Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 210 (12.4.1896)
- Date
- 1896-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 210. freies Blatt. Seite 5. thätigkeit der jüdischen Meßfieranten ans allen l’iiübun, ihrer Einkäufe und Berkäufe, Förderungen und Beschränkungen, sowie der Gestaltungen der Messen, bis dahin, wo die alten Bornrtheile wichen und eine Gleich stellung der jüdischen Kauflente mit de» christlichen auch hier die letzte» Spuren von unserer Zeit nicht' mehr entsprechenden Einrichtungen verwischte. (Bo»I Stuttgarter Antisemitenführer.) Dieser Tage brachte der „Beobachter" in Stuttgart unter den, Titel „Europäisches Sclavcn leben" Mitthcilungen, die auf gewisse Personen und Zustände ein merkwürdiges Licht fallen lassen. Ein stellenloser Einwohner, Haupt einer neunköpfigen Familie, der in Bedrängniß gcrathen war, klagte einem Herrn M. seine Roth und bat um Hilfe. Diese sollte ihm auch zutheil werden. Zunächst versuchte sich Herr der achtzehnjährigen hübschen Tochter des bedrängten Mannes direct;n nähern, nntz als'cr mit seinen Werbungen kein Gehör fand, ging er zur Behörde und betrieb die Ausweisung der Familie : ebenso veranlagte er deren HanSwirth, wegen des MicthrückstandcS mit Ermission zu drohen. Dem, Familie» vatcr aber bezeigte er seine Thcilnahme dadurch, das; er für den Fall seines Wegzuges von Stuttgart eine monatliche Subvention von zehn Mark unter der Bedingung bot, daß das Mädchen in Stuttgart unter seines, des Herrn M., Aussicht bleibe. Er legte den Eltern und der Tochter einen Vertrag zur Unterschrift vor. der unter Anderem bc stimmte: „Tic leiblichen Eltern von Fräulein E. sollen Verzicht leisten aus alle Elternrechte, die ans Herrn '_W übergehen. Auf Grund derselben soll M. das Recht haben, Fräulein E. jederzeit bei ihrem Arbeitgeber nnd in ihrer Wohnung anfznsnche», wobei sic sich seinen Anordnungen nnd Unterweisungen in jeder Weise zu fügen hat." Beide Thcilc sollten sich chrcnwörtlich verpflichten, den Vertrag nicht zu ver osscntlichcn; insbesondere soll der letztere vor Frau M. (Herr M. ist nämlich verheiratet und Familienvater!) streng geheim bleiben. Am Schlüsse hieß cs: „So geschehen unter Verzicht ans die Einrede der )lcberrcdu»g, des Irrthums oder der Verletzung." Dieser „Vcrttag" tollte an zuständiger Stelle noch beglaubigt werden; die Eltern und das Mädchen verweigerten aber die ‘ Unterschrift, nachdem sic von letzterer Seite über die Bedeutung des Abkommens aufgeklärt worden waren. Darauf schrieb Herr M. einen Brief, in dem er darüber jam inerte, daß „Undank und Unverstand der Welt Lohn ist für alle edlen Thatcn der Barmherzigkeit nnd christlichen Rächsteiilicbe"., Es wäre aber bodj. schade, fügt die „Frankfurter Zeitung" de» Mittheilungcir des Stuttgarter Blattes hinzu, wen» der 'Raine des frommen Wohl lhätcrs -er Rachwclt verschwiegen bliebe. ES ist dies der Privatier Paul Me»er, Führer der Stuttgarter Antiscinitcn. Was wird nun der sittenstrenge Stein wen der zu diesen so hinterlistig geplante» Eingriffen in die Rechte von Mitmenschen sagen? (Bom Christenhaß der Inden.) Die Heilung „Skraina" von Taschkcnd (Ecntral Asien) brachte kürzlich folgende . Mitthcilnng: „Tic Katholiken nnscrcr Stadt besitzen weder Rirchc noch Egpellc. o» der Erwartung dcS Besuchs des katholischen Bischofs voil Wladitäwsta, der einige Wochen in Taschkcnd zubringcn sollte, suchten die Ratholilcii nach einem Gebäude, das provisorisch zur Eapellc uingewandcli werden konnte nnd woselbst auch für den Prälaten nnd sein Gnolge eine Wohnung hcrgcrichtet werden sollte. Das Haus des Inden Isirac Wadicw wurde für dasjenige erkannt, das sich zn diesem Zweck am besten ejgnctc. Wadicw weigerte sich, sein Haus zu verinicthc», wollte indessen dem katholischen Enltus und seinen (betreuen unentgeltliche Gastfreundschaft anbieten. Diese mußte» sich in diese, liebenswürdige Bedingung finde». Ani Vorabend seiner Abreise dankte der Bischof dem Wadicw von der Höhe der Ranzel herab und erbat de» göttlichen Segen für ,alle guten Leute, ohne Unterschied des Glaubcns, die den- Pfad des Guten wandeln'?' (Afrikanische Weisheit.) Der Rcgnö von Abyssinic», MenelU, hat an den englischen Missionär F. S. R. E lartc eine» vom I Fe bruar datirtcn Brief geschrieben, aus dem, mit Rücksicht aus die in Europa grassirendc Judcnhctzc, folgende Stelle hcrvorgehobe» zu werden verdient: „Was Ihr das Alte Testament nennt, ist ebenso wahr wie das Reue, nnd was darin steht, muß von denen geachtet nnd gehalten werden, die Jesus und den von den Propheten verkündeten Aposteln folgen. Ricmalö hat Jesus das ewige Merkzeichen seiner Racc ab geschafft; denn er selbst ist ihn, am achten Tage von seiner heiligen Mutter unterzogen worden. Wenn man daher das unterdrückt, was Gott allfgcstellt hat ,von Zeit zu Zeit nnd von Ewigkeitzu Ewigkeit', so schwächt man den Glauben und gibt ein Schauspiel, wie cs die Ehristen Europas geben. Sic üben Gcwaltthätigkcitcn nicht allein draußen, sondern auch bei sich gegen die Juden, die trotz alledem christ liche Seelen sind und denen wir unseren Heiland verdanken. In meinem Reiche gibt eS deren mehr als 300.000, und die sind, obwohl sic in fast vollständiger Unabhängigkeit leben, willige und arbeitsame Unterthanc». Sic stiften nie Verschwörungen an, zahlen alle Abgaben nnd achten nnscrcN Abuna (.das Sberbaupt der äthiopischen Rirchcl ebenso wie die Ehristen. Wenn sic in Europa sck,»echter sind, so kommt das daher, daß dort auch die Ehristen schlechter sind. Unser Herr Jei'n hat ihnen am Rrcnzc verziehen, weshalb werden sie also noch verfolgt? >sic freilich verfolgen sie nicht: mögen die anderen Ehristen Europas xchiicn nachahnicn! Was Euch noth lhnt, iu, wieder zu »niercin Gott znrückznkchrcn, alle seine Gebote zn achten, nichtmehr Moics und die Propheten von den Aposteln oder den bciligcn Petrus vom heiligen Panlns zn trennen " Zur gewerblichen Bewegung. Wir crsnchc» alle wahrhaft freisiiiiligen Bürger unserer Stadt, dem im Iiiseralciithcilc »»scrcs Blattes bcsiiidlicheu Berzcichniffc christlicher Gewerbttreidciider, die sich zur Sache des Freisinns und der Rechtsgleichheit bekannt haben, ernste Ausinerksainkeil zu schenken inid diese wackeren GrsinnnngSgenosscii nach Möglichkeit zn unter stütze»! <M k Technologisches Grwcrbc-Miiscuiu.) Tcr XVI. Iahnsderich, dieier A»stall für die Pflege der technischen Seile der Gewerbe, welcher soeben zur Versendung gelangt und Iederuiann auf Wunsch .»»entgeltlich zur Per fiigung fleht, geivahrl einen timblicf in die Srganisalio» und Verwaltung dr» in überraschender 'Weise - sich entwickelnden Institute-. Tie Wirkfainkeit der Technologischen Gewerbe Mnselunr erstreckt sich hauptsächlich »ach folgenden Richtungen : l. Fachschulen und S v e c i a l ■> V e 1) r c » r j efür die praktische nnd theoretische Ausbildung in verschiedenen gewerblichen Richlnngcn. Hiebei ist als Aeuerrichning in, Jahre I.A'5 die höhere Fachschule für angewandte P h n s i l hervoiznhebrn. 2. U n t e r s n ch »n g s- und B er f u ch S a n fta l t eu für die Prüfung verschiedener Rohstoffe, Halbfabricate nnd Prodnele i» Beziehung ans ihre cheinischcn itnd 'nicchanisch-technischen Eigenschasten und für die Ermittlung neuer oder die Verbesserung bekannter Pro . diictionsverfahre». Hichcr gehört auch der technische E o tt s » l tä r u » g » dienst zum Zwecke der Legulachlnng von neuen Versaheungsweisen und ganzen Betriebranlagc» sowie für die Empfehlung von Bezugsanellen n»d de» Absatz erprobter technischer Behelfe, dl. Technologische 2 a in in l u n g e » und die mir denselben räumlich vereinigten 2 a »i in I u ug e n des Museuni» der Geschichte der österreichischen Arbeit. 4. Tie Erccntlve der vom l.st. Handelsiniussterium ressorlirendcn Aleingeiv e r b e s ö r d e r u u g, zn deren Durchführung bereit« ein ganz betculender Apparat nolhwcndlg ist. - Ta» Institut bietet in allen seinen Theilen ein Bild enrsigster und erfolgreicher' Thäligkeit. Tie Frequenz ist ilus!>l«>'gestiegen. Tie den Schüler» von ver schiedeucn Seite» zngewcndelen Stipendien-nnd Unterstntzringe.n erreichte» eine Gesaniintsnmnic von. fast 2l.«»0O fl. Tie Einnahme an Sckmlgeld betrug »al,e;n t.<>0»«J fl, trotzdem circa 10 Perccnl der Schüler von der Schulgeld zahlnng befreit sind. Ebenso wachsen die Einnahinen an Taren für Unter snchungen und Gnlachte» von Jahr zu Jahr. Ta» Musern» Zählte Ende lS!if> Angestelkte, und zwar standen in -Verwendung: 2«: technische Beaiine, ei administrative Beamte, I l Werlnieister, Vorarbeiter, Laboranten und Ma schinisten. >!>. erlerne pehilräfte, l Portier, I! Tie »er, - Heizer,- Taglöhner. 2lus akktlsemitischen Vereine,) und!)ersainmlungen. »Tic christlich-sociale Propaganda in Niederosterrrich und Galizien.) I» H a i » b » r g a. :b. Tona » constiluirle sich vorige Woche ein Antiseinilen verein christlich socialer Färbung, dessen Ansschnst vier Bedienstete der k. k. Tabakfabrik angrhören. In Riederösterrcich stoßen der Bestand der allen und die Errichluiig »cncr AgilalionSherde der AnUsemiierei ans keine Schwierig keilen. Tagegen koimlc Pater S l o j a l o >v.S bi bei der k k. Slatthallerei in Lemberg die Genehmigung der Slatnlen eine» christlich,'ocialc» Vereine« nicht erwirken. (Salzburger Gemeinderalh.) Am 7. d. M. fanden in Salzburg die Geineiltdeergänzmigsmahle» an» dein zweiten Wahllürper statt. Die airlisemilischeti Eandidaien.Wenzel Dick, Proseffrr a» der Slaalsgeirerbeschule, Aaufmann Adolf Stainer, Advocat Dr. Julius Sylvester und Tomcapitnlar Tr. Balthasar A a l t n e r wurden mit großer Mehrheit gewählt. Am Wahltage erschien, wie eine Depesche deS hiesigen christlich-socialen O.rgans berichtet, niemand Geringerer al» der Psaidler G re g o r > g äu» Wien i,n Agitationslocale der Salzburger Aiitisemilen, woselbst ihm Dr. S y l v e st e r »np Dr.W i d in a n » die HonnenrS-machten. Gleich und gleich gesellt sich gern... Von befreundeter Seite wild uns an« Salzburg geschrieben: Es ist nun kein Liberaler mehr in der Vertretung der Saison- und Fremdeustadt Salzburg! Der engbegrenzte