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Freies Blatt · 1896-05-10 · 214 (10.5.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
214 (10.5.1896)
Date
1896-05-10
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seit* 8. f .freie* Statt. Nr. 214. Aus antisemitischen Blättern. CBotn Teutsihea Scholverein.) Wie die .Ostdeutsche Rundschau" mittheilk, sind die Unterhandlungen zwischen der Leitung der Deutschen Schul- Vereines und dem a<l hoc eingesetzten deutschnationalen AuSschusie behusS Wiedereintrittes der Deutsch-Nationalen in de» Schulverein erfreulicherweise geicheiiert und abgebrochen worden. iBergaui frohlockt.) Ta« „Deutsche Volk» blatt" bringt im Brief, lasten folgende Notiz: „Dar Schönere r'sche .Deutsche MolitagSb l a t f erscheint nicht mehr. TaS P a ch e r'sche Politische BolkSblatf hat Wolf alr WochenauSgabe seiner Spatzenblatter üdernehmen müffen. Allo zwei Pteßerzeugniffe der Couleur Rosenau wieder weniger." 1 schauerlich.) Man schreibt uns au« Brünn: Ta« hiesige deutschnationale Antisemitenblatt bemerkt: „Tel Berichterstatter der ungarischen Quotendevutatioii. Mar Fall, ist ein unverfälschter Jude, während in der diesseitige» Reich«hälfte die>eS Amte« Hofrath Tr.Adolf Leer wallet, der ein getaufter Jude ist. Daß man nicht wenigstens bei un« in EiSleichanien für den so wichtigen Platz eine« Berichterstatter» einen Arier gesunden, gehört mit zu deu Zeichen der Zeit und leweiSt, wie nöthig der Kampf gegen daS Ueberwnchern der Jude» auf allen Gebieten de« öffentlichen Leben« ist." Ja fürwahr, selbst der „teutscheste aller Deutschen" Oesterreich«, Georg 2 chönerer, hat eine Schmnel-Leeb-Kohn sche zur Gattin Schauerlich! 1 Lauter Juden.) Ter antisemitische .Freie Beobachter" brachte am 1!'. April einen Bericht auS Würzburg, demzufolge der Verführer einer l.'gährigeu MaurerStochter, die sich nachher rm Main ertränkte, ein Mann Namens Jacob Conrad, „Jnd-und Prenß" gewesen sei. Wie unsere Berliner Abwebrcollegin scsi stellt, ist der Mann Katholik und stammt au.S der R h e i n p r o v i n z. Die sattsam bekannte „Staatrbürgerzeitung" nahm wieder einen im Berliner Paffage-Panopticum gezeigte» „Harem" zum Anlässe, um den Inden eine« aufs Zeug zu sticken; sie wußte zu melden, daß die in dem „Harem" zur Schau gestellten Frauenzimmer Jüdinnen seien, ..war nicht überraschen könne, da Muhammedaneriiinen sich für derartige Schaustellungen nicht hergrben'. Dhatiächlich sind jene „Damen" weder Jndiiinen noch Mnhammedaiierinnen, sondern, wie in einer arabischen Unterhaltung festgestellt wurde, niaronitische Christinnen aus dem Libanon! Dasselbe antisemitische Organ batte erst neulich einen in O st r o w o unter großer Sensation verhafteten Schwindler, NamenS P a d u ch, zum Juden gemacht; obwohl nun inzwischen t'estgeftellt worden ist, daß Paduch nicht nur Christ, sondern sogar ein eifriger Antisemit sei, fahren die antisemitischen Blätter Deutschlands fort, der Welt da« Märchen von dem „jüdischen Schwindler" Paduch zu erzählen. — „Unserem Publicum können wir Alle« bieten," sagt einer unserer GeschästSantisemiten. Und so läuft auch die „Antisemitische Korrespondenz" wohl keine Gefahr, bei ihren Leier» im Eredit zu finken, weil sie die Unverfrorenheit besitzt, den christlich-germanischen Attentäter N o b il i n g gleichfallzum Juden zu machen. iZur Lösung der Fraitenfeagr.) Ein Dr. H. schreibt in der „Teutscheu : Reform": „Unsere Väter lebten im irdischen Paradiese, erst daS tückische! Römerthum und daaufgezwungene pfä'N'ch-orieiitaliiche Jnden-Christenthum : vertrieb sie daran«. Mit dem Tage, wo Carl der Juden Römling oder der; Grausame — irrthümlich der .Große' genannt — die 200» sächsischen Edelinge, i die truyig nicht von dem alten Glauben ihrer Väter lasien wollten — enthauptete imft den Sachsen daS talmudisch-pfäffifche Juden Ehristenthum auf- ■ zwang, mit dem Tage sank die deutsche Frau von ihrer Hohrupriesterstelle zur untergeordneten Stellung der Asiatin.und Jüdin, zur Sclavin, zur Arbeit«- j Maschine herab." Tie moderne Frauenfrage haben also Römerthum, Juden- 1 Cbristenthum und Carl der Große verschuldet. Dr. H. ist aber um eine Lösung dieier Frage nicht verlegen. .Herunter," ruft er, „mit der deutschen Frau und Jungfrau von der Straße, heraus' mit ihr au« den Fabriken und; Werkhütten, au« der Ocftentlichkeit überhaupt, au» dem Kampfe umS tägliche Brot, um den Erwerb, um da« Leben, und hinein mit ihr in den stillen j heiligen GoitkSbain, in« deutsche Hau«, an den Herd, in die traute Familie, ': hinauf mit ihr wieder in ihre Stellung al« Hohepriesterin deutscher Zucht i und Sitte, deutschen Glauben» und Wesen«!" Eine ebenso einsache als billige | Lo'itngemethoSe! Sie wurde wohl auch k«n Wiener Nelkendamen gefallen, wenn s Dr. H nicht io unklug gewesen wäre, von ausgezwuugenem psäffich-orientali'chen! Juden Chrinentbum zu sprechen. Herunter und Heran« sind allerding« leichter j turckizuiuhren al» — Hinein und Hinaus itztue angebliche Rede «turdza's.) .Antisemitische Organe veröffentlichen j folgenden Bericht au« Bukarest: „Während der DiScussion über daS Volkrschul-! ^etzproject m der Kainmersitzung vom 21. April hat sich der Ministerpräsident S turzda zu einer Kundgebung veranlaßt gefühlt, welche in allen politischen Kreisen Aussehen hervorgerufen hat. Mehrere liberale T-eputirte, darunter auch Herr C ost i n e «c lt. Tirector der Nationalbank, Hanen den Antrag eingebracht, jene Bestimmung der Volk«schulgesetze« zu streichen, welche die Kinder israelitischer Eltern zur Zahlung eine« Schulgelde» verpflichtet. Diese Schultaxe war im Jahre 1833 von per Kammer votirk worden, obwohl die damaligen Minister C a r p und Take JoneScu dagegen Berwahrung einlegten und erklärten, daß eine derartige chicanöfe Maßregel dem Geiste de« Gesetze» widerspreche und geeignet sei, den AssimilirungSproceß der Jude» in Rumänien zu erschweren. Der Antrag der Herren'Costinescu und Genoffen hatte alle Aussicht, durchzudringen, ta erhob sich plötzlich Herr Sturzda zu folgender Rede: .-Diejenigen, welche sich gegen deu Artikel l erheben, sprechen, al» obZvir ein mächtiger Staat wie England oder Frankreich wären. Einige von Ihnen scheinen ein Mittel zu suchen, um den Fremden, jenen, welche sich nicht assimiliren können, die Einwanderuiig in unser Land zu erleichtern. Ueberall in Ungarn werden die Rumänen unterdrückt, und wir wollen unsere Kraft vermindern. Wollen Sie im Lande die Ueberzeugung Hervorrufen, daß die mosaische Religion der christlichen überlegen ist, daß der jüdische Stamm und nicht der rumänische der auSerwählte im Staate sei? Wollen Sie, meine Herren, daß wir in die schmachvolle Lage eines benachbarten Staates gelangen, welchen Sie kennen und wo die Regierung auf der Ministerbank durch einen Juden vertreten ist? Eine solche Schmach für Rumänien erfüllt mich-mit Grauen! Deshalb bitte ich Sie, lassen Sie die Philosophen bei ihrer theoretischen Philosophie, und lassen Sie unS Herren bei tut» bleiben. Auf die Mitglieder de« Parlaments hatten diese Worte den Effect, daß sie daS Amendement zum Volksschulgesetz verwarfen." Den Neigungen Sturdza'S mag allerdings eine solche Rede entsprechen; wir glauben aber nicht, daß er e» gewagt hätte, von der „Unterdrückung" der Rumänen in Ungarn und von der „Schmach" einer Nachbarstaates, der einen jüdischen Minister habe, zu faseln. Welcher Staat soll übrigen« damit gemeint sein? Wir kenne» in einem der Nachbarstaaten Rumäniens nur einen „Jndenstämmling", welcher Minister ist, und wir glaube» nicht, daß ein. Ministerpräsident der Taufe die Kraft eine« „reinigenden Bades" absprechen würde. Sturzda ist ei» Judenfeind und wird st'tr Anträge zu Gunsten der Juden vereiteln;^wa« aber die hier angeführte Rede betrifft, so scheint eine der üblichen antisemitischkn Fälschungen, eine tendenziöse „Verbesserung" vorzuliegen. Feuilleton. Zur Geschichte der (Smancipatton in Deutschland vor dein Satire J8-J8. (91 a dj älteren Quellen bearbeitet.) (IT. florlsetzung.» In Hildburghausen bestand für die Juden Militärpflicht, Freizügigkeit nur für. die, svelche da« Bürgerrecht erworben hatten. Schutzjnden durften keine Grundstücke erwerben und auch gepachtete nur mit jüdischem Gesinde bewirthschaften und nicht weiter verpachten. Inden, die da« StaatSbürgerrecht hatten, konnten Häuser und Grundstücke znr eigenen Bewohnung und zur eigenen Bewirthschaftung mit jüdischem Gesinde erwerben; in Ansehung anderer Grundstücke hatten die übrigen Ortsbürger ein Rückkaufsrecht. L?bereigenthui» ohne nutzbares Eigenthum und gutsherrliche Rechte konnten die Juden gar nicht erlangen. Zu den Zünften, mit Ausnahme der Bäckerzunft. hatten sie Zutritt. Schutzjuden dagegen durften keine bürgerlichen Ge werbe treiben. Die Staatsbürger waren von der Brauerei, Gastwirth fchaft, dem Wein- und Bierschank, der Bäckerei und dem Hausir- und Schacherhandel ausgeschlossen. Besondere Abgaben für die Juden bestanden nicht. Gegenüber solchen Personen, die in erster Instanz unter den Unkergerichten standen und nicht wechselfähig waren, war die Bertragsfähigkeit der Juden beschränkt. Schutzjuden konnten gegen Richtjuden kein vollgiltiges Zeugniß oblegen. In Oldenburg hatten die Juden zwar (nach einem Gesetz vom 14. August 1827) daS Staatsbürgerrecht; dasselbe war jedoch von Ertheilung eines Schutzbriefes abhängig. Ter Schutz wurde nach dem Ableben des Inhabers meist nur auf ein Familienglied, in der Regel den ältesten Sohn, von der Regierung übertragen. Ausnahmsweise wurde ~ auch bei Lebzeiten des Bakers einem Sohne die selbstständige Riederlasiung gestattet, wenn er Manufacturen und Fabriken errichten, sich auf ein Handwerk legen, Grundstücke zur eigenen Bewirthschaftung ankaufen wollte. Uebrigens lauteten die Schutzconcejsionen stets nur auf einen bestimmten Ort und ein bestimmtes Gewerbe. Fremden Juden wurde nur ausnahmsweise mit landesherrlicher Genehmigung die Riederlasiung gestattet. Jüdische Corporationen bestanden nur für Eultus- und Schnlzwecke. Als Aerzte und Unterbeamte wurden Juden

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