Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 210 (12.4.1896)
- Date
- 1896-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4886575-5439173-5439285--2604-4888972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6. Frei«, Blatt. Nr. 210. Standpunkt, drn dir Wähler dieser Stadt einnehmen, bedeutet einen starken Rückgang de» Jntelligenzau«maßeS. Da» drückt sich' auch in der entschieden provocirenden Art und in der steten Abnahme der Urbanität au». - Nur die in directem Verkehre mit den Fremden stehenden Leute beobachten noch ein wenig Rückstchten und schämen sich, in den Ton der im Schlamme de» AntiliberaliSmu» versinkenden Masse einzustimmen. Arme« Salzburg, du Sclavin der Schwarzen! (Eine zeitgemäße Pr»grammrede.) Das „Salzburger Bolksblall" bringt folgende Programinrede de« Wahlcandidaten Maier in S e l d w y I a, gehalten in der allgemeinen Wählerversammlung im „Krug zum grünen Kranze": Meine Herren! Ich danke Ihnen für Ihr zahlreiche» Erscheinen bei der heutigen Versammlung. Ich erlaube mir mich Ihnen al» Eandidaten vorzustellen. Zu meiner Freude sehe ich heute viele Anhänger aller Parteien und insbesondere auch solcher, die zu gar keiner Partei gehören, und so soll e» sein, denn ein wahrhafter Vertreter de» Bolle» kann nur derjenige sein, der von Allen gewählt wird »nd der es dann auch Allen recht macht. (Laute» Bravo.) Bo» diesem Gesichirpunlte au» entwickle ich Ihnen nun mein Programm. (Sehr gut.) Ein eigentliche» Programm ist e« allerdings nicht, den» wie könnte sich ein richtiger Bolksvertreter auf einige doctrinäre Sätze einschwörcn?! (Ganz richtig!» Für ihn kann nur das entscheidend sein, wa» von Fall z» Fall da» Volk will — das, wa» Alle wollen. (Lauter Jubel.) Da» aber kann ich Ihnen bestimmt sagen, ein Liberaler bi» ich nicht! (Allgemeine- Bravo.) Ich bin iveder ei» echter, noch ei» unechter Liberalex und da» ist, glaube ich, genug. <Ia wohl, ja ivohl.) Ich will Sie nicht länger damit, anfhalken, die Berderdlidiftit de» Liberalismus und die Lerworfenheit der Liberalen zu schildern, den» da» verstehen und glauben Sie Alle ohnehin so gut. ja besser, >vie ich. (Zustimmung > Davon also genug. Ich bin aber auch lein Elericaicr. Laute-Bravo der anwesenden Geistlichen.) Auch dir Clericalen sind auS der Mode, so daß sie selber nicht mehr io heiße» wolle». (Heiterkeit und Bravo ) Die Sache muß al>o jedcnfallbedenklich fein, oder wie der Dichter sagt, emuß etwa» faul sein im Staate Dänemark. Wie sollte auch Dänemark nicht zu den Deutsch Nationale» führen? .. . Schon mein Name — und dieser Name ist ererbt und nicht etiva nur anstatt eine» anderen behördlich aufgeklcbt — schon mein Name ist ein Programm- (Bravo, Bravo.) Ich heiße Maier, »nd das ist ein echter, unverfälschter deutscher Name, und io bin ich auch ein unverfälschter Deutscher! (Lauter Jubel.) Tamil ivill ich aber durchau» nicht sagen, daß ich mit" de» sogeiiaiintcn Deutsch- Nationalen durch Tick und Dünn gebe. (Ruse: Öko, Obo! Sehr gut! Bravo! Zischen und Applaus durcheinander.) Der Borsiycnde bittet, den Redner, der sich die Stirne trocknet, nicht;» unterbrechen. Der Redner säbrt fort: Damit will ich nicht gesagt lfaben, daß unsere Deutsch Nationalen io besonderschlimm sind. ,Heiterkeit., Sic vertragen sich mit denen, die nidit nur der Glaubenslehre, sondern auch der Politik derömische» Papstes mit Leib und Leben anbängen, ganz vortrefflich. und das gefällt nun dein Michael Maier, so-iolt c- »ein und bleiben, das »vollen wir, die nuversälichien Deutschen, lind den elenden Liberalen zeige» ivir die Feige. «Bravo, Bravo!! Damit babe ul, auch meine Stellung zniii Anliseinitisinnllargelegt: doch ich kann mich darüber nicht de- Weilen und Breiten ergehen, i>1> eile znni Schlüsse und sage kurz und gut: Jeder sehe aus sich selber und seinesgleichen! Wenn e-Jedem gm gebt, gehl cs Assen gut, und daist mein Programm. Darm». Standes und Berufsgenoffe», wählet mich, ich schaue am euch, und weil es auch den Änderen gut gehl, ivenn enns gut gehl, können und sollen mich auch alle Änderen wählen! l Allgemeine- Bravo: Redner wird "beglückwünscht und eiitft'inmig als Kandidat proclamirt'. Allgemeine Zlisriedenbeit » (Feichtinger'S grilllicher Adlällts.' In Allem und Jedem ccpirt der Grazer Gesiiinnngsbetd F e i ch l i u g e r den „bei'ien Mann der Illilzeit". Hat Lueger 'einen S ch e i ch e r. >o besitzt nun Lueger'» Nachahmer in Graz 'einen S ch e: 1 a » f Letzterer,, einer der Lehrer am Grazer snrsthischöslichen «naben,eminar. zicbt mit Feichlingcr in Sleiermarl herum: »in für Radau- Anlnemiterei Propaganda zu machen. Die „'Nationalen" Steinwender'scher j Fä:billig sowie die Ali-Elericalen sind von der Feichlingcr Schellaui'schcn Propaganda nichl >o»derliäi erbaut. > Slocker und Hammkrsttill., Der Borsitzendc einesconservativen Wahl vereinein Berlin, Oberst z D. « r a u > e, veidsicnllichte eine Broschüre gegen den Ho'prediger a. D Stöcker, welche in_ den «rcivn der Divoli- Sireiler großes Aussehen erregte. Auden von «rauie eitirleu Protokollen de- 'Et'er Ausschuss.- der cornervaliven Parte, gebt hervor, paß e- Stöcker war. welcher den Anträgen der Herren v. .'i r ö ch e r und v. L e v e tz o >v aus Aus schlikßuüg H a in ui e r ft e i n's ander comervaliveil Partei und dem Anträge des Freiberrn v. M a n't e u s s e!. da- Enralorinin der „«reuzzeitung" zur Sukpeiidirnilg Hammersteku's auftirfordern, am enlichiekensten opponirte, obschon ihm die gegen.Haminerslein vorliegenden Beschuldigungen längst bekannt waren. Naä> einer Berliiier^Eorre'pondcnz des ..Hannover schen EourierS" hätten die bochgestellien Hintermänner des Obersten «raufe noch weitere- Material gegen Stöcker bereit, dessen Pnblicalion ihm eine Tisciplinaruntersuchnug durch das Conpstorium, der er jüngst knapp entgangen war, zuzieben und die Aberkennung de- Rechte», zu predigen, zur Folge baden müßte. Der «amp» zwischen den Eonservativen und Stöcker verspricht daher immer interessanter zu werden. Seinen ersten Rechtfertigungsversuch unternahm Stöcker »och vor Ostern, indem er in einem Artikel der „Deutschen evangelischen Kirchenzeitung" auSführte: ES fei richtig, daß er am 18. Juni 1895 die Anträge bekämpfte, welche den Ausschluß Hammerstein'S au« der conservativen Partei bezweckteiz, doch habe er dies nicht gethan, weil er den Schuldige» hätte schonen »vollen, sondern weil die Beschuldigungen gegen ihn „noch nicht genügend geklärt" waren. Daß er den Professor Brecher,^der ihm „bedenklichen Mangel an Wahrheitsliebe" zum Borwurse gemacht hatte, erst verklagt hat, nachdem die Antragrfrist bereits abgelaufen war. daran trage, wie Stöcker in diesem Artikel betheuert', nur ein leidiger Zufall die Schuld; sein »Brief wäre rechtzeitig ausgegeben, aber der Staatsanwaltschaft zu spät in die Hände gekommen. Der gerichtsscheue Stöcker, welcher auch, die Drohung, gegen die „Tilsiter Zeitung", die ihn hrstig angegrissen hatte, die Anklage zu erheben, unter einem nichtigen Vorwände nicht au»gesührt hat, ur/ird aber dennoch bald vor Gericht erscheinen müssen, und zwar al» Angeklagter^Graf S ch I i e b e n hat ihn verklagt, weil er dessen Antrag, ihn aus der conservativen Partei auszuschließen, öffentlich al- „unverschämt" bezeichnet hat. Nebenbei bemerkt, stellt eS Freiherr v. M a » t e u f f 11 auf da« Entschiedenste in Abrede, daß der Hof der conservativen Partei nahegelegt hätte, Stöcker ein c-onsilium abeuoäi zu ertheilen. Stöcker'» Ereaturen, namentlich der ehemalige Wiener Geschäfirsocialist und gegenwärtige Berliner Geschäft» - antisemit Lberwinder, gefallen sich jedoch darin, den Hofpredigcr a. D. al« Opfer höfischer Lakaien hinzustellen. — Zur großen Zufriedenheit Stöckers fiel der P a r t e i t a g d e r L h r i st I i ch - S o c i a I e» Nord- und Ost deutschland« au«, welcher am 8. d. M. in Berlin unter Theilnahme von hundert Telegirten» darunter viele» Pastoren, stattfand. Der Parteitag, am welches» Stöcker den Vorsitz führte, beschloß unter Andercin, daß die christlichsociale Parteiagita^ion in erster Linie in den Städten ausgenommen werden müsse, daß mit allen Mitteln, namentlich die Arbeiterfrage, die Handwerkerfrage und den Frauensrage in christlich-socialem Sinne zu lösen seien, und daß dahin gewirkt werden solle, staatliche und coinmunale Instilulionen zu schasse», welche den Forderungen der Arbeiter, dir sich in sittlichem und materiellem Elende befinden, gerecht werden. Am Schluffe sprach der Parteitag Stöcker, „dem hochverehrten und geliebten Vorsitzenden, in dankbarer Anerkennung seiner ungebeugten Festigkeit gegenüber seinen Feinden an» dem conservativen Lager unbegrenztes Vertrauen" aus und gelobte, seiner Fahne „unerschütterliche treue Gefolgschaft" zu leisten. (Vom dollardurftigen Ahlwardk.) Der Präsident und dir Secrklär der Amerikanische nA n t i se m i l e n v e re i » i g u » g, die Herren I. Hess et und I. S ch w « r t se g e r, veröffentlichen in den „New-zssoik Timer" eine Erklärung, in »velcher sie Folgende» zur allgemeiuen «enmniß bringen: „Die Leiter der Perciliignng finden e» unverträglich mit ihrer Würde, noch länger irgeird ciue-Verdindniig mit Herrn A h l w a r d l zu ilnterhaltcn. Ahlwardt hat periönlich zu so vielen niedrigen Hilf-miltkln gegrissen, wie sie selbst für den ärmsten Hebräer zu niedrig sein würden. Er hat geradezu ein Gewerbe daraus g e in a ch l, ü b e r a l l, w o e r G c s i n n u u g - g e n o s s e n t r a ', G c l d c o n t r i b u l i o n c n sofort z n erbetteln. Obwohl ihm für jedes Auslreleii ein nettes Sümmchen bezahlt wurde, wozu noch eine freiwillige Bei stener in Brookli»» laut, die ibm allein 60 Psnud Sterling (1200 Mark» in einer Woche ciubrachr/, bchauplcle er sonwäbreud, in Geldverlegenheilk» zu sei». Bald sagte er, daß er seine Uhr hätte veretzen inüffen, oder daß seine Hotclrechiinng noch unbezahlt sei, oder daß Schuster und Schneider ans Bezabliliig dringen, und daß er darum Geld haben müsse. Wir gaben ihm auch iniiner neue Summen, bis wir endlich dahinter kamen, daß diese L e r e i ii i g n » g v o u A h l iv a-r d t nur gegründet »v u r k e, u in i h in bei feiner Ausgab e, Geld; n machen, dienlich zu sei n." Aus antisemitischen Blättern. (Gill Osterei für Vcrgaui.) Tic „Ostdeutsche Rundschau" brachte in ihrer Osternuinmer ein „Einge>eilde:" von Franz A r n o s ch i, welches sich neiierdiiigmit der Wirkiamleil Ernst Vergani'S als Oberhaupt der Gemeinde Mübldors beschäftigte und unter Auderm geltend machte: „Die Abgänge in der Mübtdorsec Gemeindecasse fallen in diei Zeitabichiliilk, und ztvar: 1 Von 18?2—1887. In dieser Zeit war Vergani Bürgermeister, Gemeindeschreiber. Ea'sier und Rechnungsführer in einer Person. Jeder «reu;°er Gcincindegeld floß in Bergani's Hand, jeder Buchstabe, jede Ziffer in den Gemeindebücheru ist , van Bergani's Hand. Und in diese Zeit falle» die einzig und allein den Ernst Vergani belastenden Abgänge. II. Von 1887 bi- Mine 1890. In dieser Zeit war in Mühldorf der Gemeindeiecretär Bartl angestellt.' E» muß aber festgeslellt werden, daß auch i»i diescin Z:it abschnitte die Vermögen-ausweise und o>eineindcrechnnugen van Vergani geschrieben und niilerschricben sind und den Vcrinerk enthalten, daß Alles in Ordnung befindlich fei. Zum aüermindcsten trifft affo den Vergani bezüglich diese- Zeitabschiiittc» der Vorwurf der Berletzung seiner augelobten Aint-vfficht. und er müßte sich, wenn, er Gewissen hätte, de- Rechtebegeben, in seinem .Deutschen Vollsblattc' die Wirthschast der Gemeinde Wien und anderer Ge meinden einer abfälligen oder belehrenden Kritik zu unterzieheu. III. Von Milte