Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 210 (12.4.1896)
- Date
- 1896-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 210. Seit» 7 Freie» Blatt. 1890 bi» Oktober 1894. In diesem Zeitabschnitte warStöcklöcker der Nachfolger Bergani'« iin Bürgermeisteramte. Die Secretariat-gelchäste sthrte »er vorgenannte Bartl und nach dessen Tode der ehemalige Gemeinderath Harter. Auch aus dieser Zeit rühren Geldabgänge her, siir welche jetzt Herr Stöcklöcker auskommen muß. Hann dies eine Entschuldigung siir Bergani bilden?" Diese« Osterei scheint Bergani in eine bescndere Aufregung versetzt zu haben, denn nun fand er sich bewogen, gegei» dreizehn Personen wegen ihrer Aeußerungen über seine Gebahrung al« Bürgermeister von Mühldorf Ehrenbeleidigung»- Klagen bei dem Wiener Lande»gerichle al« Schwurgericht zu erheben, und zwar gegen Georg Schönerer und Earl I r o („Unverfälschte Deutsche Worte"), Alexander Scharf und Eduard Mayer („Sonn- und Montags- Zeitung"), Kranz A r u o s ch t und Earl H. Wolf („Ostdeutsche Rundschau"», Adolf Swoboda („Mit vereinter Kraft"), Carl Hrou („Resolmer"), Dr. Z. Bloch („Oesterreichische Wochenschrist"), Dr. Jnliu« Stern berg („Wiener Allgemeine Zeitung"), August Radi in «kn („Arbeiler-Zeiiung"), Kranz Stein („Ter Hammer") und A. Ohme (Bersafser eine« „Verganipiede«"). c (Jrredeutistische Frechheft.) Der „Deutsche Turiihorl", ei» i» Wien erscheinendes Organ da« antiseinitische» Turnerbunde», schreibt: „Es gibt »och kein Deutschland — denn da« heutige .Deutsche Reich' ist »och lange nicht Teutschlan». Da« heutige Deutsche Reich zählt rund 45, 'Millionen Stammes teutsche; fast 1b Millionen, also der Zahl »ach ei» Drittel der deutsche» ReichSbevölkerung, steht »och außerhalb eine« staatsrechtliche», aus veisassungSmäßigri» Wege z» schassende» Alldeuischland«. Wer daher da« Deutsche Reich at»Teutschland bezeichnet, begeht »inen völkischen, geschichtlichen und alldeutschen Jrrlhnm! Teil Feinden unsere« BolkSihum» mag e« sreilich genehm sein, weny »er deutsche Michel de» Rumpf .Deutsche» Reich' siir den ganzen Körper .Deutschland' bin» nimmt, aber keinem wahrhaft deutsch Gesinnte», ob dieser oder jener Partei , angehörig, darf e» einerlei sein, ob inan die an dar heutige Deunche Reich ringSui» aiiwohilknde» Deutscheu sozusagen vor de» Slops stoßt, indeui man da» durch die Siege de« Jahre« 1870/71 geschaffene Deutsche Reich al« gelchlosieue« 'Deutschland' bezeichnel; denn diese« Deutsche Reich kann nach den Grundsätzen j der Nationalvolitik nur al« die Grundlage sür ein, wa« die deutsche Ostmark! betrifft, aus — sagen wir — verfassungsmäßigem Wege zu - erstrebendes AUdeulschland im Sinnc de« Arndt'scheu piedcS: .Was ist der Tentschc» Pater ' Xante V* sein." (Rückständiges Gerümpel.). In einen, Osterartikel schrieb die von dem anderthalb Dutzend „Monstreversaminliingeil" al« „christliche« Blau" empsoblenc „Deutsche Zeitung". „Wir Deutsche sind au« unserer Faustiphäre »och lauge nicht heraus. Enistudirt aus Alles, was da« geistige peben der Ration dielet, erfüllt vo» alle» Errlingenschasleii freinder Völker — sind wir immer die alle» Träumer geblieben, die GeinülhSvirluoicn, d:e ein srommer Osterchor! vor dem Tode reitet. Ans uns selbst heranS, ohne die mildtbälige Mitarbeiter ichasl von Himmel und Hölle, ans dem innersten deutsche» Ich schöpsen, baden j wir al« Volk gar nicht recht gelernt. Was an u»S gerade nnd gesund >var,! baden allerlei angeborene und anerzogcne Uebel krumm und krank geschlagen. ' Mil der Bibel gedrillt, von Professoren gcstl)»ürl nnd gezwängt, von Phraienren j »ud Märchenerzähler» velsübrt, mit Hebräcrmoral geimpst — so tritt die | deutsche Jugend zum großen Theil aus de» össeiillichen Markt. Sei» ,!) Kindes j sinn. schwankt bald in Pietät, bald in platonischer HimnielSstiirmcrci. Mit; zwanzig Jahren wälzt er ivcllbejreiende Probleme und die Posting der sociale» Krage im Stopfe, mit vierzig fahren preist er resigniri die gute alte Zeit — j mit zwanzig Jahre» RllerwcllSdürger, mit vierzig Rosenkranzeouiervaliver. Aus Disziplin wird Geisteszwalig, au« amtlichei» «vilbrrrtbinu Dogma und Min-! rariSmns streiigster Observanz. Jede, und auch noch so verkehrte Sache sindct ' Priester »nd Bekenner, Förderer und Stampfer. Rur das Deulschgesunde, das '■ Deulschnalttrliche nicht. Und tarau» kommt der Faust'sche 'Wellekel, den die | Osterchöie heile», daher der Glaube an da» Besiere,'Zukünftiges nnd eine Auserstehung und ein Relldeginncn. ES bleibt beim Glaube». Hat keiner den Miiib, die Illusion zu zerreißen und endlich mit klare», Auge» in die Oslericnne zu schauen, hat keiner den Mntb, de» »instischen Stleintrai» überlebter Traditionen zu dem übrigeu rückständige» Gerümpel z» iverfen? Zu den Feierlagen stäubt inan aus, »nd die Hellsebende» sollte» mit Hand aiilege», das rückständige Gerilinvet au« der deutschen Volksseele zu räunieu." Ei» ergötzliches Siücklciir unsreiwilliger Komik gibt die „Reichs post" rum Beste», ivclche zum Osterartikel der „Teulicheti Zeitung" bewetkl: „Da haben wir ein Stück echt hebräischer Aufsassung des praktisch.'» EhristenthuinS, eine schiuähliche An staiibnng dcS christlich deutsche» VolkSthumS und seiner Eiilinroidnung! Das nnd die neuen .Heilo'Brüder, .ostdeutsch' in ihren Träumcreien. orientalisch in ihre»! Christenthumhaste und Phrasendrusch." tlii» iibkrslitisigcs „Sogar".) Ter Urleulone Mafaidek bietet der anlisemilischen keserivelt folgenden „losen Gedanken": „Wenn der BilinSki das . 'Bier verlheuert, wird sogar der .dumme Kerl von Wie»' aniisemilisch." Da» ..Sogar" ist Uberstüssig. Sonst spiegelt der „lose Gedanke" die Albernheit und Ungerechtigkeit der ganzeu Antisemilerei tresslich ivider. Heil Masaidek! (Aurelins Polzer iu llitgyadt gkfallrn.) Ter Mouiteur der Nnbcdiiigten thul kund und zu wisien, daß Aurelin» P o l; e r beim „besten Manne der Ostmark" i» Ungnade, gesälle» ist. Vergaß er sich doch soweit, dem „bestest Mqnne der Jetztzeit" während dessen AusentdaltS in Gca, zu huldigen, obwohl er weiß, daß die dem „Wiener Chamäleon" beschiedeiie Glanzzeit dem Vorsteher der Rosenauer Lult»«gemei»de nicht dehagt. Da« in den Besitz P o l o n « k >'» gelangte Organ meint, Polzer werde sich host'enllich zu trösten wisien, den» von Jene», die iu gleicher Weise i» Ungnade gesallc» sind, konime» die meisten nach einiger Zeit „zu dem wahrhasl erquickenden Bewußtsein, welchem »»würdigen Verhältnisie sie entronnen sind, nämlich die Trottelgarde eines D » in in k o p s e S gewesen zu sein". Für. Poloniki nnd Genosiel, ist e« ein wahre« Glück, daß die vor Jahren uiilernoiilincne nächtliche Expedition der Unbedingten gegen ein liberale« Blatt so schlecht ausgefallen ist »nd ihren, An sührer ein „Martyrium deS nüchlerne» GaumenS" nebst Verlust de» Ritter ritel» gebracht hat. E« gäbe sonst in der pinke» Bahngasse — deutsche Hiebe. Ta der gewiffen „Trottelgarde" diese Art der Argnmentaiion beuommen ist. wird sie sich voraussichtlich dadurch schadlos hallen, daß sie deinnächst verbreitet, Aurelius,Polzer, der germanische Dichter, habe früher P o l l i tz e r geheißen und sei ein leiblicher Vetter jene» Asieeuranzbeainic», der vor etwa Jahresfrist den Abgeordnete» Kaiser iniz der HuudSveil'che lraetiren wollte. (Gin antisemitischer Dichter.) Von eincin neuen Stern am antiscinilischen Tichlerhimmel weiß da» Prager „MomagSbtatt" zu, meldeirr e» schreibt: Der alS Zuckerbäcker und Rcdacteur oft und. oft genaniitt pandtagSabgeoitfieie I r a au» Eger, der feine Carriörc dem aUeinicligniacheuSe» AniiiemiliSin»« verdankt, hat einen Rivale» erhalten und wird fortan ans da» Vergnüge», als llnicui» aiigestaunt und bewundert zu werde», verzichten inusien. Schneider Meister Josef L i-e b l in R o ß h a u p l. welcher' durch seine Aiiiioncen iu Prager, auch nicht antisemitischen Blättern sür keine Erzeugnisse Reclame zu machen sucht, hat e», erleuchtet durch de» Geist deS Judenhasses, bi» zum Re.- dactenr n»d Herausgeber eine» Journals gebracht, dar er ,» seinen Muße ' stunde» — er erfreut sich derselben bei dem tcbbasle» GeschäsiSgange zui» größten peidwest'» aller Freunde poetischen und lournalistischen Geiinise« nur vielinat jährlich — in Roßhaupt erscheine» läßt. Durch Zusall kam un» die Frühjahr»- unk Soininkrnnnuiicr dieser „I l l n st r i r l e n Neuesten H c r r e » - M ode Nachrichle n" zu Gesicht, und wir köiiiien er uns nicht verkage», für nnsere peser eine Probe and Lei» reichhaltigen „waschechten" Inhalte derselbe» wiedcrzngebe». . I» einem schwungvolle» Gedichte, das de» Titel „Der Meister einst »nd jetzt" führt, wird ei» Vergleich gezogen zwischen der guten alte» Zeit, „wo christlicher. Sin» da» Thun aller peule beherrschte" und „ein Meister der Erste seines Standes war", »nd der heutigen, ganz von, Judeiilhum beherrschten Zeit, >vo „der eiizste»« gejnchlk, tüchtige Meister si.y blutig die Finger sticht" und „der mühsamen Arbeit Hunger nnd dem ehrlichen Stieben st,techt'chast zui» pohn wild", Denn elende Selaven seid ihr der Zeit. Gesunden bat ja ihre» Meister ' Tie ganze io lästige Christenheit: „Der jüdische Schachergcist" beißt er. ES geben die Christen sich selber ihm preis. Z»ni lüdische.i Händler sie lause». Der eigenen Brüder blulige» Schweiß 'Bekommt mau dort billig zu lausen. So sörkeru die Christel, da» Schwiudlerih:»» sind bringen da» ehrliche Haudweil um Gblt, >vi^ talentvoll sind uii’fic peui! l Deutsch volllichk Arbeit.) Man schreibt Der ^,Z II a I Ni e r Volk» boic", da» Organ-der Chiistlich Sveialen in Südmähle», forderte jüngst mit Rücksicht ans die bevolstcheudeu pandag-s- und ReichSralliSwahlen, daß ein gm christlicher, nalionaiilälen'reiindlicher nnd cbrcnhasler Mann als Candidat aus gestellt werde. ES sei driuglich, daß alle christlich iccialru nnd dem ch nationale,,. Wähler iin bevoisiebende» Slanipse treu zuiainineuhaltets. um die Macht der Volksfeinde zu brechen. Der oyene Stainvi sei der redlichste. Daraus anitvorlete du» in Brün» elicheineude deutsch nationale Blau: „Wir verlangen von „liieren Bewerbern, daß sie sich den,Grundsätzen der .Tenische» Vpltspanei in Mähren' anichließeii, und diese braucht feilte naltonalitäicusrenndtichen, sondern deutsch volklich gesinnte Männer- Wir wollen die l i b e.» a l e Partei »i ed e r> ringen, d i e C h r i st l i ch S o e i a I e n iv o l l e u e » auch; da der ernste Wille dazu vorhanden, müssen wir aus gleicher Grundlage st ehe»" Während die sogenannten Denlich Nationale» in Wie» iveuigstenS jo lhuu, als einpfändeu sie Reue, mit den Ehr.stlich Socialen nnd Cleriealen Hand in H>i»d gegangen zu sein,' machen ihre „GksiiinungS genosicn" in Mähren mit den F-eiilLe» drs DeiitichlhumS,' der Freiheit und de« ForlschrillS gemeinsame Sache, ui» de» deutsch liberale» Brüdern den Todesstoß zu versetzen. Tiefe mährischeu llrtcuione» scheinen die große Untugeud deO Germane», nämlich den Geist der Zwietracht, al» ersten und einzigen Programm - pllnkt zu Pslegeu, und die Cleriealen und Slave» i» Mähren reiben sich ob solch tolle» Gebahrens die Hände. (Aus dem Reicht der Gottesfurcht und frommen Sitte.) -- Vor Kurzem stand der Redacieur der „Hannoversche» Po st", Erich R o s« » t h a l (nicht Jude, sondern Antisemit), vor de», Schössengcricht z» Hannover