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Freies Blatt · 1896-06-07 · 218 (7.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
218 (7.6.1896)
Date
1896-06-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 218. Freie» Blatt. beite ft. Zur gewerblichen Bewegung. Wir ersuchen alle wahrhaft freisinnige» Bürger unserer «ladt, dem im Juseraieutheile unseres Blattes besindlichen Berzeichnisse christlicher Gewerbetrejoender, die sich zur Lache des Freisinns und der Rechtsgleichheit bekannt haben, ernste Aufmerksamkeit zu schenken und diese wackeren Gesinnungsgenossen nach Möglichkeit zu unter stützen! Nirdcilage des Mechanikers Sdmtibtr.l Xit „Cfitruticbe Rundschau" bcrichirl: „Sonntag drn 31. Mai fand in ')l e» n f i r di e n mit Wander »erfammluitg kt» Niederösterreichifche» GenoUeiifdiaitSverd a n d e S fiftr da» flacht Land bti reger Theiliiadme ktr Gewerbelrtidtndtn, dit über 300 trfchitiitn waren, unttv dtm Borsitze kt» Obma»» stellvertrrter» dt» Petbaude» Herrn Ferdinand «acht (XremSl stall., „ln teritlbtn dtrichltlt Herr Josef Fadtr tAremSI in strtng fachlicher LLtiit iibtr dtn am 12. April staltgthabltn Eongreß in Troppau. Z»m Schlugt dt» van der Btifaminliiiig rtcht beifällig aufgenommriitii. Btritiitt» sprach Htrr Fader stiii titst» Bedauern über die niedere Kamvsesweise de» Abgeordneten S chntiktr au», die tr übrigen» auch bti andtrtii Gelegenheiten andtrtn Htirtn gtgtiiildtr btabackttt babt, dtr in Schmähaussätzen verlogenster Art im .Teutichen Poll»- blatte* iibtr dtn Eongreß sowie übtr ihn htrfitl, blaß deswegen, weil tr Fader-, um tint Sprengung dt» Eongttsst» binianzubalttii, Schneider tut' gtgtiitrtttii mußte. Htrr Fabtr sordtnt dit Gtwtrdttrtibtndtii auf, trtu und untntwtgt zum Ktrbandt zu balttn, dtsstn wichtigste und htbrstt Anszabt t» van jeher war, dit Erfüllung dtr Fardtrui'.gtn-kt» GewerbestandeS zu ermögliche», dtr stit Jahrzehnten dtr -Hart zur wirthschaftlichtn Witdtrgtbun dt« Handwtrlt» iu Cefterreid) ist, und dtsstn ltittudt Männer dtm Gewerbcstand dit Gewäbr ausrichtigtn, thilicht» Bestrebens gtbtiiT* Hitraus sprach nach einigen Liit'chuldigungSlparttn iibtr feinen alattmiichtn (J'raS und Standerangebörigkett dtr hitstgt, vam Abgtardiititn Schneider, dtr einige Tagt varhtr imftrt Gegend btrtistt, um gegen Fabtr zu inlriguirtn, gul präparirlt Advocat -Htrr Tr. L ä b l, um iibtr Fabtr zu Gericht zu sitzen und iibtr Jjitltn in dtr dtm Anhang «chntiktr'» tigtulhüinlichtn gtmtiutn Weite mit jahlloitn Perdächtignngen htrzusalltn. Tr. Löbl warf-Htrr» Fabtr dit Anwtstnhtit der Herren B l a s ch e k, -2? t d f u § und Mandlik am Longresie var u»d btbauvttit, daß Fabtr dtn Ansspruch gtihan; .Ein Jude fei ihm litdtr al» ein Pfafle." Tr. Löbl >agit ferner, Fabtr habt wtdtr dit AewerdeuoveUe nach dtn Mativtnbtrichi gelefeu «ith trkiihnt sich, darilbtr z» Iprtchtn., Ter Rtdntr fieüte dit kühn trlagtnt Behauptung aus, daß U s i n g t r, dtr Borstaud dtr «chlasitrgtnasitnichast ,» LLitn, am Eougresse, da fein Verbünd gar nicht btsttbt, bätte entfernt werben tollen. Tr. Lobl tagte die weitere Unwahrheit, der Eongreß hatte den Pertrtttril va» Wien nicht einmal die btrathtnkt Stimme gegeben, und andere nebensächlichere, aber lauter erfundene Verleumdungen. Tiesti» Herrn autwarieit Herr Fader i» tresiender und scharfer Rede. Herr Fadtr sagte unttr Audertm: Mit welch gemeinen 'Mitteln Tr. Labl II» Austrage arbeitet, beweisen seine Behauptungen, die aste unwahr sind. Herr Fadtr erklärte e» al« eine Lüge, trenn Tr. Lobl behauptete. Blafchek sei am Eongresse gewesen, t» iei ferner eine Lüge, daß er jemals die Worte gebraucht habt, .ihm sei ein Jude lieber al» ein Pfaffe, er schätze und achte dt» wahttn Priester dt» Polle»; weiter» sei t« eine Lüge, wen» Tr. Lobl sagt, er tFaberj habt die Gewerbenopelle nicht gelesen, wahr vitlmehr ist. daß' er diese nicht nur im GenoitenichastSverbande studirt, sondern daß er aus Grund sonstiger Studien die Per wtr'ung der Gewerbtnovtlle beantragt habt. Endlich ist t« eine Lüge, wenn Tr. Lobl hier öffentlich sagt, der Eongreß bade dem Schneider und Genosieu auch die berathende Summe nicht gegeben; vitlmehr wurde diese» ausdrücklich defchlosieu. Etwa» verblüfft übtr diese Abfuhr, schützte Herr Tr. Lobl, der dem Schneider ausgesesien zu sein scheint, Gew ähr»ltute vor. NichlSdestoweniger war die Wirkung ersichtlich eint gute. Tie zweifellos bestandene Absicht, Herrn Fabtr eine Niederlage zu bereiten, ging vollständig fehl. Pitlinedr versicherten die Anwesende», treu zum Perbande zu halten und sich durch »otebe Agitationen nicht irrt'übten zu lassen." _ Aus antisemitischen Oereinen utiö Oer sannnlungen. ,Zur Prftrafung dtr Budokratie) Zwei TtinglichkeitSauträge ktr Al^ grarhnettn H a u d und Lueger brachten im Abgtordnettnhause die Bestra'ung dtr Budokratie wegen ihrer Teiiionstrationen gegen die ungarische MiÜeuniuinSseier und wegen ihrer Schimpsaclion gegen di: jüdische» Sludenttn zur Sprache. Lueger erging sich in Hestigen Ausfälle» gegen Ungarn und dtsien Negierung, welche er sogar für Arastleistnnge» eine» antistinitische» Aalender» vtniiitwortlich machte. Unterrichisininister Freiherr v. G a n t s ch wie» diese Angriffe aus den Bruderstaat mit aller Entschiedenheit zurück und restectirte daun auf die. sonstigen AuSlaksungen der beide» Antragsteller, wobei er demetkie: „Zwei Tinge sind eS, die hervorgehoben wmden. Einmal unter dem Gelächter der abwesenden Mitglieder de» HauieS die Aus'übruugen de» geehrte» Herrn Abgeoidneteii für Margarethe» über die Aussasinng, welche die UnterrichiSverwaliung angeblich über dit Tuellfrage liegt. Ta» Tuell oder der Rauf Handel, wie ler geehrte Herr Abgeordnete erläuternd hiiizugesugt hat, ist per boien. WaS verschlägt e» der UnlerrichtSverwaltnug. meinte er, daß sich unsere Suidentenjchast mit einem Tbeile der Studenten!chast nicht schlage» wolle? Ta» klingt allerdings komisch, aber die .Herren glüube» ja doch Nicht, daß irgend eine Behörde oder irgend ei» 'Minister e» unserer akademischen Jugend nahelegen würde, sich überhaupt oder mit irgend einem Theile der S tuhenjrnfdjait zu schlagen. Nein, die ganze Angrlegeuheit bat damit gar »ichiS;» th»„, sie bezieht sich lediglich auf die Moiivirung einer Beschlusie», welche eine Be schimpfniig eiiihalie» bat. Wen» man i» einer Motiviruug t(agt: .Ter Jude ist der Edre völlig bar', so werde» die Herren doch zugebe», daß da» eine einfache nackte Beschiinpsniig ist Nicht wegen de» verweigerten TuellS, sondern lediglich bezüglich dieser Beschimpfung sink die Besirasnngeu erfolgt, X*A bitte daher, der UnlerrichtSverwaltnug nicht »»terichieben zu wollen, daß sie die Be sorderuug de» TuellS au unseren Universiläte» wünsche. Ich habe darüber meine eigene» Anschauungen, aber letzt ist nicht der Zeitpunkt, dieselbe» dem Hause darzulegen. TaS ist der eine Fall, und der andere, der eigentlich vor gebracht weide» koiinie — denn von der Auslösung der Studeiiteuvereine glaube ich uiwoweniger sprechen zu-sollen, al» der erste. Nedner iAbgeordneter Haucki selbst bemeikt hat, daß sich die Siukeiiteii' sehr wenig daran» gemacht habe» — der andere Fall ist die Aurweiiniig eines reich»de»ischen Studenten. Ich brauche den betresiende» Beschluß t die Aundgebung gegen die Millennium»' feiert nicht;» verlesen, denn der geehrte erste Herr Redner hat schon dafür ge sorgt; wer diele» Beschluß nicht als eine Beleidigung Ungarns aussaßt, der hat überhaupt in Hinsicht auf den Ton, iu 'dem man 'iu gebildeter Gesellschaft zu verkehren pflegt, eigenihümliche, mir nicht geläufige Anssassuugen. Eine» ist sicher Tie^UiiierrichtSverivaltnng hat e» uieinal» verlangt und wird e» nicht von den SlUdeute» verlangen, sich für irgend eine Strömnug zu erwärme» oder sich irgend einer ipeciellen Richtung anzuschließe». 'Wa» wir aber von »»- seren eigenen einheimischen Siudirende» zum mindeste» verlangen loiine», ist, daß sie sich in der Oefseutlichkeit geziemend betrage».- Wen» aber ein Sludirender. der bei un» da» Gastrecht genießt, dasselbe iu taktloser Weise verletzt, so muß er e« sich gefalle» lassen, daß wir unter Umstände» aus seine Anwesenheit verzichten. Ich kan» jedoch über diese Angelegenheit dem Hause au» dem Grunde nicht mehr sagen, weil gegen diese» AuSweisiingSerkennlniß ei» ReourS hängt und ich der Letzte diu, der durch irgend welche Aeußerungeu allensall» wieder Gefahr laufen wollte, den Anschein z» erwecken, al» ob ich, wie e» mir schon einmal voigeworse» worden ist. de» politischen Behüide» irgend welche Winke;n eriheilen gewillt wäre. Ich möchte diesen Anlaß denützen, um da» Hau» mit Rücksicht aus einige andere Bemerkungeu zu bitte», glaube» zu wollen, daß, wein! auch die Unterrichtrverwaltnug, die akademischen Behörde» und alle diejenigen, welche beiusen sind, mit den Stndirenden in Angelegenheit der Erhaltung der Ort»u»g zu verlehren, unter Umständen es an Ernst und Strenge nicht ermangeln lasse», c» an Wohlwollen der Jugend gegenüber niemals gebreche» werde. Ich gehöre;» de»jeilige», die da meine», daß e« vielleicht eilt Irrthum ist, ein Fehler unserer Zeit, alle» dasjenige, was an der.Tluiveisität geschieht, jede unbedachte Aeußeruug einer Slukeuteu, jeden kleinlichen Vorhalt m irgend einem Bereute sofort in der 'Tessenllichkeit zu einem welterichütteruden Ereignis; auizubanschen und dadurch den Sludirende» eine maßlose Porstellnng von ihrer Bedentung beiznbringe». Und darum bitte ich auch da» Haus, interne Porgäuge der Universität nicht zum Gegenstände der Erörterungen mache» zu wollen. Terartige Pelhandluiige» sind wahr hastig nicht geeignet, den Frieden in unserer Sinke,itenschaft, de» wir ja Alle wünsche», und sie Rübe herzustellen. Sie sind nicht geeignet, da» Maß der Perditteriiug, daS bisweilen Vorhände» ist, zu beseitige». Im Gegentheile! Je heftiger die Gegensätze aneinanderpralle», desto mehr geht dar von allen Herren de» .Hau'eS ohne Aiisnahme für die Jugend so sehr gdwünschte Wohlwollen vrrloreit. Ich kann e» auSiprechen, daß gegenwärtig au unserer Wiener Universität, wenigsteu» so weit ich insormirt bi», ruhige und geordnete Zustände herrschen. Wen» der geehrte Herr Abgeordnete Hauck in seinem TringlichkeitSanttage de» Wunsch' »»»gesprochen hat, daß der akademischen Freiheit wiedrder gebührende Raum gegeben werde, >'o, tbeile ich diese Anssassung mit Aus nähme de» Wörtchens .wieder'. Tie akademische Freiheit ist ein Tiug, in dem nicht bloß die Siudireuden zu participireu haben, sondern, vergess n Sie nicht, ebenso die Prosei'soren, Prosesioreu-Eollegieii, Rector und der aka iemische Senat. T>e akademische Freiheit beruht auf der Autotiiät der Professoren und aus dem Pertraue» der Stndeuteu. TaS sind Beziehunge», welche an den Uiiiverfitäleu selbst geordnet werden müsse», die sich, ich wiederhole eS, der Behandlung vor der Senentlichkeit entziehe» und die meines Erachteut^auch nicht binaureichen an die Höbe der Legislative. Ich hosie, daß, wenn die Ordnung solcher Angelegenheiten de» Universitätsbehörden, welche ihre Pflicht bi» nun in correclester Weise erfüllt habe», überlafle» bleiben, wen» i» die Action dieser Universitätsbehörde» nicht eliigegrisfen wird, an den Universitäten jene Zustände erhalten bleibe», die wir wünschen muffen, und welche die PorauSsetzung biete» für eine gedeihliche und zufriedenstellende Arbeit. Ich hoise, daß den» auch

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