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Freies Blatt · 1896-04-26 · 212 (26.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
212 (26.4.1896)
Date
1896-04-26
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I «r. 212 Freie» Slatt. “tit* 7. mühungen zur Stillung seine» großen Dollardnrste» wie die Langer aus seiner Jagd nach Abonnenten echt antisemitisch. Zu wünsche» wäre e» übrigens, dass »nsere Lueger und Schneider die Ahlwardc'sche Lehre beherzigen möchte», es komme vor allen Tinge» daraus an, die antisemitische Bewegung in sämmtliche Länder zu tragen; sie könnte» dann ebenfalls nach Amerika ziehen und dort für ihre Mandanten besser wirke» als im österreichischen ReichSrathe. — Ueber die Erlebnisse Ahlwardt« jenseit» de« Oeean« liegt noch folgender vom 8. d. M. datirter Bericht vor: In Hoboke» wurde» gestern Ahlwardt, zwei seiner Begleiter und drei andere Personen verhaslel. Ahlwardt wollte in der Germania-Halle einen Bortrog halten. Daselbst Hane» sich jedoch mehr Luden »l« Antisemiten eingesuuden, nnd als Ahlwardt mit seinem Secrelär Ernst Mendel (!)u»d einem Freunde, Namens Ernst Fried ow, erschien, wurde er von Judeu vor der Halle angegrisien. Ahlwardt zog nun einen Revolver, »m den Angreifern Angst einzujagen. Im nächsten Augenblicke tam aber eine Abrheilung Polizei angerückl; Ahlwardt wurde die Pistole an» der Hand ge rissen, und er, seine Begleiter und drei der muthmaßliche» Angreifer wnrdi» verhaftet. Tie ganze Gesellschaft wald im Patrolwage» nach dem f tatiou«: Hause gebracht, wo Ahlwardt u»b seine Begleiter wegen unordenlticher Aussiihrung, Ahlwardt selbst auch »och wegen Tragen» einer verborgene» Waffe, und die drei Jndcii Saniucl T e <k e r, Israel Birnbaum, Horacc J.^ EÄHen wegen Angriff« eingesperrt wurden. Ahlwardt behaupleie, dag ihm Jeinand de» Revolver in die Tasche gesteckt habe, aber Teicclivc Rclso» er klärte, gesehen zu habe», wie er kcu Revolver zog. Eohen sagte, daß Raufbolde de» deutschen Agitator und seine Begleiter angegriffen hülle». 2 pater wurden die drei verhafteten Jude» gegen Bürgschaft'entlasse»; Ahlivardt lonnrc erst ini Lause der Nacht eine» Bürgt» sindeil. Heute gelangte die Lache vor dcin Rerorder Mac D o n o u g h zur Berhandlnng. Ahlwardt, dessen Secrelär al« Dolmetsch sungirte, erzählte, er sei aus dein Wege nach der Germania Halle von etwa 100 Juden umringt und mit dem Tode bedroht worden. Ans die Frage des Recorders, ob er eine» Revolver gezogen, antwortete nun Ahlwardt. daß er nach einen, Studium der BnndkSversafsung zu der Ansicht gekommen sei, daß' er einen Revolver trage» könne. Er habe deshalb in R'w.Bork in» die Erlaubniß dazu »achgesucht und dieselbe auch erhalle». Al« er angegriffen worden, habe er de» Revolver gezogen. Ter Anwalt Ahlwardt'«, Welle r, behauptete, ei» Ausländer habe das -Recht, eine Wasse zu trage». Ter Recorder vertagte da« weitere Verhör bis Nachmittag, wobei er bemerkte: Ahlwardt sei ein „öffentlicher Gemeinschaden", weil er überall Ruhestörungen verursache; die Juden hätte» jedoch kein Recht, Ahlwardt anzugreisep. Die drei jüdischen Arrestanten wurde» unter Proccß Bürgschaft gestellt. Ahlwardt mußte auch Bürgschaft stellen, daß er al« Kläger erscheinen werde. Am Nachmittag tonnte Weller zwar nicht die Richtigkeit seiner Behauptung erweisen, aber Ahlwardt wurde vom Recorder dennoch ohne Strafe entlaffen. Ehe das Velhör beendet war» wollte Michael A a r o n S b e r g einen Haftbefehl gegen Ahlwardt er wirken, weil derselbe ihn mit dem'Revolver bedroht habe, aber der Recorder ging darauf nicht ein. AaronSberg erwirkte sodann einen Haftbefehl bei dem Friedensrichter Set) m o u r. und nachdem Ahlwardt vor den Richter gebracht nnd gegen 300 TollarS Bürgschaft für sein Erscheinen znin Processe entlaffen worden, ließ er AaronSberg wegen „Meineides" verhaften. Verdient also nicht der von Lange augeschwärzte Ahlwardt ein Vertrauensvotum der Wähler deS iirejse,.- Arnswalde-Friedeberg?. — 'Nach einer Berliner Tepesche wären ihm '»000 Marl al» Abfindungssumme sür sein ReichSlagS-Mandat angeboten ivolden.-Un» einen solchen Spottpreis wird sich Ahlwardt nicht bestimmen laffe», aus den schönen und sür sein Geschäft förderlichen Titel „ReichSlacsS-Abgeordneler" zu verzichlen. Aus antisemitischen Blättern. (Was geht das uns an?) Wenn ei» Jude i» — Honolulu eitle geschäftliche Lumperei begeht, so ist die gesainmte Antisemitenpreffe daraus bedacht, nicht nur die Juden in allen Welttheilen hiesiir zur Rechiiischast zu ziehen, sondern sie ruft auch vorwursSweisc christlichen Liberalen zu: „Tas sind die Leute, die ihr schützt!" Geräth aber ein Antisemitensührer in Eollision mit den» Strafgesetze, so stelle» sich die unterschiedliche» „Schriftleiter" naiv und fragen: „Was geht das »ns an?" So schreibt die „Ostdeutsche Rund., schau" zum jüngsten Falle Feichlinger in Graz: „Feichtinger hat vor Jahren in der deutsch-nationalen Partei TteiermarkS eine Rolle zu spielen versucht, wurde aber bald abgestoßen. Seitdem operirtc er aus eigene Faust und machte sich die gewerbliche Bewegung zu Nutze. Ec wurde, scitdem er unter die ZeiwngSgründer gegangen war, vielfach der .Grazer Bergauf genannt, da ihn auch sonst FreundschastSbande mit dem Herausgeber deS Wiener .Deutschen BolkSblatteS', da« er und da» da»» wieder Feichtinger'« .Extra blatf anprieS, verknüpften." TaS „Deutsche BolkSblatt" ist indcffen nicht verlegen uiid meint, auch wenn die gegen Feichtinger erhobenen Anklage» begründet wären, könnte die antisemitische Partei keineswegs verantwortlich gemacht werden, „denn Feichlinger hätte in diesem Falle auch gegen sic unver antwortlich gehandelt »zid sie getäuscht". Ter findige P s e n » e r aber dürste noch ermitteln, daß Feichtinger eigentlich ein verkappter „Inden-Liberaler" war, und M a s a i d e k diese Entdeckung dann in einem „losen Gedanken" verwerlhen. („Selbstredend.") Diese geschmacklose Wortbildung in zivar von Jobannes Schcrr erfunden worden, aber am meiste» wird sie doch von Antiseiilitcrichcn in ihre» Perorationen gebraucht, vielleicht weil e« sich, ivie die Worte „belanmlich", „selbstverständlich" »nd „natürlich",-gar gm zur Verschleierung der eigene» Unwissenheit eignet und häufig dazu dieueu kan», der Verlenindnng und Ehr abschneiderei, der morolischen Bruunenvergisinng und anderen Teusels'achen zum Teckschild zu diene». Brachte nicht da am 1. Avril her Moniteur der zaubergewaliigen Ehrenbürgererscheinuiffs einen a»S Pbilivpopel vom 21. Mürz Bataten Mordbericht über den Tod eine« .»indes, eine Eriminal affaire ganz gewöhnlicher Art, ivie wiche überall in der Welt vorzuloinmeu pstege». Tie Mörderin des .NindeS ivar eine Frau aus der 'Nachbarschaft, und diese wackere Seele fand es für angezeigt, mn von sich den Verdacht ab zuwenden, ihn an« Jude» zu lenken. Schon dageivesen. 'Neu ist dagegen.in der Wiener Journalistik die eigenihiiinliche Au«>chrotung kiele« Vorloniiunisse« zur Schnrnng der Leidenschasicu nnd deS Haffe« . gegen alle Juden durch ein leider in Wie» erscheinendes Blau. Ter Hetzanilel beginnt mit der AuSlasiung: „Bereits seil drei Jahren verschwinde» in einzelne» Orlichasicu de« LandeS stelS vor dem jüdischeu Paffaliseste christliche .linder. Vor zwei Jahren geschah dies i» Bracä, vorige? Jahr in Tatar.Bä'ardichik uizk heuer gar i» Phiiippopel selbst." Ferner behauplet der Bericht, es wärän drei P.rsonen verhaftet ivordcn, „die selbstredend dein Staniine Israel angehörcn". Tagegcn bat die Unter snchung der bulgarischen Polizeibehörden ergeben, daß eine ,1 a > h o l i k i » den Mord begangen, »>» die Juden;u verdächtigen Aus Grupk des UlitcrsuchungSergebnisleS traf auch die Polizei sofort die strengsten Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Rachrichieu und publicirie folgende Warnung: , „Jede Person, ohne Unterschied der Religion und Rationalität, welche sich erlaube» sollle, die Jiraeliieu zu beleidigen, ivird strenge bestraft werden, den» t daS .lind. welches verloren war »nd >odl anfgefnuden wurde, ist von einer Katholili», der Nachbarin der Mutier deS .linde«, ermordet worden." Bisher fand sich der nach geiichtlicher Ehrenbescheinignng sehnsüchtige Ritter - von den zwei Taschen nicht veranlaßt, seinen lügenhafte» Bericht als ,.selbstredend" einznbeiennen. > almiiuüue versanitt-r, soiuza r aiv,»i>i liaerct. I>r. K. S. . illnaiigkitkhmk Mknfchcil ün«!> Tie „PolItischcn Fragmente" wende» sich in cinei» Aufsatze' gegen die in antisemitischen streif » zu Tage tretende Häusung voliiiicher Aemter bei einzelnen Personen und führen insbesondere Hege» die Bcwerdung G c-ß i» a n n'S um ein Landiagsmandal Folgendes au«:'„Wem soll Herr Tr. Geßman» gerecht werde»? Als UniversitälScustoS ist er ein bezahlter Beamter de» LlaalcS — und Herr Tr Geßnrann ist gcwiffen Haft genug, dieses Amt pflichtgemäß ausjnsülleri »nd sich vom Staate nicht sür rill amt bezahlen zu lasse», da« er nicht ausiibt; er iväre ja sonst ei» schlechter Christ, wenil er sich eine Arbeit bezahle» ließe, die er thalsächlich nicht leistet. Im Gemeiiideraihe aber vertritt Herr Tr. Geßinan» den eisten 'Wahlkörper der zwölften Bezirte«, »iw die Meidlmger Hausherr,',,;. höchst wahrscheinlich wird Dr. Geßman» in iveuigen Tagen auch zum Stadtralb mit Z'«00 sl. Gehalt gewählt werde». Tas sind dann schon drei Aemter. Als vierte« Amt vertritt Tr. Geßinann inr Rcichsrathe die cUewerbrireibendeli des siebenten Wiener Bezirke» >Neubau >. Und jetzt will er sich als liinsle« Amt au» noch von den. Städten Langenlois-Horn Eggenburg in den Landtag wählen laffe». Man de-, denke mft: Ensto« an der Universitätsbibliothek, Gemeindera'h der Stadt Wien, Städlralh der Stadt 'Wien, ReichSialkSabgeordileier de« siebenten Wiener Be zirleS »nd jetzt auch »och LandlagSabgeordneler von Egge>ibiirg,Laiige»lois--Hor». Ta« ist den» doch zu viel sür einen Manu, nnd wenn er der fleißigste wäre Welchen Wählern 'oll denn Herr 5?r. Geßman» gerecht werden'? Ten Meidlinger Hausherren oder de» Neubauer Gewerbetreibende», de» Eggcnburger, Horner, Langenloiser Bauern oder de» Interesse» der Siadl Wien nnd der Wiener Uuiver.silät? Ten» daß die Meidlinger HauSberren dieselben Jntereffen habe», wie die Horner-, Eggenburger-, Laiigeuloi'er Baiier» »nd andere La,idleme, oder daß die Siadt Wien und die Wiener Universität dieselben Jniereffe» haben wie die vorgenannlcn drei Wahlbezirke, da» kan» doch kein ernsthafter Mann glauben. ES wäre deshalb viel besser, wen» sich Herr Tr: Geßinann mitffeinen bisherige» Aemteru nnd Mandaleu begnügen würde, schon ail« Rücksichl aus seine allen Anhänger und Wühler In der Politik gilt ebenso wie i>» Geschäsle, daß AlkkS, wa« man lhut, auch ordeullich gelhä» werden soll; ferner, daß man ein Ami nicht de« Amte» wegen übernimmt. sonder» um e« auch vflichtgeniäß. aitszufülle». Tr. Geßinann ist gewiß ein viel'eiliger Herr, den» er ist nebenbei auch noch Zeiliiiigsherau'geber,''aber daß er zugleich Wiener Gemeinderalh, Wiener Stadtralb, LandtagSabgeordneter »nd ReschSralhSäbgeordneter feiiz und dabei nicht nur de» übernommene» Pflichten gegenüber den Wählern in Meidling, am Neubau und in Horn - Eggenburg - Langenlois nachlommen, sondern auch »och seine Stelle al« Lnfto« der Universitätsbibliothek aussüllen kann, dar glaube» wir nicht und das werden auch die Wähler im Bezirke Eggenburg- LangenloiS Horn nicht glaube». Zudem hallen wir es für eine absolute stioth Wendigkeit, daß immer mehr charaktervolle Männer in die antisemitische Be-, weguug dineingezoge» u»d mit Bcttra»e»rstelluugeu beehrt werden, damit die Partei nicht zur Ctiaüe wir.d, ferner, daß a»S den Landgemeinden nnd Städten nur solche Männer gewählt werden, die im Bezirke selbst wohnen oder wenigstens von srüherher dort dekannt sind." Mit der Wahl Geßmann's zum Stadlralhe

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