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Freies Blatt · 1896-03-22 · 207 (22.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
207 (22.3.1896)
Date
1896-03-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Freie» Blatt. Nr. 207. die Namensnennung des malenden Anonymus, die ihm aber^ wieder . verweigert wurde, worauf Munkacsy unter der Drohung, er werde sich - schon Recht zu verschaffen wiffen, sich entfernte. Die Sache wird demnach noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Uebrigens ist die Darstellung des Tendenzbildes so scandalös, daß die Polizei schon aus Sittlichkeitsgrtinden besten Ausstellung verbieten könnte. Zur gewerblichen Bewegung. An unsere Leser! Wir ersuchen alle wahrhaft frcisinnigeu Bürger unserer Stadt, dem im Zuscrateutheile unseres Blattes befindlichen Verzeichnisse christlicher Gewerbetreibender, die fich zur Sache des Freifinns und der Rechtsgleichheit bekannt haben, ernste Aufmerksamkeit zu schenken und diese wackeren Gesinnnugsgenoffen nach Möglichkeit zu unterstützen! _ (Wohlldätigkeitsfest.l Behufs Teckung der UebersiedluugSkosten von dem äußersten Ende einer wenig belebten Vorstadt in das Eentrum der Stadt (Blumenstockgaffe) veranstaltete dar Tirectorium der „AuSstell u » g s- und Verkaufshalle der vereinigten Kleingewerbetreibenden Wiens' SamStag den 14. Marz in Stalehner» Saal-Localitäten ein WohltbäligkeitSfest, da« in Folge des zahlreichen Besuche» äußerst animirt verlief. TaS Programm war ein sehr reichhaltiges, Mustkvorträge einer Militärcapelle wech'elleii mit humoristischen GesangSvorträgen ab. Zum Schluffe sahen wir eine» Concert- und Schnellmaler, der für seine gelungene» Leistungen, gleichwie die anderen Vortragende», reichen Beifall erntete. Rach Absolvirung der Programms wurde getanzt -4echt wienerisch und gemüthlich. Man sieht, daß man sich auch ohne Lueger-Marsch recht gut unterhalten kann. TaS Reinerträgniß dürfte gewiß die Erwartungen des EcmilcS, an deffen Spitze Herrn Nordm a u » ftebt, weit übertreffen. —r. (Gewerbliche Wanderlehrer.) Zu de» in der staatlichen Action zur Fördernng deS Kleingewerbes bisher angewendeten Förderungsmittelo (Ausstellungen, Errichtung fachlicher AuSkunflSstellen, Ueberlaffuugen von Arbeiisbehelfe» unter besonders günstigen Bedingungen und Meistercurf«) soll im Laufe dieses Jahres ei» neuer treten: der gewerbliche Wandernnterricht. Nur auf dem Gebiete des industriellen UnterrichtSweienS wurde bisher Aehnliche» unternommen; ein gewerblicher Wanderuilkerricht für bereits in der Berufspraxis stehende erwachsene Personen analog dem schon eingeführteu landwirthschafilichen Wanderunterrichl bestand bis nun nicht. Vorerst handelt es sich um eine» Versuch, und er soll auf zweifache Art gemacht^werden: einerseits in der Form eines allgemeinen Wände, - Unterrichtes mit der Aufgabe, die Kleingewerbetreibenden auf die Bedeutung der Verwendung technischer ArbeitSbehelse aufmerksam zu mache», - die Grundsätze deS EalculaticnSwefeiis zu lehre» und ihnen' Vertrauen in die gemeinsame vereinte Kraft einzuflößen, sie zur Bildung von Productjvgenoffenschaften anzuregen; andererseits in der Form eines speciellen fachliche» Unterrichtes durch einen besonders tüchtigen GewerbSmann einer bestimmten Branche, der feine Fachcollegen . mit den verbefferlen ArbeilSmerhoden-und den modernen ArbeitSbehelfen seines Gewerbes vertraut macht, und zwar entweder in öffentlichen, etwa i» der Genossenschaft abgehaltenen Vorträgen, oder indem er die einzelnen Werkstätten besucht Ten Wanderlehrern werden nicht allzu große Gebiete zugewiesen werden können; je kleiner der Bezirk ist, in dem sie ihre Thätigkeit entfalte», desto leichter wird eS ihnen sei», ihre Leute kennen zu lernen und durch individualisirle KrKik dort eingreifen zu können, wo es nothlhul. ES ist von vorneherein klar, daß der Erfolg diese« Versuches fast ausschließlich von der persönlichen Eignung der zri bestellenden Lehrkräste abhängig ist. Sie werden unter sorgfältiger Vermeidung der Gefahr, Agitatoren einer bestimmten politischen Partei;tr werden, einer gewissen inutheilsamen Begeisterung für ihre Aufgabe nicht ermangeln dürfen, sonst wird es ihnen schwer gelingen, den Hang, dem überkommenen Alten nachzuhängeu, daZ.Mißtraueu gegen alle« Reue und die Mulhlosigkeu, der sie nur zu oft begegnen werde», zu bekämpfen. Tas unter der Leitung de« HofralheS Profeffor Tr. W. E x n e r stehende k. k. Technologische «Kewerbe-Museum hat dem k k Handelsministerium die auf die Besetzung der Wanderlehrstellen bezügliche» Vorschläge. zu macheu und ertheilt in dieser Angelegenheit gerne alle gewünschten Auskünfte. Gesuche sind willkommen. Aus antisemitischen Oereinen und Versammlungen. > Gegen die antisemitische Bnbolratie.) Aus Anregung freigebiger Bier- und Geldipender, die nie mir einer Hochschule in Verbindung standen, veranstaltete die antisemitische Bubokratie WieliS in Bezug auf die sogenannte ,.LaliSfaction«sähigkeir" eine die jüdischen Studenten beschimpfende Kuudgebiiiig. Ter akademische Senat^der Wiener Univeifilät fand sich bewogen. dagegen Stellung zu nehmen, und ließ aus dem «schwarzen Brette" Folgendes afsichiren: .Der akademische Senat hat in Erfahrung gebracht, daß die Telegirten von wehrhaften Sludentenverbiudnngen in einer am 11. d. M. ab gehaltenen Versammlung den Beschluß gefaßt haben: ,Jn vollster Würdigung der Thalsache», daß zwischen Ariern und Inden ein tiefer moralischer und physischer Unterschied besteht, daß durch jüdische- Uuweseu unsere Eigenart schon so viel gelitten; in Anbetracht der vielen Beweise, die auch der jüdische Student von seiner Ehrlosigkeit und Charakterlosigkeit gegeben, und da er überbaupt de« Ehre nach unseren deutschen Begriffen völlig bar ist, faßt die heutige Versammlung deutscher wehrhafter Studenien den Beschluß: Dem Juden aus keine Waffen mehr Genuglhuung zu geben? Der akademische Senat hat, ohne dem gesetzlichen Verbot der Herausforderung zum Zweikampfe vorzugreifeu, in seiner Sitzung vom 13. März 1896 beschloffe», über diesen Beschluß, durch deffen Inhalt und »och mehr durch deffen Begründung ein Theil der Studentenschaft al« der Ehre bar erklärt wird, die schärfste Mißbilligung auszusprechen, und behält sich nach Lage der II in stände die weiteren Mastnahmeievor. Wien, am 14. Mär; 1896. Ter Rector der k. k. Universität: A. Menge r in. p." Die Heldenthat der antisemitischen Bubokratie sühne an, 14. d. M. an der Universität zu Demonstrationen pro und contra. AuS demselben Anlaffe beschloffen der Ausschuß der „Deutsch-akademischen Lese- und Redehalle" sowie eine zahlreich, besuchte Versainmlung jüdischer Sludenlen rc. eutschiedeiie Protestkundgebungen. Auch die Publicistik widmete den Vorkommuiffe» große Aufmelksainkeit. Unter Anderen, erschien im Verlage der ZeitungSbureauS (Buchtandlung H. Goldschmied!, eine beachkeiiSwerthe Flugschrift: „Dem Juden keine Sat i S f a c t i o n. Ein ernstes M a h n w o r t von e i n e m N i ch t j u d e »." Ter Ver faffer fordert namentlich die Eltern der von geiviffenlofen Hetzer» irregeleitete» Jugend auf, die Eonsequenze» eines GebahrenS ^u erwäge», das zu einem Ab gründe führe, in welchem Jene zerschelle» werden, die sich ain göttlichen »nd menschlicheu Rechte versündigt haben. — In der Sitzung deS Abgeordnetenhauses vom 16. d. M. interpellirlen Tr. R o t t und Genoffe» de» Unterricht»! minister über sein Verhalten gegenüber de» scandalösen Vorgänge» an der Universität, die mit der Mißbilligung des akadeinischen Senats nicht abgethan fein köiuien. Noch am Abende derselben Tages gelaugte in der halbamtlichen „Wiener Abendpost" iiachstehendr» Communiqus zur Veröffentlichung: „Wir find ermächtigt, initzutheile», daß aus Anlaß der Temonstratione», welche am letzten SamStag an der Wiener Universilät stattgefuuden haben, ebenso wie hinsityllich jener BereinSbeschlüffe, die dieselben veranlaßt haben, seitens der;uständigeu Behörde» die erforderliche» AmtShaiidlungen eingeleilet worden sind." (Ein Ausflug nach St. Pöllkn.) Die Abgeordneten L u e g e r, S ch e i ch e I. I a x und Steiner veranstaltete» einen Ausflug »ach St. Pölte» und traien dort Sonntag den 15. d. M. in einer „Monstreversaininlniig" auf. Scheicher sprach von socialen Reformen, Jax erklärte sich für die Silberwährung, Steir er beschäftigte sich mit Gewerbeangelegenheilen, Lueger aber zog hauptsächlich gegen deu Grafe» Bad en i los und sagte: „Es wird absolut nicht nachgegebe», denn wir Deutsche in Oesterreich, sprciell wir Neuer werden zeige», daß die Polen in unsere Sachen nichts dreinzureden haben. Wir werden unS bemühen, die polnische Regierung wegzusegen." Der Bürgermeister von St. Pölten, Dr. Ofner, welcher in der Bersainiiiliing erschiene» war/ wurde von Lueger begrüßt, welcher zugleich der Hoffnung Ausdruck gab, Bürgermeister Ofner iverde »och ,;zur Einsicht kominen, d. h.: sich der antisemitische» Bewegung allschließen". Tie Wiener Ausflügler erlebten auch ei» „Attentat", über welches' die „Tenlsche Zeitung" berichtet: „Bou der äußersten Stadtperipherie (Hütleldorf-Linienainl) au« wurde auf den vorübersahrenden Zug, welchen die mit Nelke» geschmückie» Antisemiten benützte», ein Geschoß abgefeuert, da4 in einen Waggon eindrang, jedoch Niemanden verletzte." Von St. Pölten begab sich Lueger »ach Amstetten, um dort Montag den 16. d. M. der coiistituirenden Versammlung eines christlich - socialen „Bauernvereines" beizuwohnen. Nach Wie» zurvckgekehrt, erschien er hier noch Montag Abends in zwei Antisemiteuvereineii. Ec berichtete über die Versammlungen in St. Pölten und Amstetten, ohne jedoch zu erwähnen, daß ih» in der letzteren Paler B a n ch i » g e r geschmackvoll mit einem Scharfrichter verglich, „da er die juden-liberale Partei dorthin gebracht, wohin sie gehört". -Auch in Wien äußerte Lueger seine große Befriedigung über das Erscheine» des Dr. Ofner in der St. Pöltener Versammlung und sagte: „Es i st d i t« ein Zeichen für mich, daß in S t. Pölten ein anderer Wind wehr. Hoffentlich ivird Dr. Ofner von diesem Winde auch auf eine andere Seite geweht werde n." (Slava!) Der Mechaniker Schneider läßt triumphirend ei» ihm aus Prag zugekommenes Schreiben folgenden Inhalte» veröffentlichen: Ter Antisemitismu« macht in Prag, namentlich in der akademischen Jugend große Fortschritte. Eine intereffante Illustration dazu gab die am 6. st. M. abgehalteue Generalversammlung de« akademischen Vereines „K r a k o v e c". Dieser Verein hielt im vorigen Jahre seinen Eongreß in Schlan ab nnd lud die Jude» hiezu nicht ein. Für die Ferien 1896 wurde Rakonitz als der nächste Eongreßort gewählt. Die Rakonitzer Juden sendeten nun dem Vereine einen llinerstützungsbeilrag von 20 fl. Die Generalversammlung deS „Krakovec" hat jedoch dies:» Betrag nicht angenommen und denselben zurückgeschickr. Ei» V

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