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Freies Blatt · 1896-04-05 · 209 (5.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
209 (5.4.1896)
Date
1896-04-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 209 's c / Frei»» weise, indem er den vorliegenden Entwurf durch einige verschärfende Bestimmungen ergänzte, welche dem gegenwärtigen ungarischen Gesetze entnommen sind, so die wichtigen Zusatzantrügc, daß die Emballage nicht in die auf der Waare bezeichncte Gewichtsangabe einbezogen werden dürfe, fcrner daß für die natürliche Schwcnduug bei gcwisicn Artikel» der Bcrkäufer nicht verantwortlich gemacht werden könne und daß darüber, ob die Schwenkung auf natürlichem Wege cingetrctc» fei, in zweifelhaften Fällen Sachverständige zu vernehmen feien. Wie all die erwähnten Anträge und Gesetzentwürfe wurde auch der Regicrungsantrag über die Regelung des Umfanges der Bcrcchti gung einiger Detail-HandclSgewcrbc von der Majorität des Hanfes angenommen. Die ewigen Klagen einzelner BcrnfSzwcigc der Handels gewcrbe gegen den sogenannten Gcmischtwaarcnvcrschlciß gaben zu diesem Gesetze den Anlaß. Bei dem Umstande, daß der Gcmischtwaarcnverschleiß einerseits bei den heutigen VcrkehrSverhültnisscn, und zwar bei den städtischen so gut wie bei de» ländlichen, »nn einmal schlechter dings nicht zu beseitigen ist, andererseits aber die ganze mühselige Ab grenzung der übrigen Händelsgewcrbc rein illusorisch macht, gebührt dieser Frage eine gcwisic zeitgemäße Bedeutung. Die Regierungsvorlage Verlangte nämlich, daß der Umfang der Detail HandelSgcwcrbe mit geringem Wäarcnvorrathe und localem Betriebe (Gcinischtwaarcnvcr schleiß, Greisler-, Fragner- und Höckergcwcrbc, Bictnaliciihandcl n. dgl - im BcrordnungSwege geregelt werden könne, und das Abgeordneten Haus gestand, indem eS diesem Anträge zustiinintc, damit sein Unvermögen ein, in den verwickelten Fragen der gewerblichen Abgrenzung 'ein ruhiges Urthcil zu fällen. Der Abgeordnete Dr. Kronawcttcr sprach gegen dieses Gesetz schon aus rein coustitutioncllcn Bedenke», indem dadurch ein Recht der Gesetzgebung für alle ewigen Zeiten aufgcgcbcn iprrde. Wenn inan schon den Detailhandel cinschrünkcn wolle, dann solle daS Berzcichniß dxr Waarcn, welche in Zukunft gehandelt werde» dürfen, durch das Gesetz bcstiinint werde». Der Staat mische sich hier in einen Eoncurrenzkainpf ein, der ihn eigentlich gar nichts angchc. Alle diese Eoncurrenzküinpfc hätten etwas Abscheuliches und Häßliches an sich, etwas, was gerade an die Thicrnatur crinncrc. Das Raub thier komme hervor. Wenn Jemand sicht, der Andere verdiene etwas mehr, so muß cs ihm weggenominen werden.. Der Staat habe keine» Beruf, in diesen Kampf cinzugrcifen, bei dem cS sich um die klein lichstc und schmutzigste Art dcS Brotneides handle. Die Gemischtwaarcnvcrschleißcr seien arme Ocutc, die in den kleinlichsten Verhält nissen leben, und diesen wolle man das Recht wcgnehnicn, Bier vcr kaufen zu können Gehe cs den Wirlhc» etwa schlechter als de» armen Gcmischtwaarenvcrschlcißern'? In de» letzten 14 Jahren sind in Wien nur vier neue Wirthsgcwcrbc verliehen worden, die Bevölkerung ist aber um 23 Percent gewachsen. Daraus ist zu ersehen, wie die Eoncurrenz der Wirthc eingeschränkt und wie ihr Geschäft bester ge worden sei. Wenn die liberale Partei trotz dieser Borstcllnngen für die Re gierungsvorlage stimmte, so bewies sic damit, wie Unrecht man ihr thut, wenn man ihr nianchcstcrliberalcn DoctrinariSinuS vorwirft. Sie hat sich, fast möchten wir sage», nur zu viel den zünftlcrischcn Ideen und Forderungen des kleinen Mannes angepaßt und sucht ihnen mit dem besten Willen gerecht zu werden. Sie verdient darob wenig . stcnS von Seite der Kleingewerbetreibenden keinen Tadel, auch dann nicht, wenn eines Tages sich hcransstellc» sollte, daß die angeblich zum Schutze der Kleinen und Schwachen erdachten und angepricscncn Maßregeln weit eher den Starken zugute kommen. Die Berantwortnng hicfür ist eben auf Jene zu werfen, welche den gesunden Sinn dcS Bottes bis zu der heute gediehene» unübersehbaren Bcrwirrnng cor rumpirt haben. Daß das nicht die liberale Partei war, weiß Jeder mann. (Zur Biirgcrmeistcrwahl.). Am 30. Mürz wurde folgendes Eoinniuniquö veröffentlicht: „Da eine Anzahl von Gcineindcrüthcn anläßlich dek Osterfcicrtagc von Wien abgcrcist und unbekannten Aufenthaltes ist, so daß die Einladung zur Bürgermcistcrwahl denselben nicht zu gestellt werden konnte, hat sich der Bezirkshauptinaun Dr. v. Friede iS bestimmt gefunden, die ans den 8. April 1806 lautende Ausschreibung dieser Wahl zu annullircn. Die Bürgcrmeistcrwahl findet sonach am genannten Tage nicht statt. Die neuerliche Festsetzung dcS Wahltages wird erst »ach Oster» erfolgen." (Gremium der Wiener Kaufmannschaft.) Welche Blüthcn die antiseinitische Bewegung zeitigt, bewies die am 30. März abgchaltcne Jahresversammlung dcS Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, in welcher Corporation seit ihrem Bestände die Berhandlungcn stets in streng sachlicher und ruhiger Weise geführt worden waren. In dsr erwähnten Versammlung hatte der als antisemitischer Agitator bekannte Obmannstellvertreter des Wiener GehilfknansschuffcS Bielohlawek VI a 11. Seite 3 die ,Herabsetzung der Gebühre» für die Verpflegung der Gehilfe» im Grcmialkrankcnhattse verlangt und erklärt, daß die (Schilfen, wenn ihre Wünsche nicht erfüllt würde», mit einer anderen Spitalsvcrwaltung in Verhandlung trete», eveninell eine eigene SpitalSablhcilung errichten würden. Obwohl Herr Bielohlawek ausdrücklich-bemerkte, daß er mit dieser Ankündigung keine'Drohung beabsichtige, sah dieselbe doch einer Drohung so.ähnlich wie ein Ei dem anderen. Der antisemitische Ob mann des Gchilfcnausschnsfes Armann stellte dann die Forderung ans, daß das Gremium von der Einhcbung einer (Gebühr für die Vermittlung von Slcllcn absclie, da das Gc''ctz die unentgeltliche Stellen, Vermittlung vorschreibe. Hierauf ergriff Herr Zinn er das Wort und nah», sich mit großer Wärme der Gehilfe» an Allerdings, bemerkte er, rönne ein starker Thcil der Kaufmannschaft dein Efclnl»euansick»isic kein Vertrauen cntgegcnbringen, weil die leitenden Personen desselben politische Tendenzen verfolgen, die nicht gebilligt werden können »nd das confcssioncll^ Moment zu sehr in den Vordergrund stellen. Siaum waren diese Worte gefallen, als Annan» »nd^Birlohlawct fickt erbobcn, »in gegen diese Aeußerung;» protestiren,' »Ud letzterer ries erregt in de» Saal: „0'ott sei Dank, cs besteht lein (besetz, daß man vor den »luden ans dein Bauch liegen muß!" Diese Benicrtung rief allgemeine" Entrüstung und einen nnbefchrciblichen Sturm hervor: ei» Thcil der Versammlung verlangte, daß dein Redner das Wort entzogen werde, und zwischen Bielohlawek und den ihm zunächst Sitzenden cnljpann sich eine erregte DiScnssion. Herr Kalmn.S, ivxlcheni cs in der Herr schcndcn Aufregung nicht gelang, vom Vorsitzenden das Wort zu er halten, rief in höchster Erregung den Gchilfcnvrrtrctcrn 'zu: „Wir haben das Recht, zu verlange», daß man uns nicht iniincr und überall unseren Glaube» vorwerfc. lassen Sic den Inden ans dein Spiele, känipfc» Sic nicht, fortwährend, mit rohen Acnßcrungcn!" linier an hallender llnruhe nahm sodann Herr Zinncc zu einer thatsüchliche» Berichtigung das Wort und erklärte, er habe nicht provocirc» wollen, er habe in fachlicher'Weise-begründet, warum die Sianfmannschaft dein derzeitigen Gehilfcnansschußc kein Vertrancn cntgegcnbringen könne-. Hierauf rcplicirtc Axinan», Herr Zinncr habe am allerwenigste» Ursache, den, GchikfcnanSschnssc das Vertrancn zu verweigern, denn er selbst habe sich, als er noch Gehilfe war, an ihn (Axinann) gewendet, und er habe sich seiner in aufopferungsvoller Weise angenommen. Bei diesen Worten sprang Herr Zinncr von feinem Sitze aus und rief .Herrn Axniann zur „Das ist eine l'üge! Sic sind ei» l'ügner!" Und abermals ging ein'Stnrin der Entrüstung durch den Saal, der sich erst legte, als Herr Schefflet die Vcrsaninilnng.apostrophirte, die Würde des Standes zn wahren, inan sei doch nicht beim „Goldenen wuchsen". Erst nach dieser Mahnung legte sich die Aufregung, und die Verhandlung konnte fortgesetzt werden. - (Abtl, wo bist dll'?> letzter Zeit erhält sich i» gewisse» Kreisen beharrlich das Gerücht, einer der meistgenannten Drahtzieher der Antisemitcrci, der Jcsuitcnpatcr Abel, sei von ordcnswcgcn aus Wien aus gewiesen. Voii informirtrr Seite verlautet nn», daß in der Thal der gegenwärtige Jcsuitcnprovinzial l'. Fra»; Widinan schon vor etwa .Jahresfrist de» 1^. Abel aus dem Collegium i» Wien in das Pro bationshanS nach Oainz versevt hat, und daß l'. Abel, welcher früher fast alle vierzehn Tage in Wien gepredigt oder in einer Versammlung einen Vortrag gehalten hat, seit Mar; vorigen Jahres nur bei einer einzigen Vosksmission, nämlich in Favorite», vcrivendct wurde. Es soll, so wird ferner behauptet, ihm nahegclcgt. worden sein, daS Mannscript seiner Vorträge nicht mehr gewisse» Zcitungsrcdactionen zu überlassen, sich von jeder politischen Agitation ferne zn halten und nichts, ohne Ge nchniigung der Obere» drucken zn laßen, wie cs ja die Regeln dcS Jesuitenordens vorschreibe». Hiezu kam noch ini vorigen September daS Verbog der Männerwällfabrt nach Maria Kanzcndorf- „für den glücklichen Ausfall der Gcnicinhcrathswahlc»", welche 1'. Abel pomphaft angckündigt hatte und i» vorletzter Stunde absagc»''mußte. Aber daS war noch nicht Alles: der Raine dcS I'. Abel verschwand auch mit cincninialc von dein Titclblattc der „Sodalen-Correspondenz für die Marianische» Congrrgationcn", welches Blatt im Jahre .1805 unter der Acgydc de» 1'. Abel gegründet wurde. Statt seiner fignrirt jetzt Frau; Doll als Herausgeber. Ebenso wurde ihm die geistliche Leitung der Marianischcn Eongrcgation für Kaufscutc und jener für Gewerbetreibende abgcnoninicn. Statt seiner wurde als Moderator 1'. Schwärzler 8. i. für die crstcrc und 1'. Victor Kolb für die letztere Congregatio» ernannt, während die Männerercrciticn i»r Pro bationShauS zu Oainz, welche früher gewöhnlich 1'. Abel abhiclt, im vorigen Jahre dem I'. Ache'übertragen wurden.. Roch mehr aber - ist cs eifrigen Kirchengängern und Freunden von Fastenprcdigtcn pufgcfallc», daß in der heurigen Fastenzeit auch die Predigte» für Männer unterblieben sind, welche 1'. Abel seit vielen Jahren an den Abenden vor der Charwoche in der Augustiner Hospsarrkirche unter nngchcncrcni

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