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Freies Blatt · 1896-06-21 · 220 (21.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
220 (21.6.1896)
Date
1896-06-21
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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11 r. 2-M .freie» Platt. Seile '■». au« denk» sich die Sondergriippe» bilden. E« läßt sich nicht in Äbrede stellen, daß die anliseiniliiche Bewegung wenn auch nicht eine einheitlich geiclstosi'ene Classe von Bürgern geschasien, so dach eigenlhüniliche Grnppeii eiwerb« genofsenlchasllicher Art in« Leben gcruscn bat, die in ihrer socialen Gliederung eine, iveniigleich nubeabsichligle, doch »atnegeietztich leicht rilläibare eilo otegisch bemcrken»werlhe Parallele;n der Crgauiiatioii der itaticnische» Bravo« voriger Jahrhunderte-liefern. Bor Allei» fällt der Häuptling mit seinen ilcjiitantcii und Helfershelfern auf, sowie die „Roncnschast", die sich an« veilrachien Eie mciilen aller BerusSarlc» recrulirl. Bei dein Bedürsniß »ach einer halbweg« strainnicn DiSeipti» entsteht seiner die Wihignng häutiger »nd rascher ^»siificiiinig iinbolinäßigec Personen, »nd wcilcr« solge» :>!eibunge» zwischen de» D'neieren, die den Hanpiman» ni» den Lölvenantheit der Beule beneide» »nd Alte« .in! biete», seine Stelle zu erringen. Eis ist kennzeichnend, daß gerade diejenige-,,, die sich selber außerhalb der iibe>kon»nen«n und anci lannic» geselltchasllichen Ordnung stellen, mit Aachdrnck, so oft c« in ihren .llrain paßi, die ionst ueipönlen Ehr begrisse gerade dieser Gesellichasl siir sich reelainiren und nach die>eni Maß stabe die z» verfchmende» Gegner benrlhcili »:>d — veruriheili wissen inz-chie». ES ist, von diese»! GestchlSpnnkle an» belrachiei, g/radezu eine Unierhal^iig Nir eihnologtsche Feinschinecker, den Federkrieg Lieber tit'a n » v. o u » e nberg'S gegen Ä hl warbt und Paaschs gegen Licberman» »ul '.'lusineil sainkcit zu verfolge». Liebernianw beikeuerl. er habe „den belanniei, Herr» Abt ivardt gleich nach seiuei» ersten Ausircicn alS einen Schädling durchichaul, der so bald wie nivgtich an» der Partei entsernt werde» niußle", und Paa'eli ein wirst wieder seinerseiiS eine Eharallcrichilderiing Lieberinan»'», die in dein liebliche»-iernsahe gipfelt, daß „einer von Beiden ans der Sli-äe liege» blelben iniisse"! LLaS die Biederinänncr einander an Lchiinpsivviie» »nd haaiftiänbendc» Biedert, achligteile» vorwcrsen, entzieht sich »n>erer iachliche» Benrthellnug, do.li liegi für nnS fernstehende kein Grund vor, die Bercchlignng anznziiuiteln, mil der sic sich gegenseitig irden funken bnigeillchrr Eluc absprecheu. B,'lr teil,,-» ja die Herren nicht perwiituli, wahrend |i.’, öalne hindurch, liopdrun sie ein ander „gleich bei», erste» -lnstieten" kilannl, unter ftili innigsten anlise»l,l,i>h geschäsllicheu Handel und Wandet pflogen. , l>, di. Fcuillctlin. ff Oor fünfundzwanzig fahren. ein eapitcl and mein r u „E r i IIII e r IIII st c n". iflorcnz —stioin Id>7li bis |SY1. — Gregorovin» über Ro.in. AU- Lchtilßuon Popstivahl I ''7'*. > 'i...i>kuu: i'atoMi. , iiltUM:.)" Scho» zum earncval war Kronprin; Umberto um seiner i"i nniljliii, der rcizenden Prinzessi» Pi'argherita, nackt klioin gekommen. Auf hem Balkon des „Hülcl di Roma" bcilieilistleu sie still lest liaft nu dem nnK11ituevfcit, »nd dort empfinge» sie ancki einni wahren Blniiiengarten van Bongnets. B>t der großen Paiade, die ich va» dem Holclsenstcr ans dir Pia;;» dt Spagna lnh. cvblitfIc ich;uiii etstciiinale die neue römische Leibgarde des KtinigS auf prachlvallen Raeepserden. Die Bersaglieri liefe» vorbei, die Bvlksmasse aeelamirle dm KonigSsohn. Der Eintritt in die valieanische» Museen war eileichierl worden, seil Prasessvr Hclbig Botnage hielt, Ick, verschasfle mir tincil Permesfo, »nd der Dieiicr des Maggioldomo lieft'mich gegen ein Trinlgeld jedesmal ahne Eliicnernnq der Erlanbniß durch sie Bolschast ein; ja, er führte mich allein an Tage», wenn ges.rlossen war, in die Sixlina,;» den Stanzen »nd Loggien! Die gelbrvlhen Schweizergardei! krciiz'cn zwar jedesmal die Hellebarden, aber das Work Maggiordonio wirkte, einmal schloß sich mir bei einer meiner lnnsigischichtlichen Toure» einer der Botschasts allachos a», ein frommer Herr, welcher auch später für Do» EarloS in Spanien lämpflr. Derselbe bclcle vor jedmt «eilen allar sein Baternnser »nd überließ mich dabei meinen l'iiMi;m; nur als ich gegenüber dem Lateran die Srtila s;tnt;t bcliile» wollle, da erwachte der heilige Eifer,^nnd er verlangle, ich so»!.- auf Knien hinaiifriilschc». Ich lachte herzlich über diese ,>>ni^nthung nnd virlicf; ihn, »in an der Antike Erholung;» suche», ei» anderer Ullramonlaner, ein galizijchcr Esiilshirr, ivvtllc mich im H>>tct bekehren. Wahrscheinlich Halle er vernommen, daß ich mich geweigert, die Audien; beim Papste i»il;nmachcn. ,,Wisse» Sie denn auch," Hub er an, „wie viele Proust.nie» beim Osterfeste Katholiken geworden, als sie die Prnchlenlfnllnng des päpsl liche» Eortö-ge betrachteten?" Ich antwortete: „Wissen Sie, wie viele Katholiken ihren Glauben verloren, alS sie diesen Pomp sahen? Ein Sprichwort sagt: .Wen» dn di» Estauben verliere» willst, so gehe nur nach Rom! EhristuS wollle keine wcllliche I Macht des Papstes.- Der Pole;oe> es vor,;u schweigen, nnd! blickle finster vor sich hin. . Mil wechselnden Gefühlen virließ ich Rom, die Festigung der' s neuen Bcrhältnisse wünschend- Sieben Jahre spälir t I^7^ fmn j ich wiederum nach Ri»n. Schon in Bologna vernahin ich vom Tode Pins' I\.; in Flore»; vcrkanfle man Bilder, darstellend! Pins IX., wie er dem ihm vorangegingeneu Bielor eniannel ikn! Himmel die Hand reicht. Am -’n Februar I >7v hieß es in stiom,! das Eonelave werde geöffnet, die Pavstwabl habe slallgesünden, die Slimmzellet seien verbrannt worden. Ich fuhr mit vielen : Anderen;um Pglersplaß. es h eß, der Iielion der e^esangew'chasl iverde der neue Papst ein Ende mache», denn sie iniißlen ja Im Bgliea» einfehen, daß es ihm sreistehc, überall;» verkehren. Andere meinten: t>t>ii<!..ia >-»»ml'n- IX.' Leone XIII ging es plöplich von Mund;n Bi und, der neue Papst heiße so. Tausende slromien iii den Dom, dann aber ivieder heraus, denn; oberhalb der Säulenhallen erschienen Beamte des Bafeans, yinu öffnete die riesigen Balkonlhnren nb-r dem .Danp'-poriale der Pelirskirche, legte Teppiche heraus: die Schul>wache ,ilälien>s>lie Soldaten i trat in Reih und Estied hinter den eolonnadm es war ein anregendes Schauspiel, die enrarlnng ans -fr Halinng der Menge;n lesen: athemlos harrte die tansendlopsige Menge in Wagen nnd;n Inf; tun den Dbelisk nnd die friedlich plätschernden Ionlainen. Ieyl hieß es: .Er loniinl ne>>i -st »e!>i Segen;n geben. es erschienen oben einzelne, aber der Papst ließ warten. In. der Kirche waren nur'ilwa snnszig Pirsonen zurückgeblieben: in der Kirche aber erlheilte er den Segen rasch vorübergehend. Wahrscheinlich lrgf man jene Bor bercitungen »nr, um ei» wildes eindringen der Menge nnd ■ Um;lmfcfiiili‘,;u vermeiden. Leo XIII. hat den internationalen Berlelsi' erleichtert. Das Ansehen des Papstes tonnte durch ihn im Anfänge erhöht werdiN, nnd die allgemeine Anfsirssniig war die. daß er allmalig ans der Rolle deS EKsargenen heranstrelen werde. Leider trägt die Enrie selbst die Schuld, wenn sie h>nle nicht einmal imstande ist, die christliche Diseipli» unter den heißblütigen jungen Priestern zu Hallen, £»' ein Spicmall weltlicher Bewegungen, sicherlich für die weltliche Bürcht k>s Papstes nicht so feurig emtretcv wurden wie für den einslnß der Demagogen. Ein Thcil der eleriealen rechnet >.nch mit den Thatsachen. So predigte-Einer: „Der gvll lickn» Borsehnng-hat es gefallen, die weltliche Pracht dnn Papst nicht zu lasseiz. Bielor eniannel war on Werkzeug o-'oLes.n Wir fragen nun, wenn es „EKNi gefallen Hai" - und der >^»ig „ein Werkzeug EK'ttcs" war, wie düifen dann die Biicklvse formell gegen den Berlnsl des Kirchenstaates piolestiren? Der P->pH ist sec, und braucht fickt keineswegs ans de» Mätihrer lnn.insznspielen. Der episeoval proleftirte L > Jahre zu spät gegen d>e Besehiliig .Ron s. diese Berjpatnng h-it s nt e.ue tragikeanitche Seite.. Da bpi v.rwahrte er fickt gegen oen Bortpnrs der .Htertjilisuchi.nnd.be gehtle Hilfe und Schuh, vom Himmel, enumaiii»; der .Ieiihen nnd Wunder, die ein Bietteliahrhnnder! ans neh walten ließen - Iürwahr, bescheiden war es von ihm, Paß er die Inieroention der rHroßen nicht begehrt .hatte. Allerdings hatten Bttcktofe Sesterreiibs stell kurz zuvor gegen die Disciplinlosi.ileit des inngen iXachwiichses unter-den elerilern gewendet: D-ninnthe.it und Rohheit standen als e'er-atlerinnen dabei nnd ließen dnfe Bewegung groß werden., EKaen diese Unbotinaßigkeit des jungen Elerns hat der Episcopat ehrlich ange'.ümpti, aber vergebens: der Balie.in hat den Esenerälen feiner Hie».lichte, jemm Bintier eines MiltiarslaaliS, gegen, die Sitbalternossieiirenicht gdholren. 'Wenn die Bischose gegen die Jene des Jahres I v.'.t proteslirlen, >o waren sie tut Unrecht: Die geflügelte Bietoria an der Siegessäule der Potla . P,a trägt die Iriedenspalme in dgf Rechten hoch erhoben, Italien sihühte freiwillig den „EK-fangene» im Batiean". Erispi hat in feiner Iestreee am Sockel des EKiribaldi Denkntales am. B>. Srp tember gesagt, daß def^Papst ve>r 1 s7< > ein Spielball in der Hand der MäckKige» gewesen sei und daS Wohl d'r Kizahe weltlichLin Interesse nnlerordnen mußte; nach der Bresche diilftc der Papst Pins IX. Deutschland trotzen! . . ..„Die Priester wissen, daß sic frei sind," fuhr er fort, „sie ivissegt, daß die Anslehnnng gigen die EKsetze den Anarchisten allein nützt, Ipelche EKtit, König nnd Baterland verlengm>»." Und »User Baterland? Es butgt sich den polilif^ien Iehlern; des „heilig^ Stuhles", cs begehrte vergeblich die Abbcrnfnng > Agliardi's, welcher in Ungarn den niederen Elerns gegen den, - Slaat mobilisirle. Das sogenaniile christliche Wien, das sich durch die Wahlen im Herbste l>°.tf> und im Frühjahr 1s;m; j„ sv hohe'.» / ii

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