Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 8 (19.2.1835)
- Date
- 1835-02-19
- Page
- Spalte 63-64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Volk Gottes*). * Wahrhaftig, es juckte mich immer durch und ***'» durch, wenn ich die Juden verspottet sah, dieß das für die Ewigkeit zu leben scheint, wenn - ich sie verspottet sah ä>o» roden Menschen, die - ' nur für dre Gegenwart zu leben scheinen. Wie VDer Koloß von Rhodus siebt es da, das ehrwürdige Volk, wenn auch nicht ein Wunder der Welt, doch ein Wunder derWeltregierung. Hier mit dem einen Fuße steht es im IS. Jahrhundert und der andere ruht dort auf dem Granitfels der grauesten Vorzeit, und hinduich fließt unter ihm weg ununterbrochen die große Reihe so vieler Jahrhunderte. Haben auch die Kamele (?) das Materielle zerstreut in alle Welt; — das Licht, was der Koloß trug in seiner Schale, ist nicht verloschen, eS leuchtet fort und fort und wird nimmer verloschen, denn es ist ja Licht vom Himmel, was Gott selber hineingoß. __ Heinrich Schröder. . Der Geist SalomoS. ' (Eine morgenländische Dichtung.) , Ein ehrlicher Greis trug des TageS Last und Hitze, um sein Feld mit eigener Hand zu pflügen und den reinen Saamen in den lockern Schooß der Erde zu streuen. Plözlich stand unter dem breiten Schatten einer Linde «ine göttliche Erscheinung vor ihm. Der Greis stuzte. „Ich bin Salomo," sagte mit vertraulicher Stimme der Geist; „was machst du hier, Alter?" Wenn du Salomo bist, versezte der Greis, wie kannst du noch fragen? Deine Lehre schickte mich in der Jugend zur Ameise, ich sah ihren Wandel und lernte von ihr fleißig seyn und sammeln. Was ich da lernte, das thue ich noch. — „Du hast deine Lektion nur halb gelernt,^ erwiederte der . Geist. „Gehe noch einmal hin zur Ameise, und lerne nun auch yon ihr, in dem Winter deiner Jahre ruhen, und das Gesammelte genießen und nützlich gebrauchen und anwenden." «4 gen, weicht zurück und ergreift endlich die Flucht. Ein wuthender Mensch wird besänftigt, sobald man ihm ins Auge blickt, nur sucht er dies zu vermeiden, um nicht überwunden zuwerden. Tobende, Rasende werden ruhig, wenn man ihnen in- Auge sehen kann. Man kann hieraus abnehmen, welche Macht der Mensch in seinem Blicke besizt, wenn er einen mecklichen Gebrauch davon macht. Aufgebrachte Menschen besänftigen sich, wenn man ihnen ruhig ins Auge sieht und ihr Zorn legt sich. *) Ne krol o g. Zu Berlin ist einer der wenigen noch übrigen Zeugen der Blüthenzeit deutscher Literatur am SchlW des vorigen Jahrhunderts, der Stadtrath David Friedländer (denIsraeliten besonders hurch seine schönen Uebersevungen mehrerer Hapktoroth aus Jesaias bekannt) am ss. Dezember gestorben. Er war zu Königsberg am 6. Dezember 1780 geboren, ein Schüler und Freund Mendelsohn's, und als solcher, so wie durch feine eigenen Schriften, auch mit Leffing, Nicolai, Rammler, Engel, -Jerusalem, Spalding und Teller innig befreundet. Seine hinterlassene Bildersammlung und seine Bibliothek überhaupt, der man die von seinem Enkel herausgegebene Urschrift von Friedrichs des Großen Ant» - Machiavell verdankt, dürften zur Geschichte der deutschen Literatur manchen interessantest Beitrag gewahren. (N. K.) _ Literatur. Theoretisches Lehrbuch der Planimetrie, für Gymnasium und Bürgerschulen, von vr. Creizenach. Mit 8 lith. Steintafeln. 1833. Frankfurt aM. Sauerländer. Der Rezensent in den neuen Jahrbüchern für Philologie uud Pädagogik (ri. Band. 4. Heft) sagt von diesem Werke, daß es ju den bellen gehöre, die wir über diesen Äegeniland besitzen. Die Zauberkraft des menschlichen Blickes. Der Blick des Menschen hat eine Macht, die man noch lMge nicht so braucht, als eS für ihn vorthcilhaft wäre. Sieht der Mensch einem Thiere, z. B. einem Löwen, Tiger, bissigen Hunde in s Auge, so bleibt es stehen, läßt denKopf hän- *) Abrnd. Zeitung 1834. *) In dem Blicke möge besonders die Zauberkraft Bileam« bestanden haben, da Immer auf da« Sehen de« Volke« h§i seinen Verwünschung«-Versuchen Rücksicht genommen wurde. (4. Mos, 22, 41 > 23. S- 13.) »E« hilft nicht da« böse Schauen wider Jakob, nicht der Unglücksblick wider Israel ic.r so ungefähr könnte hiernach V. 21 überleit werden. Dieser Sinn scheint sekr nahe darin zu liegen. — Auch der Talmud enthält Sagest und-Spuren von den mächtigen Wirk»»- gen des Blicke«. . D. R. Aedigirt von S. W. Rosenfelb, Stadt, und Distrikts- Rabbiner in Bamberg. — Verlegt von Fr. Walth r'schen Buchhandlung in Dinkelsbühl.