Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 2 (8.1.1835)
- Date
- 1835-01-08
- Page
- Spalte 11-12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- nen, wenn nu; Anlässe dazu — nicht fehlten; indessen tritt ein Joseph in buntem Gewände vor das Zluge, und der Tugcndheld liegt zu Boden. O Mensch, du trägst den Sitz der Sünde in dir: traue deiner Tugend nicht! Auch ein Beitrag zur Geschichte deS menschlichen Herzens. 7) Daß das bunte Kleid (insofern es den Neid genähret, und der Neid den edlen Joseph nach Aegypten, und wkder Absicht auf den Thron gebracht hat,) so genau mit dem Schicksale Josephs verbunden worden, gehört in die Geschichte der Fürseh uNg, die auch die kleinsten Begebenheiten in den großen Plan ihrer Regierung kunstlos einzuflechten weiß. 6) Die Brüder redeten kein freundliches Wort mit Joseph, das ist Merkmal des Neides. So reizbar, und so unfähig, sich zu verschliessen, entziehet er dem bessern Menschen auch die gewöhnlichen Zeichen des Wohlwollens; läßt kein freundliches Wort mehr auf die Zujige kommen. Wem es schwer wird, seinem Nachbar gute Worte zu geben, der prüfe sich, ob nicht ein geheimer Neid die Ursache der unfreundlichen Begegnung sey. .Auch kann ein menschliches Herz mit Joseph leicht simpathisiren, wie es ihm in der Gesellschaft seiner Brüder so wehe ums Herz gewesen seyn mag: er mag alle freundlich angeblickt und keinen freundlichen Blick zurückbekommen haben. Alle werden mit scheelen Augen auf ihn gesehen, oder wenn er sich ihnen genähert, ihm den Rücken gewandt gaben. Das ist das Loos der bessern Menschen; es ist ihr einziges unverzeihliches Verbrechen im Auge der Schlimmem, daß sie besser sind; und auch stillschweigend das Schlimmere strafen. Es zeigt sich auch klar, daß die Finsterniß -da- Licht hasset, oder, was dasselbe ist, daß der Neid der D^üd" dadurch, daß Joseph ihr Ankläger bei chem Vater war, zur Verfolgungswuth gesteigert ward. Das Lasier will ungestraft seyn, will im Finstern sein Werk treiben, und sieht sehen, der eS an das Tageslicht hervorzieht, als feinen Feind an — will sich räch en,^will ver- 12 gelten, indem eS die gerechte Anklage alS Anrecht ansieht, und den Ankläger verfolgt. Dies ist die Geschichte der Anfänge und der Fortgänge de- Neides — Joseph und seine Brüder sind im Einzelnen, waS das Menschengeschlecht im Ganzen. Die Guten werden mißkannt, beneidet, verachtet von den Schlimmen. v) Auch liegt für die Aeltern eine Klugheitsregel in der Geschichte:^ sollten die Beweise der Achtung gegen ihre bessern Kinder so mäßigen lernen, daß sie dem bessern Kinde einen neuen Trieb zum Wohlverhalten verschaffen, ohne dem Neide der schlimmem Nahrung zu geben. (Lortsehung folgt.) Aphorismen ans dem Talmud. Uebe dich, zu antworten: „Ich weiß nicht," du könntest sonst in manchem Falle als Lügnex erscheinen. Wer im Stande ist, sich mit der Lehre Gottes zu beschäftigen und unterläßt es, der wird es durch bittere Leiden, die ihm Gott zusendet, küssen müssen. Wem Gott wohl will, dem sendet er Leiden zu; aber nur in sofern sind sie Wohlthar, wenn sie von dem Leidenden mit Liebe ausgenommen werden. Befiehlt Gott, der Allgcrechte, in Seinem Gesetze, daß derjenige, der seinem Sklaven einen Zahn oder ein Auge auSschlägt, ihm dafür die Freiheit geben müsse (2. Mos. 21, 26. 27.), sollte Gott selbst die Leiden, die Er über den Menschen kommen läßt, nicht auf eine weit höhere Art vergelten? Durch Salz wird da- Fleisch schmackhaft, so durch Leiden der Mensch besser. Gott beschenkte die Israeliten mit zwei herrlichen Gaben, mit der geoffcnbarten Lshre und dem gelobten Lande. Beide aber gab Er ihnen nur nach vorgängigen Leiden (in Aegypten und der'üLüste); so kann das kostbare Geschenk der ewigen Glückseligkeit auch nur durch Leiden