Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 217 (31.5.1896)
- Date
- 1896-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i Seite 6. .freie» loeldie Geld bei sich halten, erkauften damit ihtze Freilassung, ein ge- Rvisser (fold si e i n aber, der' kein (Meli) belaß, wurde in Haft behalten, ■nt folgenden Tage begab sich der Polizeigewaltige zu Frau Fischelsohn, Riedrvhte sie und suchte »ton ihr das Persteck ihres Mannes;u erpressen. RTie geängsiigle Frau lief zum Procurator und zum Präfecten, und kBeide riethen ihr, den satten zu veranlasien, sich freiwillig zu stellen, hm ihm doch nichts Ernstliches geschehen könne. In der Thal stellte sich iFischelsohn denn auch, und nun ließ der Polizeimeister an den drei Perhafteten leine volle Wuth aus. 3ie wurden mit Säcken, welche mit Sand und kleinen Steinen gefüllt waren, so lange geschlagen, bis sie j ohnmächtig liegen blieben. Frau Fischelsohn lief wieder zum Procurator, welcher Zeugen vernahm und den Sachverhalt, wie geschildert, feststellte; aber trotz seines Einspruches vermochte er erst am dritten Tage durchzusetzen,- daß die (befangenen als Posizeikranke an das (Bericht aus geliefert wurden. Inzwischen hatten angesehene Christen, darunter viele Crficiere, sich an den Erminisier Fleva mit der Bitte gewandt, dafür zu Morgen, daß die Spier der Polizeiwillkür in das Hospital gebracht wurden. Tas versuchte aber die Polizei zu verhindern, und nur dem energischen Einschreiten des (Generals Krifinski war eS zu danken, daß die Schwerkranken endlich fortgeführt werden konnten. Tie Entrüstung wurde nachgerade so allgemein, daß Ministerpräsident Sturdz a sich entschließen mußte, den Präfecten, Polizeimeister und einige Eom- .misiäre zn suSpendireu. Aber diese rühmen sich trotzdem ösientlich ihrer Schandthat und erklären, in wenigen Wochen wieder im Amte zu sein. Und wer Herrn Sturdza keunt, zweifelt keinen Augenblick, daß sie Recht behalten werden. iTit jüdischen (Kolonien in Palästina. Ein Bericht, welche» der englische Eoninl in Jerusalem. Mr. Tickson, seiner Regierung erstattet hat, äußert sich lehr günstig über die jüdischen Eolonien in Palästina und fülirl im Weicntlichen aus: „ Tie verschiedenen jüdischen Eolonien, welche durch die Mildthätigkeit von Pereinen und Privat perionen im heiligen Lande errichtet wurden, können zwar noch nicht aUeianiint der Unterstützung vollständig enlrathen, erstarken aber immer mehr und gewäbren zahlreichen Familien Beschäftigung und Brot. Tie Arbeit wird nach europäischen Porbildern mit allen Errungen scharten-der modernen Landwirthlchait ausgesührt: die Eolonien können als Musterfarms dienen und werden in wenigen fahren einen sehr vortheilhaften Eiuslnß auf die agricnlturelle Entwicklung des Landes ausüben. Riichoii le Zion, die größte Eolonie in Palästina, beschäftigt sich ausschließlich mit deni Anban von Weinreben und der Herstellung von Wein, t^roße Kellereien sind in letzter Zeit angelegt und die'besten französischen Reben augepflanzt worden. Ter Wein ist von sehr guter T.ualit>rt und ven'vricht, wenn der Fabrication noch größere Ans! merksamkeit gewidmet wird, vorzüglich zu werden. Tampsfabrikeu zur! Herstellung von Fäsiern. von Flaschen, von Eis :c. sind mit den sietlereien verbllnden und in vollem Betrieb. In anderen Eolonien, wie Ekron und Peibach Tikwali. wird mehr die Eullur von Frucht bäume» verschiedener Sorten, von (betreibe :e. bevorzugt, und weite Strecken, welche fritber Einöde oder Sumpf waren, sind der Enltur wiedeigewonnen und überaus l'rnchlbar. Eine' recht gute landwirth icha'lliche Erziebnng wird de» jüdischen Jünglingen in der Ackerbau schule Mikiveli Israel bei Jaffa zurbeil, wo eine große Anzahl von Schülern üinionst Unterhalt und Unterricht in .den Elementarfächern erhalt. Weiter nordwärts ans den Abbängen des Earmel liegt in sebr gesunder. t''cgcnd die große Eolonie Samarin (Slchron Jakob», welche sich in bliibendem Zustande besindel. Außerdem ist noch eine größere 1 Anzab! von Eolonien vorbanden: die genannten sind aber die er folgreichsten " Al'r J;ewetblichen 25ewecFunJz. Wir rrsliäicn alle wabrdasl freiftnnigen Bürger nuferer Stadt, : Dem im oiiicratcntbcilc nuferem Blattes befiuDltcben Bcrzeichnisjc diriftlidicr ('icuif rbctrtiücnDtr, Die fidj zur Sache des Freisinns und der Rechtsgleichheit bekannt baden, ernste Ausnterkiainkeit zu schenken niid diese wackeren Eirsiunuiigsgenossen nach Möglichkeit zu unter stullcil! -Eine Hausirer Pkti'ammlung.l Ta» Perbot de» HausirbantelS für Prag > und Umgebung, welche» bereits am l. Füll d. I in Kran treten toll, har! unter den Hausirern Kien? eine leicht begreistlche Erregung hervorgizrulen. um'omrhr, atS befurchter wirb, dag die-em Hausirverbole noch andere folgen! werbe». F»r Siellnugnabme gegen bieie 'Maßregel fand neulich eine vom „Ersten öilerreichi'chen RechtSichuvoereine für Hausirer" einbernrene allgemeine. Hausirer-Versiiinmlung stalt, welcher auch Abgeordneter ISf net beiwohnte. Ter Referent, Ehreinnitglieb des HauftrerverrineS Tr. Äscher, forberre die Statt. Nr. 217. Anwesenden zur Organisation auf, welche allein die Hausirer schützen könne. TaS Elend, welcher da« Haufirverbot in Prag hervorgerufen, sei trostlos; Leute, welche mehr als 30 Jahre da» Hausirgewerbe auSübten, stehen nun rath- und erwerblor da. Hier handle o» sich bnrchaunicht um die „paar polnischen Juden", auf die von gewisser Seite stet» hingehauen werde. Die Juden bilden unter den 1000 Hausirern Prag« nur eine verschwindende Minorität. Er (Redner) habe selbst' in Prag vor einigen Tagen einer Versammlung bqr Hausirer beigewohnt, welche fast ausschließlich von christliche» Tschechen besucht war. Dar Verbot sei auf Ansuchen de« SiadtralheS von Prag und Befürwortung durch die böhmische Stallhallerei auf Grrind einer Verordnung der Ministerien für Handel und Finanzen erfolgt. Die von dem Verbote betrossene» Hausirer haben sich an den Statthalter um Abhilfe gewendet. Derselbe habe ihnen gerakhen, sich um einen anderen Erwerb umzusehen oder eventuell au»- zuwandern. Die Leute werden demnächst eine Deputation uach Wien senden, welche bei den competenten Ministerien vorstellig werde» und eventuell eine Audienz beim Kaiser anluchen soll. Dr. Ascher beantragte eine entsprechende Resolution. Sodann ergriff Abgeordneter Exner da» Wort, welcher die Aussichten der Hausirer nach jeder Richtung hin für sehr trüb erklärte. ES lasse sich nicht leugnen, daß der Hausirbandel heute nicht mehr jene Existenzberechtigung besive wie einst. I» dem von dem Abgeordnetenhause angenommenen Entwürfe seien zwei für die Hausirer gefährliche Bestimmungen enthalten. Tie eine ertheile dem Handel-minister die Ermächtigung, auf Beschluß de» Landtage» den Hausir» handel in einem ganzen Lande oder LandeStheile zu verbieten. Tie andere statuire dasselbe Recht für jede Stadt mit eigenem Statute. Wien werde von diesem Rechte gewiß Gebrauch inache» und wahrscheinlich ganz Niederösterreich. jEr habe e» für seine Pflicht gebalten, erklärte der Redner, gegen diese zwei Beschlüsse ein MinoritätSvotum anzumelden. Ter Verein müsse sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen und sein Augenmerk darauf richten, Daten gegen die Anwürfe zu sammeln, welche gegen den Hausirerstaud erhoben werden. Auf ihn persönlich könne man zählen, aber daS bedeute sehr wenig. Vor Allem müsse» junge Leute unter den Hausirern, die noch einen andere» Erwerb auSüden können, diesen;ukunftSlo>en Beruf verlassen. Tie vorgeschlagene Resolution wurde lodann einstimmig angenommen. (Boa dcn GastwirtdtgchilftnJ Am 27. Mai fanden die Wahlen für de» Ausschuß der Wiener Gastwinhegehilfen statt. An denselben letheiligten sich nur die anlisemilischen Kellner, und zwar sowohl die christlich-social Gefärbten, alS auch ein Häuflein Deutsch.Bolklicher, welche sich um zwei seindliche Brüder, Carl und Leopold M i k t e r in a y e r, schaarle». Die Wahlen schloffen mit einem Siege der christlich-iocialen Liste. Da» „Deutsche VolkSblatl" feiert nun denselben in einer Weise, al« ob dadurch etwa» Große» zum Heile der christlichen Gesellschaft gescbasse» worden wäre. An dem Wahlkamps nahmen übrigen» von mehr als 12.000 stimmberechtigten Mitgliedern bloß 425 theil, und ein starkes Conlingent derselben bestand, wie gemeldet wird, au« — Paarenden. Aus antisemitischen Oereinen und Versammlungen. lAllgrmcincr aukistmitischtr Parteitag für Ritdtrösttrrcich.s JmCenlralivahlcomnö der antisemitischen Parteien Riederösterreichs, au» welchem Paul v. Pacher ausgetreten (st, verblieben die-„Deutsch-Rationalen" von der Farbe de« sillensirengeii S leinw ender, in deren Ramen Fra»; Richter erklärte : Man müsse vereint „gegen die Judenliberalen schlagen", und die Differenzen, welche nur in einigen Bezirken bestehen, dürften sich leicht durch daS Centralwahlcomilö beseitigen lassen. Daraufhin versicherte Lueger, daß die Christlich- Socialen bereit seien, „deutkch-iiationale" Candidalen, die sich dem antisemitische» Centralivahlcomitö anschließe», zu unterstützen, daß man jedoch unter keinen Umstände» mit den Anhängern S ch ö n e r e r'S zusammengeben könne, die fort und fort dir Einigkeit stören. Fra»; Richter ergriff nochinal» da» Wort und tagte, daß die überwiegende Mehrheit de» „delilsch-nalionalen" Wahlausschusses iur Riederösierreich auf dem Standpunkte eines freundlichen Zusammengehen» mit den Christlich-Socialen stehe, und daß er überzeugt sei, daß dieser Wahlaus'cknlß da» Zn'ammenwirken beider Parteien acceptiren werde. Richter stellte den Antrag, chaß in allen Bezirken, in denen noch keine BezirkSwahlcomitc-S besteden, solche zu bilden seien. Der Antrag wurde mit einem Zusave angenommen, demzusolge auch in jenen Bezirke», wo „Teutsch-Rationale" und Christlich Sociale sich di- Waage halten, nur. ein gemeinsamer Comilö zu bilden sei. G e ß in a » n beankragie hierauf, e» sei ein allgemeiner antisemitischer Parteitag für Riederösterreich einzuberusen. Dieser Antrag wurde mit einem Jpiatze angenommen, wonach mit Rücksicht aus die Ernrearbeiten die Einberusuiig in den drei ersten Wochen de» Juni zu erfolg»» habe. zBerortbkilung tineS Bovcotlirungsvtrtints.) Tie Strafkammer Hagen fällte die'er Tage eine Entscheidung von grundsätzlicher Wichtigkeit. Einige Zeit ror Weihnachten, vorigen Jahres erschien dort ein vom dortigen „Teut'chsocialen Verein" herauSgegebene», von der Parteileitung verfaßtes, auch anderwärts viel verbreitete» Flugblatts da» von Hau» zu Hau» colportirt wurde und in der Forderung gipfelte, die WeihnachtSeinkäufe nicht bei Juden 'zu machen. *