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Freies Blatt · 1896-06-07 · 218 (7.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
218 (7.6.1896)
Date
1896-06-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 218 und ein auS lautersten Quellen fließender Thatenwillc da;», diesen Standpunkt in seiner reinen, edlen und hohen Auffassung zu belhätigc». Aber all daS kann und darf inan von einem liberale» Politiker fordern, Mnth und Her; »nd Pcrstäiidniß. Es ist einfach eine historische Vitgt, wem; inan eine gewisse aus die einseitige Begünstigung dcS starken in Industrie und Handel hin anslanfendc tleichtnng als abschreckendes Beispiel für die Beriverflichkeit des wirthschaftlichcn ViberalismnS binstellt: und wenn diese 'Kittjuun; zufälligerweise wirklich mit einer politisch liberalen Bewegung znianitnen siel, so könnte daS nur beweise», daß man sich liberal nennen kann, ohne cS;» sein. Eine englische ParlaincntSniehrlieit, ivclche z. B die Anti Eommnnieationsbill votirte, durch welche den Arbeiter» in, Interesse der Arbeitgeber die Eoalitionsfreihcit, also ein allcttmotit bürgerliches Recht genommen wurde, war eben nicht liberal, nicht weil sie nach dem Grnndsapc laiosor-liiira vorging, sondern weil sic ihn brutal vcr leiste. Die gesanimtc Arbcitcrschnvbcwegung, diese größte soeial politische Thal unseres Jahrhunderts, beweist nicht das Geringste gegen de» Tav von der Unzulässigkeit staatlicher Einmischung in wirtbschastliche fragen, denn die Arbcitcrschuygcscvgcbnng läuft, soweit sie nicht rein sanitälS- und sittcnpolizeilichcr Ralpr ist, auf die Berwirklichuug der wirthschaftlichcn «Freiheit durch Hinwegräninnng einiger zu (''nnstcn der Bcächtigere» bcstchcndcn RcchrSvorurtlieile hinanS. Hier ist also ein Feld, wosich ein liberaler Man» ungeschent bclhätigcn kann und soll, ei» aus welchem die liberale Partei den soeialistischcn Fraetioncn »nterschicdlichcr Rnanee znvorkoinmcn und den tkcang ablant'e» müßte, »in die leider verlorene Berührung mit dem Bolkc wieder zn gewinnen. Aber auch sonst ist der als doetrinär vcrliöhnle liberale Ttand pnnkt keineswegs so unfruchtbar, alS die Rc'cisten glauben- Tas Iat--!-o/.- t'nire schließt jedes Privileg ans. Man beliebt henke den Wald vor Bünmcii nicht zu sclien: vor lauter soeiatistischcr Fortgeschrittenheil vergißt man, daß cS heute in Oesterreich »och einen niclit ganz nn bedeutenden privilegirtcn Grundbesitz« mit besonderen politischen Rechten gibt, Hu dein alten Rest ungelöster Agrarfragen lrclen neue hinzu: Man will auch de» .stlcingrundbesitz.scndalisiren »nd mit bestimmten Privilegien versehe», und um durch die Protektion dem einen § lande gegenüber nicht die Bcgcbrlichkcit dcS andern zn verlegen, ivärc man gerne bereit, die ganze alte privilegirtc und ständische Gesellschaftsordnung von cbcdcin in inodcrnisirter «vorm ne» zn beleben. Man hat, 11m diese schale Sk oft schmackhaster zu machen, dafür den Rainen „Organisation der Gesellschaft" ersnndcn, und ihatsächlich geben zahlreiche «rische ans diesen st öder: leider auch viele vonder Per einigten Vinfcii. Es klingt ja so plausibel, wen» man hört, der ViberalismnS habe die Gesellichaft atomisirt, eS müsse nun eine neue Crganiiatioi) an die stelle -der alten, vernichtete» treten. Man übersieht dabei ganz, daß die angepricscne Rcnorganisalion wieder nur die alte, durch die Bcrhältuissc längst abgeschasstc sei» soll', und man vergißt dabei ganz, daß der Liberalismus die Wege einer wirklich ncnen Organisation ge wiesen hat, einer wirthichastlichcn '.'cengliedernng der ("eiellichast ans den Grundlagen der «Freiheit und Tolidarität Dicsc Organisation zu fördern und ihr aus gcsctzgct>erischeni Wege freie Bahn zu schassen, ist ebenso die Pflicht eines liberalen Mannes, wie cS seine Psticht ist, allen zünflleriichen und agrarischen Bcleitäten rücksichtslos entgcgenzntrctcn. Man untcrschägt in der Regel die Tnmme dessen, waS auf diesem Gebiete noch gesetzgeberisch zu, leinen ist. Unser gcsauinitcS Bankwesen hat, »in nur ein Beispiel anznsührcn, einen durchaus privilegirtcn illiberalen Eharaktcr: der Ttaat tritt förmlich als der Ercditfördcrcr für ein paar Elasten der Gesellschaft ans, während daS Ercditwcscn im Interesse des Handwerkers und Bauern vollständig vernachlässigt ist, jeder Organisation und Ecntralisation entbehrt, den individuellcir Verhältnissen der verschiedene» BcriisSstündc absolut nicht angcpaßt ist und durch zwar nicht liberale, aber dafür umsomehr doetrinäre EreeulionSordnniigcn noch mehr verderbt wird. In der einzigen «trage der Regelung des Ercditwcscns auf wirklich liberaler,' nicht privitegirter und nicht protektionistischer (Grundlage liegt eine solche Jviiüc von Anregungen, daß sich daraus allein ein liberales Arbcitsprogramni zusainmenstcllcn ließe. Ucberhaupt werden unsere liberalen, um mit Professor «Tueß zu spacchcn, nur zu den allen Traditionen des Liberalismus zurückznkekUcn brauchen, um sich zn verjüngen und auch Fr»t«» Statt. Seite 1 einer Huknnst entgegen, in welcticr Männer von Herz und <slcin jinb Mnth die «Fahne des Viberalisnins auch an» >riril««ck>asklichem lRbieie wieder a.ispslänzen werden, allen - >t reifen Ser ("(«ell'cha'l. »nd sich znin Heile.! auf wirthschaftlicheni l^tl idle das Richtige zn finden, sich mit dem Bolkc wieder zu treffen und witddr zn versöhnen, Db freilich eine solche Wirth schafts'politik in der Abs chtXunscrer heutigen Parteigänger ist, nnd ob Männer wie der Abgeormicte Ruß die richtigen Leute sind, um die Partei auch nach dieser Richtung hin in die echten Bahnen dcS Liberalismus zu lenken, das ist eine Frage, deren Bejahung wir nicht so ohncwciterS auf uns nehmen möchten. Aber „sind's nicht diese, sind'S doch Andere"; und so skeptisch wir in die Gegenwart blicken, so getrost sehen wir 5cr BcrjiiiiiMgsproccs; vcs Libkrülisiinis in Cn'mrcidi.i Am 1 Juni rechtfertigte der Abgeordnete Wrabev vor 'ein.» Reichs raihswäkler» im IX Bezirle leinen Ansirili ans der Bereinigt?». Vinte»: Abgeordneter Börabev bezeichnet?, als den laue» '.'lnlast sietes Tchritles seine llnzniriedenlieit mit Ser u»enl«chiedenen Haltung, irelche die Vinte anläßlich der Einichwenlnug der?>cegiern»g in der Vneger Frage cinnahi», und forderte von de» Berireiern des. Viberalismnsj in Oesterreich iür die Hintnnfi nicht bloß wirthichaftliche Arbeit, joniseru! i)iul) ein energischeres Eintreten für die Erbalinng und Eiweiternng der politische» Freiheit. Tie Wähler des Herr» Abgeordneten Böraben i sprachen diesem Tanl nnd vollstes Beriranen ans Auch der Tags : vorher in Trovvan,. versammelte, d e n t s ch s o i t i ch > i > > l ijch e > schlesische Parteitag sprach sich, obwohl die erithienenen Ab > geordneten leine Anhänger der Teeeision sind, üii eine stärtere -Pe tonnng des politischen Progranunes des-Viberalismns und bajiir ans,, [ da st man in >Pnkn»st energischer „für Sie (Gleichheit der Biirger i>or dem ("eseve eintrete nnd jedem Persische der was immer für Raijien > habenden stceaelion,nach eonfeifionellen nnd sonstige» Rücksichten kl» > gleicliheit der Bürger vor dem i"et\'uc zn schassen, Widerstand entgegen l znieven, jeden Bcistbranckt der Tiaaisgeivalk, jede Berletznng der ("eketze zn Ungnnstcn der Ttaatsbürger zn. betämpsen". In einer andclcü Rcsolnlio» betonte der Parteitag, „das; die antisemitische Bewegung, zn einer schändlichen nnd haßersiillien Hcve gegen Unlernclsmnngsgeist und Besiv, gegen Fortschritt und bürgerliche (Gleichberechtigung, gegen die wichtigsten Bedingungen unserer eiillnreclen Entwicklung geworden ist, daß sie derzeit als Mauerbrecher für Perivildernug des össe.nilichen Vebens auch in bürgerlichen Ai reifen, für die Herrschaft der schlechtestes eleriralen Elemente erscheint, die Geltung nnd straft -es deutschen Bolkes an vielen 'Trtcn bedenklich schwäche" nnd daher ans daS Energischeste zn betämpsen sei . - e ClIlOuftrQlii'H dkl 'JifIfciirittcr. I Rach der Frohnleichnamsieier in der Tlephanskirche folgten den Hofwage» die Egnipage», in denen die mit ihren goldenen .stellen geschmückte» Mitglieder des (''enieinderaihs Präsidiums saßen: Tie wurden von zahlreichen Reltenriuer» mit den Rusen: „Hock) Ttrobach!" nnd .Hoch Vneger!" cinpsangeii. Ti? Temonstralion, welche beim Pnblienni auch ans Wideriprnch stieß, erregte in ganz Wien Ansschcn nnd tvnrde vielfach erörlen sTic Lklllk voll Tklöwstlü.! Man schreibt »NS ans Taizbnr.g: Geehrter Herr Redaetenr! >''ettcr» fand eine Hochzeit, statt, bei tvelchcr Tr Vneger nnd der liier häutig 'gesehene Vondlagsabgeordneie (''reg orig als -Mengen fnngirlen. Man benierlte nni die '.'cachiniltags Itnnden in den leasten der Tladl Menickiengrnvven, als eben eine Reihe leerer Vohnwagen über den?>cesidenz nnd Vndwig Pietor Plap s»hr. , Eine ganze Tchaar von Rengierigcn sah man bei Sem Tchloste Mirabcll, in dessen Eapclle getränt wurde. Bielleichk waren unter denen, welche den Vneger scchen wollten, auch einige „Bollsverrälher", die es tvagen werden, trotz der großen Philippita des Pieebnrgernieisters von Böirn dein Bejviele des Böist'entchastlichen Elubs zu folgen, ivekher nächstens seinen Millenüinmsansslng macht. Tiefer Elnb hat eg? sich ' selbst znznichrcibcn, wenn er in den Angen des Tr. Vneger zn einen) Bunde der Boltsverrälher herabsinkl, Hai Vneger ivolibgewußt, daß in den Vistcn der Talzbnrgcr H>nels schon in dieieni Jahre Indäo. Magnarcn eingezcichiiet waren'?! Tie guten Vcule von Te-ldwnla hätlj?» ihm das nahelege» sollen! Tic waren aber wohl zn neugierig und ' zeigten gestern ivicder, was eigentlich für sie interessant fei. 'Als I der Acrzlc n»d Ratnrsori'cher-Eongreß hier abgehalleü wurde, da bildete» sich teilte (''nippen, nm die (''rösten der Rainnvissenschait zn sehen: als Vewinskn 1 SV* 1 den Franz Moor hier «vielte. ,da^war „man" int Eirens, nnd der ("eigenvirtnos 'Bö i l he l in j mnstle sein Eoneerk wegen Mangels an Theilnehinern absirgen. Bei der Papstfeier . ISST i waren dagegen alle Ttrastcn voll, n»d so oft die Peieranen ansrückest, da ist eS lustig: wenn aber gar der Vneger kommt, da rennt das Polk, cS wälzt sich dort durch TalzbnrgS (''asten brausend fort. Ter große „Ehristlich Toriale", dessen Bild mit Torncnkronc und Heiligenschein das Trga» der Polksbildnng, genannt „.'kikeriki", gebracht hat. ohne /daß von der Elcrisei dagegen Einsprache'erhoben worden wäre Awaren cS doch politische «Freunde die mit so heiligen Tinge» spielten«, Vneger kam, nnd sic bildeten eine lebende Hecke, wie schon damals bei der Papstfeier. Drüben habe» sic die neuen kirchcnpolitischcn Gesrve und die AusstcUung; hier jubeln sic denen zu, welche die Jubiläums Ausstellungen Wien nnmöglich gemacht haben. Ich bin wohl ein „Barba^" und ein „Asiate", der für die „deutsche Bildung" gewisser Germane»

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