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Freies Blatt · 1896-04-19 · 211 (19.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
211 (19.4.1896)
Date
1896-04-19
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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nr. 211. Seite 7. Statt. 5t»ie » zahlreicher und mächtiger sei», al« wenn man nach unten dis kühner Ritter den Lindwurm bekämpft, sich nach oben jedoch al« dessen getreuester Schildknappe zeigt. Oder ist Gras Zichy wirklich Philasemit und mißbraucht die antisemitische Bewegung lediglich al» Vorspann, um sie beiseite zu schieben, wenn er mit ihrer Hilfe seinen Zweck erreicht hat? Die Mitglieder der ungarischen Volkspartei haben da« Recht, zu verlangen, daß über diesen Punkt volle Klarheit geschaffen werde. Gras Zichy darf der klare» Beantwortung dieser Frage nicht mehr aulweichen, denn die Partei kan» unmöglich einem Manne Vertrauen entgegenbriugen, der für sie „tiii Räthsel ist, von dem sie nicht weiß, ob er Antisemit oder Philoieinit ist."' Unserer Meinung nach ist Graf Zichy weder Antisemit noch Philosernii, und die „ungarische Linkspartei" dürfte auch trotz Vergani'S frommer Wünsche kein besondere» Jntereffe daran haben, de» Mann, vor eine solche Alternaliye zu stelle», den» darin dürfte da« „Deutsche VolkSblatt" Recht behalten, Graf Zichy braucht „die antiseniilische Bewegung lediglich al« Vorspann, uni sie beiseite zu schiebe», wenn er mit ihrer Hilfe seinen Zweck erreicht hat". Al» ob es in Wien und Oesterreich übrigens ander» wäre! (Bon Ahlwardt lind seinem Mandate.) 'Während der Rector aller Deut ichen e» sich in der neue» Welt ganz häuslich zu machen scheint und in Brooklyn ein Wochenblatt herausgibt, deffen Redaetenr sich Frida w nennt, in^Wirklichkeit aber ein aus Ungarn eingewanderter Jude Rainen» 2 ch in n l sein soll, theilen sich die ehemaligen politischen Freunde Ahlwardt» bereit» in sein Erbe. In seinem Wahlkreise hat sich ein „W a h l v e r e i n für F r i e d e b e r g und Umgegend" gebildet, und zwar, wie das „Amt liehe Friedeberger KreiSblatl" mittheilt, lediglich zu dem Zwecke/ um „der Siiinmenzersplilternng derjenigen politischen Parteien'Einhalt zu Ihun, welche ini-Wesentlichen auf gleichem Boden stehen, nämlich der conservaliven und der christlich-socialen -Partei, sowie der deutsch socialen Resormparlki und sonstiger Parteiungen oder Vereinigungen ähnlicher Tendenz". Ter Verein will, „entsprechend den Grundsätzen dieser .rechissteheuden' Parteien, mit in de» Kampf treten sür Thron und Altar, gegen undentsche Art und Sille und gegen di^ staaisseindlichen Bestrebungen der Umsturzparteien". Ter Wahlverein, deffen erste Sitzung demnächst statlfiudet, hofft zu den kommenden Wahlen „einen Eandidaten karbieten und dnrchbriiige» zu lönnen, welcher der Mehrheit deS Wahlkreise» genehm ist". A h lwa rdt, der 18!*3 mit mehr al» 80Hl Stimmen gegen etwa 3000 conserrative, 1500 liberale und 79." social-demokratische Stimmen) gewählt wurde, scheint dieser Candidat nicht;» sein. E» handelt sich in dein „Wahlverein sür Friedeberg" vielmehr um einen Versuch der „geniäßigten" Aniffeiniten conservativcr Färbung, sich des Wahlkreises zu bemächtigen. Bemerkeniwerlh ist es, daß diesen Elementen das amlliche Friede berger Kreisblatt, dem wir diese Miltheilung entnehmen, zur Benutzung »neu steht. Tie „Deutsche Wacht" schreibt, die Deutsch-sociale R e f o r m> Partei habe begründete Anipiüche ans den Wahlkreis u»d werde sie nötbige» fall» für sich zu wahren wessen. , Aus antisemitischen Blättern. l UliangkUchmr Mrnschcn das.) Es gibt komische Patrone, welche die Menschen nach ihren Ehale», statt — wie e» sich gebührt — nach ihren Worten beurtheilen und von einem antisemitischen Abgeordneten und Gemeinderalh alle» Ernste» verlangen, daß er da» üttjn de» kleinen Manne», für den er sich in Versammlungen ausgibl, auch wirklich führe.. Run ereignete sich der merk, würdige Fall, daß die antisemitischen Gemeinderälhe den Bezirksbauptiuan» FriebeiS um Verlegung de» erstangesetzlen Termins zur Bürgermeisteriyahl ersuchten, ivfil sie dadurch jn ihren anläßlich der Osterfeiertage galanten Vergnügungsreise» nach dem Süden gestört wären. Tie gewissen „unangenehmen Menschen" machten bei dieser Nachricht, welche die Pflichttreue der aniiieniilischen Stadtväter nicht gerade in spartanischen Farben erscheinen ließ, ein „Schnoferl" — wie man hierorts sagt — und hätten die ganze Sache am liebsten als Ersindung der Juden hingestellt und behauptet, e» liege eine absichtliche Verwechslung mit den „judenliberalen" Gemeinderäthen vor. Run empfand aber gerade während der Osterfeiertage — vielleicht zur würdigen Begehung dieses hohen Feste« — der Abgeordnete Geßman » das Bedürsniß, einem hiesigen liberalen Blatte eine sehr ausführliche Berichtigung zuznsenden, welche anS — A b b a; i a. dem damaligen Süjour diese« Retter» deS Kleingewerbe», datirt war. Allo wirklich gehen unsere Caione gleich dem erste» besten judenliberasen Millionär zu Ostern nach Abbazia, dachten kopswiegend die „nnangeiiehnien Menschen". Einer derselbe» erlaubte sich in den „Politischen Fragmenten", dem Abgeordnete» Geßmann folgende, keineswegs fragmentarische Betrachtungen zu widmen: „Der Herr Abgeordnete und Gemeinderalh" — meinte das Antisemitenblatt — „hätte da schon etwas vorsichtiger sein können. E « berührt nämlich sehr u n a n g e n e h m, wenn man liest, daß d e r V e r t r e t c r d e r a r m e n G e w e r betreib enden Wi-enS, für die man saust nurThräuen hat, Ausflüge in die t h e u e r st e n jüdischen L n r o r t e unternimmt. Hexr Dr. Geßmann ist zudem auch im Comite, welches die R e i ch « p o fl* gegründet hat und auch weiter Hera »«gibt. Dieses Somit« geht sortwährend mit d-em B e t t e l s a<f Hern m u u d hat e » dabei besonders auf die Taschen des niederen Elerus abgeseben. Ta wäre e S unserer allerdings n n in a ß g e b l i ch e n Ri e i u n » g nach doch, w e i l b e i I e r, wenn H n t D r. Geßma » n da» G-e l d, welches er für so kostspielige Reise» a u S g i b t. der armen und g e l d bedürftigen .R c i ch s p o-|Y z u w enden würde. Tann brauchte man auch die armen Eooperaloren nicht fortwährend in Eomribulion;»„ setzen.- Oder gilt vielleicht auch für Herrn Tr. Geßmann der Ausspruch: Wasser ' predigen und Wein trinlen?"— Wir haben diese» lehr treffenden Bemerknngen der bekanullich gut ckiristlichen „Poliiiichen Fragmenee" nicht» beiznsügen — schreibt die belaunllich gut antifeiniliiche „O st d e u i i >l, e R » n d s ch a n" Unangenehme Menschen da»! sAppkU an die össcnllichc Mildlhäligleit.' Man schreibt UNS: Mitschlaner, gewiffenloser Berechnung suchen sich die Agitatoren der anlisemili'chen Bewegung ihre Werkzeuge nnler der halbieife» Jugend, der e» an selbstständigem Uriheil über die Zeit und die Verhälinine unbedingt gebricht, llniversuaishörer. zumeist unbemittelle Burschen, die früher oder später die Siütze ihrer Ellern und Geschwister sei» sollen, sallen in der Regel znerst den Verlocknngen und,f Anreizungen der Verführer znin Opfer. Statt dem Studium mit * allem Eifer und mit Ansdaner obznliegeii, widinen sich die Becherte» dein Bonzencullu», dem Enllii» deS Freibiet» und pflegen in ihrer Mitte den abscheulichste» Hang zum Müßiggang und;>»» Reid gegenüber den fleißige» Eonnnililoiien jüdischen Glaubens Wie bald geralhe» die Verflihrle» aus abschüssiger Bahn in Eollisio» mit den Gesetzen nild innffendie Sünden Anderer, die sich wohl weislich im sichere» Hinlergrnnde verberge», mitunter, ach, gar so lhener büße»', Tie Wortsührer jener Burschcin'chasteN, die ebenso »inlhwillig al« zwecklos die bekannte Büberei von der Ehrloseitiärnng jüdischer Sludirendee vcrösscntlichlen, sind von der akademischen Behörde grmaßregelt worden. Eine hiesige antisemitische Sänlndichan bemeikt dazu: „Viele trifft eine solche Maßregelung schwer, da sie ja doch Stipendium, Eollegiengeldbefreiung verlieren, Tinge, von denen vielleicht die Fortscvling und Bcendignng ihrer Studien ab hängig ist." Anstalt, daß »»» die Anlijemiteriche in ihre Säckel griffen,- ui» den Verunglücklcn zu helfen, enlblöden sie sich nicht, an da» öffentliche Mitleid für die Opfer zu appellire», d. h. >-on.->»«l«> m*>re die Well regelrecht anzuschyorren O, denlschk. Burscheiiherrlichkeik, wie lief bist du gesnnke», daß antisemistische Schriftleidunge» sür dich da» öffentliche'Erbarme» anrnseii. I)r. K. S. (Brrgani's Gkbahrnngals Blirgkrmciilcr udii Mübldors.)Ernst Vergani hat wegen der gegen ihn ans Anlaß feiner Gebahrung al» Bürgermeister von Mühldorf gerichtete» Angriffe »uninehr auch de» Herausgeber de» politische» Volksblaltc» „Der Grade Michel", Earl F i f s i n g c r, und de» Herausgeber der „Bezirkspost", Faro F r a » z - F e r r o n, beim Landesgerichte verklagt. (AiiSzng aus einer ucrboteiieii Flugschrift.» Ter poiii Pfarrer Deck er l cheransgegebene „Sendbote des h e j l i g c n I o s e p h" veröffentlichte einige Stelle» au§ einer-iu Teulschland erschikneiien, in Oesterreich jedoch verbotenen Flugschrist: „Auszug der Juden an» Egvvteu". Pfarrer Decke« wurde in Folge dessen vor einem Erlciilitnißsenate deS Landesgerichie» angeklagt und zu einer Geldstrafe von 50 fl. veruriheilt. 1 ,0-iiie lehrrkiche Jilscratciigeschichte.) Tie „Ostdeutiche Ruildichan", die sich in einer Pokemil mit Herr» G r e g o r i g befindet, erhielt von " Letzterem eine Berichtigung. in welcher es heißt: „E» ist unwahr, daß Sie feil Lange,» gegen mich eine Antipaihic hege». Wahr ist, daß Sie in Rnmmer 1«! der .Ostdeutsche» Rnndschan' vom 18. Junner 1891 einen Leitartikel brachte», welcher sich über meine Thinigkeil int 'Wiener Gemeiilderaihe zustimnlend aus sprach —' daß noch an denn'elben Vormittage Ihr Jnseratenageni Herr Atzler bei. mir i» meinem Gcschäfislocale erschien und unter Vorweisung des vorerwähnten ArtitelS mich »in ein Inserat sür Ihr Blatt ersnchlc." ^Tie. Sprache Gregorig's ist' hier klar nnd deutlich. Tie „Ostdeutsche Rundschau" aber gibt daraus solgende Vcrlcge»hkit»a»lw0lt: „Tie Juieratengeschichte verhält sich, wie »»S unsere Verwalinng miiiheili, etwa» andeis, als Hcir Gregorig darzustelleu beliebt. Herr Gregorig ist ielbst höchsipeliönlich in unserer Verwaltung erschieneil und hat wegen Aufnahme ieiuer Äuknndignng verhandelt. Tie Verhaiidlungen " scheiterten daran, daß Herrn Gregorig die Aiilündigniig zu Ihcucr schien, wurde» aber später von einein unserer Jnieralenagenien wieder ansgeiiomme». Das Inserat, von dem Herr Grcgorig wohl nicht lengnen wird, daß es seinem Ge schästsiiilereffe entsprach, wurde aufgenonime» nnd das Ericheinen desselben durch üblichen Vertrag sestgestellt " Der Zusanuneiihang zwischen dem lobende» Artikel und dem Abschluß des JnseralengeschästeS wird durch diese Entgegnung 'keineswegs alterirt. (Bcrweigcrtr Ausnahmc einer Berichtigung.) Ter Krakauer „Glo« R a r o d u" revroducirte die falsche Behauptung de« bochwürdige» Abgeordneten Ehotkowsli, der jüdiiche Religionslehrcr Dr. L a » d a u hätte au einer, dortige» Volksschule christlichen Schulkindern Religio»S»nterricht ertheilt, verweigerte aber die Ausnahme einer Berichligung deS Dr. Landau. Ter Letztere iah sich bemüssigt, die Hilse des Gerichtes in Anspruch zu nehme». Der Redacleur des „GloS Rarodu" tvurde nun zu einer vierundzwanzigstündigen Arrest strafe und zur Zahlung der GerichlSkosten veruriheilt; zugleich wurde über das Antiseinitenbla^ bis zur VerLffentlichung der Berichtigung die Sperre verhängt.

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