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Freies Blatt · 1896-05-24 · 216 (24.5.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
216 (24.5.1896)
Date
1896-05-24
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Zit. 216. v =fc .freie* Blatt. Seite 7, einleuchtend (?), daß ein Mann wie Schönerer nicht mehr selbst als Wahlwerber auftreten kann, er muß freiwillig, ohne sein.Hinzuthu», gewählt werden. Wir müssen daher schon jetzt die Möglichkeit in- Auge fassen, daß seiten« eine« Wahlbezirke« die Wahlwerberschast Schönerer'« ausgestellt wird, und sür diesen Fall entsteht für un« begeisterte Anhänger seiner Sache und seiner selbst die Ausgabe, mit all unserem Können und unseren Mitteln in diese Wahlbewegttng einzugreisen, an der er sich selbst nicht betheiligen kann. Hiezu ist e« vor Allein nöthig, an die Gründung e i.n e « „2B ahlgeldstocke«" zu schreiten/ der lediglich nur diesem Zwecke gewidmet ist. Die Uitierzeichneten treten daher an Sie mit der Bitte heran, einen Beitrag zu widmen und in den Ihnen zugänglichen Kreisen gleichsall« zu Santmlungen anzuregen. Wir enthalten un« jeder Aneisernng zu reichlicher Gabe; die Bedeutung dieser Angelegenheit muß so sür sich selber sprechen, daß jede Aneiserung al« unwürdig erscheinen müßte.' Sollte b i e W a h l we r b e r s ch a s t Schönere r« in ernstlicher Weise nirgend« ausgestellt werden, so wird Ihnen der zu diesem Zwecke eingezahlle Betrag n ach A b z u g der ausgetheilten Baarau «lagen zur Ücker stattet, weint nicht von vorneherein ausdrücklich betont wurde, daß in diesem Falle die Spende dem allgemeinen Mahlgelde der „Schönerianet", oa« unabhängig von diesem besonderen „Schönerer-Wahlgelde" gesammelt wird, gewidmet werde. Herr Joses Carl Kernrenter hat sich bereit erklätt, die Beiträge zu übernehmen, und bitten wir, sich de« mitsolgeuden Postsparcassen-Erlagscheuie» zu bedienen. Sollte e« hinsichtlich der Wahlwerberschast Schönerer'« zum Ernste koinmeti, so wird der gesammte Geldstand dem WahlauSschnsie der „Schönerianer", der jedensall« zunächst au« den Abgeordneten besteht, übergeben weiden. Daß diese Angelegenheit vorSchönerer selbst ein st r e n g e « G e h e i m n i ß («io '-bleiben m u ß, ist selbstverständlich und wird von Zedent, dein diese» Rundschreiben zulommt, angenommen, daß er mit Handschlag Verschwiegenheit Schönerer gegenüber angelobt hat Nachdem e« immer möglich ist, daß die allgemeinen Reich«ratb«wahlen noch in diesem Zahre stattfinden, so wird e« sich empfehlen, mit der Einzahlung nicht zu säumen. Berschiedeu sind die Güter de« Besitze« über unskre Treugenosien vertheilt; mancher vermag ein Größere«, mancher nur ein Geringe« zu thu». Jeder aber kann etwa« thnn; was aber sür diesen Zweck geleistet wird, ist wohl al« der deutschen Bolkssache selber geleistet zu erachten. Unser Aller Feldrus aber muß lauten: Schönerer wieder in da« BolkShau«! Schließlich wird noch bemerkt, daß eine ö f s e n l l i ch e S am mlung zu einem allgemeinen Mahlgelde der „Schölt e r i a n e r" rechtzeitig eingeleitet werden wird. Mit unversälscht deutschem Gruß A u g u st D ö tz. W. PH. H a n ck, Retchscath«. und Landtag«- Reich»rath». und Zandlag«- abgeordneter. abgesrdneter. Carl Iro, C a r l T ü r I. ZandlagSabgeordneter. , Landtagsabgeordneter. (Nur immer konsequent.) Unter diesem Titel schreibt da« „Deutsche B o l k S b l a 11" mit Bezug auf den Auticlericalismu« Pacher«: „Zn den Au«- eittattdersetzungen zwischen Herrn ReichSrathSabgeordnetcn (soll wohl Abgeordnetcin heißen) Dr. G e ß m a n n und Herrn Paul v. Pacher kam e« in der letzten Zeit zu wiederholtenmalen vor, daß dieser behauptete, er hätte den Ausspruch, e« gäbe bei den Antisemiten keinen ClericaliSmu«, nie gethan. Nun tverden wir von einem Deutsch-Nationalen au« der Josesstadt aus die Wählerversammlung am 19. Februar d. I. im VIII. Bezirk beim „grünen Thor" aufmerksam gemacht, in welcher Herr Paul v. Pacher in seiner Rede ausdrücklich ausgesührt hat: ,E« gibt bei un« keinen ClericaliSmu«. Der deutsche Priester geht heute mit seinem Volke, das Märchen vom 'C l e r i c a I i 3 tn tt « sei ein Unsinn; darum können die Deutsch-Nationalen, sowie er selbst thue, mit den io der antisemitischen Bewegung stehenden Priestern ungeschetit Hand in Hand gehen.' Die« sagte Herr v. Pacher am 19. Februar, v o r d e n Gemein derathSwahlen, und heute, nach drei Monaten, nachdem er und seine' Freunde mit der Hilfe der Mitglieder de« katholisch-politischen Bereine« im IV. Bezirk gewählt wurde», behauptet er Dinge, die er selbst a l S Unsinn bezeichnet hat. Erkläret mir Gras Oerindur?" (Unzufrieden mit der Berliner Regierung.) Wir haben bereits constatirt, daß die Wiener AnNsemüenorgane jetzt mit der Berliner Regierung sehr unzufrieden sind. Sie haben dazu auch alle Ursache. So bringt nun wieder jenes Antisemitenblatt, welche» die Gesammtheit der Wiener antisemitischen Wählerschaft ztr vertreten vorgibt, folgende Berliner Mittheilung: „Von gut uttterrichtetet Seite wird gemeldet, daß die hiesige Polizeidirectwn alle aniisemitj. schen Vereine aufgesordert hat, ihre genauen Mitgliederlisten der betresfenden Behörde vorzulegen. In Ergänzung hiezu wird von derselben Seite gemeldet, daß die Maßregel den Zweck habe, ausfindig zu machen, welche königlichen Beamten innerhalb der anttsemitischen Bewegung und in den Vereinen sich befinde» und welche besonder« eine hervorragende Stellung einnehtnen. Dian bringt diese Maßregel mit dem bekannten neuerlichen Erlasie de« Staatsministerium» in Verbindung, der e« mit den Pflichte» eine« Slaatrbeaniten sür unvereinbar erklärt, an Bestrebungen ihetlzunehmen, die daraus gerichtet sind, der Durchführung der Regierung«politik Schwierigkeiten zu bereiten. Man befürchtet zahlreiche Maßregelungen." Tie voranstehendeg Angaben werden von der Berliner „P o st" bestätigt. (Paasch, Fritsch und Liedermqnn.) Theodor Fritsch, ehemals Herausgeber der „A n t i I e m i t i s ch e n C o r r e j p o n d e n z" in Zeipzig, verössentlicht nun in der „S chwädischen Resor m" eine „psychologische Studie", betitelt: „Zum Fall P a a s ch - v. B r a u d t - v. Zange-n". In dieser Studie erzählt Fritsch: „Paasch hat den Freiherr» v. Hain inerstei n schon vor Jahren al« einen Erz-Taugenichts bezeichnet und vor ihm gewarnt, al« dieser noch da« allgemeinste Vertrauen genoß. Paasch glaubt an die jüdische Abstammung diese« politischen Hochstaplers. Paasch hat eine Schrift über die talmudischen Geheimgesetze auSgearbeitet, die unter dem Namen deS Freiherrn v. Zangen erschienen ist. Tie Arbeit ist von A bi« Z Paasch' Werl und Herr v. Zangen hat seinen Namen aus das Product deS angeblich Geiste«- gestörte» setzen lassen." Fritsch scheint also an die geistige Gesundheit seine» Freunde« Paasch zu glanben. Auch der jetzige Herausgeber der „Anliseutilischeii Correspondenz", Z i e b e r ui a tt tt v. S o n n e n b e r g, that bis vor Kurzem so, al« ob er davon überzeugt wäre, daß Paaich geistig gesund sei. Noch int Apzil schrieb die genannte Correipondettz: „Herr Paasch besitzt zum Beweise seiner geistigen Gesundheit Zeugnisie berühmter Aerzte. Herr Paasch, den man seit 1891 gefliffentltch al« geistig nicht ganz gesund gefchildert hat, ist im vorigen Zahre zu einer mehrjährigen Strafe verurtheilt worden. Das Reich«. Gericht hat am 9. Lctober 1899 dies Unheil bestätigt. Diese Urtheile erlennen also Herrn Paasch' Gesundheit an, denn geisteskranke Menschen pflegt man' nicht zu verurtheilen." Zitzwischen ließ aber Paasch eine Flugschrift gegen Ziedermann v. Sonnenberg erscheinen. Taraujhin fand sich der „Manu der Ehrenscheine" veranlaßt. Kehrt zu machen und nicht mehr Jenen zu widersprechen, die Paasch sür geisteskrank halten. Ziebermann schrieb nun in seinem Blättchen: „Paasch wirst in dem Flugblatt die Frage aus, ob ich, wie Herr v. Langen den Schutz de« Oberstaatsanwalts Drescher anruseu oder den bequemere»^ Weg wählen und ihn verrückt erklären würde. Er mag sich beruhigen, ich werbe beide« nicht thu», e« wäre auch sehr überflüssig, die OberstaatSanwaltichast hat nämlich jede« Einschreiten gegen Paaich abgelehnt, weil sie e« als an«gemacht ansieht, daß er geisteskrank sei. Tie Entscheidung darüber, ob diese Annahme recht ist, stelle ich Jedem anheim, der sein Pamphlet gegen mich gelesen hat." Zugleich erließer folgende an« Berlin voyt t(J. Mai datirte Erklärung: „Es liegt mir viel daran, vor einem deitlschen Gerichtshöfe Nachweisen zu können, daß die ungeheuerlichen Beschutdigungen de« daS Schweizer Aiylrechl niißbrauchenden Carl Paasch gegen mich AuSgebürten einer krankhasten schmntzigen Phantasie sind. Da» kann ich aber nur, wenn eine deutsche Zeitung jeue verleumderischen Behauptungen ganz oder lheikweise uachgedruckt oder wenn ich dem Gerichte eine Persönlichkeit bestitiiint benennen kann, die da« Pamphlet verbreite^ Au« diesem Grunde bitte ich die GesinnungSgenosseu, denen das Flugblatt de« Paasch durch die Post zügelst, mir den Briefumschlag senden und etwaige Angaben über den vermeintlichen Absender machen zu wollen. Dergleichen erbitte ich Nachricht, wenn irgend eine Persönlichkeit sich bestimmt al» Verbreiter de» betrefsenden Flugblattes seststellen laßt. Abgeiehen von dem begreiflichen Wunsche, eine Genugthuung sür die mir zugesiigten Beschimpsungen zu erhalten, > hoffe ich, daß eine solche Gerichtsverhandlung Gelegenheit geben wird, daS unheimliche Treiben eines Menschen auszudecken, der, unter einem, Dutzend falscher Namen austretend <z. B. Lchuinann, Normatin, Dr. Werner. Dr. Mund :c.), schon seit Jahren politische Verwirrung aller Art anstistet und den unglücklichen Paasch jeit, etwa fünf Jahre» planmäßig al« Werkzeug benutzt hat." An diese Erklärung Ziedermann » knüpft unsere Berliner Abwehrcollegi» folgende zutreffende Bemerkung: „Viel Phantasie hat so ein Antisemil immer. Jetzt soll an dem Paasch-Rummel ein .unheimlicher' sterl schuld sein, der ein Dutzend Name» angenommen hat u. s. f. Wir kennen schon die Fortsetzung dieser phantastischen Notiz: > . AlliaiK-e israelite, -üdischer Spion, Meuchelmord, Gisl, Dolch ro. O heilige Einfalt!" ' i-cmllctnu. Die 2IIitaift. 1 Humoreske von (ybunrb Wulfe. Tic Trauung war für Sonntag ein (Ihr festgesetzt. Im Tempel in der Seitenstettengasse waren die üblichen Vorbereitungen getroffen, und iMannheimer, der Prediger, war bereit« an Ort und Stelle, die (Kopulation vorzunehmen; aber das Brautpaar war nicht da. Es wurde viertel auf zwei,• Halbzwei, dreiviertel, man wartete und wartete, aber die Brautleute kamen noch immer nicht. Selbst der sanfte und milde Mannheimer fing an, ein wenig ungeduldig zu werden, aber eS nützte nichts, von einer Braut und einem Bräutigam wap keine. Spur, und schon hatte es dfn Anschein, als sollte man unverrichteter Tinge den

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