Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1896-05-17 · 215 (17.5.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
215 (17.5.1896)
Date
1896-05-17
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
82% known words query
IRI
…/4886575-5439173-5439295--2670-4889033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ztr/2t£ v ,jm e*4 ■ r-,r i ■ Aus antisemitischen Blättern. (Eine Stimme öder die Ltuger-Nclkeo.s Tie „Ost deutsche Rune, schau" schrieb, neulich': „Heute ifl der CuliuS der weißen Nelle Iianlv nnar.rauts, und ein Wunder wäre er, wenn nicht laich in» frommen .Landl', das sonst nicht sehr mit der Mode gebt, die weiße Wunterbtiliile von Wie» Eingang gesunden hätte. Vom daN berichte,», die n »Sb k » ck e r Nachricht»»' murr der Marke .Lneger-B e r« h ru» g i» Mcra »', daß in dem schönen, sonst gegen Epidemie» gefeiten Eurorte bei der heurigen Mai procejsion der katholische Geselltnvercin zum erstenmate mit Luiger-Nelken auSgeruckt sei. Wir zweifeln nicht, daß die weiße Nelke in dem warmen, saust cinlnllendcit Windhauche, der aNS dem Lüden her. von uttra montes durchs ,Landl streicht, ihr Gedeihen »»den wird, aber wir erinnern »»S immer an die vergängliche Herrlichkeit anderer Modevlumen n»d fürchten, daß einst e>» kalter Wind vom Norden her , da» zarte Geschöpf de» Treibhauses und der Gartenkunst zum Welke» bringen wird " Angesichts einer solchen Sprache ist eS nur zu sehr begreiflich, daß der jtalholiich-politlschc Verein der Leopoldstadt sich z» einer Maßregelung der „Ostdoulschen Rundschau" entschlosicn Hai. Wie nämlich da» „Dcutichx VolkSblalt" mit sichtlichem Behage» niiiiheilt, fand in dem genannten Leopoldstädter Vereine eine Entschließung, die „Ostdenische Rundschau" den Judenblätlern gjleichzuachten »»d aus da» Entschiedenste zu be kämpsen, allseilige Billigung. (Antisemitisches aus Wefttöhmen.s Man schreibt uns aus.Fa l t e II a u i» Böhmen: Tie antisemitische Presse ist allerorten dieielbc;'da» zeigte wieder einmal ei» Vorfall, der sich jüngst in der in St ö n i g S b e r g a. E. bcstehente» Leiinsabrik ereignete. Da nämlich von Seile eine» dort bedienstete» Aufseher» einem 'Arbeiter eine Ohrfeige verabieicht wurde und zufälligerweise die Fabiil noch vor kurzer Zeit einem Indes» gehört Halle, so mußte selbstverständlich auch der in Rede stehende Ausseher ei» Jude sein; die ganze aiiliscmilischc Prcvinzpresse ergeht sich nun über diesen angebliche» Inden, der freilich in Wirklichkeit Christ ist, in »»qualificirbaren Be chl»>ps»»geii. Drastischer wird die aulisemiliiche llnver sroicnbeit aber noch belcuchtet durch ei» Erlrbniß de» deutsch nalionalen Land tagsabgeordnel.» Gebier. Derselbe fuhr »amlich mit der Balm i» Geicll | schaff mehrerer jüdischer Reiseudeb, die ec mit den Worten anrempelie: „Ach, j hier sind Jade», unter Jude» fahre ich nicht gerne " Da ih»r hieran» einer | der Reisenden Ohrfeigen anbot, legilimirie sich Herr Gebier alS Abgeordneler, waS die schlagfertige» Mitreisenden verstumme» machte. So thcilt nämlich d:e > hiesige anlisemilische Presse mit. Selbstverständlich wild dieser Vorfall mit faicitspurigein Behagen erzählt, al» ob hier eine Heldenlbal deS anlisemitlschen „Volks verireterS" Vorlage. Auch sonst ereignen sich hier ähnliche Dinge: Der jüdische Stansmaiin Weßl in Eger fuhr, vor einiger Zeit per Zwciiad die Frai-zensbaderstraße eilllang, als er von zjwei „deutsch volklichen Jnngfraiiei," mit den Worten: „Ta kommt ein Saujnd; dieiem Sauinden weichen ivir nicht aus," empfangen winde. Da Weßl hierauf mit gebührende» Worten replicirle, wnide ihin für diese „Unverschännheil" natürlich sofort von den „Egerer N a ch richten" gehörig der Text gelesen. Tie Inden sollien doch lieber daukend die ihnen angethai.cn Unbilden quillirchi. Egon (Tic Indes in Mähren.) Man schreibt »NS au» Mähre»: 'Wie vor kurzer Zeit im „Freien Blatt" zu leien war, hat sich in Mähren eine Deutsche Volkspartei ronstituin, welche es sich zur Ausgabe stellte, in alle» national nicht chedrohken Crtcn mit urleulonischer Straft und Gewalt die dentich-iialioual anlisemilische Sache zu propagire», ».'h. de» AntisciniliSinu» in all de» Orten, Mär kirn und Städte» zu verbreite», wo da« deutsche Eleineul vorwiegt und die Söhne Libussa'« noch nicht zu f-rchlen sind. Dieses Programm scheint jedoch dem Häuslein deutsch-nationaler Anlisemilen Mähren» nun nicht mehr genug „deutsch" zu sein, und sie stellen 'daher jetzt di« Forderung, er möge in alle» Gauen Mähren» den Jude» der Garaus gemacht werdei', denselben Juden, denen eS in erster Linie zu veldanken ist, daß die Teinschen Mähren« im politischen und socialen Leben aurschläggebend sind. Diese höchst eigenihümliche Forderung vertritt da« in Brünn erscheinende Organ der Deutsch Nationalen Mähren«, da» „Deutsche Bla tff"^ in einem „Tie Slützc» des Deutschthums in Mähren" vom 2. Mai: d. I. überichriebene» Leilaussaye, der an läppischer Dreistigkeit imd racenwülhiger Lerbisienheit ebensoviel leistet wie ä» eonsuser Logik. „Endlich wird," so heißt eS in diesem von Schülerphrasen überschwellenden Artikel, „auch bei un« die Zeit komm.'», wo man da» Volk nicht mehr dadurch hinter« Licht führen kann, daß man vor de» Wahlen die Griindsätze tch nationalen Partei ganz einfach adjchreibr und al« da» eigene Programm hinstellt, um dann wieder sechs lange Jahre die Dinge zu lassen, wie'« Gott gefällt. Aber um einen Punkt kann kein Liberaler herumkriechen <wie poetisch!), und da» ist der Antisemiti»mus. Deshalb ist e« auch lief bedauerlich, daß die Deutsche Bolkspartei in Mähren gerade 'diesen wichtigen Punkt mit solcher Verschwommenheit behandelt und 'nur sagt: Sicherstellung der Volksentwicklung vor jedem fremden und volksfeindlichen Einfluge. Äerade hier sollte volle «larheit herrschen, und eS ist ein vijllig idealer Standpunkt, wen» sich überzeugte Nationale einreden wollen auch ein Jude könnte wenn er sich als Deutscher bekenne, fördernd auf die Sache unseres BolKlhum« einwirke». E« bla»t. Sei'« 77 ist zweifellos richtig, daß jüdische« Geld in. der Ha»ü eine» chilielicii deulichen Mannes ganz gm ciiicm d kusche,, Zweck« Piene» kann, e« >oU gerne zugegeben werden, daß einzelne Jude», die ihre Begabung dazu verwenden, aut wirlhschasllichem Gebiete in votlsihümlicher Weise zu arbeiten, sich a»ci kenne»» weilhe Verdienste eiweibcii töiine», aber über solchen An»„aln:.e»ällen darf mau nie da» große Ganze au» de» Auge» verlieren und glauben, daß eine Vcr schmelziing de« Jiidciilhnms mit dem Dcuiichlhuin letzteren, von Nutzen sein könne." Jtsiiiliich veikuiffcner ist wohl iellen die Nützlickileit ,ild>sch<n Getdes und jütischer Mitarbeit für deulickse Zweck« anerlannt woiden, al? in 'djefer aiilisemillschkn Phrase, was gleich daraus durch die Behanpliing abg>->b,vächi werde» soll, „daß das Jttdeinhum uaminelbar und miuelbar das Telu-änbnm (Viäbreiisl i» jeder Richtung sckiädigt und demselben gerade;» zu», Veideibeii gercichl". Diese schamlos freche Behauptung wird damit beg>ni,dff, daß bei Wahlen i» Mähre» dje Jude» das DeutichlKuin im Stiche lassen; unter Anderem wird die Niederlage reS deulich.nalionalen Anli-eaniie» H a b e r », a » n au da» »ierbholz der jüdischen Wähler geschrieben. Wakrickiei, lich halten die deulichen Jude» Mährens äbo aus allen .'träslen die deutsch nationale» Äiiliie»iijr,r iinleistützc» sollen. Deranlisemillsche Scribisox delirirt ferner weiter, daß die Juden cs sind, die das »lafscnhafte Renegchcnthiim der Teinschen in Mähren veranlassen, und Hai, freilich in einem ganj anderen Sims,, voUloininen Recht. Gehen dock, die deutsch nalionalen Antisemileii bei alle» nnser deutsche» Vollelhniii betreffende» Angelegenheiten Hand in Hand mit de» geschworenen Feinde» de« deutsche» Volke» in Mähre» und haben ein für allemal daq/Aiixccht vergaiitert, Hüter des DculfchihumS in Mähren zu sein, Mit höhnischer Schadensreuüe registriren diese denlchcn Brüder jede»-kleine Vorkonrniniß, da» ' die Deutsch Llbcralen in Verlegenheit bringen könnte, zum allgemeinen Gaudiiini ihrer Buse»- und HerzenSsreiiilde! der Tscheche» und der P'affen. 'Wie wahr spricht der weise Thebaner von seine» Parleigenoffen: „Biele eifrige Fördernder tschechischen Sache verslanden kein Wort von der liebliche» Sprache Lilnssas, alS sie in jene Reihen traten, sie stellte» sich »alnigeniäß auf jene Seile, wo kein Jude zu findeu war» So wulde dem Teuischlhui». i» unseier Heimat durch da» Jiirciilhiiiii nnberechenbarer Schaden zugesügt, der in Jahrhunderten ' nicht mehr giilzumacheii ist." Tiefer l'oliriu,» iroiinmü-Arlitel schließt mit der Alteiiialivc: „stkeuiliche Schcidung vom Judeiilhun, oder llntergang." E» gibt noch ein Diille», das. wir den, deutsch »anonalen Aiiliffiifften a»S Her; legen: „Oder lliiieiknifft in Czernowitz oder in Slernbcig" Baldige Genesung! X. U. tUlizufrikdc» mit der Vcrliucr Rcgicrung.i Den Organen der öster' reichzsche» Eaplanokralie mlß'älll in hohem Grade ein van der Berliner „Post" initgetheille» Tclegrainin, welche» Aaiser 'Wilhelm an i n tz p e l e r ge richtet Hane. In diesem Telegramme, welches die „Reichsposi" so sehr in Erregung versetzt, daß sie .staiser Wilhelm in einer Weise behandelt, als ob er der Schriftleiter eines iculich volkliehe» Blättchens wäre, heißt es: „Stöcker endigte, wie ich vor Jahren voranssagte. Polnische Pastoren sind ein Unding-, Wer Christ ist, ist auch .iocial'. .Christlich kocial' ist ek» Unsin», führt zur Selbst überhebni-.g und Unduldsainkeil; beide« ist dem Christenthn», schnnistiacks zu- . widerlauskiid. Die Herren Pastoien iolle» sich »m die Seele» ihre,: Gemeindeil künimei» und die Nächstenliebe pflegen, aber die Politik auS dein Spiele lasse», dieweil sie daS gar nicht« angehi." Auch ei» Beschluß des preußische» SlaalsministeriumS mißiällt liniere» Christlich.Socialen. Die offfeiö-c „Bk.rliner Correspondenz" lhat nämlich kiind und zu wissen: „In Folge eines Beschlusic« deS königliche» LtaalSministeriuinS sind die Beamte» jämmllicher Reffoxt» von Neuem nachdrücklich darauf hingewiesen worden, daß es mit den Pflichten eines Staatsbeamten vollständig u»verei»bar ist, sich a» Agitaliouen zu betheilige», welche gegen die Tnichsührung der RegicrungSpolitik gerichtet sind." I» Oesterreich haben die Christlich-Socialen und ihr Anhang in der Beamtenschaft keine» Grund, sich über die Regierung zu beschweren. Hier heg,lügt i»a» sich damit, der Bubokralie, wen» sie e» gar zu arg treibt, ein wenig ans die Finger zu klopfen. In Graz Tonnte sogar, wie wir ans der „O st b e u I s ch e » Rundschau" elsahre», ein christlich-socialer Geistlicher' de» Ausspruch wagen: „Die Familie deS Bruder« unseres Aaiser», Aarl Ludwig, ist ganz ans unserer Seile, die Erzherzogin Valerie ist ganz unsere Gesi»»ung«genossiii" Bekanmlich 'hat auch Slöcker in früheren Jahren von der deutschen .'fai-enn al» seiner „lieben Freundin" geipiochen. In Berlin raffle ma» sich eifdlich ans und „machte der sstsiemalische» VolkSläuschung ein Ende (Schon wicdct kein Jude.) Die anlisemitische Presse hat mit ihrer be kannte» Praxi«, hervorragende Verbrecher den Jude» an die RockschößS zu heften, entschiede» Pech. So hat sie ntiierdings wieder de» Commercienrath Falk in Nürnberg, der wegen SittlichkeitSvergeheu verurtheilt worden ist, sofort zum Jude» gestempelt, weit den Hrrrc» der Name Falk im Verein mit - dem Commercienrath,,verdächtig" erschien. Doch auch diesmal sind die Antisemiten gründlich reingesalle»; denn beiagler Falk entstanimt einer alten Nürnberger evangekiichcn Familie, ist „conierpaliv" gesinnt und steht sonach den Antisemiten näher al» den Juten. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.