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Freies Blatt · 1896-03-08 · 205 (8.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
205 (8.3.1896)
Date
1896-03-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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5r c 11• Statt. Sfttc 3 - r Nr. 205. * Privatpersonen deS Nordens unterhalten und haben den Zweck, taCcntvolle Neger für den gelehrten Beruf vorznbereitcn. Aberwie soll ein Ar;t ohne Patienten, ein Advocat ohne Clienten oder ein «Prediger ohne Gemeinde sein Dasein fristen? Für gelehrte Neger, ist also äuge»- blicklich noch kein ergiebiges Arbeitsfeld zu finden, wohl aber für praktisch ansgebildete Farmer und Handwerker, und da man dies bereits im Süden eingesehen hat, so ist man dort auch bestrebt gewesen, Hand fcrtigkcits- und Ackerbauschulcn für die Knaben und Koch- und Weil, schulen für die Mädchen ins Leben zu rufe». Dieselben werde» jedoch größtcntheils aus Privatmitteln unterhalten, welche im Norden gesammelt werden, denn die Südländer selber habe» nichts für derartige Anstalten übrig und suchen auf alle erdenkliche Weise die öffentlichen, für Schul zwecke bestimmten Gelder den Negern vorzncnthaltcn Daß besonders der Ackerbau im Süden noch sehr im Arge» liegt, weiß man dort genau, und deshalb beschloß, um nur ei» Beispiel a» znführcn, die gesetzgebende Bersaminlnng von Tcuncssec im Dcecmbcr 1*7!», ei» Lehrbuch der Agricultur auf Staatskosten hcrauSzngebc», jedoch nnr, wie in jenem Beschlüsse ausdrücklich bemerkt ist, für weiße Farmer, da man nur diese allein in die Geheimnisie der raiionelle» LandwMh schaft einwcihcn, die Neger aber in ihrer alte» llii.wisscnhcit und Abhängigkeit erhalten wollte. Gegenwärtig bestehen im Süden 1(3.000 aus öffentlichen Geldern unterhaltene Negcrschnlen; dazu kommen noch 22 Collegic», in denen höherer Unterricht erthcilt wird. Cs gibt 71 Lehrerseminare, welche 12.000 Schüler beherbergen. Die 2-1 tbeologischcn Anstalten zur Heran bildung von Negerpredigern werden gegenwärtig von 7<>0 Studenten besucht, während die fünf Juristcnschulcn nnr von t»-l Hörern frcgncntirt sind. Zwei Institute aber haben sich als wirklicher Segen für die. Nezerjugend erwiese», nämlich die Claflin Universit» in Süd Carolina und Hampton College in Birginicn, denn beide habe» cS sich zur Aufgabe gemacht, die Lieger zu tüchtige» Farmern und Handwerkern zu erziehen. Das letztgenannte Institut wurde kurz »ach dem Kriege mit geringen Mitteln gegründet; heute hat cS bereits außer einigen indianischen, chinesischen und cubanischcu Schülern (>."»0 aus 22 Staaten stammende Negerstudentc», denen 00 Gebäude mit allen crdcntlichcn Maschinen und Werkstätten zur Bcrfügung stehen. I» der Claflin Universitn wird der Handfcrtigkcitsnntcrricht mit rühmlicher Umsicht betrieben; die Schüler müssen sich erst die Anfangsgründe verschiedener Handwerke aneigncn, um dann dasjenige, welches ihrer Neigung bc ' sonders entspricht, gründlich zu erlerne», so daß sic später als gewandte Schuster, Schneider, Tischler oder Farmer leicht ei» sicheres Brot finde». Die Mgdchcn dieser Anstalt werden im Bcrfcrtigcn von Kleidern, Kochen und in sonstigen Handarbeiten unterwiesen. Da die Zöglinge dieser Anstalt fast ohne Ausnahme unbemittelte junge Leute sind, so sind sic selbstverständlich gezwungen, sich während ihrer Lehrjahre der größten Sparsamkeit zu befleißen. Bierzig oder fünfzig von ihnen bilden daher einen Consulnvcrein, welcher auf streng durchgeführtcn commnnistischcu Principicn beruht, so daß Jeder sämmtliche monatliche» Bedttrfniffc mit der unglaublich geringe» Summe von ti */3 Dollars bestreiken kan». Sic essen gemeinschaftlich, und zwar reichlich und gut; daß ihre Mahlzeitcn billig hergcstcllt werden könne»,' dafür sorgen einzelne Comitüs, deren Pflicht cs ist, Kartoffel, Fleisch, Gemüse n. s. w. im Großen baar cinzukaufcn. Die Bedienung bei Tische sowie das Ncinigcn des Geschirres btsorgen die Zöglinge natürlich selber« Der südliche Staatsmann I. C. Calhonn hatte einmal die Bemerkung gemacht, daß er die Sieger für Mensche» halten wolle, sobald er einen gesehen habe» werde, der in der griechischen Syntar bcivandert sei. Wenn er noch heute hicnicdcn wandeln würde, so könnte er leicht die Bekanntschaft einiger schwarzer Professoren der classischcn Sprachen machen und unter ihnen eines, der eine griechische Grammatik versaßt hat. Daß sich aber, wenigstens voläusig noch, für den gelehrten Neger kein paffender Wirkungskreis vorfindct, dies haben selbst der in Washington lebende hochgebildete Negerpastor Crummcll sowie der talentvolle New-L-orkcr Neger-Journalist Fortune eingcschen und deshalb mit aller Energie die Ansicht vertreten, daß der Neger zunächst vor Allem zu einem nützlichen Handwerker und praktischen Landwirth ansgebildet und überhaupt zum Fleiß und zur Sparsamkeit erzogen werden j müsse, um sich eine unabhängige Existenz gründen zu können. Auf dem Gebiete der Journalistik habe» die Neger besonders im letzten Jahrzehnte erstaunliche Fortschritte gemacht, wie schon aus der Thatsachc erhellt, daß im Jahre 18dO in de» Bereinigten Staaten 31, im Jahre 1890 aber schon 15-1 von Negern gedruckte und hcransgcgcbcnc Wochenschriften erschienen. Die afro-amcrikanischc Preffc bildet somit schon eine Macht, mit welcher hauptsächlich Politiker in Wahlzeiten zu rechnen haben. Es. ist bcmerkenswcrth, daß sich auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Ncgerfrauen der Journalistik gewidmet hat. Neger-Schriftsteller gibt eS bereits gegen 300; hervorragende Leistungen hat bisher allerdings nur einer anfznwciscn, nämlich der Historiker George M. Williams, welcher eine zweibändige Geschichte der Negcrrace verfaßt hat. Für die geistige Fortbildung der Neger, sorgen überall bestehende literarische Gesellschaften: ihr poluijchcs In tcrcssc wird durch die vielvcrzwcigte „Afro-Aincrirali Lcagnc" vertrete» Im Allgemeinen kann man sage», daß der Neger in den Süd staaten de» dortigen Weißen an Bildung so ziemlich ebenbürtig ist und daß ihm daher, besonders wenn er nnbcschränticn Gebrauch von seinem Stimmrechte machen kann, eine glänzende Zutnuil bevorstcht. Der Süden wird schon wegen seines Klimas von den europäischen Ein Wanderern nicht ausgesucht, und viele der dort lebenden Amerikaner sind noch immer der alten Ansicht, daß die Handarbeit den Menschen entwürdige. Sie sind daher znsricdcn, wenn sie von der Hand in den Mund lebe» können, so daß selbst die 'Neger Von ihnen als dem -|'""r white trnsb“ oedcn. Nach 250jährigcr Srlavcrei befanden sich die amerikanische» Neger auf einmal ini Bcstlze aller Bürgerrechte: sie besaßen damals weder Land noch Häuser, Schulen oder Kirchen, heute aber, nachdem sie.sich kaum ein Mcnjchenaltcr der Freiheit crfrcnl, haben sie sich Alles ans eigener .Kraft erworben, nnd alle Anzeichen sprechen dafür, daß sie in nicht allzu ferner Zeit de» nnl-lichstcn und treuesten Bürgern der nord aincrikanifchc» Nepublik werden zugczählt werde» müsse». B c r n h a r d M ü n;. . (Prostssor Mnrchet nbkr die Lagt.) In einer liberale» Wähler- Versammlung im VIII. Bezirke hielt Rcichsrathsabgcordnctcr Profcffor Dr. Marchet eine mit lebhaftem Bcifalle anfgcnoinmenc Üecdc über die iuitere Lage. Er beschäftigte sich zuerst mit-der Pcrfönlichtcit des Prinzen Alois L i c ch t e n st c i n, der dazu auScrfehen worden, dem Bolle dadurch zn schmeicheln, daß cs mit einem effcrkiven Prinzen,, einem Prinzen von Fleisch und. Blut, freilich von wenig Fleisch nnd . wenig Blut,-in Berührung treten tönnc. Im Namen der Freiheit, fuhr der Redner fort, werde von den Antisemiten jede Autorität bctämpft; cs gebe keine Autorität mehr! Wir stehen inmitten eines Bürgerkrieges. Das Dictat, die Tnrannie herrsche in unserem politischen wie in unserem cominnnalc» Lebe»; und dieser Schmutz, er sei bereits zu einem Punkte emporgesproffen, wo jeder Scstcrrcichcr aiu empfindlichste» sei. Wenn dies so fortgehe, dann könne man nur mit Bange» der Zutunft Oesterreichs cntgcgcnfchc». Nach .einem Hinweis auf die tnrbnlcntcn Borgänge im Landtage, im Rcichsrathc wie früher in der (Gemeinde. Vertretung sagte Dr. Marchet, die reine Anarchie sei cingetrctcn.? ic Beschwerde gegen die Nichtbestätigung Lncger's an de» BcrwaltnngS gcrichtshof erscheine als eine mit Bedacht und CnniSmus iizsecnirte Komödie. Die- Zustäudc seien solche geworden, daß von vielen Seiten ' bereits ein gesunder AbsolntismnS als das richtigste Heilmittel bezeichnet worden sei. Wohin solle-all dieS führen? Nur znm Sclsisfbrnch. Der Antisemitismus habe keine Zukunft: die todtc Hand halte ihn fest nnd werde ihn erst loslaffen, bis sic an scincrstatt die Herrschaft an sich gerissen habe» werde. Der Kampf gehe jelzl nicht mehr gegen die Inden allein, sondern gegen Jeden, der mehr habe als der 'Andere. In seinen weiteren Ausführungen entwarf Dr. Marchet ei» erschütterndes Bild von den trostlosen Zuständen. nnieres öffentlichen Lebens. Neid und Mißgunst feiern die wüsteste» Trgicn. Allein die Zukunft, schloß er, gehöre den Ideen und nicht den Menschen. Möge die Reaetion jetzt siegen, mögen die Breschen erstürmt werde», den Math dürie man nicht verlieren. Glauben wir trop der schlimmen Gegenwart an nnscrc Idee, nnd die Znkuft werde unser sein. (Tcr Füll Ntlllllüllll.» Der ehemalige Solliritator Johann Neu mann, gegen den Dr. Granitsch die Strafanzeige wegen Erpressung erstattete, hat an denselben im Laufe der llntersnchnng folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Doctor! Ich wende mich mit gegenwärtiger Bitte an Sie, weil mein zukünftiges Schicksal ganz in Ihrer Hand liegt." Es ist wahr, ich habe am s. Jänner d. I einen Brief an Sie gerichtet, der Sie schwer verletzte. Ich bat in dem selben, daß Sic einen Ausgleich mit der ConcnrSmaffe Klier befördern mögen, legte aber in nicht zn rechtfertigender Weife die Abschrift'einer Abschrift eines ProvisionsfchrcibcnS bei, in welchem dritte Personen auch Ihres NamenS als eines an der Provigon zu Bcthciligcndcn Erwähnung gcthan haben sollten. Jept weiß ich sowohl in Folge der Borhalte des Herr» Untersuchungsrichters gls der mir vorgelc,zencn maßgebenden Zeugenaussagen, daß der ProvisionSbrics ein Falsnm war. ES ist aber andererseits auch durch die Ihnen zugänglichen Unter snchungsactcn erwiesen, daß ich weder an der Fälschung mitgcwirkt habe noch von derselben Kenntniß hatte. Ich appcllire daher an Ihre Güte und Menschlichkeit und bitte Sic, einen Familienvater zu schonen und ihn nicht in seiner Existenz zn vernichten, und lege, überzeugt von Ihrem Edelniuthc, mein Los und jenes meiner Familie in Ihre

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