Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 213 (3.5.1896)
- Date
- 1896-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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< Nr. 213 .* r e i e » Wirken als Lehrer sich Jesus Christus vor Augen haben »löge. Diese sonderbare, den Oberlehrer Dr. Pick unzweifelhaft verletzende und seine Autorität als Lehrer untergrabende Ansprache hat hei der großen Mehr-' zahl der Zuhörer, bei Lehrern und bei Schülern, peinliches Aufsehen erregt. Ter Direktor übersah bei derselben offenbar ganz, daß er in seinem antisemitischen Eifer seine Vorgesetzte Behörde einer Kritik unter« zog und daß seine Ausführungen gegen den Geist und Wortlaut der preußischen Berfaffung verstießen. Interessant ist es übrigens auch, daß die oben geschilderte Scene sich an einer Schule abspiclte, deren Be gründer und erster Leiter ein Jude, der »och heute verehrte Dr. Ungcr, war, dcsicn Bild die Aula des GyiiinasilrinS ziert und dessen Grab bei der kürzlich stattgchabten Jubelfeier dcS Bestehens der Schule ofsiciell geschmückt wurde. Dr. Unger'S Bcrdicnste um die Schule und sein lauterer Charakter wurden bei der Jubelfeier vor kaum einem Jahre gepriesen und gefeiert,. und. das geschah, trotzdem der Verstorbene der jüdischen Religion »»gehörte. Sein Nachfolger aber hält cS für aiigehracht, einen verdienten Lehrer vor feinen Collegcn und Schülern zu beleidigen, bloß weil er ein Jude ist. (Die Wechfelfälschungeu dcS Frcihcrrn v. Schorlcmer-Alst. Bor der ersten Strafkammer des Landgerichtes Dresden findet dem nächst die Schlußverhandlung gegen den antisemitischen Agitator Frei Herrn v. Schorlemcr Alst i» Großenhain statt. Derselbe hat Wechsel im Betrage von etwa 80.000 Mark gefälscht; seine gcsammten Schulden bclanfen sich auf mehr als 200.000 Mark. Zur gewerblichen Bewegung. Wir crfuchrn alle wahrhaft frcisinnigcii Bürger unserer Stadt dem im Jnseratenthcile unseres Blattes befindlichen Berzcichnisse christlicher Gewerbetreibender, die sich zur Sache des Freisinns und der Rechtsgleichheit bekannt haben, ernste Aufmerksamkeit zu schenken und diese wackeren Gesiiinnngsgenosscn nach Möglichkeit zn nntcrstiiyen! (Zur Wphnilllgrsrage.) Aus drn ihrijm betamiter SJmwit riutr freisinnigen Socialresorm und werkihäliger Humanität ist letzker Zeii Sie Anregung zur Gründiing einer registrirle» Genossciischast mit leschränkterHastniig hervorgegangen, welche auch für einen Thcil der Geiverbelreibendrii von hoher Betenlung werden kann. Die „Oesterreichische He im stäriengesellfebüft“, an deren Spitze De. A. Riller v Strigl, der k. k. Ministerialdeamte Rich. -konrvd und der bekannte Hof- und GerichtSadvocat Dr. S. Popper stehe», macht e« sich zur Aufgabe, de» breitesten Schichten des Mittelstandes den Erwerb eine« Familienhauses mit oder ohne Garten, »ach dem bewährten Muster der Deutschen BolkSbaugesellichast in Berlin, aus eine solche Weise zu ermöglichen, dag derCr werber nicht mehroder zum Min d e st e n n i ch t vie l mehr als die bisher a u f g e we n d e r e I a h r e S m i e t h e; u b e; a h l e n b a t, um in e i » e in b e st i in in t e u Zeitpunkte daS non ihm erworbene Ha uS in fein volle» und unbeschränktes sowie vollkommen schulden- und lastenfreies Eigenlhum zu erhalten oder dasselbe, wann immer > er mit Tod abgehen sollte, sofort gleichfalls vollkommen schulden- und lastensrei «eilten Hinterbliebenen zn vererben. Wer von der Oesterreichiichen HeimstätlengeseUschaft ein HauS zu erwerbe» beabsichtigt, kau» die» aus zweifache Weife bewerkstelligen: 1. Mit Eingehung einer Lebensversicherung bei einer Asiecuranzgesellichast oder 2. ohne Lebensversicherung. Im erste» Falle hat der Erwerber eine» Hause«, abgesehen von einer Anzahlung von n»r 15 Percent dcS UebernahmSpreiseS, nur die Berzinsung deS für fein Besitzthum aufgewendete» Capital» und eine geringe AinortisalionSqnote zn bezahlen »»d sich in der Höhe de» WerlheS desselben, abzüglich der Aiizahlung, aus Ableben oder nach Wunsch auch aus Erleben versichern zu laffen, jedoch in der Art, daß, da stet» nur der »och nicht amortisirte Restbetrag durch die Lebensversicherung gedeckt bleibt, die zu leistenden BcrsicherungSpräinien um die Hälfte niedriger sind als die normalen. Im zweiten Falle, das ist wen» der Erwerber au» irgend einem Grunde eine Lebensversicherung nicht tinzugehen wünscht, erhöht sich die Anzahlung um beiläufig 5 bi» 10 Perccnl, während die übrigen Bedingungen unverändert bleiben. Gleich nach Fertigstellung de» HauseS erhält der Re» sleclirende durch Siausvertrag dasselbe in sei» grundbücherlicheS Eigenlhum, in ivelchem er sofort al» sein eigener Herr schalten und walten kann. Die Gesrllschaft hat eine größere Anzahl von Type» für Familienhäuser und Landhänser ausgestellt und für jede derselben den Siausgrei«, sowie die jährlich zu leistendei! Zahlungen genau fixirt. Abgesehen von diesen, de» (reducinen) Versicherungsprämien und der Steuer (wobei die volle gesetzliche Steuerfreiheit zu» gute kommt), sind keinerlei weitere Zahlungen zu leisten. Besondere Wünsche der Erwerber hinsichtlich einer von den Normaltype» abweichenden Bauart, Blatt. ' Seite 7. der Herstellung von andere» Objecten al« Fa»iiiie»hä»>rr», wie zmn Beispiel von kleineren F a b r i k« g e b >i u d e n für handwerksmäßige und sonstige Betriebe, oder wegen Abänderung der ZahlungSmodaliläte» und schließlich bezüglich der Wahl der BersichernngSgesellschast, sowie der Ausrechthaltung und Bccwendung bereit« abgeschlosiener BersichtlzmgSverträge, bleibe» der zu treffenden Lereinbaiung übeilassen. Dadurch, daß sowohl der Grnnderwerd al« auch die Bausnhrung seilen» der Gesellschafl im Großen er» , folgt, ist dieselbe in der Lage, die Objecte zn besonders mäßigen Preisen fertig* zustellei, und zn überlassen. So ist e» beispielsweise möglich, schon bei einer jährliche» Zahlung von nur f>00 fl., welche sämintliche Auslagen, einichtießlich der Steuer, in sich begreift, ein hübsches Familienhau» lammt Garte» zu erwerben. Die Oesterreichische Heimstäitengesellschast hat vortäusig an einigen der-schönsten und bestgelegenen Punkte de» Genie),idegebiete« oo» Wie» n»d in »»mittelbarer Nähe derselbe» Grundcomplepe, welche sich für die Herstellung einer größere» Anzahl von Familienbäusern eignen und in jeder Beziehung, dar ist namentlich rücksichtlich der bequeme» Berbindung mit dem Centrum der Stadt durch Stadtbahn, Tramway, Omnibn« und Eisenbahn, einer gesüiiden Lage, der Wasserversorgung u. bergt, de» zu stellenden Aiisorderuilge» entsprechen, in Aussicht genommen. Dieselbe ist aber auch bereit, sür hierauf Reflectirende Eiiizelgriindstücke zu erwerben und denselben unter den gewöhnlichen oben mitgelheilten Bedingungen Häuser mit oder ohne Gärten herzustelle». Tie Gesellschaft besitzt stalutengkinäß daS Recht, ihre Thäligkeil auch aus geeignete Provinzstädle auSzudehnen. Bonheilbaste Lereinbarnngc» hinsichilich deS Grunderwerbe« setzen dieselbe beispielsweise derzeit bereit« in die Lagein Mödling (Vorder und Hinterbrühl) und am Semmering, wenige Minuten von äußerst günstig gelegene», sreqUentirteil Eisenbahiistationt», zu mäßigen Bedingungen Landhäuser ^herzustelle». Ter Bau der Häuser erfolgt ohne Unterschied der Größe ailSschließlich nur in der solidesten Weise. Etwaige besondere Wünsche t der Rtflecta»len,.in Bezug aus Eintheilung und Ausführung des Hause« finden die weitestgehende Berücksichtigung. In alle» Fällen wird eine eingehende Baubeschrtibung versaßt, an der Hand welcher sich der zukünfiige Besitzer de« HauseS jederzeit Uder die zur AuSsührnng gelangenden Arbeite» insormircn kan». In Vorstehendem sind die Bedingungen angegeben, unter welche» Jeder, auch iveiiil er über keinerlei Vermöge», sondern nur über ein, wenn auch nur . bescheidene« Einkominen verfügt, in den Besitz einer seinen Verhältnisse,, entsprechenden eigenen HeimS ans eine so günstige Art und Weise gelangen kann, wie die« bisher noch nicht geboten war. Wer unbesangenen BlickeS die heute bestehenden wirthschastlichen und socialen Berhältnisie betrachtet, wird gewiß der Behauptung zustiminen, daß dadurch, daß eS dem Besitzlosen auf leichtere y Weise ermöglicht wird, ei» Besitzeijder z» werden' auch der sociale» Frage näher getreten ist. Welche moralische Straft, welche unermüdliche SchassenSfreudigkcit muß. denjenigen erfülle», der, während er bisher vollständig hievon auSgelchloffen war, plötzlich die Hossiiuiig vor sich sieht, freier Eigenlhüiner eine» behaglichen und gesunden HeimS zu werden, in welchem er von keinen Hypothekarlasten gedrückt ist, und daS er, wann immer der Tod a» ihn herantritt, als wahre und wirkliche Heimstätte seiner Familie untcr alle» Umständen lastensrei hinterläßt. Und dies Alle« ohne irgend welche »ennenStöerlhe Opfer zu btiiige», sondern einfach dadurch, daß er die WohnuiigSimethe, welche er bis »u» Jahr für Jahr abgeben mußte, nuiiinehr gewissermaßen für sich und die Seine» ansammelt und zurückbrhält. Nähere AuSküiisle ertheilen die obgenannten Herren der Tirection der j,O e st e r r e i ch i s ch e n H e i m ft ä t t enge s el l s ch a f t". '_ Aus antisemitischen vereinen und Versammlungen. (Zur Biirgtrmkistcrsragk in Wien.) Bezirksha»ptma»n Dr. v. FriebeiS erhielt von Dr. Lueger nachstehende« Schreiben, ddo. 28. April: „Sc. HochwohlgeboremHerrn Dr. Han« v. FriebeiS, k. k. Bezirkshauptman», Wien. In Ihrer Eigenschaft als provisorischer Leitet der Geschäfte der Geineinde Wien verständige ich Sie, daß ich die AiinihinSerkläcung bezüglich der auf mich gefallenen Wahl zum Bürgermeister der Stadl Wie» znrückziche und vielmehr erkläre, diese Wahl nicht-aiizuuehmen. Hochachtungsvoll Dr. Earl Lueger." Dr. v. .FriebeiS hat den Inhalt diese» Briests sämintlichen Mitgliedern de» GemeinderatheS in einem Schreiben nrirgeiheilt und dieselbe» gleichzeitig in .stcnnlniß gesetzt, daß die neuerliche B ü r g,e r m e i st e r w a h l am Mittwoch den 6. Mai d. I., BorinitlagS 10 Uhr, unter den bei der letzten Bürger- »leisterwahl am 18v. M. eingehaltciie» Modalitäten staltfinden wird. Als Bürgermeister-Landidal wird allen Ernstes der Liertdimensionale Schlesinger vorgeschlage». Tr. «u p k a scheint nicht geneigt zu sein, sich 411m Strohmann herzugeben. In einer Versammlung der deutsch - nationalen Antiscmilen wurde fiir Pacher eine Vicebürgermcisterstelle gefordert und dem Dr. Lueger i» einer Resolution die schärfste Mißbilligung für seine Berzichtleistung auf de» Bürgermeifterposten ausgesprochen. Auch der Austritt der deillsch-nationaleu Gemeinderäthe au« dem Bürgerclub wurde angeregt. E« wird noch mancherlei Zank und Hader geben, devot sich die verschiedene» Antisemiteiigruppe» Uber die Vertheilung der Beute einigen iverden. I c