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Freies Blatt · 1896-03-22 · 207 (22.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
207 (22.3.1896)
Date
1896-03-22
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Slava, welches in Folge dessen Wiener Antisemilen ihre» tschechischen Kampsgenossen zu Ehren auSbringen, scheint u»S nicht recht begründet;u sei». Aus dem Racenstandpunkte dürsten die Jünglinge vom „Krakovec" nicht stehe», »nd einen Unterstützungsbeitrag des Führer» der mährische» Junglscheche», Dr. S t r a u » k y, hätten sie kaum zurückgeschickl. (Stkillwknder'S ProphkZkiUllge».) In einem Troppaner Antisemitenvereine, a» besten Spitz« der au» der Art geschlagene Neffe HanS kindlich'-, K r o in m e r, steht, hielt vor einigen Tagen der sittenstrenge Steinevender eine.Rede, in welcher er, wie das seine neueste Gewohnheit ist, artig gegen die Regierung und kotzengrob gegen die Liberale» war. Ter Scherblick Steinwender'S fand es sofort heran» .und verkündigte e» de» Troppaner Antisemiten, daß die Einbringung de» Pensionsnormaler und die künftige Regelung der Beamtengehalle eine entschiedene Stärkung der Regierung zur Folge haben werden. In der klugen Form de» Bedauern» und der Besorgniß lhat er von Troppau au» den Wiener Antisemiten kund und;» wiffe», die Regierung werde seines Erachten« Dr. L u e g e r'S Wahl zum Bürgermeister auch jetzt nicht zur Bestätigung enipsehlen, uni, von einem fortgesetzte» Wahlkampfe sei eine Erinüdnng der Wähler zu befürchte» Hierauf besprach er die Wahlrefor >», welche auch von den Parteien w o h l oder übel werde angenommen werden m ü s s e », und wies auf die Stellung der Parteien zu derselben hin. Er glaube nicht, daß in der neuen Curie viele Social-Demokrate» erscheinen werden, und schätze die Zahl dieser Abgeordnete» im ziikünfligen ReichSralhe im Vergleiche mit den deutschen Verhältnissen aus höchsten» acht. Aber e» sei »olhwendig, daß Abgeordnete, welche eines Rnses genießen und beliebt sind, gerade dieser neuen Curie sich zur Bersügung stellen sollte». In Bezug aus den Ausgleich mit Ungarn führte er dann auS, er sei dafür, „daß ähnlich wie in Deutschland für die einzelnen Staate» bei der Austheilung der gemeinsamen Aasten auch die Militärlast der beiden Reichshälslen i» Rücksicht gezogen werde, da ja a» de» Wellhändel» im Osten Ungarn immer mehr betheiligt sei al» Oesterreich". Ein Zustandekommen dcS Ausgleiches halte er in diesem Jahre für auSgcschloffen. Die» werde aber einen Grund z»r vorzeitigen Aiijlösnng deS ReichSralheS bilden. Die „nationale" Partei müffe sich also der Zeiten ans diesen Fall vorschen, und naincnllich Schlesien möge eS a» frischer und rascher Arbeit nicht fehle» lasten. ES wäre schlimm, wenn die Sudelenlander »och im Banne des „absterbencen Liberalismus" verbleibe» sollten, iudeß die Älpcnländer bahnbrechend mit „neuen Ideen" vorwärtSschrciten. Ein solcher „PartlculariSinns" könnte dem Deutschthum gefährlich werden. So der Sillensircnge. Sollten aber die Deutsch-Liberale» bei de» Neuwahlen gur'davonkommen, so würde er. der sic jetzt von Hinte» angrkist, gewiß nicht ermangeln, vor ihnen zu katzenbuckcl», wie er dies in den Flitterwochen der Cvalition gelhan hat. Ei» Schlaumeier, der Sittenstrenge» (Zur Uiitkrstützung drr Frichtiiiger - Partei.) Lueger ging in Begleitung des Mechaniker» Schneider und einer Zungsran Namens Caroline Nowak nach G raz und hielt dort am 18. Mär; in der Jiidnstriehalle eine Rede gegen die Jude», da« Großcapital, die Bereinigte Linke, den Präsidenten deS Abgeordnetenhauses rc. Die Hoffnung, jetzt zur ,,goldenen Kette" zu gelange», hegt er nicht, denn er sagte den ihm zuhörenden Grazer», er müßte, ul» gegenwärtig Bürgermeister von Wien zu werden, „LuegerSki" heiße». Nebenbei bemerkt, weiß Lueger nur zu gut, daß ei» minder compromiltirter Antisemit ohneweiterS al» Bürgermeister von Wien bestätigt würde, wenn er auch;. B. K u p k a hieße. Nach der Lueger'schen Rede forderte die obzenannte Jungfrau die Grazcrinne» auf, daS Beispiel der Wienerinnen zu befolgen und ei» antisemitisches Amazonen-CorpS zu .bilden. Sodann sprach Schneider in seiner bekannten Weise gegen die Juden und gegen die liberale Presse. Der Zweck des ganzen Gastspiels war aber die Unterstützung der Feichtinger-Partei, deren Ober Haupt sich auch dankbar erwies und Lueger de» „besten Mann der Jevtzeit" nannte. Ter von seine» Crealuren al« „bester Mann der Ostmark" gepriesene Schönerer wird sich darüber nicht wenig ärger». Vielleicht läßt er sich nun zum „besten Manne aller Zeiten" besörder». (Brrltllgllung dcS Antisemitismus.) Der in Gotha unter Ausschluß der Oeffentlichkeit bestehende antisemitische „R e s o r m v e r e i »" hatte in Gemeinschasl mit dem „Bunde der L a n d w i r l h e" für de» 8. März eine öffentliche Bersammlung einberufen, deren Verlauf für die Veranstalter wenig günstig war. Die Mehrheit der Anwesenden bestand aus Gegnern der Herren Bündler und Antisemiten, denen dieser Umstand einen solche» gewaltigen Respect einzejagt hatte, daß ihre Redner, der conservative Abgeordnete L u tz, der sogenannte Renommirbauer, und der Antisemit Dr. L i n d st r ä m auS Goslar, sich jeder antisemitischen Anspielung enthielten. Lindström erklärte sogar, daß die Bezeichnung „jüdisches Großcapital" ohne sei» Wisse» und gegen seinen Willen iu die BecsammlungSanzeige hinciiigekommen sei. Auch der Vorsitzende de» Gothaer „ResormvereineS" unterließ .jede Anspielung aus den Antisemitismus und erklärte sich nur mit dem „Bunde der Landwirlhe" solidarisch. Charakteristisch ist sein in der Bersammlung geihaner AuSspruch, die Social-Demokraten seien ihm viel lieber al» die Freisinnige». Trotz dieses LiebeSwetben« um die Gunst der Social-Demokratie fertigte deren Sprecher sowohl den „Bund der Landwirlhe" als auch den Antisemitismus ebenso scharf ab wie der freisinnige Redner. Hochinteressant war c» auch, wie da» „Gothaische Tageblatt" in seinen) Bericht hervorheb«, daß die Redner der beide» link-stchendkn Parteien sich gezwungen sahen, die Reichsregierung gegen die übertriebene» Vorwürfe der Agrarier, die sich al» Muster der Reichs- und Kaisertreue aus söieltzn und dabei doch an .Nasser und Regierung in nicht inißzuverstchender Weise schärfste Kritik übten, in Schutz zu nehmen. (Kauslkutc und Spitzbuben.> Die antiscmilsschen Agrarier iu Deutschland betreiben die schmählichste Clastenhetze. I» B o s e u h e i m sRheinh.sseu) sagte in einer Bersammlung von Landwirlhe» ein Agitator Rainen» Lucke: Aus fallend sei ed, daß dkc Götter Herme« und Mercnr der Grieche» und Römer nicht mir die Schutzpatrone der Kanslente,. iondcrn auch der Spitzbuben gewesen seien. ES gehe daran« hervor, daß schon di e Alken X a n sl e u t e und Spitzbuben nicht de n 't l i ch hätten unterscheiden können. Dabei ivar Lucke so unvelirorc», zu bemerken, er wolle gewiß nicht die Bauern gegen den kausmauiiSsland verhetzen. ' ('„Jlldklirkill.") An allen Universitäten TemschlandS b.sindrn sich jetzt 1t«!0 Burschenschafter, darunter 1-)* Katholiken. Dermo'ai'chen Religion gehört kein deutscher Burschenschafter an, bemerken die antisemitischen Blätter, und sic sind stolz darauf, „wie wir'» denn zuletzt >o herrlich weil gebrächt". . iTcr deutsch französische rtkieg und die Wiener Geinciudewahlru.) Tie M ü n ch e n e r Antisemiten feierten die Erfolge ihrer Genossen bei den Wiener Gemeindeivahlen dnrck> ein S.iegeSfest, zu welchem sich mich drei Berlreter der „Ostbajnvaren" eiissanden, und zwar Mechaniker Schneider, der viertdimensionale Arier Schlesinger und — hört! hört! — $ au ran et, der den „ostbajuvarischen' Dialect so vorzüglich beherrscht. Der Festredner Weinig ließ sich pathetisch vernehmen: „Als in den Jahren 187«»—1871 die.deutschen Heere jenseits der Vogesen die siegreichen. Schlachten schlugen, da hauen-die Deutschen nicht nur im Reich, sonder» weit über die Grenzen dc»s,lben hinan« diese glänzenden Wafsenihalen, diese Siege mitgesühli! Sie haben die« nicht deshalb allein gelhan, weil der Gegner niedergerungen wurde, sondern insbesondere wohl auch deshalb^ weil sie Alle mit uns und wir mit ihnen mit gesübll habe», daß deutscher ManneSmuth, deutsche ManneSznchl unsere Heere zum Siege sührten! Eine ähnliche Empfindung beseelt nun auch iin« im Reiche anläßlich der Siege, die unsere deutschen Ostmärker gegenüber ihren Feinden erfochten." Ter Festrede folgten Judenschimpsereien Schneider'», die Anpreisung dcS „VolkSgeldes" von Schlesinger und eine Probe de« ..ostbajuvarischen" TialecteS von Havrauck. 'Den Vogel hatte aber jedensalls Wenng mit seineni Vergleiche abgeschossen. .- ' , Aus antisemitischen Blättern. <Tik (5hrr drS „Wicucr Volksbotc»".) In Ouakring erscheint ei» Antisennlcnblältchcn, welche« ei» gewiffer Johann- König unler dein Namen „Wiener Volksbote" herauSgibt. Der Gastwirih und Bezirksausschuß Sylvester Schieber, welcher von diesem Blättchen anläßlich der letzten GeinkindcrathSivahlen angegriffen worden war, verössentlichle in der Zeitschtisl „Mit vereinter Kraft" eine» Artikel, worin er König, beschuldigte, daß dieser sein Organ zur Verübung von Erpressungen an jüdischen Geschäftsleuten hergebe. Johann König unternahm in Folge-besten einen Versuch) die Ehre de» „Wiener VolkSboten" durch öic Geschivorne» wiederherstellen zu lasten, und strengte sowohl gegen -Herrn Schieber als gegen den verantwortlichen Redakteur der Zeilschrisl „Mit" vereinter .Kraft", -Herrn Adolf Swoboda, die Ehreubcleidignngeklage an. Ter Proceß nahm aber einen sür den Klüger äußerst ungünstigen Verlaus. Von den vernornmeue» Zengen theilte der Besitzer einer Psandleihanstalt, Alexander G o l d b l a l 1, mit, daß der „Wiener Volks bote" sich über sein^e Anstalt wiederholt abfällig geäußert halte. Run habe er in Folge eine« ihm gegebenen RarheS dem Mitarbeiter des „VolkSboten", Carl Schneider, -7» sl. »nd in^ch andere Betrüge zugeseudet, worauf diese Angriffe anshörle». Ein anderer Zeuge, Adolj Schlesinger, dessen Gattin gleichfalls eine Pfandleihanstalt besitzt, erzählte: Er begab sich, nachdem der „Volksbole" auch diese Anstalt in heftiger Weise besprochen Halle, zu Schneider und sagte ihm, da er über die Ursache der Angriffe nicht im Zrvcijel war: „War willen Sie den» von mit? Ich habe ja selbst nichts." Schneider anlworlelc daraus: „Ich bekomme sür jeden Artikel ü fl:, ich muß ja leben; wenn ich zwei Artikel nil'J schriebe, sind da» IU sl." Der Zeuge verstand und erklärte sich bereit, ihm IU fl. zu geben, woraus Schneider dies acceptirte, jedoch zugleich bemerkte: „Sie »lüste» mir aber nachher noch weilerc IU fl. dringen." Schneider nahm nun die 10 fl-, wiederholte aber feine Auesällc wider ihn, weil er den gewünschten zweiten Betrag nicht erhielt. Später bot sich Schneider au, ihm gegen eine Suuime von 100 sl. die Concossion für ein Tiödlergeschäst zu verschaffen., Carl Schneider, der sodann Gelegenheit erhielt, sich als Zeuge hierüber zu äußern, nannte sich „Schrislsteller" und fügte bei, ec schreibe jetzt nicht sür Zeitungen, sondern nur Romane n. dzl. Er gestand zu, von Goldblatt und Schlesinger „Entschädigungen" erhalten zu haben, tajnit er seine Artikel gegen sie nicht sortsetze. Er habe jedoch, bevor er dies annahni, Herrn König, für den er mir externe Aussätze „an« Parieipatristismus" schrieb, um Rath darüber gesragt, -und dieser sagte ihm: „In GotleS Namen, wenn Sie-eS bekommen.

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