Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 221 (28.6.1896)
- Date
- 1896-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seift 4. Freie» Blatt Nr. 221. cercmonieUc und Zauberverspeisung ist sowohl in NordalS in Südamerika relativ sehr häufig und daS Verbrecherfresien hat seinen HanptfocuS in Melanesien und weiter in Centralafrika." In den weiteren Abschnitten erörtert Steinmetz das Problem und die daraus sich ergebenden Schlüsse. Er erinnert aber auch, daß manchmal die Beschuldigung des Kannibalismus ganz ungerechtfertigt vorkomme alS'Aenßerung des Hasses und Abscheucs; so scheine sie eine gewöhnliche Anklage der mittelafrikanischen Völker zu sein, „so wurden die Christen in dieser Weise von den Heiden verleumdet und die Juden von den Christen". Vollkommen zutreffend folgert Steinmetz, daß aller Culturfortschritt zur- Entfernung des Menschenfressens dränge. Auch das von unseren Reaktionären srhnlichst hcrbeigewünschte goldene - Zeitalter deS JndenfraffcS wird angesichts deS Cnlturfortschrittes nicht wieder neu erstehe» können. Nur einzelne Individuen verfallen zurück in die Barbarei der Vergangenheit, daS Volk aber wird als Ganzes auch diese Krise des JrrwahnS und Haffes überwinden. An dir dtlltschrn Abilnricnttn.l Der Anoschuß der Deutsch akademische» V e f c n » d R c b c h a 11 c i n W i c n veröffentlicht folgenden Aufruf an die dentichen Abiturienten: ÄbermatS öffne» sich die Tbore der Miltellchulen, um eine neue Schaar junger Musemöhne auf die verheißungsvoll glänzende Bad» der freie» akademische» Leben»;» entlaisen, und abennals »ach Jahresfrist ergeht »»ser Ruf in alle -eut'chen Gaue »»irrer alte» Sesterreick an euch Alle, die ihr die altinü mator Vindolpononsisi besuchen wollt, um al» willkoniniene xameraken iheilznnebmen au jyvcub und Leid, an der ernsten Arbeit »nd der fröhlichen Lust unserer Slnkenlenzeil. Wir Unterlasten eS mit Absicht, euch bei dieier Gelegenheit doch tönende Worte von der hoben Würde »nd der erhabenen Aufgabe der Studenten -,» sagen: den» dag ihr air echte dentiche Sludenrc», alr treue Söhne eure» Volker nicht bloß dem Brolstudinm und der Erwerbung von xenmnisten, i'oiidern auch den Imeresten der Ge'ainmlheit »nd ror Allem der Pflege der nationale» Interessen de» allfeil» >'o schwer bedrohten SeuncklhumS eure Xräsle widnie» »'erdet — er wäre eine beleidigende Zumulbniig, euch dies jetzt erst sagen z» ir-ollen. Wenige» nur ist e», war wir in einfachen »nd tlare» Worten euch;u ernster Erwägung vorlege»: eine einheitliche deutsche Stndentenschafl gibt es beult nickt. bei nn» in Wie» so wenig wie an einer anderen deutsch-österreichischen Hock'cknle. Sie Mehrzahl der Wiener denlfch nationalen Sllidenlen folgt deni-Feld;eickeu de» Anli'emiliSmnr, »nd sic erbeben oder erhoben doch noch ln» bor Xnrzem den Anspruch, allein air „deutsch national" z» gelte», oftr Hanpiangeninerk rickzien sie an' die erbitterte Bekämpfung nicht blosi der deutschen .Inden, sondern auch aller Jener, die de» Antiieniitirmn» nicht air nothwendigcn Bestand!'.!,'» deutsch nationaler Gesinnung betrachten. .Ihre bisherigen Erfolge für da» teni'che Skndenlenlbunr in Wien sind gleich Null: durch ungeschickte Senronstratloueir ist der Name „deutsch national^ in den Auge» serner Slehendec stark in Mißeretil gebracht worden, »nd die »rasilo» übertriebene Helvorkehrung der Anliseinilirinnr hat zur Bildung einer jüdisch nationalen Bewegung geführt, alfo eine» organisinen Gegner» mehr für alle speeiell deutschen Interesse». Sie Begründung de» aniisemilifche» Slandpnnkter auf nationalem Gebiete ist unrichtig und haltlos, sie gebt von falsche» Boranrfetznnge» au» »nd geräth in Widerspruch mit den bekanntesten Thai'acken der Geschichte. Ser Ausregnng, der Begeisterung der Antisensiren, die alle Angriffe gerade in didsem Punkt, alle» 'elbslsiändigk Nachdenken Über die Begriffe Senlschtbum, L-aiional, Volk» lbuin n. s. w. alS unsagbaren Frevel Hinstellen, setzen wir ruhig folgende Er n'agungen gegenüber: 1. E» gibt keine rein germanischen Stamme in'Sesterreich n»d yiü keine in Seuifchland, 'ondern die jetzigen Seutschen, auch die arischen, sind ein Mnckvolk von Ger inanen, dielten und Slave»: 2. spielt man aber den Gegensatz ..Arier — Semiten" an», so bat man nicht mehr dar Neckt, sich speeiell deutsch national zu nennen, dann verbrüdere man sich mit Tschechen. Rnsteu lind Franzoken, »nd daß dahnich die tharsächlichen Berbälliiiffe einfach ans den .'topf gestellt werken, ist klar: 3 wie ihörichk diese >o beliebte Berwech». Inng der Begriffe arifck, germanisch und deulstck ist, zeigt ia auch die Bölkergeichickte: jene Bolker, die dein Srulschlhiim am meisten geschadet baden, wa»n fast alle, mit Änrnabme der Hiuiiien, Äraren und Magnaren, Arier: tar/be weist wohl an> schlagendsten, wie verkehrt e» ist, sich in ronlanlifcher TräninGei für anstkff» Nationalirmu»;n begeistern und diese Begeisterung dann im Hand unidrehen a!» feui'ili national zu bezeichnen. Sie SckahI, ckkeil de» A >: t i' e »l i t i » IN n r für die deutsche Sache liegt auf der V and., er. weist anS lheorelinrende», Voriheil Hunderte, die ihre Hand Zier Mitarbeit bieten, von vorneherein ab, er drängt viele von ihnen «inihwillig in die Reihe» der Gegner: vor Allem aber bringt er Spaltung in ko» Lager der Seuljchcu, auch der arische», und lbnt dem S«ul>'chtdnni >'o de» größten Schäden a», den e» erleiden kan». Eonunilitone»! Wa» wir bisher getagt Habe», da» war die kalte, nüchterne Sprache der SHatsache»; so liege» die Verbällniffe, wenn man sie all de» glänzenden und klingenden Schmucke» beraubt, mit dem man sie bekleidet hat, eine» Schmucke», der wohl gewaltig bestechend aus die Sinne der Nichteingeiveihlen wirkt, ier aber doch mir äußerlicher Anfpütz ist und in sich zerfällt, wen» man sich ihm mit kritischem Auge nähert Die feurige Beredsamkeit de» begeisterte» Herzen», da» für die Wohlfahrt und den Fortschritt und für alle hohen Güter seine» Volker schlägt — sie ist auch un» nicht fremd: doch an der Schwelle de» akadcmiichett Leben» wollten wir euch nicht durch die Macht deS zündende» Worte» gefangen nehmen, sonder» wir ließen die Thatsachen für sich selbst sprechen. Ihr aber, Eoinmilitonen, seid euch bewußt, daß in euren Händen in erst-r Linie die Zukunft eure» Volke» ruht! Bedenket,,, welch schwere Verantwortung ihr dadurch traget, und laßt euch deshalb nicht duich äußeren Glanz, nicht durch augenblickliche Machiveihälliuste und iniponirende Masten bestechen, nicht durch die leidenschaftlich flainmcnde Beredsamkeit de» Fanali»inu» gefangen ncbmen: nicht jeder, beste» dritte» Wort allemal Ideal unk Seut'ch ist, vertritt ivirklich da» ideale Senlscklhum. Ser schönste RuHmeriitel, den dein deutschen Volke die Geschichte zuerkennt, der höchste Vorzug unserer Volke» vor anderen, dar ist sein stete» inannhasieS Eintreten für die edelsten Güter der Menichbeit, die c» auch bleiben iverdcn trotz aller Verketzerung, trotz aller Schmähung und Mißdeulung: für die Freiheit der Einzelnen und der Ge-ammiheil,. für den-Fortschritt ans allen Gebieten der Leben». Freiheit und Fortschritt — da» sind Ideale, die in Wahrheit untrennbar mit deutschem National bewußlsein verbunden, sind, und alle Deutsch - Nationalen. mögen sie sonst welchen Anfchallungen immer huldigen, suche» sich wenigstens in ihre» Reden mit diesen Forderunge» abzusindcn. Wir, Eommilitone», wir wollen un» in Allem und Jedem nicht mit dem bloßen Reden begnüje»^ wir ivollen jene Forterungen im Leben durchführen, wir wollen keut'cke Männer werde», nicht bloß in Lied »nd -Won, sonder» auch im Leben »nd in linieren Shaten! Und darum fordern wir euch nochmal» aus: schließt euch »»feren Reihe» an, tretet ein in unsere Mille a!» willkommene Xameratcn im Streite für unser thencre» Volk» lhum, für deutsche Sprache, deutschen Geist »nd deutsche Sille. Im Zeichen der Freisinn» vertreten wir, ohne Fanatismus gegen Anderrkenkeiide, aber mit allein Nachdruck fester Ueberzeugung, die »auor.ale Sache. Mag der Weg zum Siege ein langer fei», möge» die Hemmnisse nnüberwintlick scheinen — Recht und Wahrheit st e h e n a u s» n s c r e i S e i l e, u n k d i e Z u k ii n s l ist u»ser! (Wolllvrrdiriltt Abfcrkigllllg.' Im Salzburger Gemeinde ratlie wurde neulich über ein Subvcniion»gesuch de» dortige» Männer Turnvereins perbandcli. .Nur; zuvor batte der autifcmitifdic Salzburger Turnverein ebenfalls m» eine Subvention angefucbl und debatkelo» eine solche im Betrage von 3t >0 fl. erhalten. Für den Männer Turnverein nun wurde von der Seelion eine Subvention per 100 fl., zur Bewilligung beantragt. Dar ging Herrn Adolf Stainer gewaltig gegen den,. Strich, und er erhob 'ich. um eine donnernde Philippika gegen den Männer Tnrnverein zu halten, der nach seiner Ansicht durch und durch verjudet und nicht» Andere» als ein Indenschutzverein ist, tvelcher bester daran lhälc, sich lieber an die indische Cultnsgeiucindc al» "an den anlisemitischcn Genleinderath um Subvcntionirn.ig;u wenden Der Tnrnralh de» von Stainer vernnglimpften Vereine» ver öffentlichle hierauf ein» Erklärung, in welcher c» hieß: „Die Grün düng de» Salzburger Männer Turnvereine» war nolhwcndig, weil sich der Salzburger Turnverein mit den in der dcntschen Turnerschaft gclrendci: Grnndiätzen in Widerspruch setzte ilnd durch den Anölr'ilt aus dem Tnrngan Sberösierrcich Salzburg die langjährigen Beziehungen zu den nachbarliche» Vereinen abgebrochen hat. Sowie in den ersten Jahren der Bestände», de» Salzburger Tnrnvercinc» in demselben jede einseitige politische Paricibeftrcbnng an»gcschlostcn war, so bietet der Männer Turnverein jedem Unbescholtenen ohüc Rücksicht auf denen politische Anschauung die Möglichkeit, sich am Turnen zu belheiligen. Deshalb fühlte sich der Männer Turnverein auch berechtigt, an den Gemeinderath um Gewährung einer Subvention zu dem au» Anlaß de» dreißigjährigen Bestände» de» obcröflerrcichisch ialzburgischen Turn gaucs sialtsindenden Gauturnen hcranzulreten. umsomehr al» dem Salzburger Tnrnvercinc.;» dem abznhaltendcn Feste de» antisemitischen T uruerbunüe» bereit» in -einer früheren ÖKmciilderalhssitznng eine namhafte llnlersiütznug gewährt wurde. Der Männer Turnverein weift »amen» seiner Mitglieder, die allen G ''llschaftsrlasten augehören, die maßlosen Angriffe de» GenieindcratHes Hc.rn Stainer hienlit cntichicden zurück und fühlt sich, verpflichtet, besonder» dem Herrn Bürgermeister G'nfkav Zeller für die kräftige Wahrung der Ehre de» Männer Tnrnvcrcincs den wärinsic» Dank ansznsvrechcn.'" Da» trefflich rcdigirlc „Salzburger Volksblati" widmete überdic» Herrn Stainer die nachi flehenden Bcmerknngen: „Un» hat diese» Auftreten de» eulaul torrible ^unterer Gemcinderalhsautiscmilcn nicht überrascht. Wohl wäre e» taft voller gewesen, wenn Herr Adolf Stainer in diesem Falle da» bekannte Wort: .Reden in Silber, Schweigen — Gold' beherzigt hätte, aber Takt in gerade nicht feine starte Seile, und so konnte man von ihm auch nichts Andere» al» eine — Taktlosigkeit erwarten. Herr Adolf Stainer hat dabei nur auf eine Kleinigkeit vcrgcffen. Der Männer- Turnverein in bekanntlich von jenen früheren Mitgliedern de» Salz