Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 214 (10.5.1896)
- Date
- 1896-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 214. ' $ t e i e » Z 5, welcher die Befugnisse der Gewerbebehörde erster Instanz ziir Eriheilung der Haufirberechtigung nur für de» betreffenden Bezirk gestattet, und im § 12, welcher den Handelsminister ermächtigt, den Hausirbandel nicht allein sür die Landeshauptstädte, Enrorte und Städte di» 10.000 Einwohner gänzlich zn ver bieten, sonder» dieses Verbot auch ans einzelne Lande-theilc. u»d ganze Länder anSzudehnen. wenn die» von der betreffenden LandeSoertreinng verlangt wird. Gegen diese letztere Bestimmung wurde durch den Abgeordneten Tr. E x >> e r ein Minoritätsvolum angemeldei. dem sich auch der Referent des Sudcomitös, Abgeordneter Dr. H a b e r m a n n, und mehrere andere Abgeordnete anschloffe». Ter Au-schuß beschloß auch solgende vom Abgeordneten P o l z h o s e r beantragte Resolution: „Der Hausirer ist verpflichtet, ei» Berzeichniß seiner Maaren in beglaubigter Abschrift in jener Sprache bei sich zu führen, welche in den Orten, in ivelchen derselbe das Haäsirgewerbe au-übe» will, die übliche ist" Zum Reserente» sür das Ha»S wurde der Abgeordnete Dr. Habermann bestellt, obwohl derselbe mit Rücksicht auf den 8 12, dessen zweite- Alinea in Betreff der Landesautonomie gegen seine» Antrag aufgenouimen wurde, erklärt hatte, da» Reserat nicht z» übernehmen: eS wurde ihm vom Ausschüsse die Ermächtigung eriheilt, diesen Absatz auch im Hause bekämpsen zu können. (WaarenbauS der Kunst- »nd Möbcltischlcr Wiens.) In große» ausgedehnte» Localitäten im Hause Gninpendorserstraße Rr. 12 14 hat am 5. d. M. die Eröffnung de» genoffenschaftliche» WaarenhanseS der Kunst, und Möbeltischler Wien», einer neugegründeten registrirten Genossenschaft mit beschränkter Haftung, stattgesunden. Dieselbe steht unler der Leitung der Herren Johann M a r t y n e k, Michael D a t r l i n g e r, Jokes M a r c s ch und AloiS PekareI »nd zählt bereit» 65 Mitglieder. Zur Eröffnung»seier hallen ssich nebst olle» Ausstellern die Kammerrälhe Frankl und' Jrmler eingesunden, ivelch Letzterer in kurzer Ansprache das Unternehmen b grüßte und demselben die besten Erfolge wünschte. Tann wurde ein Rnndgang durch die Au-stellung an getreten, die eine Fülle prächtiger Arbeit zu allen Preislage» zeigt. Das Maare», bau» ist dem Publicum ohne Entröe und ohne jeden Kaufzwang zur Besichtigung zugänglich. / iHrnuIciuafit dcr Schiikidergehilsc«.) Dze Mahl in de» Vorstand der Kraukencaffe dcr Schneidergehilsen schloß mik^einer Niederlage der «Christlich Sociale». An der Stimmenabgabe nahmen 2652 Gehilse» theil, und es wurden rund 1500 Stimmen für die social-demokratischen und gegen 1100 sür die christlich socialen Eandidaten abgegeben, während die übrigen Stimmen sich zersplitterten. Mil einer gleichen Stimmenanzahl wurden 200 Delegirte der jocial-demokralischen Partei i» dieKrankencasie der Genossenschaft gewählt. 2iüs antisenntischen Dmincn und Versammlungen. (Bnueoktirungs-Bersammlungen.) Die Tage der FirmungSgejchenke nahen Hera», und /wie aljjährlich > um diese Zeit veranstalte» nun die Antisemiten Häuptlinge gegen Jude» gerichtete BoncotlirungS-Veriammluiige». Aus euiem am Montag in FünshauS staltgehadlen Meeting der Relkendame» variirlen Prinz Liechtenstein, S ch e i ch e r und Schneide r, sowie eine Frau B rSkow S ky mehr oder minder brutal da»Thema: „Staust nicht bei Juden!" — Zn Flensburg wollte, wie neulich berichtet wurde, der Redacienr eine« dänischen Blatter die BoncotiirnngSsormel, welche in Deutschland anstandrios gegen Jude» ailgewendn wird, zur Abwechslung gegen deutsche Gcschüstsleute verwerthen und gab die Parole aus: „Kaust nicht bei Deutsche»!" Dies bekam ihm aber schlecht, denn er wurde wegen grobe» Unsugs empfindlich bestraft Wir möchten auch i» Oesterreich Riemandem raihen, sich au der Boucottirung» actio» der Antisemiten rin Muster zu nehme» und etwa den Versuch zu wagen, i» gleicher Weise wider Tschechen, Pokkn. Slovenen, Rnmäne» :c. vorzugehe». (Dringendes Brdiirfniß.l Am 6. d. M. fand in Meidling die Eon stiluirung eines neue» deutsch national-aiiiiseinilische» Vereines stast. Es waren «ine Handvollr Deutsch-Rationaler, jedoch keiner von den-Odergölter» erschiene». Der Einberufer der Versammlung sprach weniger von de» Zwecke» de» Vereine» als vom „Deutsche» Volksblatt", vor dessen Lecliire er die Zuhörer eiubri,«glich warnte; besonders eingehend beichästigte sich der Redner mit der Person des Eigeiilhümers, Herausgebers und Abschreiber» Ernst V e r g a » i, der sogar von seinem einstigen Gönner Lueger bereitabgeschüttell werde. E» sei Größenwahn von Vergani, z» behaupte», daß da» gesainmlc christliche Volk hinter dem „Deutschen Volksblatt" stehe. Der nächste Redner, Herr Rasael Pacher, machte dieEntdeckung, daß die Slavisirung in Wien erschreckende Fortschritte mache, und hielt dasür, daß eS eine der Hauptausgabc» de» Vereines sein müsse, dem Slaventhum entgegenzulreten. Die Frage, wie eS den» komme, daß trotz der angeblichen Fortschritte der „deutsch-nationalen" Bewegung »»d trotz der unzweifelhaften Uebermacht de» Antisemitismu» die Slavisirung Wiens zunehme, hat der Redner sich und seinen Zuhörer» leider nicht gestellt. Der neue Verein wird die Slavisirung Wien» ebensowenig verhindern, al» Herr T o m a n e k, der hieraus Uber die sociale Frage sprach, sie aus natioltaler Grundlage löse» wird. , Blatt seite 7. tDik Viidokrakic gegen die Milleniiiunisscicr., Tie Wiener Bubolratie. wel-tier e» die'Polizei „teilt gestaltete, eine Protestverianimlung gegen die ungarische Milleniliumsstier adzuhallen, deinoitstrirt gegen da» de».liberale" Ungar» ans schriftlichem Wege. In einer nicht nur von Vertretern der deutschvolkliche», sondern auch der ritmäniicheu. jlavakischeu, ierbische», rulsischen (!), ' tichechische» »nd sloveniichen Slndenlenichasl »»tcrscrtigteu Relolntio» werden die „Rational Genosse»" und Conimiliione» aus Oesterreich, Ttutichland der Schweiz, Frankreich, Rußland, Italien, Belgien. Rumänic», Serbien und Bnlgarikn aufgesordert, de» MtUenniumSseierlichkeilen sen> zu bleiben. Groß, britannien wird von k'r „arisch nationalen" Sludenleuichast, weiche au» ihrer Vcreiitzgung auch die Pole» auSgeschtosse» hat, offenbar heShalb^ignorirt, weil * Dr. Lueger einmal auf der Wieden oder in Margarethe» die Engländer als „arische Juden" adgekanzell halte. Lueger scheint sich, jedoch mittlerweile mit englischem Wesen ivieder besreundet zu haben, da er neulich in einem offene» Briese gegen den DneUunsug sich auch daraus berief, daß die Engländer, welche gewiß ein tapfere« Volk sind, da» Duell gründlich verabscheuen. Eugland dürfte wegen der Zurücksetzung seile»» der vereinigte» „arisch nationalen" Studenrenschast keine diplomatischen Vorstellungen. erhebe», und llngär», da» im Lastse eine» Jahrtausends mit ganz anderen 'Widersachern fertig geworden ist, wird wohl auch durch die Fciudichafl der Wiener Bnbokralie nicht vernichtet werde». (Schönerer gegen die Christlich Socialen.) In einer Versammlung deulschvolkticher Antiiemite» zu Böheimkirchen äußerte sich Georg Schönerer über seine christlich.sociale» Eoncurreitten in sehr abfälliger Wesse. Vom berühmtesten Sociologen in St. Pölten und? Umgebung sagte er: „Wir glaube» in dem Abgeordneten S ch e i ch e r nicht den vollkommen richtige» Vertreter rein bäuerlicher »nd deutsch nationaler Interessen zu sehen, weil wir au» seiner -> LebenSbeschreibnng im .Volksblatt- Kalender enlnehnien konnte», daß er früher ei.unal Jesuit war, und gewiß hat jeder echtdeulsche Man» ein gewisse« Gcsühl der Scheu und des Unbehagens, wenn er etwa» vom JesniliSnius hört. .Wir habe» da nur ein sehr vorsichtige« Vertraue», und wir glauben beobachtet zu haben, daß je nach Umstände» der Abgeordnete Scheicher verschieden und anders gesprochen hat je nach den Herren, die in de» betreffende» Versammlungen waren, je nach dem Ort, wo er gesprochen hat." Um de» Werth der Bauernsreundlichkei: de» Führer» der Ehristlich-Sociale» in das richtige Licht .zu stelle», bemerkte ^Schöneicr unter Antercni: „Wir könne» es niemals ver gessen/ daß Dr. Lueger iu der Sitzung des Wiener Gemeinderatheo am 22. Jänner 18K!» kaS Wort gesprochen hat.- .Los von Riederösterreich!', daß er in seiner Rede den Standpunkt der Reiäisuumillelbarkeit von Wien vertreten hat. Welche» kurze Getächlniß müssen die Herren habe», welche den Herrn Dr. Lueger »ach Amstetle» eingelade» habe» zur Gründung des Bauernvereine»! Einen Vertreter der ReichSunmiltelbarkeit von Wien rufen sis aufs Land, »nz ihn dort zu bejubeln!" Schönerer sprach dann sei» Bedauern darüber an», daß im Jahre IS'.Ni „och Di'tge möglich sind, die ein ruhig denkender Mann eigentlich als etwas aus einem früheren Jahrhunderte Stammendes betrachten müßte, und fügte Folgender hinzu: „Vor mir liegt ei» Ansschnitl ans der Rümmer vom 11 März 18!Mi de» i» Wien erscheinenden .Volksdlaitc« sür Stadl und Land-. Da heißt es: ,Adon»irl das talholische Fainilienblatt. Ave Maria!- Für alle Abonnenten wird jahraus jahrein in der Volivtirche eine heilige Messe geleie», und cs nimmt derselbe daher all den Gnadenfrüchten von :>«>5 heilige» Messen theil! Für 80 oder!*2 Kreuzer! Es ist tief bedauerlich, daß solche Dinge heute noch möglich sind." Wem verdankt man die» aber? Auf' diese Frage gab Schönerer selbst die beste Antwort, denn, er sagte am Schluffe seiner Ausführungen : „Hätte ich nicht vorgearbeitet, so w ä r e n die E y r i st l i ch - S o c i a l e n nicht so w e i t gekommen." Sehr richtig! Die Deutsch Volkliche» ivaren und sind, iheils bewußt,, theil« unbewußt, nur Werkzeuge der clericaleu Reaction. iBoi» „Bunde dcr Tcutjchcii in Böhmcil".) lieber die antisemitischen Umtriebe de« „Bundes der Deutschen in Böhmen" gibt eine Rotiz, welche ein unS zugeskndetk» Ascher Hetzblättchc» bringt, klaren Aufsch lnß; dieselbe lautet: „Rohlin g'S .Talmudjude-, ein Werk von ganz besonderer Bedeutung, dar schon bei ieinei» erste» Erscheinen großartige« Aussehen eiregte, die internationale Judenschaft aber in eine, unbeschreibliche Ausrcgnng und EibUlerung gegen den Bersasser versetzte, wurde von der Volksbücherei der hiesigen Ortsgruppe de» .Bundes fti; Deutschen in Böhme»' i» zwei Exemplare» angekaust. Rachdem schon in der letzten AnSleihstunde gerade »ach dem ,'Talmudjnde»' eine außerordentlich starke Rachsrage war, ivird diese» Weil noch in iveitcren Exemplaren' angeschafft werde». Bi» dahin aber möge» sich leize, die da» Buch zu lesen wünschen, ivährend der Ansleihstunden, die regelmäßig Donnerstag Abends bei Sch »hin an» statlsinde», vormerken lassen Tic Ueberlassnug dieser Werkean die BundeSmitglieder.erfolgt in dcr Reiheusolge der Vormerkung." Zu Beginn seiner Thäligkeil begnügte sich der von Anhängern des silteustrengen ,S l c i n w e » d e r gegründete „Bund der Deutsche» in Böhmen" mit der Pflege verschämter Antisemilerei. Jetzt hat er e« aber schon so «ei» gebracht, daß mau erwarten Tann, Rohling werde i» der nächste» Jahresversammlungzum Ehrenmitgliede^ernannt werden.