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Freies Blatt · 1896-05-17 · 215 (17.5.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
215 (17.5.1896)
Date
1896-05-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite S; Nr. LlLfofottirenöe l?liiffjrnii»tii: («jeifr, e» SSitftitKfti;?nchv qx^r«,unfc :»»£ die factisch vorhandenen „deittsch-natioiitilen Antisemileii." sammt und sonders „neumauern" und zur Euiclericalistvii«g gewiß nicht» beitragen werden, 'im Tage nach der erwähnte». Reubaiier Versammlung. fand im großen MusikvereitiSsaale ein christlichsocialr» Mietling statt, welcher abermals dem Zwecke der reinlichen Scheidung dienen sollte. Tie „Leutsch-Rationalen" Wölfi scher Richtung hntien in weis»- Erkenntniß der Sachlage Abstinenz gepredigt, und der einzig ertchienene Peuil Pacher wurde: von den Anhängern Liteger's einfiich nicht zum Worte gelassen. Di« ziemlich matten Erklärniigeii Lu ege PS und Liechtensteins gegen die „Störrirsried«" riesen deshalb kernen Widerstand hervor, und baS Meeting verlies, friedlich. Ter Eindruck, den dasselbe binterließ. ist der. Saß mau in christlich-joeialen Kreisen die deutsche Phrase für überwunden bält. iMnndatSmiibk.» Man schreibt UNS: Bergangenen Mittwoch hat imClubzinimer von Rappel » Restauration im X. Bezirke eine vertrauliche Versammlung der Tculsch-Rationalen deS ReichsrathSwahlbezirke» Wieden-Favoriten statt gefunden, in welcher Abgeordneter H a u ck die bestimmte Erk.ärung abgab, bei den nächsten Reichs: athSwahlen nicht mehr zu candtdiren. Er sei, fügte er binzu, auch geioniten, sein Mandat noch vor der Auslösung deS Abgeordnetenhauses niekerzu'legen. Hauck begründete seinen Entschluß damit, daß angeficht» der gcgenivärligen Strömung ohnehin keine Aussicht fei. in seinem Wahlbezirk alS Teiit'ch-Rativtialer gewählt zu werden, und er Sen Kuttenschleppträgern Lueger'S kein Mandat verdanken wolle. „Wir müssen warten," schloß Hauck seine Rede, „die schwarze Garde dürfte recht bald von der erstürmten Höbe herabgetrieben werden — dann kommt unsere Zeit, und ich werde kann nicht verabsäumen, meine schwachen Kräfte wieder dem deutsch-national gesinnten Volk zur Bersügiiiig zu stellen." BemerkenSwerth ist, daß bei' den Angriffen Hauck'S auf ■ Lueger sich einige „OboS" hprbar machten. i.(yin christlich-sociales Fest in der Brigittenau.) Sonntag den 10. d. M. wurde zum etsteumale in der Brigittenatter Kirche die Firmung durch den Cardinal Fürsterzbifchof Tr. G r u s ch a vollzogen. Tie Brigittenatter Christlich- Socialen veranstalteten au» diesem Anlässe ein Fest, an dem die Antisemitenfübrer sich betheiligte». Tie Brigittenau war beflaggt, und e» waren auch Triumphbogen errichtet. Gegen 3 410 Ubr Bormittags erschien BezirkShauptmantt Trv. FriebeiS, außerdem fanden sich ein: Tr. Lueger, sein Platzhalter S t r o b a ch. Tr. Reuma » er und die antisemitischen Gemeinderäthe und Bezirksausschüsse deS II. Bezirke;. Sie versammelleu sich vor der Kirche, um den Fürsterzöifchof, welcher um 10 Ubr erschien, zu erwarten. Rachdem sich der Füisterzbifchos in die Kirche begeben balle, fuhren Lueger, Strobach und die Gemeinderäthe M ü l l e r und Hutter in einem ofienen Wagen in da» als Hauptauartier der Brigittenauer Antisemiten bekannte Strafser'sche Gastbau» in der Wallensteinstroße, woselbst Lueger eine kurze Ansprache hielt und sich mißbilligend darüber äußerte, daß die SicherheitSwache fo zahlreich aufgeboten worden war. Um 1:1 Uhr fuhren die vier Herren iin Schritte ztiiit Pt'arrbo''e, umringt von einer nach Huuderlen zählenden Menge, welche uuaiiSgesevt „Hoch Lueger!" rief.?,in Psarrbofe fand ein Tiner statt, an welchem der Fü.sterzdischof, sowie Lueger. Strobach. Reumaver, die antisemitischen Gemeinderäthe und Bezirksausschüsse theilnabmen und wobei der ehemalige Hm capl.ttt von Heyendorf, Pfarrer Martin Wiesinger, die Honneurs machte. | BeziikSbaiiptmarin Tr. v F r i e b e i » nahm an der Tafel nicht theil, sondern s hatte sich gleich nach dem Einpsange deS Fiitsterzbiichof» wieder entserut. Tie i Beteranen- und anderen Bereiue defilirten vor dem Erzbischof, der aus einem . Fenster ke4 Pfarrkofe» zusah. An einem zweiten Fenster zeigten sich Lueger. Strobach x. Ta» Tiner dauerte di» nach^3 Ubr. Tie Rettungsgesellschaft batte j eine Ambulanz auf dem Polizeicommiffariate errichtet: sie bekam auch zu ihun, j da zwei Kinder überfahren worden waren. Auch Social-Temokraien zeigten sich, die rothe Relke im Knopüoche tragend, atnd postirten sich vor dem Pfarrbofe, doch kam eS zu keinerlei Ausschreitungen. Gegen -ik Bnbokrtttik ) Zwanzig teutich-volkliche Berbindunge», welche vor zwei Monaten die jüdischen Studenten für unehrenhaft und satisfaction-unsähig erklärt batten, wurden von der Statthalterei aufgelöst. Tik» wurde den Senioren am 11. d. M. durch einen Erlaß der Polizeidircction bekanntgegebeii, in w.lchem eS beißt: „Zu der Erwägung, daß der Beschluß vom 11. Marz d. I., durch welchen eine ganze Kategorie von Studenten in ihrer Ehre auf das Empfindlichste vetleyt wird, abgesehen davon, ob derselbe nicht eine nach § 30- St. G. strafbare Aufreizung involvirt, jedenfalls geeignet ist, die Ruhe und Ordnung aus der Universität zu stören, und sohin gegen die Tisciplinarordnung für die Universitäten verstößt; in weiterer Erwägung, daß der rbgenannte Bereiu durch die Tbeitnahme an diesem Beschlüsse, beziehungsweise durch die Erörterung,, der SatirsactionSsähigkeit der Studenten israelitischer Confesfion den ihm durch seine Statute» vorgezeichneten Wirkungskreis überschritten hat, findet die hohe k. k. niederösterreichische Statthalterei laut Erlaß vom 7. Mai 1897, Zahl '-780 Pris., den vot erwähnten Berein im Grunde deS § 24 des BereiiiSgesetzeS vom 1'». Rovember 1887, R.-G.-Bl. Rr. 134, aufzulösen." Turch diesen Erlaß sind folgende Berbindungen aufgelöst worden: 1. der Berein deutscher Studenten au» Rordmähren; 2. der deutsch-akademische Berein „Ämicitia"; 3 der Berein deutscher Studenten au» Schlesien „Oppavia"; 4. die Verbindung deutscher Studenten tu4 Böhmen ..Herovuiä"; ir, die Beibindung „HjlaritaS"; «j, die technisch-akademische Burjchenschasr „Libert«S";.7. her deutsch-akademische Verein der Oftfchlefierr 8. die akademische Tafelrunde deutjeher Studenten aus RikolSburg -Tuioldia": -0 der akpdemifchetechnische Bereiu dep Salzburger Studenten; 10. die deutsch-akademische Berbmdung „Rormauiua"; 11...der Bceeiu deutscher Hochschüler.in Wien- »Philadelphia"-,. 12.-. die dctttich-akade mische Verbindung „ChernSria"; 13. der detttsch akadetnische Verein „Rabenstein"; 14. die deinsch« akademische Berbindung „Campia"; K>. „Ostmark", Verbindung deutscher Hochschüler aus Seitenftenen; 18. die technisch-akademische Tafelrunde „Eisen"; 17. der Verband deutscher Techniker;- 18: der Berein »etnscher Hochschüler „Gvthia": 19. die Berbiudimg deutscher Kunstakade.miker „Älhenaia"; 20. der oberösterroichische akadennsche Berein „Germania". Auch die Unterzeichner deS. famosen Protestes gegen die ungarische Millenniumsfeier werden von den akademischen uild administrativen Behörden zur Rechenschaft gezogen. — Am 13. d. M. wurde es bekannt, daß auch die Burschenschaft „Silesia" wegen de» judeuheyerische» Spiels mit der „Wasseuehre" aufgelöst wurde. An diesem Tage war die Aula gegen 11 Uhr Bormittags dicht gefüllt, und zwar hatten sich teniich volktiche sowie tschechische, sloveuische und serbische Sludenten eiugefunden. Dieselben hatten sich ofienbär aus Berabredung versaminelt und schient» auf etwas zu warten. Plötzlich wurde von einem Studenten der laute Ruf „Pereat!" ausgestoßen. Dies scheint ein verabredete» Signal gewesen zu sein. Ober-Pedell Müller wollte den Rufer sestnehmen, wurde jedoch durch die Menge der Studenten daran gewaltsam verbindert und mußte sich zurückziehen. Tie Studenten brachen hierauf in „Pereal" Risse auf den Unterrichts, minister Freiherrn v. Gauls ch, den Rector Tr. Bk enger, die Juden und das 'Millennium aus. und daS Geschrei hielt etwa eine BierlelstunSe sang ajt. Tie ganze Temonstratiou ließ deutlich erkennen, daß sie verabredet worden war; es waren dieselben Leute, die daS Schreien und Rusen immer wieder erneuerleit. Rach einiger Zeit verließen die Temonsiraulen gemeinsam die Univeisilät. Zm Laufe des Rachmiltags kam eS an der Technik ebenfalls zu ähnlichen Excesseu der Bubokralie. Auch diese Ausschreitungen werde» nicht ungeahndet bleibe». Wie verlautet, sind Relegirungeu, ja sogar polizeiliche Answeisniigen bevorstehend. iAuS Scm Troppaucr Gcmtindcrttkbr.) Große Entrüstung im autisemitischen Droppaner Gemeinderäthe erregte ein a!S „Teutsch-Natioualer" gewählter Stadtvater, der eine» Antrag auf Errichlung einer cheülschen Kindergartens im östlichen Theile der Stadt mit folgenden Worten bekämpfte: „Es scheint, daß dieser Antrag aus nationalen Motiven, die mir im höchsten Grade zuwider sind, entspringt. Zch werde daher gegen diesen Antrag stimmen... Ta4 Hervorkehren des nationalen 'Momentes bei jeder Gelegenheit, das ist mir schon zum Ekel geworden, schon ekelhast, da» heißt die Kinder in die Politik hineiuziehen." Ter „Teutsch Rationale", welcher so sprach, heißt allerdings Loreuczuk und war in früheren Jahren tschechischer Zählcandidat. (Tir Biccdiirgkrmcistcrwahl in Salzburg.) Zn der Sitzung der Salzburger Geuteinderathes vom 11. d. M. fand bei Anwesenheit aller dreißig GemeinderathSmitglieder die Wahl der beiden Bicebürgermeister statt. 'Rachdem sich die Teutsch Rationalen schon in den letzten Tagen mit den Llericalen vereinigt hatten, uni einem der Ihrigen den Posten eines zweiten Bicebürgermeister» zu sicher». - wurden der iufulirte Tom-CustoS Johann Georg Manr mit 18 Stimme» zum ersten, Advocat Tr. Zuliu» Sulvester mit 18 Stimmen zum zweiten Bicebürgermeister gewählt. Hepr EligiuS Sch ei bl blieb mit 13, beziehungsweise 12 Stimmen in der Minorität. zTcr „Bund dcr Landwirkdc" und dir „Rkformrr".) Tie hessischen Antisemiten unter Führung der Abgeordneten Köhler, Hirsche! und B i n d e w a l d waren früher auf den „Bund der Landwirthe" sehr schlecht zu sprechen. Jetzt scheinen die Leiter des Bundes ein Mittel gefunden zu haben, um die hessischen,Autiseniiten zu gewinnen. Teü „Reformern" Hirschel, Köhler uiid Bindewald ist dieser Tage folgendes gleichlautende Schreiben zugegangen: „Tie Hauptversammlung deS Bunde» der Landwirthe sür die Provinz Starken- | bürg, Abtkcilung Hessen, welche in Tarmstadl tagte, hat in Anerkennung Ihrer BerhaltenS im Reichstage zum Wähle der deutschen Landwirthe Euer Hochwohlgeboren durch Erheben von den Sitzen geehrt. Wir erfüllen eine angenehme. Pflicht, in Ausführung des Beschlusses der Berfammlung Euer Hochwohlgeboren diese» zur gefälligen Kenntniß zu bringen und haben die Ehre rc. TaS in LÜdweftdeutschland die Geschäfte leitende HanptvorstandSmilglied: Carl L u ck e." Auch sonst ist der „Bund der Landwirthe" bemüht, alle antisemitischen „Resoimer" bei guter Stimmung zu erhalten. Kürzlich wurde miigetheilt. daß der einstige hessische „Bauernkönig" Löckel iin statistischen Bureau de» Bunde» ein Unterkommen gefunden hat. Run meldet man, der Bund habe auch den durchgefallenen antifemitischen ReichstagScandidaten für OelS-Wartenberg, den einstigen Wiener „Schriftleiter" P u ch st e i it, als festbesoldeten Beamten angestellt. So ist der „Bund der Landwirthe" eine Art BersorguugSanstalt für abgewirihschaflete antisemitische Größen geworden. Die Herren v. P l ö tz und R ö s i ck e sind eben der Ansicht, -daß kleine Geschenke die Freundschaft erhalten.

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