Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 218 (7.6.1896)
- Date
- 1896-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/4886575-5439173-5439301--2709-4889069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/ nt. 218. Freie» Blatt. Seite 7 VolkSverrälher sind nur solche, Die, gelenkt von eig'nem Streben, Ihre eig'nen frommen Güter Immer den Kumpanen geben. Volksverführer, Volkes Feinde, ' 1 VolkSverrälher sind auch Jene, Die der Armen nicht gedenken, Rinnt zum Kaftan manche Thräne, Die zu ihrer Kneiprcclame Fürstenmarionetten brauchen. Die trotz ihres Kaisers Gnade Noch den gift'gen Odem hauchen. f Wer vergißt, Versöhnung predigt. So wie Icsns einst gelehrt. Solch ein Christlich-Socialer Wäie auch von »nö geehrt. Doch, wer Volkes Leidenschaften . Ausnützt für die Carrü-re, Der bei. seinem VolkSbeglückc» Denket nur an cig'nc ChO, Solche edle Volksbeglücker, Volkes Bildner, Volksverlreler, Pflichten nie, nur Rechte kennen: Diese sind die VolkSverrälher. 2lus antisemitischen Blattern. (Lueger in Pest.» Tr. Lueger befindet sich — nach einer Meldung - der ..Deutschen B o t k« b l a t l e »" — auf der MllleniiiumSanSstrUung; zwar nicht in zwrsona, da« riekill er trotz der Einladung einiger zwcifeldafter Freunde au« der clericaien Aristokratie nicht, aber doch in eltisie. Zm „Plastikon" soll, ivie da« genannte Blatt meldet, eine GnpSfigur auigcslelli fein, welche de» Wiener Vorstadt Tanlo» in lebhaflem Zwiegespräch mit Reb Menachein Zizerbeißer, einer bekannte» Figur au« dem „BorSzem Za»ko", zeigt. Die Ungarn sollen sich vor der Gruppe iehr gut amlisiren, da» „Deuliche VolkSblatt" möchte aber am liebste» die Besioer de« „Plastikon", wen» nicht die Leitung der AnrfteUung wege» de« erime» laesne ui».iestatis, begangen an der geheiligten Person ''Lueger'«, in Anklage versetze». (Die kirchlichr Masiregrtung Ltojalowski'S.» Ta» „Vaterland" verössentlichl folgende» Erlast de« Nunti»« Agliarbi: „Wir Anloni»« Agliardi, durch Gotte« n»d de« Apostolische» Lludle« Gnade» Erzbi-chos von Easarea, bei Lr. geheiligten kaiserlichen nnd königliche» Apostolischen Majestät Nunlin«- Ordinariu« mit der Geivalr eine« Legaten de latere re. re. Nachdem wir mittelst Tecrete« vom 8. Oclober v. 3. Nr. 2268 den hochwurdigen LiansSlau« LiojalloivSki, welcher die öffentliche Ruhe und die kirchliche Tioeiplin »amentlich in Galizien zu störe» sch herau«niin»ik, elinahnt hatte», unter der Berpstichinug stricte» Gehorsam« binnen acht Tagen die österreichisch-ungarische Monarchie;n verlassen und sich in die Tiöcese Antivari, in die er aufgeiiominen ist, zu bcl gebe», zeigte nn« der vorgenannte Piiester brieflich an. er werte unserer Mahiiling nicht gehorchen, und thalsachlich weilt er bi« letzt in Galizien und sucht sowohl mündlich al» in Zeitnngen da« Volk gegen die Autorität der ehr' würdigen Bischöfe auszuhetzen. Darnm, nach Ablauf de« vorgeschriebenen Termin«, Gebrauch machend von de» speciellen un« vom Heiligen Lludle verlieheiic» BoUmachleil und im Namen de« He ligen Ltuhle« suSpendiren nnd iiiterdiciren wir den hochwürbigen Ltaniblau« LtojalowSki von aller Ausübung sowohl der Weihe al« der ZuiiSdiciion und wollen und desehlen, daß er von Allem für snSpeudirk und inlerdicirt gehalten wtide. Gegeben zu Wien am 16. Mai 1896. •{• Antoniu «, Erzbischof von Easarea." Für die ürgaiit de« „reinen" AntisemitiSmu» ist nun SianiSlau« Slojalowrki ein — „Mällyrer", ein Opfer der Berfolgung-wulb der , polnischen Lchlachla. Tie Juden kann man für die kirchliche Maßregelung LtojalowSki'S leider nicht zur Recken, lchafl ziehe». , (K. H. Wolf eootrir Lebofrr.) Wie die „Ostdeutsche Mund I ch a u" meldet, hat K H. Wolf gegen de» Gemeinberalh^L e h o f e r wegen dessen Aeußerunge» in einer Anliiemiteiiverlammlnilg eine Ehrenbe'.eidigung«. Nage überreicht. (Zweierlei Mast.) Mo» schreibt UN« auSLalzburg: Tie „Kirchenz e i t u n g" hob jüngst einen Fall (Siltlichkeit«verbrechen in Ungarn) hervor und' jummeite, sich bekreuzigend, über die Zustände im Lande der chchch Eivilehe. lieber den Proceß eine« Pfarrei« im nordwestliche» Tbeile Oesterreichs, welchem 17, sag« siebzehn Fälle zur Last gelegt wurden, schivieg aber die „Kirchenzeilung", natürlich au« christlicher Nächstenliebe. (Aus drin Nrichr der Gottesfurcht und frommcn Litte.» Wie ei» aisti semitische» Blatt triumphirend berichlei, bat lüizlich ein Richter in Berlin einem Proceß gegen die berüchligleu „Politisch»-» Bilderbogen" er-kanini, tast diese- Bogen sehr wohl gecignel seien, auikläreiid auf die gioste Masie wirken, und die BerufungSkainmer de« dortige» Landgerichte« hat »och besonder» bervorgeboden, daß der Bogen Nr. li>, „ Die -Hilden in FriedrichSruti," eine „Rede voll Witz unsali,rischer Lchärse gegen die Inden enihäll". Wir möänen iNlii wissen, ob der betreffende Richter sowie die Bernfniirgkanimer den Mjiih hätten, auch eine ioeial demokratische „Aii'klarlingS".Länisl gleich vorurideil« vot zu bcbandeln. lFritsch über Paasch und dessen Gegner.» Ter st,emalige Leipziger Atniseniiiensührer Theodor Fritsch, der mit Groll die Führerlolle an Lieb rm a » n v 2 o n » e » b e r g ablieie» innstte, sevt i» der „L ä, w äb i s ch e n Resor in" seine „Liudie" über Paasch und dessen Gegner soll. Tann erwähnt er auch Folgende«: „Ein Berliner Rechl«anwalt, 'der sich von Pavch bt»»X> Marl für die Perlrelung seiner Lache in, Boran« zahlen liest, beuckm 'siäi!o, daßer ebensogut al« der Vertreter der Gegenpanei gellen konnte, so daß ihm Paasch bald »ach der Verhandlung da« Mandai emzog. E« errne« sich, daß Paasch auch bier in die Hände eine« Zudenabköuinilings gerat >en >oar." Tamil ist der anlisemilische Rechtsanwalt Dr. euer? gemeint. Fr i'ch einblödet sich ferner nicht, alle Vorwürfe wieder auozngraben. Der Landricster E u r t i » «, der im Processe Paasch amtlich zu lhuu Hane, „innstte sich durch wochenlangen persönlrchc» Verkehr mit Pander lind Paasch von der Wahrheit der gegen v. B ra n d l » s.w. erhobene» Beichuld gunge» überzeuge»z er schleint dadurch aber i» einen ichivere» Eoustict zwischen seiner lleberzeugimg und der ihm amtlich gestellten Ausgabe geralhen zu sein. Er vetsiel einer Art Lctuoermuld, iu der er oft über ,die »»glaublich traurige» Zustände in der preußischen Rechtspflegeklagte, und nahm sich bald daranf da« Leben". Al« im Zauner ly 1 diese Beschuldigung duzch die anlisemilische Presse lief, bezeichnen die („Norddeutsche Allgemeine Zeilung" im Lperrdruck sie al« eine „Albernhe»" al« ein „paibologiiche« Product". Ta« hindert Fritsch nicht, dieselbe Be schnldlgnug letzt al« eine skststehende Thalsache hinzustellen. Ein gleiche» 8ersahren beobachlen >a auch die österreichischen AnlisemilenhänvNiuge, welche, ,h»e sich tun Widerlegungen nnd RichtigsteUnngeu von niastgebendsler Lriie irgend wie zu küininern, alte Tendenzlügen stet» von 'Neuem Vorbringen. friullcton. Dor fünfundzwanzig fahren. C in Capitel ans meinen „Er i nncrn ngcn" notl: (Floren; — Rom 1870 bi« 1871. — Grcgoroviu« i.ber Rom. — Al« Lchlust» - Papstwahl Losgelöst Halle ich mich von den Banden des Staatsdienstes, frei war meine Feder geivol den, die bisher fremden Geda iken llnlcrthan gewesen, Interpretin park,iischer Riinheilnngen, dir ,»ichk alle i.ützlich für das Vaterland schienen. Zn Italien wollte ich meine Wanderungen beginnen, mit Venedig, dem Geburtsorte mcincs Vaters, mit Venedig, das ich als l.ljähriger Knabe schon geschanl, und die Fahrt dann weiter ansdchncn ans das jüngst besetzte Rom, bis nach Rcapel und Sicilien. i Vom gewaltigen Kriege, welcher eben Europa erschütterte, Üatte ich Einiges gesehen. Au« Straßburgs Trümmern nahm ich! den Haß gegen den Krieg mit, ans der Schwei; aber, wo ich als . end Ällachö über ei» Jahr geweilt halte, die Bewunderung für Rechte und die Institutionen eines seit einem halben Jahrta» freien Volkes. lieber Mailand und Genua ging es nach 'Nizza. Bei Nemo und Ventniiiglia lag Schnee. Die südlichen Pflanzen in Gärten sahen recht sonderbar aus; die rolhen Orangen trügen kokett ihre Schneekäppchen, und die Palmen waren wie überzucserl. An der Grenze wurde stark visilirt, dann eilte die Diligence vor Nachtandrnch Mentone za. Von hier benützte ich die L ahn »acf, Nizza über Monaco. Am folgenden Morgen traf ich in «igem Cafceinen Mobilgardisten an, der mich aus Frciburg in der Schweiz kannte, v. DieSbach. Die Sohne der besten Fami.lieu w iren bei den „Moblotö" und wohlsituirte Familienväter soggr J. den FranctireurS. In der Villa DieSbach fühlte ich ipich ran den unter sehr wohl. Ich speiste im Elub Massi'-na, Neben mir saß ein ^iuj< länder, den ich später bei Rom wiederjehen sollte; ein Prinz aus den Donanfürstenthümern führte daS große Wort; ich sah diä berühmte Scartö-Partie eines IrländerS und wohnte dann einem kleinen Eonccr:e im Bazar für die Verwundeten bei, in wel hem Frau Cruvelli (Krübel) aus Wien saug. Nizza war mir zu menstien-