifel und so weiter, an dem Geistlichen zum Ritter werden zu wollen, so ging eS auch hier. Alle Gegenwärtige waren neugierig, welchen Ausgang der Streit nehmen werde. „Wir wollen von dieser Materie abbrechen," sagte der Geistliche ganz ruhig, „erlauben Sie mir blos, daß ich Ihnen Herr ** eine kleine Fabel erzähle; eine beliebige Anwendung können Sie dann selbst machen. — Als nämlich Noah sein« Arche erbauet hatte, legt« er eine Laufbrücke au, damit die Thiere bequem darüber hinein gehen konnten. Eine große Menge von Thicrcn ging hinüber, ohne Gefahr zu ahnen; Vater Noah's Ehrlichkeit war ihnen dafür bürge, auf dies« konnten sie sich getrost verlassen. Endlich kam die Reihe auch an den Esel, dieser stuzte, als er die Brücke sah, hob die Ohren und sagte zu Noah: „Nein! so unvorsichtig gehe ich nicht zu Werke. Ehe ich mich auf die Brücke wage, muß ich zuvor wissen, wer fie gebaut hat, warum sic gebaut worden, ob sie stark genug ist, ob sie wohl vom Bord abgleiten kann, wohin sie mich dringen und waS dorr^Meine Bestimmung sein wird? Alles dieß mußt du mir erst so überzeugend demonstriren, daß nicht der geringste Zweifel oder Sinwurs statt findet, sonst fttze ich s keinen Fuß über die Brücke."" — ,„,WaS? eri wiederte Noah, der Elephant, das Kameel, der - Auerochs, das Pferd und noch viele andere größ- ' ere und Klügere Thiere als du eins bist, sind auf mein Wort hinüber gegaugeg, und ohne Schaden zu nehmen hinüber gekommen, und Du! -allein willst raisonniren? Marsch! vorwärts! ohne Weigerung„Den Esel mochte es jucken; mit den Ohren schüttelnd, schliech er tückisch über die Brücke". APhorism«n aus dem Talmud. Man gehorcht gern Denjenigen, von denen man überzeugt ist, daß sie aufrichtige Gottesverehrer sind. — Der Gottesfürchtige verdientes, daß die ganze Welt seinetwegen da sei; sein Dasein wägt alles andere in der Welt auf. — Pflegt dich jemand zu grüßen, so komme ihm mit deinem Gruße zuvor. Derjenige aber, der e«nen Gruß nicht erwiedert, verdient ein Räuber genannt zu werden. — Achte den Segenswunsch eines gemeinen Menschen nicht für geringe. — Auch dem Bisen und Gottlosen fluche nicht; Gott erbarmt sich Aller. — R - d. G e i st e s b l ü t h e n. Die Intoleranz wird äufhören, wenn das Wort Toleranz selbst als ein untergeordneter Begriff dem Worte höherer Gemeinschaft weicht. — Wahre Mündigkeit ist das Bewußtsein ewiger LehrlingSschaft. — . Der ist der Liebendste>> der die meisten Gegensätze in einer höheren Einheit versöhnen lernt. Die Selbstsucht wird immer ihr eigener Feind bleiben und niemals ihren wahren Vortheil,,der mit dem Vortheil aller übrigen aufS Innigste verbunden ist, einsehen. — Der Mensch soll nicht unthätig sein, darum träumt er noch im Schlafe. . . . Im besten Staat vl-eivt «in Volk «mm-'r Pöbel, ein blinder Haufe, den mehr sinnliche Eindrüke und dunkle Triebe, als reihe Vernunft leiten. — -kdigirt von Rabbiner S. W. Rosen selb. — Verlegt von-Fr. Walthr in Dinkel-bühl.

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