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Freies Blatt · 1896-06-21 · 220 (21.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
220 (21.6.1896)
Date
1896-06-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 220 r 11 c Blatt. Stile 3. Großmarklballc feinen Flrischbcdarf zu den normalen Marklpreise» zu decken. Die segensreiche Wirkung dieser Fleischstände wird aber in den Bezirke» von Seile derselben Bezirksgrößen zu frnstriren versucht, welche in den anlisemilische» Berseiinnilungeu zu den lauteste» Freunden drö darniederliegenden 'Gewerbestandes zästle». Ferdinand Voffalle stichle einmal de» absonderlich.» Beweis zu er bringe», daß durst eine Berbilligung deö lionjumo dem ^stole lariale nicht zu helfen sei. Unsere Retter des kleinen Mannes > denken sich offenbar, waS der Jude kann, treffe» wir auch, und | belhalige» daher ihre Gewerbefreundlichkett, indem sie de» Preis des Rindfleisches um UlO Pereent hinausschrauben. Eö war gewiß nur Gewerbefreundlichkeit. was einen anlijkinitischen Gemeinderaih, der nebenbei Borsteher der Fleischergenossenschafl ist, bewog, im Gemeinderalhe einen Anlrag zu stelle», welcher dazu benimmt ist, daS Preismonopol der Fleischhauer durch eine eoinmunale Ber fügung für immer zu sicher». Die anlisemilische Gemeinderalhs Majorität steht vor der Frage, entweder ihre» begeistertsten Man Nonien, de» Handwerker», daS Fleisch alS den Grundstock deö Konsums weiter zu vertheuern, oder mit aller Enlsestiedenheil gegen die Vieh »lastende» Feudalherren, ihre hohen Göninr, und gegen die Vieh schlachtenden Herren Wähler vom Grunde anzukämpse». Ma» sieht, der Gewerbesreiiiidlichkeil der aiitisemilzsche» Gemeinderalhs Majorität eröffnet sich ein weites Welt der Thäligkeil. Jetzt heißt es bloß ar beite». Wir wünsche» ihr viel Gluck dazu. <ZoKi gcaell die 2lntijenütcn. Wir habe» vo» de» glänzende» Änssrihrnnge» ' Emile Zota's gegen die Aiitiseiniie» ichou R'oli; genoiiiiiieii, eniipreche» aber einem Wunsche zahlreicher Freunde der Abroehrbewegung, indem wir im '?>ael> stehenden de» Wortlant der Jola'schen Abl>a»dl»»g wiedergebe» Der berühmte Romaneier schrieb im Pariser „Figaro" : Len einige» Fahre» verfolg« ich de» Feldzug, de» mail in Frankreich gegen die Fnde»-;» »iiler»ebi»e» vertuchi, mit wachend, in Erstanne» n»d Ab ichen Derselbe ericheinl in» alS eine ll»gehe»ellichteii. ,iä> meine als ei» icdeS gejniiden Mei»che»velsta»de«, jeder Wahrheit und jeder Gerechtigkeit ein behrende» Beginne», alS eine »»sinnige Velblendnng. welche n»S lim Fahr blliiderle zuiiiitwerse» würde, alS ei» Unleisange», daS jei» Ende ii»de» winde in der ichliiiiiiisten aller Verwerslichleite», i» einer religiöse» Versolgung, welche die pänder mit Blut überzieht. Fch will mich temlicher anSdriicke». Jnnachst: Wesse» (tagt man dem» die Fude» a», wa« wnsl i»a» >h»e» vor? Manche r'enle, sogar Frennde von nur, behaiwle», daß sie dieselbe» nicht anSsteheu loimei!, daß sie nicht ihre Hand berühre» könne», ohne 'daß ihnen die Hanl vor WidelwiUe» erschauderl. E« ist die» der phnsische liurrnr der Rare» abiieigiiiig de« Weisie» gegeiinder dei» Gelbe», de« Rothe» gegenüber dem Lchwarzen. Ich lasse niiniilersnchl, ob sich nicht in diese Abneigung der an« alter Fe» stammende Groll de« Ebriste» gegen den Fnde» niitchl, „der seinen Goil gelreiijigt", ei» lausendjähtiger AlaviSmiiS von Verachinng »nd Rachrditi sl. schließlich ist der phnsische b»»or allensallS em Grund, >a, der einzige, de»» >»a» kan» den Pente» »ichi« aiilworle», die »nS sagen: „Ich veiabschene »e. weil ich sie verabscheue, weil schon der Anblick ihrer Rase n»ch a»sier »pr .briiigi, weil mein ganze» Fch sich ansbänmt bei bei» Gesühle, daß sie ver schiede» iiiid »»« emgegengesetzl sind." Aber in Wiitiichkeil ist die>e Raeei,- leindschasl al« Glltiid nicht ausreichend; den» dann laßt »ns mir lies in die Wälder znrücklehren, laßt »nS de» wilden iirieg der Art gegen die All wieder begi»ne»>, laßt nn« einander zersleische», weil wir nicht densetde» Paul von »„« geben iiiid anders gealtete« Haar haben! Die Aiistrengnng der Eiviliiation besteht gerade darin, dap lhierifche Verlange», daS sich ans seine» Rebenmeii'chen stiii,t. wenn er nicht 'ganz »»d gar ähnlich isi, anSziilösche». Fm Panse der Fahrhnnderte ist die Geschichte der Böller nnr eine pehre gegenseitiger Toleranz, io daß der letzte Tram» darin bestehen wird, sie;» einer allmnsassenden Bilideitichkeil hinziislihre», sie zn ersnllen mit einer gemeinsame» Järllichleit, um sie so weil wie möglich dem genieinsaineii Lchmerze z» emreißen. Heule fch Haffe» und sich vernichten, weil man nicht einen genau ebenso gebaute» Läiadel bat, ist nahem die monströseste Verrücktheit.. Fch gehe z» der ernsteie» Anklage über, welche besonders von soeialer Be demnng ist. lliid ich saffe da« Lündenregister lni; zusammen, indem ich die große» Füge bezeichne. Ma» deichnldigt die Fnden, daß sie eine Ration imierhalb der Ratio» bilden, abieilS daS pebe» einer religiöse» Raste sühren lind so über die Grenze» hinweg eine Art internationaler Lecte ohne wirkliche Heimat anSmache», faltig, eines Tage«, wenn sie den Lieg davongelrage», die Hand ans den Eidball z» legen. Die Fnden heirate» niiteleinander, bewahre» - niillitieii der moderne» Anslösnng sehr enge Fainilienbande, nnlerstütze» »»d Krise» einander und zeige» in ihrer Abgeschlossenheit eine außergewöhnliche WiderstandSlrast und die Fähigkeit lairgfanier Erobernng. FnLdesondere aber seien sie vom Haine anS praktisch und klug, bringe» da« BebÜrsniß »ach Ge wiiiil mit ans die Welt, eine piebe für da« Geld, eine» wnilderbaren Geschäsl«- geist, Eigenschaffen, welche in weniger al« lnintert Fahren e»ori»e äteichlhümer i» ihren Hände» a»gel>a»si hätte», »nd ih»c» die Herr'cha» z» sichern scheinen zn einer Jen, wo da« Geld der Herrscher ist Jngegeben, daß die« Alle« währ ist Allein wenn man eine Thalsache seststellt, »»iß >»a» sie auch eillaien. Man' i»»ß hiiiznsüge»,. daß die Fnden, wie sie Ireme sind, nmer Wer i sind, das Weil iliiseier achlzehsihiindertiähiige» nnsimiige» 'Berjolgnng Man Hai sie ei», geschlissen in erbärmliche Ltadtvieilel wie die Ansiatzige». n»d da ist e« kein Wniiter, dasi sie sür sich »ilci» gelebt, alle ihre Tiaditiomii 'eiltneiie», die Familienbalide enger n»d enger zöge». Besiegle blieben bei den Liege,». Man ichlng, beleidigte, kränkte sie mit llngerechligleile» n»d (''enulUKien, »»d l.m Wunder, das; sie, ohne sieh dessen bewnsii;» sei», die Ho>>mi»g a»> eine leine Beigellnng im Herzen bewalnie», den Wille», Widerstand zu teilte», sich z» erhallen »nd zu siegen. FnSbe'ondeie bai man ihnen ziii» Lchimpi die Toinane de« Geldes preiSgegebe», welche inan verachlele, »nd ichns >o Händler und Wucheier a>tS ihnen, weshalb e« wieder nicht Wunder nehmen Inn», das: man sie, ai« die Herrsch,,st der rohen »Gewalt der der FnieUigeii; »nd der Alben Blatz mache» »inßie, als Herren dei Eapualien rviiand üni geschmeidigeni »nd diiich Fabihnnderle wabrende Eiblichleil genbalsieni Beislanre, vollständig zur llebeiiiahine der Heriichast Innen Und henle, voll Besl»r;n»g »ber dieses Werk der Beiblendniig, ziileind be»» Anbliel dessen, wa« die seei»e»de Wnllj de« MitielalteiS an« de» Fnden gemacht hat, ein»»! ihe nicht« Bessere«, alS »»»> Fahre lOiiii;i,i»ckznl>h>en. die Bersolgii»>zeii wieder a!iiznn>>i»ieii, vo» 'Renern de» „heiligen diiiegpredige», damit die F»de» gegnali, beianbt, zn'paare» getiiebe» weiden mit der wnlhige» Gier in der Lerle, daß sie al« besiegtes Bolk »»ter dem siegle,che» Volke behandelt weiden. 'Wahlhastig,' Fhr seid ge icheile Geselle» und e»lwiäelt da einen »eilen ioeiale» Flledankeir! Wie! Fhr seid mehr al« ,welbn»de>t Millione» Ralholil,». man zahlt kam» siliis Millione» Fnde», und ihr zitiert. ,ihr r»sl nach d>r.Polizei, ihr erhebt ei» e>sß>re,1licheS An.,slgehenl, al« wenn -Ränberhorde» siel» über da« pand gestürzt hällen - Dal nenne ich Mnlh! Die Bedingnngen de« Rampse« er scheinen mir annehmbar. WaS die Geschälte betrisst-.—warm» lann »>,»> nicht ebenso klng »nd sta>I >ei» irne sie? 'Wählend deS B,o»ales, de», ich zur Börse ging, »i» zn verinche», klnsa« von dem torlige» Treiben zn verstehe», s>i,le mir e>» kalholischer Bangmer, als die Rede ans die Fnden lai» . „Fa, ji.e sind »aller al« wir, sie werden n»s immer, schlagen." Wen» dies wähl waie. Io wäre eS i» der Thar erniedrigend. Aber warm» sollte e« wahr sei»? Mag auch die Gabe vorhanden sei», Arbeil »nd Veriinnsl r>e>l»ögen ilvtzdei» Alle« Fch lenne berens Ehrifte», welche ganz anSgezeichneie „Faden" sind. Die Bahn ist »ei, lind wenn sie Fahihnnderle da;» g.habl habe», da« t«eld lieb ,» ge Winnen, »»d eS verdiene» zn lernen, so »>»ß ma» ihnen eben dan» folge», ihre diesbezügliche» E>gen>chasle» sich anrigne», sie mit ihren-eigriie» Walle» schlage». Blei» Galt! Ma» »inst anshore», sie ohne G,„„o zn beleidige», »lan muß sie besiege», intei» man ihnen -überlege» ist., RiäflS isl emsacher als da«, iiiid zwar ist die« gerade da« Ge>'kv de« Gebens. Welch stolze Gemigihnmig müsse» sie wohl bei dem Aiigstgeichrei, in« ihr ansstvstel, empsinde»! Rnr eine winzige Mmoiilat zn bilde», und doch eine dermlige Rampsdeleilschasl ,» wecke»! Feten Morgen zeijännetleii ihr sie, schlagt ihr voll Berzweisliiiig de» Gendialmaisch, alS ob die Lladl.läesahe lieie, j»> Limine genomine» zn werde»! Wen» nnm anf euch horte, müßte »ia» da« Ghello wiederhei stelle», wniden wir wiederdie Fiitengasse habe», die man Abends mit Stelle» verschließt. Da» wäre um« LchöiieS, diese Cinumilnne inmuten „nserer offenen fveten Llädie! Fch verstehe, daß sie sich »>chl anjrege». und daß sie sorlsahren, ans alten »»seren Geldinäillei, ,n liinmphire»; den» die Beleidigiiiig ist der Pfeil der Lage, der ,nr> ä'chnelll n»d da« A»ge de« Posen Bogenschütze» bleirdei. Fahret daher sorl, sie zn versolgen, wen» ihr wollldaß sie sorlsahren, zn siegen! Wirtlich, ihr seid noch bei der Versolgnng'?. Fhr habt noch die wnnderliche tTii'bildiliig, daß man. Mensche». »meidriiäl, indem »>a» sie versolgt? '_>,»», gerade daS Gegenlheil ist der Fall: nicht« ist groß gewordeiz, da« nicht mit dem Blute seiner Biärlnrer besprengt woide» wäre. Wen» eS noch Fnden gibt, io seid ihr Lchnld daran. Lie wären verschwmide», sie hätten-sich verschmolzen, würde man sie nicht gezwungen haben, sich zn vertheidige», sich z» sa»»»eiij»schließe». sich ans ihre Rare etwa« einznbilde». Und heule »och lomml ihre lhaliächtiche Macht von euch, welche ihr durch eure Ueberlreibniig fühlbar macht. Bla» schasst schließlich eine Gefahr dadiwch, daß man jede» Morgen ihre idristenz dehanpiet. Fndei» man immer und immer wieder dem Volke eine Vagelschdiiche zeigt, schasst man da« reelle Ptonstriiin. Lp'.echl daher nicht mehr von ihnen, n»d sie werde» anshöre» z» sein! A» hei» Tage, wo der Jude n»r »och em Mensch ist wie wir, ist er unser Bruder. Fa, gerade die entgegengesetzte Taltil erweist sich als die richtige. Wir »iliffen die Arme ganz weil öffnen, iniiffen die durch da« Geletzbiich anerlamile Gleichheit im sociale» pebe» verwiillichen, müffen sie liebend nnlsangen, m» sie ansziisaiige» und mit »»S zu ve>schmelzen, müffe» nn» »in ihre Gigeiischaslen bereichern, weil sie dieselben besitzen, müffe» dem Race»zampse Einhalt gebiete» dadurch, daß wir die Raren kreuze». Wir müffe» sie z» Mischhei-.a'.en drängen, müssen de» Rindern einschärse», die Väter em«z»söh»en. Darin allein besteht da« Werk der Einigung, daS menschliche und befreiende Wille».

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