Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 8 (19.2.1835)
- Date
- 1835-02-19
- Page
- Spalte 61-62 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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loszubrechen, obgleich meine Begleiter mir dabei tehülflich waren. Dem Berge Sinai gegenüber liegt der St. Katharinenberg, der sehr hoch und noch tausend Fuß höher ist; der Schnee hinderte unS, dahin zu gelangen. Der Augenblick meiner Abreise rückte heran, doch ward es mir schwer, diesen heiligen Gipfel zu verlassen, wo die Stimme des Allerhöchsten erschollen war. Alles stößt dort den Gedanken an Gotr ein rc. Ein Wort zu seiner Zeit an die Rabbinen im Rheinkreise. . Dem Schreiber dieses wurde jüngst in einem Briefe aus dem Rhemkreise eineMittheilung gemacht, die von der Art ist, daß er den Zaun der Weisheit, das Stillschweigen (wie sich die Alt- Rabbinen ausdrücken) zu durchbrechen für nöthig hielt. — Es heißt darin also: -,Die Israelitenrinder gehen in den meisten Orten, wo keine isr. Elementarschulen sind, in Christenschulen; werden alsdann in solchen Orten Privatlehrer gehalten, so wird auf die Brauchbarkeit der Subjekte zum Lehrfache am Wenigsten geachtet, und daher brauchbare nicht unterstüjt. Die isr. Jugend wohnt nun dem Unterrichte in den Christenschulen bei; der Unterricht selbst, wie die dabei gebrauchten Lehrbücher stützen sich völlig auf die Religion. 'Gedächtnißübungen, Schönschreibeübungs -, Diktirübungsmaterialicn, kurz das Meiste wird aus dem neuen Testamente gewählt und zu > religiösen Andeutungen bxnüzt. Kommen nun die ' isr. Kinder aus einem solchen Unterrichte zu ihrem sogenannten Religionslehrcr, so nimmt er mit ihnen hebräische Gebete lesen und Pentateuch nach dem ältesten und abgeschmacktestem Schlendrian ohne Sinn und Verstand vor, und gesezt § auch, ein oder der andere gibt sich mit Religi- > onslehre ab; welchen vortheilhaften Einfluß kann t dieser haben, wenn Kinder zwischen solchen zu- L widerlaufenden Extremen unterrichtet werden, s Selbst der Hr. Redakteur des Schulblattes, den! ,ch darüber sprach, druckte mir sein Verwundern aus, daß die Rabbinen so kaltstnnig und gleichgültig bek der Sache se,n könnten; denn auSsolchen Kindern würden verdorbene Zwittergeschövfe von Halbjuden und Halbchristen usw." — So weit die Worte meines Korrespondenten. — Und nun frage ich selbst, wenn dem wirklich so ist, wie «ch vermöge der Wahrhaftigkeit meines Kor» respondenten zu zweifeln nicht Ursache habe, wie können Rabbrnen, Geistliche, die da Wächter fein sollen über das Gesetz und sein^ Reinhljj, mit gleichgiltigen Augen ansehen, daß wichtigsten Theile der Jugenderziehung, d«r HÜ ligion, ein so böseS Blindekuhsviel getriebenwerde?. Sie sollten doch selbst sich ein Beispiel an der 7 Einrichtung der christi. Schulen nehmen-die höchst 7^^ lobeuswürdig Alles und JedeS vom religiösen^' / Standpunkte auffassend auch ihrem Unterricht dadurch die schönste Seite abgewinnen, indem sie in das jugendliche leichtfaßliche Gemüth derKinder die Hauptregeln und Grundsätze ihrer Religion in Sentenzen beizubringen suchen. Es ist dieß eine mehrseitige Klage, daß über dem Rheine die Jugendbildung der Israeliten weit zurückstehe vor der dießseits deS Rheins, darum, weil eS den Juden dort noch zu sehr Überlassen bleibe, ob sie ihre Kinder einem geschickten, pädagogisch gebildeten, aber darum wohl etwahöher »m Preise stehenden, oder einem gewöhnlichen, der Schule kaum entlaufenen und nach dem Verhältnisse seines wenigen Wissens um.so wohlfeileren Lehrer überlassen wollen. Diese lezteren aber, selbst nicht gebildet und ängstlich auf das bischen zusammengeraffte, ärmlich gestümperte Wissen haltend, geben, wie der Schwamm, nur das wieder, was sie ausgenommen, und sind nicht im Stande, selbst zu sehr geistesverkrüppelt, äuch die Zöglinge anders, als zu Krüppeln zu bilden. Freilich besuchen die Kinder die christl. Schulen, und erhalten da ihre nöthige Ausbildung für ihr späteres, bürgerliches Leben; allein den Religionsunterricht können und sollen sie denn doch nur von isr. Lehrern erhalten, und es ist um so ärger und der Religion eben um so gefährlicher, wenn die Kinder gerade im Religionsunterrichte am Weitesten zurückbleiben-, was doch bei so gestalteten Sachen nothwendig der Fall ist. Und da gibt eö ja doch sogenannte Religionslehrer, von denen eben mein Korrespondent schreibt, die in manchem Betracht des Wissens weit unter ihren Schülern stehen, wie dem Schreiber dieses selbst, wahrlich manche Exemplare schon vorgekommen sind. Und solche entblöden sich nicht, einen Theil, ja den wichtigsten der Jugenderziehung zu übernehmen! Aber woher kommt diese Tollkühnheit? Daher, weil die Rabbinen selbst keine Kontrolle über den ihnen zustchendrn Theil der Volksbildung halten wollen. Ihnen ist und soll es heiligste Pflicht sein, jeden Theil der religiösen Volksbildung mit Vorsicht, Einsicht und gutem Willen zu leiten, und vor Allem aber zu achten auf die heranzubildende Generation. — (Schluff folgt.) "