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Freies Blatt · 1896-03-29 · 208 (29.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
208 (29.3.1896)
Date
1896-03-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 208 Frei«» Statt. Le intern. Zulassungder Juden zu anderen Ae m lern und zur Advocatur nach dem Bevölkerungsverhältnisse. Verhinderung de» Ueberwuchernder Juden an den christlichen höheren Knaben- und Mädchenschulen und der jüdischen Lehrkräfte an den Universitäten. AuSdehming der weiblichen BenifSarten. Einschränkung der FabrikSarbeit verheirateter Frauen. Man steht, Stöcker ist noch lange nicht so radikal wie die Wiener Thristlich-Socialen, in deren Namen neulich der Beuschlmaun forderte, eS solle ein Gesetz vorgelegt werden, durch welcher einer einzelnen Classc der Bevölkerung, die schon mehr al« genug habe, das lieber flüssige gen om m e » werde, damit eS denen zukomme, von welchen eS h e r r ü h r e. (Ein origineller Bortrag.) Der. antisemitische Reichstagsabgeordnete Bindewald hielt neulich in Karlsruhe einen Bortrag» in welchem er sich durch originelle Ansichten auszeichnele. Unter Anderem sagte er. die Juden hätte» in Palästina jede Arbeit gescheut, und so sei eS gekommen, daß da» Land, wo einst Milch und Honig floß, nach der Vernichtung der staallicheu Selbstständigkeit der Jude» eine Wüste war. ES fragt sich nun, wovon de»n die unverhältnißmäßig zahlreichen Bewohner Palästinas während einer Zeitraumes von fünfzehn Jahrhunderten gelebt haben, wenn sie nicht den allerdings ergiebigen Boden mit allem Fleiße bearbeitet hätten. Noch origineller war c», als Bindewald den Juden die Befähigung zum Handel absprach, mag', ihn allerdings nicht hinderte, später von dem übermächtigen Einflüße jüdischer Großhändler zu spreche», die in Wien Lueger'« Avanceinent. zum Bürgermeister verhindern und in Pari» „Minister wie die Figuren im Easperllhater tanzen und prügeln lasten". Bindewald war während seines Vorträge» ganz nüchtern. (Ans der französischen Gesellschaft der Landwirihe.) Te» Umtrieben Druinont's ist eS gelungen, die Antisemiterei in die sranzösische Gesellschaft der Laudwirlhe einzuschmuggel». Seit vielen Jahre» ivar Baron AlsonrRwths ch i l d Schatzmeister dieser etwa 10 000 Großgrundbesitzer umsastenden Gesellschaft. Letzthin wurde aber bei der Neuwahl des Vorstandes ein Herr Devil^nori» mit 2782 Stimmen znm Schatzmeister gewählt, während auf Baron Rothschild bloß 1949 Stimmen emfielen. Ter Pariser antisemitische Stndentenverein feierte diesen Sieg init lärmenden Straßenkundgebnngen, denen erst polizeiliches Einschreiten ein Ende bereitete. (Bom dollardurstigkN Ahlwardt.) Aus New-?)ork kommt wieder ein Lebenszeichen von Ahlwardt. Wie von dort berichtet wird, wollte er in Ho boken einen Vortrag gegen Eintrittsgeld, sür Ehristc» 1 Lei», für Jude» 50 Lents, Hallen, doch weigerte sich am Abend der Besitzer des Local», Basel mit Namen, die Thür zu öffne». Ahlwardt mußte daher »»verrichteter Dinge abziehen. Viele Menschen folgten ihm nun und warfen mit allerlei Wursgeschoste» nach ihm. In dem Gewühl wurde alsdann Ahlwardt gegen eine große Spiegelscheibe geworfen, welche in lausend Stücke ging. Eine Abtheilnng Polizei machte schließlich dem wüsten Treiben ein Ende, i 2lus antisemitischen Blättern. «Paul v. Pachcr gegk» jüdische Richter.» Ankuüpsend au die neulich veröstenllichte» Aeußerungeu de« Justizministers Grafen G leispach legt Paul v. Pacher in einem Artikel der „Ostdeutschen Sch'und schau" dein Nichtersiaude nahe, die Gerichtshöfe von Jude» und Jiidenstäminlige» zu säubern, und zwar durch ei» einfacher Mittel: sie solle» die Seniilc» suhlen laste», daß deren seruere« Verbleiben sich mit der „Slanderehre" nicht vertrage. DieieS Nichtvertragen beweist Pacher, indem er sich aus „wisteuichastliche Autoritäteu" beruft, als welche er Paul de L a g a r d e, Adolf Sijrimuit, Eugen Tühring und sogar Freiherr» v. Laugen ansührt. Das Ansehen, welche« u»ser Richterstand genieße, meint Pa cher, müßte durch einen Anschluß a» die aulisemitilche Bewegung gewaltig geivinne». Seit wann ist denn dieser Wortführer der Antisemit e» mit das Ansehen des österreichischen Richterslander besorgt? Hat er doch i» der letzten Session der »iederösterreichische» LandlageS einen hervorragende» Richter in empörendster Weise a»gegriffe» und ihn, uni Herrn Georg Schönerer eine Freude zu bereiten, der gewohnheitsmäßigen Justizmorde» geziehen. Allein Lousrquenz war niemals die starke Seite antisemitischer 'Maulhelden und ist c8 am allerwenigste» die de« mehrfach«» BerwaltnngSratheS a. T., de» „Ariers" Paul v. Pacher. (Lumpazi und sein Sohn Tr. Lucger.» Auf dem nngarische» Gestüle T ö k o S - 11 j f a I » lebt und wirkt ein verdienstvoller Deckhengst Namen« „Lumpazi", und besten jüngste» Hengstsohlen wurde von seinem Besitzer mit dem Namen „Dr. Lueger" bedacht. Ein antisemitischer Blatt berichtet diese welthistorische. Thalsache nicht ohne ein Gefühl der Befriedigung über die Popularität, welche der gefeierte BolkSmann gleichen Namen» in Wien auch in Ungarn genießt. Ob es nnv Sympathie für den Wiener Antisemitenhäiipling oder da» Gegentheil war, wa» den Besitzer bei genannten Rennpferde» zu Seite 7. dieser politischen Namensgebung bewog, weiß da» entzückte antisemitische Parteiorgan natürlich nicht zu sagen; dagegen wird eS un» in Zuknnst hoffentlich durch genaue Nachrichten über die großen Einsätze, welche aus „Dr. Lueger" i» Ungarn gemacht werden, erfreuen. Vielleicht greist die Wettlust auch über die Leilha; ähnelt doch die Earrwre de« ewigen Bürgermeistercandidalen verteufelt einem Wettrennen mit Hinderiiiffen; wir wünschen nur dem Besitzer de» Sohne» „Lnmpazi'S", daß sei» „Dr. Lueger" sein Ziel stet» bester erreiche als desteiz. Namensvetter in Wien. t.so behandeln sie sich selbst.) Da» Organ de» Ehrenbürger» von ^kllühl darf schreibt mit Bezug auf eine von un» seiuerzeit gleichfalls reproducirie Notiz: „Wir brachten kürzlich eine köstliche Probe urteutonische» Blödsinne», daraus ivurden wir, wie wir erst jetzt zu unserein Leidwesen ersahren, seiten« diese» Schmutzsetzens von Gra, her „lieblich angeraunl". Der holde Jüngling hat uns damit ein große- Vergnügen bereitet, denn wir wußten,bishe: nicht, daß so ei» Patentknabe wizei» Loitoweib schimpsen kann. So ein hochblonder Thumelicus, mit dem ThersiteSbuckel und dem Steckenpserdchen zwischen de» Beinchen, ist immerhin ein Unikum. Wir müssen hier daraus ausmerkjam machen, daß wir mehrere .heurige' Urteutonen gekannt haben und noch kennen, die sich in den Dunstkreis des bekannte» .Nationalpädagogen' vollgesogen hatte» und nu» die besten Polizei- und Privatspitzel abgcben. ES ist jetzt bereit» >» weit gekommen, daß der .Genoste vom Genossen' vom Viertisch weg, frisch sröhlich und frei nach dem neuesten Ehrencodex TchmuIS denuiicikt wird. Ten Schreiber jenes von un» mit aller Anerkennung, wie er siehl, aufgcnonimeiien Scriptum» halten wir eben nur für eine» lnstigeu Schäcker und wollen ihn keineswegs mit jener Gesellschaft identificiren." „Schmuysetzen", „Patentknade", „Lottoweib", „hochblonder Thumelicur mit dem ThersiteSbuckel", „heuriger Urtentoiie", „Polizeispitzel" :c., alles da» bezieht sich aus die braven Antisemiten urgermanischer Observanz; und die also Angerempelte» bilden dieselbe Gesellschaft, welche de» Juden inrgeniein Ehrenhaftigkeit abspricht. , (Bon der „Rrichspoft".) Ta» HerauSgebezcomiüder „ReichSpost", welche seit einiger Zeit täglich zweimal erschien, sieht sich bemüssigt, zu erklären, daß die» etivaS „voreilig" war und daß vom 1. April an da» genannte Hetzblatt wieder nur einmal täglich, und zwar als Abendblatt erscheinen wird. Der „Reichrpost" scheint die Wintercampagne der männlichen und weiblichen Nelkenstreiter wenig gesrommt zu haben. (Tie Wahle» in Zwickau.) Tie anlisciniiische Preste ist außer Rand und Band, weil die Gkineiiidevertretung von Zwickau durch die letzthin stallgehabte» 'Neuwahlen wieder in liberalen Besitz ühergegangen ist Vom Liberalismus, de» ja Anlisemilen deutsch-nationaler und christlich-socialer Färbung lodtsagen, ist e» geradezu unverzeihlich, -wenn er feinen Widersachern /nue empfindliche Schlappe beieilet. Ta» kann ein LaiidSkncchl vom Schlage W ä h »^ r'» nicht ruhig hinuehmen, »ud er muß ivenigstens schimpsen. lZur AlislkUniig jüdischer Lehrer in Berlin.) Tie ...ll r c u, z c i t» » g" tadelt die Berliner Sladtverordüeten, welche gegen die Absicht des Dr. Bosse, die AnstclliingSsähigkeit jüdischer Lehrer im Gemeiudeschuloieiisie zu beschränke», Verwahrung eiulcgten; silobt dagegen da» einzige „conservalive" Mitglied der Versammlung, das sür-die „christliche Schule" cintrai, u»d äußert schließlich den Wunsch »ach einem Gesetze zur Regelung des VolkSschulwesen» „auf christ sicher und confessioneller Grundlage" .... Flora Gaß aber gibt demnächst eine niit ihrem Porträt gcschmückie Broschüre heraus, die sich hinsichtlich de» sachlichen Inhaltes durchwegs aus Tocumenle, in. erster Linie auf Briefe des Herrn v. H a in in e r st c i n. stüi-i. Der Zweck der Broichüre ist eine Selbstvertheidigung, allein vermuthlich wird die pietätvolle Verfasterin auch' der „.Ureuzzeitung" im .Uamp'e gegen die jüdischen Lehrer beisteheu. (Alles vkrjudcl.) Der „Generalanzeiger" de» Teuioncn Scd latzek, welcher in jedem großen Piaune, aber auch i» jedem Verbrecher eine» Inden wittert, sjndei, daß i» demselben Maße, als die Zahl der jüdischen Ab geordneten in den deutschen VertretungSlörveru in den letzten zwei Jahrzehnlen znrückging, der Einfluß der „geheime» Jude» und Judenstämmlinge" in alle» Parleien um so stärker wurde. Der „Generalanzeiger" schreibt: „So sehen wir heute, daß innerhalb der konservative» Partei der zivar gut gelauste, aber seinem Blute »ach -jüdische Herr v. Leipziger immer mehr Einfluß gewinnt, ebenso wie auch der mit Juden verschwägerte Gras L i m b u r g S t i r » »i nach dem Rücktritte Stöcker» stärker hcrvorzulrele» für au)>ei!iesten sindet: Die sreiconservative Partei wird von dem nur sehr schwach getauften Jude» Arendt geleitet; in der nationalliberalcn Parte, »iinnit der von einer böhmisch-jüdische» Geigersamilre abstainmeude Abgeordnete v. Benda die eigeniliche Führerrolle ein; Führer der CenlrumSpartei ist der Judenstäininling Dr. Lieber; der 'NameuSsührer der .Freisiuisige» Vereinigung', der Judenschiitzlruppler R i ck e r t, lebt überhaupt beständig >m Zustande der jüdischen Hypnose: in der .Freisinnige» DolkSpartei' wird der Stern Richter'» bereits merklich vmi dem Judenstäininling G o t t h e i n verdunkelt, und der Führer der süddeutsche» Demokraten ist der Jndenabkömmling Haußmann. Tie Besterung in der .Judcnreinhcit' de» deutsche» ReichSlage» ist also nur eine scheinbare." ' .

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