Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 214 (10.5.1896)
- Date
- 1896-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 214. Freie» Blatt. t - —- Seite 6. IV. Xi-i- Generaldirecwr des Xriege« erklärt durch Gcgenwäriige« auf daS Berlaugen de- Herrn S. P. Lipinann, Ritters de« niederländischen LöivenorkeuS n»d Advoccncn z» Amsterdani: daß nicht allein aus Grund der Anordnungen deS Grundgesetzes de« Xönigreiche« und der Gesetze »der die Raiionalmiliz die Israeliten diese- Laude« ihre inililärischen Verbindlichkeiten mit derselben T'.eue erfüllen, wie alle anderen Bewohner de« Xönigreiche«, sondern daß sic auch sehr häufig sreinnllige Dienste nehnien, so daß e« letzterer Art gegenwärtig ii» acliven Dienste Cfficirrt und viele Unlerosficiere und Mililür« unteren Range« in den verschiedenen Eorp« der Armee, sowie auch Militärärzte, sowohl in den Ricderlanden. al« auch in Dstnnd Weslindie» gibt; daß sie sich stet« gut und ladenSwerth in ihren verschiedenen Rängen unb Aemler» betrage,e, ohne jeuial« mehr Ursache zu Xlagen oder zur Uuzusriedenheil zu gebe» al« andeie Militärs von anderei» GlanbenSdekennlniß, so daß mau in der »iederländi'chc» Armee keineu Untei schied, keine AuSttahine in Bezug aus sie niachl, und junge Le,ne jüdiicher Religio», sobald sic die Besähigung unt nolbwendigen Ligcnschafle» besitzen, aus gleiche», Fuß mit anderen jungen Leute», Söbiicn von Bewohnern de« xöiiigreichcS, um Zulassung zu der königliche» Militärakadcinie, bestiniink, Tificierc im Armeedienst und Beamte in der Marine zubilden, im Xönigteilt, und in den Eolonicn concurriren. Im H a a g. de» 2!!. April. ft-12 V. Der Generaldirectok de« Xriege« L i st. JiS« ist für mich, mei» Herr, ein wadthasie« Vergnügen, in Ihrer Forderung die Gelegenheit zu sinden. in, Interesse nnserer zahlreiche» 'Mitbürger, welche, wie Sie, die istaclilische Religion bekenne», ein Zeugniß adzulcgen, da«, wie ich bofse, de» edlen Zweck, den S,e sich vorgesetzt, vollständig erfüllen wird. Ich erkläre demnach, niein Herr, daß die Erfahrung eine« halbe» Jahrhundert« mir die positive Ucbcrzeugung gegeben hat, daß sich die Jude» ,'eit vielen Jahren iiniiter mehr und mehr der politischen Gleichstellung mit ihren' anderen Mitbürgern würdig gemacht habe». Al« ich gegen 'Ende de« porigen Jahrhundert« mit der Aufrechterhallung der Justiz und Polizei in dieser großen Siadi unter de», Titel de» Gemeintrprocurator« beanstragt wurde, hatte ich überaus häufig Gelegenheit, wadtzunchmeu, daß der israelitische Theil der Bevöllerung duict:-^ gehend« friedlich und dein Gesetz und den Behörden gehorsam ist Seitdem war ich sehr häufig in der Lage, sie gegen den Haß und die Berachlnug einiger logcuannter Christen, die voller Borurtheile waren, unter' ihren Milbürger» zu beichUtzcn. aber niemals brauchte ich irgend welche außerordentliche Maßregeln anzuwcnden. Meine Erfahrungen au« jüngerer Zeit, in anderen politischen und privaien Beziehungen und besonder« i» meiner Eigenschaft al« Präsident de« Tribunal« dieser Hauptstadt, haben die frühere nur bestätigt, zumal seitdem aistgeklärie Männer unter ihre» Glaubensgenosse» sich bemühen, der minder erlenchlele» Elaste der Juden einen regelmäßigeren und wirksameren religiösen, ivoralischen und iinelleclueUeii Nnlerricht zu verschafien — ein Streben, da« auch unler Ihrer »neigen,invigen und einflußreichen Milwiikung, unter dem Schutze de« königliche» Oberhauptk« unsere« Staate« schon so viele Früchte getragen hat und üuiiier mehr verspricht Ta« Ergebniß meiner Ueberzeugung, »»eiche sich aus meine Xennliiiß der Thalsache» stützt, geht dabin, daß der Ae,, die Juden au« dem Stande der Erniedrigung, in welchem sie chemal« in unserem Lande sich besanden, zu erheben, die Gewährung gleicher Reästc mit den anderen Bürgern de» Staate«, in der Wählbarkeit zu den Würde» und Aemler», in der Ausübung ocr Xiinste und Gewerke — und vor Allem die intellectueüe und moralische Eivilisalion, welche sic seitdem genofie» und in sortschrcitendcm Maße genieße«, sic' aller Rechte, welche ihre anderen Mitbürger beansprucheu können, würdig gcniachi habe». Darum habe ich nnler den ersten Würdenträger» de« Staate« und der Magistratur, unlei den Atvocaten und Notaren uud besonder« unter den verdienten Männer», welche mit so vieler Auszeichnung da« Ritterkreuz de« niederländische» LöwcnordenS erhallen baden, mit gioßer Freude eine» Meyer, Äsier, Boa» uud auch Sie begrüßt, nnd in dem Augenblicke, in welchem ich Ihnen schreibe, erfahre ich mit Befriedigung, daß der würdige Godefroi durch dew Xöuig berufen wurde, da« öffentliche Ministerium bei unserem Tribunal al« Suppleant de« General. Anwalt« zu vertretet,. A in st e r d a m, de» 28. April 1812. Siaairraih, Eoniinandenr de« niederländischen Löwenorden«, Pcäsideut de« Tribunal« von Amsteidam M. E. v a n H a l l. VI. Mein Herr! ES gewährt mir wahrhafte Besriedigung. den Wunsch zu ersüllsii, den Sie mir in Ihrem Schreibe» vom 23 d. M. au«gedrUckt, meine /Meinung über die Israeliten, unsere Milbürger, al« Soldaten zu erkennen zu geben. Zwei Jahre hindurch habe ich in der Eiladelle von Antwerpen eine große Anzahl derselben unter meinen Befehlen gehabt. Während dieser ganzen Zeit haben sie die besten Beweise von Muth, Treue, DiSciplin und Ausdauer gegeben. Als Mann von Ehre kann ich mit Ueberzeugung hinznfügen, daß wenn meine Lebensdauer nicht beinahe abgelaufen wäre und ich noch einen Felszug zu beginnen hätte, ich mich sehr glücklich icbätze» würde, den Beseht über einige Tau'end dieser d,ave» Soldaten zn Kaden. Ich Koste, Hiemil Ihre» Wunsch e,füllt zu haben, und versichere Sie. 'baß diese Gelege,theil mir sehr angenehm >var, »ui einem 'Manne in Bcrbiiidnng zu treten, dessen Rns al« Gelehrter. Staatsmann und SchrillsteUer mir stko» bekannt war. Breda, de» 2Ö Apiil 1812 , '?er Geneial. der ^»,'anlerie B a r o n E h a i i (Wicner akadrinischcr Jvricbcu^ucrciii.Y viui de», scliivarzcn Brette der Universität in der Aula wurde - folgender Aufruf de« „Wiener! akademische» FriedeiiSvereine«" placatirtz Eommilitone»! Tw freudige Ll>al'ache, daß allüberall, wo Ciiuliiaiion nnd Enltur Kerricheu, die Friedensbewegung, in deren Treust wir »n« gestellt.- mächtigen Ankaiig gewonnen Kat, bestärk, un« i» der zuversichllicbcu Hostnung, daß wir, wen» auch langsam, io doch sicher, der Bern-irllichung nnserer Idee enlgegengeheii. Frei von allen Boruribeileu gegen '.>calio»a>ilälen und EonsessiHiieu, laden wir Euch ein. in gemeinsamer Thäligkeit mit nn» da« Ziel, da« wir „»«> gesteckt, anzustreben und die Beibreiiung der FriedenSidee wirkiamst zu fördern Tabei vergessen wir keineu Augenblick, daß wir akademiichc Bürger siud, die jederzeit sür wahre« Sludeinenihui» eiulreien und alle Angrisse ans dasselbe abwehreu müsse». Wir ivolleu die höchsten Güter de« Sludeuteii.'echte Bildung und einträchtigen kameradichasiliche» Sinn pflege». Borträge und DiSewsioueu, Betbeiligung an Beranstaltungc» gesinuuligSvetwandter Vereine sowie eine üie verschiedensten wissenichastlichen Gebiete umfasiende Bibliothek j dienen „»« zur Errcichiuig uii'cre« Zweckes. Uud deshalb, da e« gerade in der heutigen Zeit mehr denn je »otkwcndtg ist daß i» der gesammien sreisinnigc» Sludcnleiu'chasl Eintracht und Einlgkcil Kerrlche», iveudet^Ench, Eollegen, Mit nn« gegen jegliche« Borgehen, dtzxch welche« iu der ^lndentenschasi llnfriede gcstislei wird! liniere Parole sei: Aus zur Arbeit' sür de» Friede» der Böller, aus zur Arbeit sür de» Frieden in der Sludenteuschafl! cuu.I zur. Alexander Gorodetzk», >-:u»I. jitr. Emil Spitzer, ■ derzeit Präsident derzeit Schriftführer. . <TaS Trstamcilt dc« Freiherr» v. Hirsch.) Bei», Brünncr LandcSgerichta als der Realinflanz de« Schlosse« Eichhorn, de« Wohnsitze« de« verstorbenen Freihcrrii v. Hirsch, wurde» dieser Tage durch den Advocatcn Tr. Gustav Haa«, den langjährigen vertrauten Be rathcr de« Verblichenen, die lctztwilligen Berfügniigen desselben über reicht, welche in Pari« ansbewahrt waren. Dieselben bestehen in eine», Testamente, clsto. 14. 'November 1004, und in einem Eodirill, chl». 12. (VebnuTt, 18i),r>, nnd sind von Freiherr» v. Hirsch eigenhändig geschrieben und uutersertigt. Ii» Ziisamniciihange »iil-der antisemitischen Bewegung'fleht ossenbar eine Bestimmung de« Eodicill«, ivo durch einc M il lio n Fra nc«, welche für Wohlkhätig kcit« a ii fl alten ui W i c it b c fl i m ni i w a r, ans H »in a n i t ä t« ' instiliitc in Mähren übertragen wird. Tie eine Hälfte dieser Stimme hat ausschließlich israelilischen, die andere Hälfte solchen Wohlthütigfeilsinflituteii ziiziifallen, deren Wirksamkeit Bedürftigen ohne Unterschied der Eonsession gewidmet ist. Die Auswahl der WohlthätigkciiSauflallcii ist vier Teflaiiiciltsexcciitorcii überlassen. Da« Bermächtiiiß von Acticn der .Jewisli «'oloyisatiou Association in London im Be trage von zwei Millionen Pfund Sterling tut die israelitischen Reli gionSgxuieiiiden von Brüssel, Frantsurt a. M. und Berlin sowie au die genannte englische Gesellschaft ist dadurch gegciistandslo« geworden, daß diese Artien von dem Erblasser den bedachten Eorporatioiicn schon bei Lebzeiten überlasten worden sind. Andere Legate sind weder in dem Testament noch in dem Eodirill enthalte». Da« vorhandene Bermögcü fällt der Witwe de« Erblasser«, Elara.Freiin v. Hirsch Bischofssheim, nüd seiner achtjährigen Adoptivtochter Lneieiine, einem «iinde de« verstorbenen Sohne« Lucicn, zu. Baronin Hirsch hat zur sofortigen Bcrthcilniig an die Armen von Pari« und Wien 200.000 Franc« bcstimiut und ferner verfügt, daß 00.000 Franc« an die Beamten und da« Personal der Herrschaft Rossitz Eichhorn vcrthcilt werden. Aus dem preußischen Herrenliailse.) In einer der letzte» Sitzungen de« preußischen Herrenhause« gab c« wieder einmal eine Debatte über den Schulchci» Aruch. Zur Bcrhandlung gelaugte eiizc Petition von einem gewissen Adolf Wolf f zu Frankfurt a. M. und Geuosten um Uebersetziing de'« Schulchan Aruch auf Staatskosten. Die PetitionScommisstoii stellte den Antrag, über die Petition zur Tage« orduung überzugcheii, wogegen Freiherr v. D n r a n t beantragte, die Petition sei der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Letzterer wie« in der Begründung seine« Antrages darauf hin, daß früher schon eine Petition ähnlichen Inhaltes der Regierung überwiesen worden sei, die Regierung derselben jedoch ablehnend gcgcnübergestandcn habe, weil die gewünschte Uebersetziing nicht möglich sei. Die diesmalige Petition - verlange nicht die Uebersetziing säinmtlicher - jüdischen Geheimschriften