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Freies Blatt · 1896-05-17 · 215 (17.5.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
215 (17.5.1896)
Date
1896-05-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Freie» Blatt. Nr. Lid.! scheu Landtage gclhan, wenn ihm nicht das Malheur widerfahren wäre, bei der Wahl dtirchzufallen? Wir kennen diese satlsame EoaKlion übrigens schon von anderwärts her. DaS ReichSrathsmandnl des Herrn Hauck, das niederöstcrreichische Landtagsmandat des Herrn Pacher, die Mandate einzelner deutsch nationaler Wiener und Troppaner Gemeindrräthe sind mit den Stimmen tschechischer Wähler gewönne» worden. DaS ist daS Deutj'chthnm jener Partei, die sich anschickt, das Ebbe der Linken anzutreten, daS sind die Iüngstlschechen, welche den Liberalismus in die Tasche stecken und dem geschworenen „natipnalen Erbfeind" ihre Reverenz machen. DaS Gaukelspiel ist zu durchsichtig, um auf die Dauer der Kritik Stand Halle» zu könncsi. Die nächste» ReichSrathSwahlen aber . werden die Probe sein auf die oft gerühmte politische Reife der Böhmen beider Zungen x. y. 2 tod? etwas aus dein Berichte der k. L- Gewerbeinspectoreii. Wir Italien bereit»? bet einer früheren Gelegenheit*) an der Hand amtlicher Zinenr^aiiofübrlich uachgeiviesen, wie unzulänglich die Thätig teil der vielgepriesenen gewerblichen Genossenschaft just ans jeuein Gebiete sei, wo Ne in erster Vinte zn wirken bentfett wäre, auf dein Ge biete der Unterstützuiigscanen. Wir rccapititlheii aus dein damals erbrachten reichen ^mmtmateriale nur noch einmal, daß in Wien int Gaitten 120 Berussgeiionenschasken eristiren ttnb bag bei diesen nur 7 Meiner , 75 Gehilfe» und 47 Lehrltngskrankencanen, zusammen 120 >ira»keueaffen bettelten, an welchen 135 Genosienichaften thetl haben. Der osncielle Bericht der k. k. Gewerbeinspertoren über ihre Amte? thatigteit int Halite > S05 liefert nun einen' intevcfTantcn Einblick in die Wirksamkeit dieftr genossenschaftlichen Krankencassen, indem er einen ronseqneuten Bergleich derselben mit ähnlichen, nicht genossenschaftlichen llnterstütznngscassen anstellt. Rach dieser nnansechlbar objcctiren C.tteUt t'teltt die Leistniigsfähigkeit der genossenschasHichen Institute hinter der jenigen der Bezirkskrankencane, der Allgemeinen Arbeiterkranken- und llnterstntznngscasse n. s. w. fast in allen Punkten zurück. Die Uiiterstützungsdauer beträgt bei 30 Genossenschastskranken eait'et, '20, bei 7 liaften 26 'Wochen: 26 Genossenschastskrankencasien gewähren durch ->) Wochen ganze und dann noch mehrere Wochen hindurch halbe-Unterstützung: bei 12 dieser Krankencassen erstreckt sich die Unterstützung ans ein volles Jahr. Bei den Bezirkskrankencanen in die Unterstütznngsdauer ans die gesetzliche Minimalsrist von 20 Wochen festgesetzt. 'Auch die Betriebskrankencasseu haben bloß 20wöchentliche Unterstüpungodaner, und nur bei einer Vieser Eanen sind die Bcrhält nisse für die Angehörigen viel günstiger gestellt. Wenn also die ge nonenichastlichen Institute bei einem Bergleiche mit den Bezirks und mit den Betriebskrankencanen noch ziemlich gut wegkonimen, können sie sich mit de» Vctftitngeit der Allgemeinen Arbeiterkranken und Unter stüpungsratse nicht messen. Dieses Onüitnt zahlt seinen Mitgliedern bis tu zweijähriger Mitgliedschaft durch 20 Wochen, bei zwei bis fünf, jaltriger Zugehörigkeit durch 40 Wochen und von da ab ein ganzes Jahr die Unterstüvungeii. bietet also nnsireitig mehr als die genossen t'chastlichen •'iraitfcucattett. Wie die Dauer so in auch die Volte der Unkerstüpttitgen zur Be nNlzcilung der Leistnitgssähigkeit einer Krankencasie heranznzieken. An Beerdignngskostenbeitrag leisten z. B. die Genossenschastskrankencasien sehr iveklig: es zahlen Tititr derselben für weibliche Mitglieder einen Betrag unter 20 st, 2.4 gewähren einen Betrag von 20—.">0 fl., und nur acht Easien geben mehr als .">0 st.: für männliche Mit »lieber in der Leichenkostenbeitrag bei 3L Eanen auf 20—30 fl., bei 13 auf 30 —4 t t M sengenellt, und nur vier Eanen zahlen über .40 st.: acht Genonenschastskrankeneanen haben verschiedene Elasint festgesevk. Die mittlere Leistungskraft beträgt also bei den genossenschaftlichen In niuuen 2t>— 30 fl . Die Allgemeine Arbeiterkranken und Unter nnpnng-xane zahlt an Leichenkostenbeitrag 25—4.3 st., die Bezirks!!anlenra>'e 20—t«> fl, die Betriebskrankenranen den zwanzigsachen Daglolnt. 'Bon sen <''eiammtan>?»abrn her .'Iranfeneafien entfielen im Oahre Gl-t S - ' a u t rlenke un? S viral LUc rkiZUnge» tU EUr de» elfncM.'11'kiiJttlnten Hauile:; pcrcent testen iranung cafftn . 19 3 lol 4 2 13 3 de» Bez'rlKraiikencaii'e» der AUgem. Ardeiierkranlen- und 47 194 110 4 '> 14 5 llnterstübnngscane .... 60 4 14 1 39 4 9 8 7 *) Siehe , Freies Blatt" Rr 2"4 vom 1 Mar, I8!v; u,n? -)ir. 205 vom 8. Marz 1696. Wie auS diesen Zahlen ersichtlich wird, haben dir genossenschastlichen Krankencaffen keineswegs größere Leistungen aufzuweisen als die Bezirkskrankencasien, müsien aber nach jeder Richtung hinter der All gemeinen Arbeiterkranken- und Unterstützungscafft zurückstehen. Man wird sich noch des Sturmes erinnern, den unsere Zünftler kürzlich inS Werk setzten, als von einer allgemeinen Einbeziehung der Klein ' gewerbe in die Unsallsversicherung und von einer einheitlichen Gestaltung des gesammten Krankenj und Unterstützungsrassenwesens die Sprache war. Mit großen Worten wurden die Leistungen der ge nosftnschaftlichen Krankencasien hesvorgehoben, und wie gegen die Zu inuthung eines Selbstmordes verwahrten sich die Anhänger Schneider's dagegen, daß mit den Schätzen bdt Genossenschaft die immensen Ber waltungsspesen der Bezirkskranken<asie gedeckt werden sollten. Wie wir sehen, geben die genossenschaftlichen Institute für die Berwaltnng um 4 6 Percent mehr aus als die Allgemeine Arbeiterkranken- und Unter stützungSrane und bloß um 1 2 Percent weniger als die Bezirkskranken casie. Das ist aber mir im Durchschnitte richtig; in Wirklichkeit variiren diese AdministrationskosteN bedeutend und betragen bei den ein zelnen Eanen von 4 7—24 2»Percent der GesantintauSgaben. So sehen die Argumente der Zünftler bei Lichte besehen anS. Man kommt, je mehr man der Thätigkeit der gewerblichen Genonenschaften nachgeht, desto mehr zur Ueberzeugung, daß diese Institution, welche mit so vielem Eclat ins Werk gesetzt und mit so vielen Opfern der persön lichcn Freiheit und der fundamentalen Boraussetzungen unseres wirthschastlichen Lebens erkauft wurde, weder quantitativ noch qualitativ sich als besonders zweckmäßig für die- Bedürfnisie des Handwerkerstands er weist. Erst letzthin citirten wir die Aussage deS k. k. Gewerbeinspectors für Wien, welcher den Genonenschaften einfach die Fähigkeit absprach, die ihnen gesetzlich anvertraute Borsorge für ein geordnetes Lehrlingswesen dnrchznsühren. Heber die schiedsrichterliche Thätigkeit oder, besser gesagt, Unthätigkeift der Genosienschaften behalten wir uns vor, noch ausführlicher zu berichten. AUeS drängt zu dem Schlüsse, daß diese vielgepriesene , Organisation des Handwerks" entweder ein Nichts oder ein bloßer Apparat für politische Agitationen sei. «.Alls dem Abgrordnetenhaust.) Bei der Debatte über die Steuer refornigesetze im Abgeordnetenhause hielt der Bertreter der Brünner -Handelskammer, Abgeordneter Rudolf Auspitz, eine bedeutsame Rede, in welcher er sagte: Er müste jetzt an der optimistischen Meinung, die ■ er in früheren Jahren vertreten habe, wesentliche Reductionen machen. Zunächst sei er vollkommen überzeugt, daß eine Personaleinkommen steuer mit der Progression bis 3 Pcrcent fiscalisch mehr gebracht haben würde als mit der Progression bis 5 Pcrcent. Dann seien seit den zwanzig Jahren, die verflossen sind, seitdem sich daS HauS zum ersten male mit der Steuerreform beschäftigte, traurige Erscheinungen des ösientlichen Lebens zu Tage getreten. Seitdem haben gewiffenlose Agi tatoren es sich zur Aufgabe gemacht, in die breiten Schichten der minder bemittelten Bevölkerung die giftige. Saat des Neides und des Hanes gegen jeden mehrbesitzenden Mitbürger zu streuen und mit emsiger Wühlarbeit es dahin zu bringen verstanden, daß tiefe Saat üppig in die Halme geschosien -ist. Bor zwanzig Jahren habe man erwarten und hosien können, daß ein wohlhabender Bürger, der ehrlich satirt, die Anerkennung und Achtung seiner Mitbürger sich erwerben wird. Heute müsie man das Gegentheil befürchten: man müste be fürchten, daß ein wohlhabender Bürger durch eine ehrliche Fassion statt Anerkennung nur Gehässigkeit, statt Achtung, wenn nicht Verachtung, so doch Berfolgung sich zuziehen werde, und daß dies auf das Ergebniß der Personaleinkommensteuer den allertraurigsten Einstuß Haft darüber könne man sich kaum einem Zweiftl hingeben. Um so begründeter sei diese Besorgniß, als wir eS erleben mußten, daß eine Regierung, welche anfänglich von der Berderblichkeit dieses Demagogenthums überzeugt und gewillt zu sein schien, demselben entgegenzutreten, dennoch sich schließlich veranlaßt gesehen hat, vor demselben die Segel zu itreichen. Daß hiedurch die Regierung selbst bloßgestellt wurde, sei noch daS ge ringere Uebel, denn das habe der Ministerpräsident mit sich selbst aus zumachen: daS weitaus' größere Uebet sei es, daß die Autorität nicht nur der jetzigen, sondern aus lange Zeit einer jeden Regierung, ja der' Executivgewalt überhaupt durch die schwankende und schließlich schwächliche Haltung der jetzigen Regierung in einer Weift erschüttert wurde, welche jeder österreichische Patriot nur auf daS Tiefste beklagen kann. — Der Bericht des ImmunitätsausschusteS über daS Ansuchen des Bezirksgerichtes FünfhauS um die Zustimmung zur strafgerichtlichen Berfolgung des Mechanikers Ernst Schneider besagt: In der bei dem k. k. städtisch-delegirten Bezirksgerichte FünfhauS eiligebrachten Privatauklage des Franz Janecka wird der Herr Abgeordnete Ernst Schneider beschuldigt, daß er am 22 Mär, 1896 den Privatkläger auf dem Westbahnhofe in Wien vor einer größeren Anzahl von Leute» thätlich beleidigt

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