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Freies Blatt · 1896-06-21 · 220 (21.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
220 (21.6.1896)
Date
1896-06-21
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Blatt. C^vabe herabgewürdigl, ist nuo der Neide derEullurstätten zn streiche», weil durch die ikullr und mit der heuchlerischen Miene des Frömmlers da» Deniagvgenlhnin zur güldenen Kelle gelangt. Die ,Freunde der Enlltitkätnpfer verlengnelen ihren (^erntaitensivlz und wurde» zu >Nö»ilingeu, obwohl der große Deutsche Gregorovins, welcher Notns l^eschichle geschrieben, i» seiner ni» IE. November 1*00 . in der königlichen Akademie zu Ntunchen gebaltem» «Festrede die '■liunte gesprochen: „Italic» dal den letzten Nest seines Neil lei aller», den Ilüü »jährigen .'kirchenslaak, aufgehoben, die Ursache ^seiner »alionale» Zerrissenheil: e» dal da» kosmopolilisehe Nom dev Papste zu seiner valerlandiseheit Hauptstadt gemaehl." Mag »och so viel Mittelalter aber uns dercinbreche», noch manche Partei ihre Stimme fiiv die des Polk»s erklären, Eines werden sie uichl ändern: die lirclrliche 'Ddet her, sehnst dal sich üb.rle'bl, denn sie vermag mein einmal medr Diseiplin zu ballen un eigenen Hager! I» ,. Der eilte 211u|iFant. e.- iiiiim .e eu’ii Maria Vliiioiiicnc u. -.».','arkotnes ....i e’.xli’:..’ iflu* Äls die gioge Dangerin die Hauptstadt verlies;, beiand. i'iel» der iringe Mniiter i» idreiu «''efolge. Die baue ihn an »ich geieilet mit ihrer 'Direnenstinime, deli iivoigen /Formen, mit ihren le'eienden und verlte-tgenden öligen : er ivar iln Dvielreng. ihr Dehogbündstten, dein sie schmeichelte »nd das tie aus '.'anue fortstiegi Die lonnte »'eine Mutter »ei» und geiie'sz.ii, 'einer Änbetnng noeti einmal die verslogenen Drininvbe iln er Engend .Do schlevvle ne. ihn ein paar Dahre durch die alte und neue P.-elt. Er baue keinen selbstständigen P.-illen, war nicht charakterfest veranlagt, sein iiitttMdiliclici' V .’U'.". nur durch das vorige '.'eben entnervt und 'oerweichlielit.. und im Dtndinm rvar er nicht weiter gelominen. '.'Int iln er Donru,e tamen sie in die Pöalacbei nird nach Pnkarest. Neadame >'> batte nir eine Neibe von Eonseiten abgeschlossen und nlaii richtete sich im einen Hotel >o beanem ein als nur möglich Ä»s dem /Fenster 'eines Zimmers, das in den '''arten binansging. lonnte Engen durch die Zweige einer hohen Darnsbeste sehen, die eine von -ste'eiigebn'chen »nigebene Veranda halb verbarg /Farbige (''las lngelri an silbernen '»eiten hingen vom rei»irgeichiiil?ten Plafond herab,- und lostbare i'-i itniue er pulte bede»iie» den niedrigen Divan rings an d»n stranden wie auch den Poden: mit Perlmntter eingelegte riietielien und <'st-stelle mit tmti'ilieii 7>»au»iireaninten standen umher. do»it die Veranda ivar leer Delion neigte n»ir der Än'enibalt des 'kiinstletvaates seinem Ende zn. da ver^alim Engen eines Äbends — die Diva ivar :nm /Feste in es i eichen Polaren geladen die '.'ante einer Pedal barfe 'Dffenbar ivai die 'vielende >dgnd .'eine geübte. denno»ii ergriff in der glutb aib.nienden Dommerna»i>: die 'elt'aine Melodte des '.'iedeS den inngen Mustler Enoeii eilte an das .Fenster. Etn Marätenhild gns tausend und eine '.Wuln zeigte sich 'einem trunkenen Äuge '.'In' den vnrvitriteii '»i"en des Divans lag ein P-eib. noch >'o inng, lani» n.'lii;nin Enng'ranenalter erblüht. das ielione t'-esieln von dein Äns.'tiist ir.innieristi'er Dehnsnchi durchgeistigt, ein reizendes stiätb'el, eine '.'iängestalt, g'.enii einer Hnldgestalt der itordifelten Dage. PlonS Ni'd '.-.'II ronger Hanl Ivie die 'ri'che Äv'elblitilst l'listien die grosten dnnllen Äugen ans brännlielien P.-tmv-ern Der 'iistge'chwellte rotbe Mund ivar -nt wenig geo'fnet, die Dsttone batte das .'»ov'elien in die zieiliche Hand gestiivr und lan'chte dein Drie! einer alten Duenna, einei braunen Numanin. Eine .Fülle 'chiinmerndeii rotbgoldenen Haares nniiva.lte das Kerne Hann, nur »her dem Debene! von einer Delmnr groste; Perlen -.iititstgebalten Um den »'»hlaiike.i '.'eiliäiintegte si»ch ein duftiges iverstes Deidetige-vand. das i»t Daume mit bunter Deido gestistt war De» Hals und die seliigesormten Ärme nmstng ein "'e'eluneide iniikgesasiter Diirki'e v.^d Nuhinen. während an den" kleinen,- zierlichen Fnstchen ein Paar blaue, perlen über vie:e Pantoffelstten ste»kten. Engen stand wir erstarrt: kanni zn aelnneii wagte "er. aus.Furcht Iiolde Mad»henhild zn vels»iieuchen. ... - Äni nächsten tage e-folgte die Äbrei'e. und Engen duldete 'Dualen E.-r Dehnimiit. er batte das iäröne Poeil' imiif wieder ge'eben. Pleiben lonnte er titeilt, er beias; keine Mittel., vielleicht konnte er zurii.i'ebren? P.-ie mit Nieienafnien zog es ihn zu dein in neu Näthi'el zürnst stvie verbagt waren >b»t nun die Z.ntlichkeiten der bisherigen C'onnetin, wie ersehnte er die .Freiheit, um sein Edeal anssuchen zn können! Man langte m Easiti a». De» aiachste» Äbend sollte eine Doir> e beim Eomniaiidireuden stattstnde» und Enge» eine schwierige Pi> ee spielen Die Dtnnde kam, und Madame . . . . h»>me in gl»r»zender ti'ilettc ihres jungen .Freundes, er kam nicht, war nicht zu nnden: Nr. 22Y. nicht in der Dkadk. Die Diva war einer lDhnniacht nahe, dennoch limittc sie singen, mnftte ihren abwesenden Pegleiler entschuldigen. Alle Hebel septe.sie in Pewegnng, Eugen blieb verschwunden. Matt, mit blntenden, sciiinerzendeu .Fiisien halte er den Pöeg nach Pnkaresi zurnekgeniachk: ein Bündel mit .'ileidungsslixien war Älles, was er initgeiiomnien. DeS '.»»achts schlich er si»i> in die N'ahe des HanseS, das den Gegenstand seiner Dehnsiicht barg-: allein eine hohe Mauer verwehrte je^den Einl>li»i En das früher bewohnte ("asihaus getraute er sich nicht, so verbrachte er die Nacht ans freiem .Felde Bei einem Drodler vertanichle er seine Neisekleider gegen das i'stwand eines ("ärinerl'nrschen und wagte sich geraden PvegeS in das Hans mit der Peranda Die Perhaudlnngcn mit dem Ddürsteder ergaben ein schlechtes Neinltat. Der junge Musiker verstand weder rumänisch, noch sranzosiich: , dennoch hätte er seinen Pvunsiii, Peschastignng im i'stnten zu sinden. säst erreicht in dem Momente, als einer der einst in Deutschland gewesenen Domestiken ihm verrieth, das;. die schone Eordovilla mit ihrem Herrn, den, .Fürsten E . . . ., DagS zuvor' nach ,Frankreich gereist iei. .Niedergeschmettert ivanderte Eugen in eine Herberge. -llS er allein war, l»'ste eine .Flulh von a liränen. den Älp von seinem Herzen. Znm ersten Male sagte er einen Entschlusz. En das unwürdige Perhältuig zu Madame E wollte er niiiit wieder znrn>ikehren. .'konnte er das mit dem .Feuer der Engend geliebte Pvesen, die holde Eordovilla nicht, sein eigen nennen, was lag ihm an Ehren und r riunivhen'? Er '»iilos; si»i> einer ivandernden Ninsikantenbande an, und nun begann ein wildes '.'eben E» dein wechselvollen Trubel, unter den wüsten ('Vielten renant er niebr und mehr int Dnnipse der '.'eidenschasten Er. der . bernsen schien, ein .'künstler zu werden und seinen Nubin über '.'and und N»eer zn tragen, trank und spielte PEürsel mit den Zigeunern. Er zahlte schon über -10 Eabre. liiitte für alles c'iite und Dchöne, selbst für feine früher io geliebte >'»nnst den Dinn verloren, da lief chm ein Piadchen »ach Die war. niiiit mehr jung nicht schon, sie spielte ('sttitarre und hatte eine beige ','iebe zn dem verwahrlosten Engen gefagi Er einpsaud nichts fiir sie: er jagte ne davon, unzabligeniale En einem Evinkel feines verbitterten Herzens lebte die Erinnerung au jene thiutfiiüiie ,Deboiibeil. von der er vor Ealiren f»iton gehört, dag sie noch im '.'lnfblülien gestorben Deitdem batte er für kein PEeib ein Ätoiii von '.»»eignng gehabt, er bagte sie ni»cht. die.Frauen, nnr gleirch giltig waren sie iln». Engen lam vor zebu- Ealiren nach Posen. Er ist ein alter Mann geivorden Dein Haar ivar ergraut, feine i'stieder zitterten, und die bleiche», eingefallenen Pöangen zeigten von Notb und Elend Erst hatte er es mit '.'eetioneit verfn»itt Du lieber t''ot>, da waten Ändere. Professoren und .'künstler, junge '.'ettte, die nichts fanden Do Iba: er sich dann mit ztvei Eollegen;it'atitmen und spielte in den Hofen der Hän'er Do»it da erinütristii und nnverträglich ivar, hielt Niemand bei ihm aus Do ningte er allein fein Heil verftttiten, er hungerte, und wenn ans den Daiten feines f»iile»itten Ensttttinenles oft ivnnderbare Pveifen erklangen, tveuu er die kunstvolleu Tone ''einer C'lanzzeil wieder fand, stand tvobl mancher '.'ansiiiervoll Pewundernug: „P.-arnnt 'vielt der-Mann auf den Dlragen'?" Die ivenigkit Älmofen. die man ibni znwarf. reichten nicht mehr. bin, ihm '.'»'abrung und Dbdaeli zn schaffen: zum Petteln war der alte Musikant zu stolz. Zulevt war feine (''eftindbeit mal untergraben. Die hartherzige Hanswinbin. der er einige.''nlden ''»chnldete, trieb ihn aus dein.'käminerchen im vierten Dko.i ins Äsi'l für Dbdachlofe. Potgestern, als es den ganzen rag regnete, batte er sieben .'krenzer znsatnttteugebta»i;lx. Die . .Finger waren ihm steif, er hätte den ganzen Dag über vor fünfzig /Fenstern ge'vielt DE C'Iü»kli»ite» und Neichen offnen bei solchem Pöetter kein .Fenster, nnr ein »titkeidiges Dieitstmädetien gab deniÄlten ein Dlü»i Prot. En der Nabe der grogeu Prütie feste er sich auf eine Pank in den Änlagen-: es begann siitnell sinster zu werden, und den alten Mnsikantett ''»iuittelte es vor .Frost. , - Da fchliät ein bnngrig.-r. 1'erretito'ev Hund an ihn betau und schaute bofsnttngsvoll auf das Dätwarzbrot, das ihm wohl eine köstliche Ntablze.il dünkte Der 'Älte, der ihn fönst fortgejagt baue, ivar heute weicher gestimmt . .{/ „Da. armer Deine! und Ungliiäsge'abrte, ttitntn! .Für innii ist die Hälfte genügend^ ich brauche niel'ts niebr.- -.stoch fag er ein P.-eileit.-it. der Hund an ihn geichiniegt, dann fiitlevi’te er sich zur Pruste, lächelte vor sich bin, '»itlug andächtig ein .'kreuz', lieg sielt dann langsam tu die .Flntben gleiten Nnn bat er sie endlielt gefnndeit, die sebninchtig gewünschte Nnhe, die ibn gekannt, sitgton: -Er war ein verkoinniknes ('»enie!"

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