Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 219 (14.6.1896)
- Date
- 1896-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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/ Ut. 2li*. Freie» , ln aeternain memoriam! 3m Schloß zu Rosenau sitzt schönerer Beim .tiruge Wein im Traum versuukeil Und ruft: „Berflogen ist jetzt alle Ebr' Durch «ich, ihr Buben und Hallunken, Die ibr mir Treue einst versprochen Und jetzt io schnöde sie gebrochen!' Da legt sich eine schwere Hand Still aus de» Arm deS Traumverstörien. „sei ruhig, Mann, dein Unverstand, Dein Haß und Zorn dich bloß detbörle»! Hörst du die .llirchenglocken klingen? sie dir ei» Lied vom Psarrer singe». Boi» Pfarrer, den du in de» Tod 'Lin srevelhasten Uebermuth getrirde»! Gedenk an all den Hohn und Spott, Ln dem du schwelgtest nach Belieben, Gen freund »nd Feinds selbst gen die. Deine», Die dich alS Judenhasser nur beweinen!" ..Verfluchte» Weib, halt deine Ziing!" Ruft Schönerer, „Wer bist tu, tlnveriebäinte?" „Ich beiße," sagt die Kran. „Erinnernng. Und, wenn ich dich ein wrnig grämte, , so war'»;» deinem R»v »nd ftro,»»,«,, Lch will in Bälde wicrcrkomnie»!' Zwettl, am lj.>. L»»i 181MJ. K. V U. Aus antisemitischen Blattern. (Riidrende Raivktät.) L» einer liberale» Per'aminlung im XlX Beziile, in welcher Abgeordneter Dr. M e » g e r die polnische Lage erörterte, wiirte da» Ministerium Badeni alS gegnerische Regierung bezeichnet. Da» ,.D e » t s ch e BolkSblatt" wnnderl sich darüber, da die Liberalen früher eine ankere Mcinling von tieieni Ministerium hatte». Welch rührende Raivetät von Seite eines Blatte», dessen Herausgeber sein Verhalten gegenüber Perionen und Dinge» ich»» so oft gründlich geändert hat! Wie ließ er;. B früher schönerer, und desie» Bestrebungen veiderrlichen »nd wie Lueger, Schneider, Pattai »c. bebantel»? x. i SikbkN Ladrr im »tlldftallc.) Wiener Anliseinilenblälter bringe» folgende Miitheilung an» W e l S: „Der BauerngulSbesiyer Andrea» 'R i e d c r m a n e r in ^Balding, welcher die blödsinitige Tochter de» frühere» Besitzer.» dieier Realität, Josesine s t » r; I i n g e r, vertragsmäßig bi» an ihr Ende zu verpsiegen hatte, da» Mädchen aber seit sieden Jahren im rrndsialle eingesverrt dielt, wo e» in ekelerregendem Zustande von Gendarmen entdeckt wurde, ist wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu nur sechzig Gulden Geldstrafe verurtbeilt worden. Al» mildernd wurde angenommc», daß die geisteSichwache Perion ihm Unannehmlichkeiit» bereitet Hane, sie wurde ihrem Belker Maibia» slürzlinger in Pstege übergeben." Andrea» Riekermaner. ist, wie e» scheint, weder Jude noch Freimaurer. i Der Gott des Brrgani-Blattts.) Ln L e m b e r g sind von den neu gewählten Gemeinderäihen zwei jüdische gestorben. Bergani läßt sich nun an» der Hauptstadt seine» Heiinatlande» schreiben: Man höre überall in christliche» .»irei,en Lemberg» die Beinerkung: ,,'SS ist ein Fingerzeig Gotte», daß wir zu vjel Lnde» im Gemeinderaihe haben." zBom „Grazrr Gr»radlatl".> seit der Berbasiung F e i ch r i n g e r'S änderte da» „Grazer Extrablatt" inioferne seine Schreibweise, als e» nicht mehr im Sinne der Christlich-socialen die Deutsch Bolklichen verdächtigte und manchmal sogar deren. Plänen — unter AnSlassnngen gegen die schmntzige Eoncurre»; von clericaler seile — Reclame machte. Wie »nn ablr die „C ft deutsche Rundschau" berichtet, ist wieder eine Schwenkung de» Grazer Antisemiicnblätichen» zu Gunsten der Christlich.sociale» zu gewärtige», und zwar ioll die» ein Betrag von COOO st. bewirkt haben, mit welchem sich die sogenannten „Jungclericalen" an dem früheren Aeichtinger'schen GeschäftSlinrernehni en unter der Bedingung betheiliglen, daß alle Angriise gegen die Römlinge und deren Anführer vermieden werde» kosten. ES geht nichts über antisemitische GesiniumgSlreiie! «.Das Leipziger Reichsgericht uud die autisemitischr Presse.» Die reichsdeulscheti Antisemitenblätler sind mit einer neulich geirossenen Ent scheidunz de» Leipziger ReichSgerichteS böchlich unzufrieden. Im Februar diese» Jahre» war nämlich der Redacieur de» berüchtigten Berliner anweiintischen „Generalanzeiger »", der Urieutone Ledlayek, welcher in einem Artikel feine» Lesern da» Blulmärcheu wieder aufgetischt und behauptet batte, daß „Ritualmorde" bei den Juden jetzt noch vorkomineu, vom Berliner Landgerichte l mit der Begründung freigcsprochen worden, daß die 'Behauptung nicht in beleidigender Form vorgebracht worden sei und der Angeklagte, der sich die Bekämpfung de» JudenthumS zur Aufgabe gemacht, bei der Wiedergabe de» allgemein verbreiteten Gerüchte» in gutem Glauben gehandelt habe. Ta» Reich-gericht hat nun die-'e» Urtheil aufgehoben und die Angelegenheit an das Berliner Landgericht II verwiesen mir der Motivirung, . 1 > 8 l a i >. lveitr 7. l daß eine Beleidigung nicht »nt in der Form, sonder» auch im Inhalte einer | Behauptung liegen und eine Ihatsächliche Behauptung ebenfalls einc-Beschimpsiing sei» könne. E» gibt »och Richter in Leipzig.! (Adlwardt als Arbkitkrsrkund.l Der „Rector aller Deutschen" gibt drüben in Rew flork ein Antisemitenblättchen Hera»», will aber den Schriftsetzern die larisinäßigen Löhne nicht bezahlen, weshalb die zuständige Gewerlichaft. die deutsche „Tnpographia Rr. 7", die Druckerei sperrte. Ablwardt's Wochenblatt . „D c r A n t i s e m i t"' enthielt nun in siner keiner letzten Rum»,er» einen gegen die „Tppographia Rr. 7" gerichteten Artikel unter der Ueberichrikt „Un- - gerechter Angriff", in welchem sich der Rector a. D. weiß zu waschen suchte und; da» Borgeben der „Tnpographia Rr. 7" als ein ungerechte» bezeichnete. . Daraufhin bat der Borsitzeude der „Tnpographia Rr 7", Duo Del l e. eine Berichtigung in deni Rcw Borker „Morgen Lournal" vcrössenllichi, in der es u. A. heißt: .. . Die Geschichte scheint den angeblich „vollen" Geldbeutel der ' Herausgeber stark in Mitleidenschaft gezogen zu haben, und so lam inan ans die Lder, eine Druckerei mit ,,eigenen vertrauenswürdigen" Leuten zu errichten. . Zu diesem Zwecke-kaufte man, und zwar durch Berniiillung'de» Buchdrucker»!.Ald recht, welcher angeben mußte, die Schrift werde zur Herausgabe einer . „religiösen" Zeitung gebraucht, die schrist von der selig enlschlasenen „Hoboken i Abendpost" von dem „Indens Auerbach, von dem Grundsätze ausgehend: '„'Wenn man ein Geschäftchen' machen kanii, ist da» Princip Rebew'ache!" Auf eine diesbezügliche Anfrage erklärte Herr Ahlwardl: „Die schrist ist billig, und ich habe wenig Geld; übiigenS braucht e» ia'Riemand zu wisieu!" lim nun . auch bei der technischen Herstellung sparen zu löiinen, cngagirie man den schon : erwähnten Herrn Albreäit, angeblich Mitglied der Asiociation und pecuniär (?) ■ beiheiligl, welcher es später, wenn recht viele Extraarbeilen kommen,- auf den Unionlohn bringen kan»; die zweite „vertraneiiswürdige Person" ist ein Lehrling, welcher Rächt» die Dffice vor den Angriffen der Luden zu scksiltzeii hat. Daß der Unionlohn nicht bezahlt ivird, geht schon daran» hervor,' daß einem unserer Mitglieder, der in der ersten Woche anshelfen sollte, >-' Dollar geboten wurden, wa» dieser selbstverständlich ablehnte. Tic Arbeitszeit ist eine nribeschränkte, d. h. bi» in die Rächt hinein, wie von einem Comitzsestgestellt wurde. Durch diese TranSaclio» kanien die zwei Mitglieder der „Tnpographia Rr. 7", welche an dem Blatte bisher beschäftigt ivaren, außer Arbeit und müssen dieselben nun unterstützt werken. Die „Thpographia Rr. 7" verlangte nun, wenn der „Antisemit" noch ferner alS Uniondruckerei gellen wolle, daß die« unter den bisherigen Bedingnngen geschehen müsse, d. h die Leute, welche da» Blatt ' - bisher fertiggestellt haben, müßten auch ferner beschäftigt werden. Diese gewiß gerechte Forderung lehnte Herr Ahlwardl ad mit der Motivirung, daß ja die neue» Leute bereit seien, sich der Union -anzuschließen. Auf diese faule Ausrede konnte sich die „Thpographia Rr. 7" nicht einlassen, da erstens der in Betracht kommende Gehilfe im vorigen Jahr in der „Hoboken Abendpost" gegen un» grkänipst und wir in Folge dessen auch leine Garantie hätten, daß die Union regeln eiiigedaltkii wurden, und zweiten-; handelt es sich fiiv unä darum, .daß unsere Leute ihre Platze behalten sollen. Die Behauptung, daß die jetzt im „Antisemit" beschästigicii Leute „im Bertrauen aus Herrn Ablivardk chre bisherigen stellen auigegeben", ist einfäch eine Univahrbcit, da dieselben überhaupt keine Arbeit hatten. Tie» der wahre Sachverhalt. Auf die übrigen von Herrn Ahlwardl anfgestellien Behanplungen, daß der gegen den „Antisemit" beschlossene .llampf seitens der Union eine Ludeumache, daß die nichtjüdischen Mitglieder . j der „Thpographia" Nach und nach znrückgedrängl werden, daß Herr Ahlwardl > fein llnionprincip nach wie vor hochballeu werde, lohnt e» sich gar nicht, zu anlivorteu, denn in der „Tnpographia" gibt es weder Juden,, noch Christen oder Heiden, sondern nur Unionmitglieder, und die Union wird ihr Hauptprincip: „die materielle Besserung und die geistige Hebung ihrer Mitglieder" Hochhalten trotz der Hetzereien AKlwardl'S, denn ein Mann, der fortgesetzt auf die „Luden" schimpft, aber doch feine eigene Druckerei bei eincin „Juden" taufte, um ein Geschäftchen zu machen, hat weder da» Recht, Arbeilcrorganisatioueii oder Andersdenkende zu beschinipken,.noch wird derselbe eS fertig bringen,, keine Hetzereien auch auf die Ardeilerorganisalionen und sveciell auf die „Dlipographia Rr. 7" auSdehneii zu könneu. * jpcnülctiiu. Vor fünfundzwanzig Jahren. (Floren; Ein Eapitet aus -meinen „Erinnerungen". M nz. — Rom 1870 bis 1871. — Gregoroviu» über Rom. — Al» Schlußworts, Papstwahl 1878.)- - J i Hortseyung.) Aachdruck verboten. lJch wählte den Nachtzug um 0 Uhr, dennich wollte die Ueberschwemmung bei Tage sehen; in Livorno wurden die Räder untersucht-, dann ging es in die Maremmen. Knapp vor Cecina weckte mich sin greller Feuerschein, ich sah Flamme», daö Laufbrett hatte Feuer gefangen. Mit mir waren zwei Italiener im Eoup», ich