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Freies Blatt · 1896-03-08 · 205 (8.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
205 (8.3.1896)
Date
1896-03-08
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 205. C .freie» Blatt. Seite i. es die Gegner, daß sie nicht uachgeben werden, daß sie eine nenerliche Auslösung de» Gemeinderathes erwarten. Da» sollte wohl alle» Bürgern unserer Stadt über die Ziele unserer Gegner die Angen öffnen, aber auch über ihre innere Schwäche, die sie zwingt, ihre ganze Verwaltungssähigkeit an eine Person zn hängen, weil sie ohnmächtig sind, einen Ersatz zu finden. Auch in anderer Weise hat sich diese Partei enthüllt; die Ereigniffe habe» ihr die Marke vom Gesichte geriffen und sie nnverkennbar al» dasjenige gezeigt, war sie zu fein geleugnet hat: al» eine Partei der wildesten Auslehnung gegen Aller, wa« nicht mit ihr ist. Uebermüthig gemacht durch ihre Ersolge, drohe» die Matadore der Partei, Alle -zu zersch in etter n. mar sich ihnenentgegeitstellt. Sie träumen ihre Allmacht in Oesterreich und wollen eine solche übe». Und welche Mittel bringen sie zur Anwendung? Ehrabschneidung und Lerleumdung, Gewalt und Rohheit, gemeinen Schimps und tollen Terrorismus, feige Verdächtigung»» unter dem Schutze der Immunität, listige rasfinirle Auspeitschung der schlechtesten menschlichen, Triebe: de» Neide» und de» Haffes. Frieden und Vertrauen haben sie au» dem Volke geriffen, und wer das"Herz de» Volke» vergiftet, wer die Mitinenschen in Feinde trennt, statt sie zu versöhnen, ist ärger al» ein Dieb, denn dieser nimmt nur Geld und Gm, der Aufrührer aber da» edle Menschenthnm und — die Gegner mögen mit ihrem Ehristenthume prahlen, so viel sie wollen — auch da» wahre Ehristemhuin! Liberal oder antiliberal? — fast siitd e» Worte geworden — c« handelt sich um Anstand und Sitte, um Nächstenliebe oder Nächstenhaß — hier ziehen sich die Grenzlinien der Parteien durch, und jeder Bürget hat sich zu entscheiden,' ob er sich aus die Seite der Auslehnung und de» BcutaliSinu» oder auf die' Seile von Ordnung, Anstand und Menschlichkeit stellen will." Und doch war e» einem Juden in einer Antisemitenversammlung im Prater möglich, eine Rede für da» communale Programm der Social-Demokraten zu ^halten. Man unterbrach ihn zwar wiederholt durch den Zuruf: „Sau>ud!" und stleuderle ihm auch andere Schimpfworte entgegen, aber man zerschmetterte ihn nicht und ließ ihn sprechen. Woher diese Duldsamkeit? Der Jude, welcher sich derselben zu erfreuen hatte, war eben Dr. Wilhelm Ellenbogen, dein sich öffenbar die Antisemitenführer dankbar et weisen wollten, weil er in liberalen Versammlungen seine Freude über die Wahlsiege der Antisemiten unverhohle» anssprach. (Ter Judknhassrr Cohns.) I» Mayen (Regierungsbezirk Loblenz) fand letzthin eine Reich Stag«ersatzwahl statt. Bei derselben erhielt der antisemitische Candidat eine verbältnißmäßig ganz geringe Stiinntenanzahl. Nichtsdestoweniger ist der Name diese» Eandidaten interessant: er heißt — Cohn». Wie viele Generationeu hindurch mag die Familie Cohns wohl schon judenfeindlich seilt? Dir salschkit Propheten. Es steht ein. Spruch geschrieben, Ter Trost und Hoffnung giebt: „Ihr sollt den Nächsten lieben. Wie ihr euch selber liebt." Doch Sturm und Wind verwehtem Ta» Oelblalt mit der Schrift, Und falsche Volkspropheten Ersetzen eS durch Gift. Ihr Ruf durchhallt die Gaffen, Bi» Echo Antwort giebt: „Ihr sollt de» Nächsten hasse», Wie ihr euch selber liebt". JuliuS Jacob Strauß Aus antisemitischen Blattern. (Vom „Jllustrirttn Christliche» Extrablatt" ) Ter ehemalige Friseur, Versaffer de» VolkSstücke» „Der Herrgouspsänder" und zuletzt Herausgeber de» „Jllustrirten Christlichen Extrablattes", F. A. Um ge her, tourde am 8. d. M. wegen CautionSschwiNdel» vetchaslet und dem LandeSgerichle ein« geliefert. Al» charakteristisch für sein geschäftliche» Gebühren wird erzählt, Um geher habe iu der vorigen Woche kein Geld für den Zeitungestentpel austreiben und deshalb da» Blatt nicht drucken lassen können. Um au» dieser Verlegenheit herauszukommen, gab er den Auftrag, eine» scharfen Artikel für da» Blatt zu schreiben, den der Staat»anwalt gewiß consi»ciren werde, und ließ nur die Pflichtexemplare drucken. Nun fand aber der Staatsanwalt keinen Anlaß, da» Blatt wegen de« erwähnten Artikel» mit Beschlag zu belegen. Trotzdein erschien die Zeitung nicht, und Umgeher wußte den Altschein zu erwecken, e» sei in der Thal, eine Coiifiication erfolgt. Er hatte mehrere Leute scheinbar iu der Administration seine» Blatte» angestellt und denselben Beträge al» angebliche Cautioneit entlockt. Bisher meldete» sich zehn Personen, welche Umgeher tun 8060 fl. geschädigt hatte. Die antisemitische Partei betrauert de» Verlust eine« „strammen Kampsorgan«". , (Ein Antisemit gegen die Organe seiner Partei.) Johann Weißenb ö ck, welcher diesmal von seinen Parteigenossen nicht al» GemeinderathScandidat ansgestellt und von den antiseinitischen Blättern „verspottet und gelästert" worden war, veröffentlicht eine „Erklärung", in welcher er gegen den Kikeriki" and das „Deutsche V h l ks b l a 11" bemerkt: „Ter erster» ist blöd und blind vor Judenhaß. Gegen da« zweite habe ich die VerleumdungSklage angestrengt. Ich bin da« bedauern»werthe Opfer von anonymen Brief» schreibern. Einen von diesen habe ich eruirt und die Anzeige bei der Polizei erstattet. Vor sünszehn Jahren, wurde ich durch anonyme Briesschreider denuncirl und mußte eine mehrmöchenlliche Untersuchung uwchuldig erleiden. E» ivntde dann nicht einmal vom SlaatSanwalt eilte Anklage erhoben; die Acten liegen heule noch beim LandeSgerichle. Ich gebe Jederlnalin die ausdrückliche Erlaubniß dazu, der'daran ei» Interesse hat, sich vo» der Wahrheit dessen zn überzeugen." (Dir schwarze ReaclH» und ihre Handlanger.) Man schreibt uns au» Salzburg: Kn der hiesigen „Chronik" vom 27. v. M. war zu lesen: „Al» .clecical' wurden uujere GesinnungSgenoffen i» und außer dem Parlamente von Juden und Judenknechten so lange beschimpst, biS Baroit D i p a u l i im Abgeorduetenhause diesem nnredlichen Gebahre» einen Riegel vorschob. Nur hie und da noch wird unsere Partei mit diesem Präpicat bezeichnet, und mit besonderer Vorliebe und in recht verletzender Weise thut die« auch da» hiesige .Tagdlatf, worüber sich viele unserer Gesinnungsgenossen schon öfter« bitter beklagte». Wir haben über dieses illoyale Benehmen trotz solcher Beschwerden geschwiegen, aber der Leitartikel iu Nr. 46 vom 25 Februar zwingt un», au» der bisherigen Reserve heranSzutreteu und diese Juvectiven mit aller Entschiedenheit zurückzuiveisen. Wir sind und bleibe» überzeugnngstreue Katholiken, die sich nicht schellen, ihre lleberzengung offen zur Schau zu tragen, und als solche Katholiken-sind wir conservativ, dyhec benennen wir un» katholisch-con» servatio oder katholische Volksparlei. Al« katholische und conservative Partei aber halten wir fest an der Wahrheit und anf Recht, daher halten wir auch unentwegt fest au der pragmatischen Sanclion, wodurch Oesterreich-Ungarn zu einer untrenttbaren Monarchie gebildet wurde, und werden Alle» thun, um» in unserer Macht steht, um die Lockerung diese» Berbältniffe« zu verhindern. E» sind ja mir Phrasen, die man einem »ichtSdenkenden ZeitungSpublicum Hinweisen kan», wenn man sagt, Oesterreich stehe sich besser, wenn wir Ungarn nicht inehr habe», Galizien abstreise» oder Dalmatien weggeben. Jeder gutgesinnte Oesterreicher, gleichviel welcher Nationalität er angehört, muß solch reichsverrälherijche Gedanken mit Entrüstung von sich weise». Wenn auch gegenwärtig in Ungarn die Berhältniffe trostlos sind, haben wir doch die sichere Hoffnung, daß auch dort unten wieder bessere Tage kommen werden, und zwar werden diese besseren Zeilen durch die ungarische kaiholische Volkspartei herbeigesührl werden." Diese „Kurze Abweisung" überschriebenen AnSlassungen der „Chronik" verdienen wohl Beachtung. Wir sehen, die Verhandlungen mit Ungain drohen die „Vernunstehe" zwischen dem Llericali»inus uud.dem „Deutsch- NationaliSmnS" bald zur Auslösung zu bringe». Tie schwarze Reaction schneidet schon ihre bittersten Grimaffen, sie will über die Leichen ihrer eigenen Vorposten hinwegschreite». Möge sie nur komnien! Tie heutige Generation ver-. dient sie; : die Jugend de» litt de siede hat c« noch nicht gefühlt, wa« e» heißt, dem Drucke säst zu erliege», wie die« im Bormärz der Fall war. Darum spielt sie so leichtsinnig mit de» höchsten Gütern der Menschheit, mit den Errungenschaften der FreiheilSära. Unsere Vater habe» es tut« ermöglicht, den Nacken hoch zn tragen, und wir waren stolz daraus. Dib moderne Juugen aber werden nicht zu braven Soldaten im Kampfe de« Leben«, sie lausen den wilden Horden zu, welche Alle«, da« Beste zerstören wollen. Die Geschichte lehrt un«, daß die Zügellosigkeit stets Tyrannei im Gefolge hatte. Schwerer Druck kam sonst von oben; wir sind in unserer Zeit zum erstenniale in der Lage, zu sehen, wie ein Volk nicht für seine Rechte und feine Freiheit kämpft, wie e« als ein Werkzeug roher Phrasenhelden, deren Triebfedern Eitelkeit und Machtgelüste sind, mit den heiligsten und höchsten Dingen Fangball spielt und al« Handlanger der schwarzen Reaction aus der Wahlurne da« Todesurtheil der Freiheit holt. — Man theill un« ferner aus Salzburg mit: In einem Anfalle von Größenwahn läßt daS „Salzburger Tagblatt", dem da« Ergedniß der Wiener Gemeindewahlen vom 27. v. M. zu Kopf gestiegen ist, sich vernehmen: „Es wählen jetzt schon Leute antisemitisch, welche äußerlich ganz anständig'aussehe». Wohin soll daS noch führen? Der Autisemitirinn» ist ja nur eine Negation, kein positiver Gedanke überhaupt, nur eine auS Neid entsprossene Judeuhetze, er muß ja in sich zusaminensallen, wenn er nur erst zur Herrschaft kommt. So sprechen so ziemlich alle Kurzgeäugten, Langgeöhrten und GeuaSsühxte», welche auch hierzulande vorzukommeu pflegen. Man grüßt sie höflich, zieht von Weitem den Hut, um ja keine» persönlich politischen Constict zu habe» — und geht ruhig vorüber. E« gibt eine Art Staar, der nicht gestochen werden kann, und da soll inan denn auch gar nicht erst herumpsuschen und den armen Kranken tnalträtiren. Nur den Boshaften gehört die Peitsche, den Blinde» und Tauben milde Worte! Nach dem jetzigen Stande der Wiffenschast kann man neue Tromntelselle mit gutem Erfolge nicht einsetzen. Daher lieber gar keine«." Das kleine neugeborne „Salzburger Tagblatt" spricht als Antisemitenorgan vom „Stande der Wiffenschast". Ich kenne zwar alle geistig de»

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