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Freies Blatt · 1896-04-05 · 209 (5.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
209 (5.4.1896)
Date
1896-04-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 209. jjreU» fasiungSmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung erlassene UkaS, bctrcfscnd die Verwendung jüdischer Lehrkräfte an den Berliner Gemeindeschulen, rief, >vie bereitgemeldet, einen Protest der Berliner Stadtvertrctung hervor. Auch eine Versammlung de- „Ecntralvcreincs der deutschen Staatsbürger jüdischen Glauben-" beschloß in dieser Angelegenheit ciue entschiedene Protestkundgebung und beauftragte den Verein-Vorstand, eine Vorstellung an den Kultusminister;n richte». (Paasch gegen Langen.) Gegenüber der Erklärung de- Freiherr» v. Langen, welcher Earl Paasch al- „geisteskrank" be;cich»ctc, bringt der Letztere zur allgemeinen Kcnntniß, daß ihn Freiherr von der Lanckcn-Wackeniy im Aufträge Langen'- znni Zweikanchfc hcran-gcfordcrt, er aber erwidert habe: „Nachdem Herr Freiherr von Langen mir gegenüber sein Ehrenwort gebrochen und mir in nnguali sieirbarer Weise zwei Jahre und mehr meines Lebengeraubt hat. kann ich denselben vorläufig für sati-saction-fähig nicht erackitcn. Da ich mcinc Angelegenheit mit Herrn Freiherr» v. Lange» den .für denselben, zuständigen vier Ehrengerichten unterbreitet und mich denselben zur Verfügung gestellt habe, so muß ich die Untcrsuchnng und den Spruch dieser Gerichte abwartcn. Erst »achdcin da- Urklicil derselben in einer für Herrn Freiherr» v. Langen hinreichend günstigen Weise an-gefallen ist, kann der Frage eines ZwcikainpfcS mit dcnisclbcn nälier getreten werden." Einen, den man für geisteskrank hält, zni» Zweikampfe hcransfordcrn zu lassen, wäre, sagt Paasch, eine „große Widcrnatür lichtcit". Gegenüber Herrn v. d. Gräben Ar.cnstein, der ihn Lüge» gestraft hat, erklärt Paasch: „Lch balle den i» der Broschüre geschilderten und von Herrn v. d. t^röbcn Arciistein bcftritteucn Dhat bestand Wort für Wort aufrecht und hoffe, demselben vor de» Ehre» gcrichten, bei dcnc» »icinc Angelegenlieik mit Herrn Freiherr» v Lange» schwebt, cinwandfreic Mengen grgcnübcrstellcn zu können, zu dciien sich Herr v. d. Grobe» Arcnstci», auch in nicincr (Gegenwart, in ähnlicher Weise wie mir gegenüber besorgt über den Lebenswandel de- Herrn v. Langen ausgesprochen hat." <2ic schonen auch feine Gräber.» Die antiseniilisckic Berhetznng bar in Preußen wieder cinnial eine nette Frnchr gezeitigt. Die „Ebers waldcr Leitung" berichtet: „Ein ruchlose- Bubenstück ist aus dem hiesigen jüdische» Kirchhofe verübt worden, Zwei Grabdcnlmäler sind »nigeworfcn nnd lhcilwcise zertrünnnert worden. Es wäre sehr be danerlich, wen» cs nicht gelingen sollte, de» Dhäter zu crinittel»: die jüdische Gcuicinde bat eine Belohnung voii 100 Piart für die Ent dcckung desselben ansgcsctzt." (Ter <yrtll Seblntief.) Bor der B reSl a n e r Slrastainincr fand dieser Tage der Prorcß gegen de» als Antiseniilen bclannicn l^raveur. Fritz Scdlatzck nnd dessen Bruder Paul statt. Beide waren wegen Betrüge-, der Letztere noch wegen Wucherangcllagl. ivrie Scdlatzct war nach der Schweiz entflohen und von dort nach dein deutsch schweizerischen Vertrage zur Aburlhcilung. ivegen Betruges au-gelicfcrt worden; die Anklage wegen Wuchers tonnte dein Auslieferung-Verträge gemäß gegen ihn nicht crbvbcn werde». Die strafrechtliche Berfolgung ' gegen da- Brüdcrpaar wurde cingclcitet, weil sich Beide die Unerfahren heit und de» Leichtsinn Minderjähriger zu 'Anneu gemacht baben. Die verschafften sich Bcrmögciisvorthcile, indem sie jungen »»reisen Burschen Waaren zu unglaublich bobcn Preisen verlanslen und sich Dchnldscheinc über die Beträge ausstellen ließen. Es waren 4." Mengen nnd sechs Sachverständige geladen. Unter den Zeugen befände» sich junge Stu .dircndc, Kairslcntc, Apotheker; ferner stellte» verschiedene „Fähnrichs pressen" und ähnliche Anstalten ein bedeutendes Eontingcnt der Kund schaft. Unter Andere» ivare» zwei junge Prinzen SulkowSki erschienen, von denen einer bei den Thilc'schcn Husaren dient. Die Ge schäftsmanipulation der Betrüger.war folgende: L» der ersten Etage des, Scdlatzct'schen Hansewar ei» besonderes Zimmer für den Verkauf von „Studenten-- und SffieicrS BedarfSartileln" vorhanden. Die jungen Leute wurden in der Regel durch Verabreichung geistiger Getränke in eine animirtc Stimmung versetzt, um sic zu geradezu nnsiunigcu Kaufabschlüssen geneigt zu machen. Gewöhnliche Spazicrstöckc, welche jeder Hansircr für 50—7:') Pfennige verkauft, berechnete ei» ccd lavct mit 25 Mark. Auch hübsche Bertäufeiinncu waren angcstellt, vor denen die stolzen Herrchen natürlich als zahlungsfähig erscheinen wollten. Da- Geschäft wickelte sich meist sehr glatt ab. Die Kunden waren häufig noch nicht 18 Jahre alt. Nach kurzer Zeit cmpsiugen sic Mahnbriefe unter der Drohung, den Eltern Mittheilnng von den Ankäufen zu machen, wenn die Bezahlung nicht erfolgte. Die jungen Herren besaßen keinen Heller: sic hatten die gekauften Gegenstände -thcilversetzt oder verschenkt. Um den Gläubiger zu beruhigen, mußten die leichtsinnigen Bursche noch Wechsel unterfertigen, deren Betrag der Kanfsnuimc zngcschricbcn wurde, spritz Scdlatzck bestritt alle ihm zur Last gelegten Uebcrvorthcilnngcn. Er versicherte, die besten Waaren geliefert und meist weniger für dieselbe» genonimen zu haben, als sic L l a t t._ _ -eite 5. lucrtl) waren. Paul Scdlatzck vcrantsvortetc sich dahin, er habe genau die Aufträge seines Bruderansgeführt und trage daher keine Schuld. Der Staatsanwalt beantragte -gegen Fritz Scdlatzck wegen Bctrngedie höchste Strafe von fünf Jahren Gesängnist und Elneverlust ans dir gleiche Dauer, gegen Paul Sedlatzckivegcn Beihilfe zum Betrüge .und verschleierten Wucherdrei Lahre Gefängniß nnd fünf Jahre Ehrverlust. Der Gerichtshof sprach die beiden Angeklagte» schuldig und verurtheiltc /Vritz Scdlatzet zu drei Lahre» l^efängniß, fünf Jahren Ehrverlust und 1000 Mart Geldstrafe. P a n l Scdlatzck zu eincm Lahre t^cfäiigniß und einem Lahre Ehrverlust. Zur ^cirvrblicben 23c*u\\siiius. Wir erfuriicit alle wahrliast frcinmiigcu Bürger miferer Stadt, dem im Ziiserateiitheile unsere- Blattebesiiidtichen Verzeichnisse christlicher Gewerbetreibender, die sich zur Sache de- Hjreisinnnnd der siiecht-gleichlieit befannt haben, ernste Ansnierksanikeit zu schenken nnd diese wackere» Gesiunuiig-genossen nach Möglichkeit zn unterstützen! > (Tic Handwerker für die Gcwcrbcnovellc.i Bergangencn Sonntag hielt ter^berufSgenossenickaslliche Perei» der Handwerker und Albeiler für Niederösterreich ciiif Beriaiiiinlung ab, zn mcl-ber zahlreiche Delegirte aus der Provinz kingelrosscii waren. ivurde eine Neiolinion beschlösse», welche im Gegensätzezu dem jüngst ii» Natbbau'e abgebalteucn aiitilibcralen Handwerker-Meeling die in der Geiverbcncoelle dein Handwerke gemachten Zugeständnisse anerkennt »nd an den perniaiitiuen Gewerbeaus!chrst die Bille richlel, bei Beralhnng dieser 4>o»eUe die Beschlüsse der Grwerbeeongresse berücksichtigen ,ch wolle». Tie Bersaininlniig sprach wkilerS dem HandelSininister Baron Glanz de» Dank iür sein Eintreten in alle» das Lmereffe deLAlcingewerbelreibenden betreffenden Fragen aus.;. lZur Crflniiifntioii des Handwerkin TcutsthlanS.k Wie die „Norddeutsche Allgeincine Zeilung" ersähr«, dürste — gewissen letzter Zeit absichtlich verbreiteten Gerüchte» zuwider — der Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks noch vor Ablaui der Tsterwoche abgeschlossen und »»mittelbar nach den Feiertagen dein StaalSmittisteriiim nuterbreitet werden. 2lus antisemitischen Vereinen und!)ersannniunaen. (Ter Slilim im Wasscrglasc. i Wie Ivi: >clien wiederholt bemerkt, vergöuucu sich die deutsch nationalen und christlich 'ocialen Aiilisemiteii jetzt — »achdei» sic gemeinsam den ,'iarrcn de-; ElcriealiSmuS vorwärtsgezogen — wieder cinnial daS harinloie Bergnügen einer scharfen Auseinandersetzung über an gebliche Prineipicn. Am 27. Mär; »and beim Wimbergcr eine Bcrsaninilung dcS „B e r e i » e S der T e u l s cii - stl a l i o u a I e n“- halt, in welcher es zu so stürniiiclien Seenen kam. dast sie vom NegierungSvenreler aufgelöst wurde. ES waren zur Bersaniinlung die Abgeordneie» Tr. Lueger, Tr. G e ßni a u u, Gregori g, H a u cf und P a ch e r erschienen. .H. y. Wolf ergriff alS Vorsitzender und erster Redner das Wort nnd wandte sich in hestiger Weise dagegen, dast die antisemitische Beivegnng ins cterieale Fahrwasser gelenkt werde. E> erhob gegen Lueger die stärkste» Angriffe und sagte, die deutsch-natioüglest Gcmeiiidcrälhe würden immer aut der Wacht, sein, um alle Gelüste der'Ehriiüich-Soeialen zu hiiuerlreiben. „'Wir ivollen das Eoncordal . in gar keiner Form," ries er' „wir werden eS nie zngebcn, dast die freiheitliche» Errnngeuichasten von Pcrrälhern znin Schade» de- BolkeZ preiSgegeben werden, wir sind gegen jede Mnckerci und werden n»S Hierzu >!»tlcnlrägcrn erniedrigen!" Während der Rede Wols'S haue Abgeordneter G r e g o r i g in . seiner bekanillen Weise, lebhaft gcstienlirend, einen Zwischennis gemacht, nnd alSbald ninringle ihn eine große Anzahl Teutsch-Aalionaler und wollte ihn zum Perlasien deS SaalcS zwingen. Nur mit Mühe gelang es, die Ansgerrgten von ihrem Bochaben abzubringen. Hieraus erhob sich, bleich und sichtlich erregt, Dr. L u e g e r. Ein Thcil der Bersamnilung begrüßte ihn, ein anderer Theil zischle heilig. Lueger versuchte zuerst in hnmoristi'cher Form über den Kern der gegen ihn erhobenen Angrisje ltziiwegzuloinme». Ec bemerkte aber bald den Mißinulh der Bersammelle» und erging sich nun in Allgemeinheiten: AlS Führer habe er nicht da» Trennende, sondern daS Einigende zu suchen; e» scheine ihm nicht richtig, Ln einer Zeit, wo der Gegner »och nicht getödtet sei, Streit hcrvorzuruse». Er suchte seine Anwesenheit an der durchaus clericalen Ainsteltcner Persainmltnig zn entschulbigen und den Tcutsch Nationalen klar zu machen, dast die Clericalen nicht so schlimm seien, als Lene glauben. Den Deutsch-Nationalen w ä re e S s e h r r e ch t ge w es e n, d a ß s i e

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